Dies ist ein KI-Transkript, nur minimal nachberabeitet. Enthält Fehler.
Henner:
[0:10] Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Christian.
Chris:
[0:13] Moin Henner.
Henner:
[0:14] Christian, wann hattest du denn dein erstes CD-Laufwerk im PC?
Chris:
[0:18] Ah, 94 schätze ich müsste das gewesen sein. 93 oder 94.
Henner:
[0:23] Also auch wie alle anderen nach Rebel Assault oder Seventh Guest.
Chris:
[0:28] Ja, Rebel Assault war die Killer-App. Ein Freund aus der Schule und ich haben überlegt, ob wir uns gemeinsam ein Single-Speed-Laufwerk anschaffen sollen, den Preis teilen und sind dann irgendwie nicht übereingekommen, wie die Logistik von dem Ganzen aussehen soll, weil das hätte ja hin und her wechseln müssen zwischen unseren jeweiligen Rechnern. Und haben diesen Plan dann wieder ad acta gelegt. Aber das war spezifisch wegen und für Rebel Assault geplant, diese Anschaffung. Und dann hat es doch noch ein bisschen gedauert, bis dann ein Double-Speed-Laufwerk in meinen PC und nur in meinen PC einen Zug gefunden hat. Und mein Freund hat sich ja auch einzubekommen.
Henner:
[1:00] Ja, das war eine gute Entscheidung. Aber mit 93, 94 warst du ja relativ spät dran. Da kamen dir Commodore ein paar Jahre zuvor. Die hatten nämlich schon 1991 einen Amiga im Angebot mit CD-Laufwerk und das ist ja auch auf dem Papier zumindest die perfekte Synergie. Der Amiga, wie wir ihn ja gerade in einer Folge ausführlich vorgestellt haben, ist ja eine Multimedia-Maschine und die CD-ROM ist das Multimedia-Medium. Das eignet sich für Musik, für Videos und für komplexe Software, auch für Spiele. Und diese Symbiose, die könnte dem Amiga nun den Weg in die Zukunft ebnen. Stattdessen hat aber diese Zusammenführung von der Amiga-Technik und der CD-ROM-Technik das Ende des Amigas eingeläutet, mit gleich zwei aufeinanderfolgenden Flops, dem CDTV und dem CD32. Und über die wollen wir heute mal sprechen.
Chris:
[1:54] Genau, das sind unsere beiden Themen. Das werden wir auch auf zwei Folgen aufteilen in dieser Mini-Staffel. Und das knüpft thematisch natürlich an an unsere Staffel zum Amiga. Keine Sorge, diese Staffel hier zu CDTV und CD32 kann man problemlos für sich hören. Das setzt kein Vorwissen voraus. Wir werden aber jetzt in die Vorgeschichte des Amigas nur ganz grob eingehen und verweisen an dieser Stelle auf die Staffel für den Amiga, wenn man sich dafür interessiert. Heute geht es gekapselt um diese beiden Geräte, um das CDTV und das CD32.
Henner:
[2:25] Ganz genau. Und da können wir auch anfangen, denke ich, bei einem kurzen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Amigas und wirklich ganz kurz, denn alles andere habt ihr ja schon in der Haupt-Amiga-Folge gehört. Amiga beginnt erstmal nicht als Commodore-Produkt, sondern Amiga ist zunächst mal ein Start-up, ein eigenes Unternehmen und das wird zu Beginn der 80er Jahre gegründet von ehemaligen Atari-Ingenieuren. Die wollen zunächst eine fortschrittliche Konsole bauen, die sich eventuell auch zum Heimcomputer aufrüsten lässt. Dann kollabiert der US-Konsolenmarkt 1983 und diese Start-up schwenkt um auf die Entwicklung eines reinen Computers, der technisch anknüpft an den Atari 400 und 800.
Henner:
[3:11] 1984 dann wird diese junge Firma übernommen von einem etablierten Computerhersteller, der gerade selbst nach einem neuen System sucht, nämlich Commodore. Die sind ja erfolgreich mit dem C64 vor allem und die suchen etwas, ein Gerät der nächsten Generation, etwas was sie in die 16-Bit-Ära hineinträgt. Das haben sie im Amiga gefunden und bringen 1985 den Amiga 1000, also als Commodore-Produkt raus, als professionelles Arbeitsgerät. Da drin stecken eine 16-Bit-CPU, das ist der Motorola 68000 und ein selbstentwickelter Chipsatz, das ist das Herz des Amigas eigentlich bis zum Schluss. Dieser Chipsatz, der erlaubt vor allem eine sehr flexible, sehr farbreiche 2D-Grafik und digitalisierte Klangwiedergabe. Der erste Amiga ist trotz dieser Fähigkeiten nur mäßig erfolgreich, bis Commodore 1987 einen Nachfolger bringt, sogar zwei Nachfolger für den Amiga 1000, die jeweils eine andere Zielgruppe adressieren.
Henner:
[4:12] Der größere von den beiden ist der Amiga 2000. Das ist ein erweiterbarer Arbeitsrechner, eine Multimedia Workstation. Wird dann auch vor allem eingesetzt für Bildverarbeitung und für Videoproduktion. Und darunter angesiedelt ist der Amiga 500. Das ist das Einstiegsgerät und der ist primär ein Gegner für den Atari ST, ein Heimcomputer. Der wird sehr erfolgreich, vor allem in Europa und dort auch zur sehr beliebten Spieleplattform, durchaus eine Konkurrenz zu den Konsolen. Und auf diese Weise wird er jetzt zu einem inoffiziellen Nachfolger des C64 und löst, glaube ich, in vielen Haushalten auch andere 8-Bit-Heimrechner ab, wie die alten Atari-Rechner oder ZX Spectrum und andere Systeme.
Chris:
[4:56] Aber dass das eine Weile dauert, bis der Amiga Erfolg im Markt findet, das hat natürlich auch seinen Preis. Denn zu diesem Zeitpunkt, also wir sind jetzt hier Ende der 80er, Anfang der 90er, da beginnt die Plattform zu veralten. Der Chipset wird kaum weiterentwickelt, auch der Prozessor verharrt auf dem Stand von 1985 und parallel geht ja die Entwicklung von den Konkurrenzsystemen, insbesondere den IBM-kompatiblen PCs weiter. Die werden immer schneller, die werden spieletauglicher, die werden auch günstiger. Die kommen aus den Büros raus und in die Haushalte. Und wir haben um die Jahrzehntwende dann, um 1990, haben wir dann in den vielen von diesen IBM-PCs schon 386er drinstecken. Der Intel 386 ist ja auch im Jahr 1985 in den Markt eingeführt worden. Das dauert dann immer eine Weile, bis sich sowas in der Masse verbreitet. Aber das ist dann Ende der 80er, Anfang der 90er der Fall.
Chris:
[5:47] Und der ist wesentlich leistungsstärker als der 68.000er. Es gibt ja das Originspiel Wing Commander als so eine Art Wasserscheide. Das läuft zwar nominell noch auf einem 286er, aber empfohlen wird für das Spiel auf dem PC ein 386er. Und es gibt auch eine Amiga-Version davon, die ist auf einem Amiga 500 durchaus spielbar.
Chris:
[6:07] Aber man merkt halt, wie dieses System an seine Grenzen kommt, Und wie der 68.000er da arbeiten muss, um einen Wing Commander darstellen zu können, während ein 386er das spielend hinkriegt.
Chris:
[6:18] Und parallel dazu haben wir natürlich auch Konkurrenz aus dem Konsolen-Segment. Die Konsolen kommen auch aus der 8-Bit-Ära und jetzt kommen die 16-Bit-Geräte. Also die PC Engine 1987 ist das erste von diesen Geräten, aber relevant im Westen vor allen Dingen das Mega Drive und das Super NES. Und angesichts dieser Marktsituation muss Commodore jetzt handeln.
Henner:
[6:42] Ja und eine Möglichkeit wäre ja, eine eigene Konsole zu entwickeln, um diesen 16-Bit-Geräten was entgegensetzen zu können, was auch auf dem US-Markt vielleicht bessere Chancen hat, denn dort ist der Amiga traditionell nicht so stark wie in Europa. Dort herrschen die Konsolen vor. Und Commodore hat durchaus, das wissen wahrscheinlich nicht alle, zu dieser Zeit schon Erfahrung auf dem Konsolenmarkt. Schon seit den 70ern sogar. Denn in den späten 70er Jahren hat Commodore, wie so viele andere auch, zwei Pong-Klon-Konsolen auf den Markt gebracht. Die hießen Commodore TV Game 2000K und 3000K. Und ja, wie bei all diesen Geräten sind da ein paar Spiele fest integriert. Also die haben keine wechselbaren Module oder sowas. Und all diese Spiele sind Varianten von Pong. Aber dabei ist es auch nicht geblieben, denn es kam später noch eine Commodore-Konsole auf den Markt.
Henner:
[7:34] 1988 war es, da hat Commodores langjähriger Vorstandsvorsitzender Irving Gold in der Entwicklungsabteilung von Commodore ein neues Gerät in Auftrag gegeben und zwar einen funktionsreduzierten Amiga 500, ein kleineres, technisch vereinfachtes Gerät.
Henner:
[7:51] Das nur den halben Arbeitsspeicher bekommen soll, 256 Kilobyte statt 512, soll einen Modulschacht bekommen, wie bei Konsolen üblich ist, anstelle des Diskettenlaufwerks und zwei Joystick-Anschlüsse. Also alles, was eine Konsole braucht. Maus, Tastatur, Diskettenlaufwerk, das kann man alles weglassen. Die sollen sich anschließen lassen, aber die sind nicht fest integriert oder beigelegt. Und so soll eine Konsole entstehen, die sich aufrüsten lässt zum vollwertigen Computer, wenn man das möchte. Das ist ja ein Konzept, das ursprünglich schon mal geplant war für den Amiga und jetzt wird diese Idee wiederbelebt, Ende der 80er Jahre. Und aus diesem Projekt entsteht auch ein Prototyp, der heißt intern Amiga 250. Und der wird im Januar 89 ausgewählten Besuchern auf der CES, auf der großen Elektronikmesse vorgestellt, also nicht dem breiten Publikum, sondern nur einigen ausgewählten Fachbesuchern. Und die Reaktionen sind wohl so verhalten positiv. Commodore hält erstmal an den Plänen auch fest, aber nicht lange, denn als Gold irgendwann mal spitz kriegt, wie viel das eigentlich kosten würde, dieses Gerät zur Marktreife weiterzuentwickeln. Also die Hardware zu finalisieren, die Serienfertigung zu starten und die entsprechenden Module herzustellen, die das ja braucht, stellte das Projekt auch schon wieder ein. Ende Januar 89 ist es schon wieder am Ende.
Henner:
[9:14] Das Problem sind vor allem die Module, die sehr teuer in der Fertigung sind. Da sind ja Speicherchips drin, die sind in der Fertigung viel teurer als Disketten. Und das sind ja in vielen Fällen schon Spiele, die sich verteilen auf mehrere Disketten und das bedeutet 1,5 bis noch mehr Megabyte, die dieses Modul fassen müsste und das erhöht die Produktionskosten gewaltig.
Chris:
[9:37] Nur um das kurz in Relation zu stellen, wir sind ja hier noch in der Ära, wo das NES von Nintendo die populärste Heimkonsole ist und da fasst so ein Modul 1 bis 3 Megabit, das sind also 375 Kilobyte und eine Amiga-Diskette fast 880 Kilobyte. Also so ein typisches NES-Modul hat nicht mal die Hälfte des Speicherplatzes wie eine einzelne Amiga-Diskette. Und auch das Mega Drive, das ist ja in Japan schon draußen zu dieser Zeit im Jahr 89, da ist die Standardgröße der Module 4 Megabit, also ein halbes Megabyte. Auch nicht ausreichend, um überhaupt eine einzige Amiga-Diskette abbilden zu können. Also man merkt, was für ein Platzbedarf auf diesen Modulen drauf wäre. Und das ist, wie du schon sagtest, teuer. Wegen den Speicherchips. Man bräuchte ein Medium, auf das mehr draufpasst, deutlich mehr und das nicht so viel kostet wie Module. Das wäre nicht schlecht, aber da sind wir noch nicht.
Henner:
[10:28] Das sind wir doch nicht, genau. Denn dieses Projekt wird erstmal beerdigt wieder,
Henner:
[10:32] aber ich habe es ja gerade eigentlich versprochen, dass Commodore nochmal den Konsolenmarkt betreten würde und das passiert jetzt auch, wenn auch nicht mit einem abgespeckten Amiga, wie ursprünglich vorgesehen, sondern mit einem abgespeckten C64. Der kommt ja jetzt langsam arg in die Jahre. Das ist ja immer noch ein altes 8-Bit-System. Und trotzdem muss diese Plattform jetzt nochmal herhalten für ein neues Gerät. Und ein Ingenieursteam fängt im Jahr 1990 nun an, den alten C64 auf ein, genau wie beim Amiga 250, ein kompaktes, tastaturloses und modulbasiertes Spielegerät runterzuschrumpfen. Und das Ergebnis ist das C64 Games System. Und das sieht also aus wie ein C64, dem man die Tastatur geklaut hat. Das Gerät leidet leider unter mehreren Problemen. Man kann keine Laufwerke anschließen, anders als beim C64. Das heißt, die ganzen klassischen C64 Spiele, von denen jeder Haushalt mehrere Diskettenboxen voll hat, die lassen sich damit nicht laden.
Henner:
[11:32] Man ist angewiesen auf die Module. Und wir haben ja gerade gehört, wie teuer Module sind. Und ohne die Tastatur sind auch viele davon gar nicht zu steuern. Die sind ja oft auf die Tastatur angewiesen. Nun liegt dem C64 Games System ein Joystick bei, aber der ist grauenvoll, der ist legendär schlecht. Damit kann man die Spiele also auch nicht vernünftig steuern. Und ja, die wenigen Spiele, die dafür rauskommen, sind leider in den allermeisten Fällen einfach Umsetzungen, also Neuauflagen von bekannten C64-Titeln. Da ist also keine Killer-App dabei, nichts, wofür es sich lohnen würde, dieses C64-Games-System zu kaufen. Und noch dazu ist dieses Games-System kaum billiger als ein richtiger C64.
Henner:
[12:12] Und teurer als ein NES und auf dem kann man Mario 3 spielen. Also wer braucht da noch dieses Games-System? Das Ganze ist also ein vorhersehbarer Fehlschlag. Das erkennt auch die Presse. Die 64er, dieses C64-Magazin, nennt das System im Januar 92 ein fehlgeschlagenes Experiment.
Henner:
[12:33] Und die Kritik ist, das sei halt einerseits nicht als Computer nutzbar, anders als der reguläre C64. Und andererseits könnte das mit modernen Videospielkonsolen nicht mithalten. Und du hast es ja schon beschrieben, seit 88 ist das Mega Drive da. Also der Konsolenmarkt ist eigentlich schon in der 16-Bit-Ära angekommen. Also das hilft alles nichts. Man hätte schon diesen Amiga 250 gebraucht, aber mit diesem C64GS hat man nichts in der Hand gegen die aufkommenden Konsolen. Das Problem ist also weiterhin dasselbe. Die Amiga-Plattform wird mehr und mehr bedrängt von den günstigen und leistungsfähigen
Henner:
[13:09] Konsolen. Ja und jetzt kommt eine mögliche Rettung. Du hast ja gerade schon gesagt, man bräuchte ein günstiges neues Speichermedium mit viel Speicherkapazität und das gibt es ja schon längst, nämlich die CD-ROM.
Chris:
[13:22] Ja, das gibt es schon eine ganze Weile zu diesem Zeitpunkt. Das basiert natürlich auf der Compact-Disc, auf der CD, die entwickelt wurde von einem Konsortium, einer Kollaboration zwischen den Firmen Philips und Sony. 1982 ist die Audio-CD auf den Markt gekommen, aber schon im Jahr darauf, 1983, wird eine Spezifikation erstellt für eine CD als Datenträger, um Computerdaten speichern zu können, also die CD-ROM.
Chris:
[13:49] Als vorläufiger Standard, wie gesagt 1983, es dauert dann bis 86, bis die ersten Laufwerke auf den Markt kommen, die tatsächlich solche CD-ROMs lesen können. Und die Apple-Geräte, also der Macintosh, die kriegen zwei Jahre später, 1988, dann auch solche Laufwerke. Ab diesem Moment kann man theoretisch in seinem PC oder Mac bereits CD-ROMs
Chris:
[14:09] nutzen und entsprechende Laufwerke drin haben. Der erste Computer der Welt, der standardgemäß mit einem CD-ROM-Laufwerk ausgeliefert wird, kommt in Japan auf den Markt im Jahr 1989. Das ist der FM Towns von Fujitsu. Ja und so eine CD-ROM, da passt ziemlich viel rauf. Viel mehr als auf so ein Spielmodul, nämlich mindestens 550 Megabyte. Das ist aus der Perspektive des Modul- und Diskettenzeitalters unglaublich viel. Stand man davor und dachte, wie kann man jemals so viel Platz füllen? Zum Vergleich, eine typische Festplatte dieser Ära hat 10 oder 20 Megabyte und die CD-ROM 550. Also die Dimension ist gewaltig. Und noch dazu ist so eine CD-ROM wahnsinnig günstig herzustellen. Insbesondere natürlich im Vergleich zu den alternativen Datenträgern, also Modulen oder Festplatten, die auch in der Lage wären, theoretisch größere Mengen an Daten aufzunehmen als so eine Diskette.
Chris:
[15:06] Nun, diese ersten CD-ROMs werden nicht für Spiele benutzt, sondern in erster Linie sind das Nachschlagewerke, Datenbanken, die darauf ausgeliefert werden, also seriöse Programme. Aber schon Ende 1988 bringt in Japan NEC ein CD-ROM-Laufwerk für die japanische Konsole PC Engine auf den Markt und damit dann auch die ersten CD-ROM-basierten Spiele, nämlich Monster Lair und Fighting Street. Und auf der CES, also der Computermesse in den USA im Januar 1989, das ist die gleiche Messe, wo Commodore den Amiga 250 vorgestellt hat, der dann nie auf den Markt kam, da ist der Trend zur CD als Datenträger schon nicht mehr zu übersehen. Dort präsentiert also NESI die US-Version dieses CD-Laufwerks für die PC Engine, das heißt in den Staaten Turbo Graphics CD. Und CinemaWare, die Spielefirma, zeigt eine CD-Version von Defender of the Crown. Die erscheint zwar nie, diese Version des Spiels, aber dafür gibt es andere CD-Spiele, die da jetzt in dieser Zeit dann auf den Markt kommen.
Chris:
[16:12] Das erste Spiel, das auf dem PC als CD auf den Markt kommt, ist The Manhole. Das kommt 1989 raus. Im Vorjahr, 1988, ist das als Deskettenversion erschienen. Und jetzt kommt es also nochmal raus als CD-Version. Und damit werden die Türen aufgestoßen für CD-Spiele.
Henner:
[16:28] Jetzt stellt sich für die Spielehersteller allerdings die Frage, was machen wir denn mit so viel Platz? Und die meisten frühen CD-Spiele, die finden darauf vor allem eine Antwort, sie packen digitale Musik drauf, also nach dem Audio-CD-Standard als musikalische Untermalung des Spielgeschehens und später packen sie dann auch komplexere Grafiken da drauf, Sprachausgabe für Adventures, Videosequenzen manchmal. Und damit läutet die CD-ROM dieses große Multimedia-Zeitalter in der Computerbranche ein. Das ist ja ein großes Schlagwort Anfang der 1990er. Da gibt es keinen PC, der ohne das Schlagwort Multimedia beworben würde. Und 1990 entwickelt dann auch ein Firmenkonsortium, angeführt von Microsoft, eine Systemspezifikation für Multimedia-fähige PCs. Dieser Standard nennt sich MPC und bekommt auch ein eigenes, ziemlich hässliches Logo. Ist also vor allem ein Marketinginstrument, das helfen soll, die Multimedia-Tauglichkeit von Windows-Rechnern zu fördern und zu verändern. Zu bewerben. Der Standard setzt sich in dieser Form zwar nicht durch, aber multimedia-tauglich werden die PCs dann trotzdem.
Henner:
[17:35] Das liegt allerdings vor allem an den Killer-Applikationen, die dann 1993 auf den Markt kommen und die haben wir zum Teil gerade schon genannt. Das sind vor allem die Spiele Rebel Assault, Seventh Guest und auch Myst. Die verleiten viele dazu, sich jetzt endlich für ihren PC auch mal ein CD-Laufwerk zu kaufen.
Henner:
[17:55] Jetzt ist also die CD-ROM im Massenmarkt angekommen. Das hätte allerdings schon viel früher stattfinden sollen, zumindest wenn es nach Philips und Sony gegangen wäre, die ja schon wie du es erzählt hast, in den frühen 80ern eigentlich die CD-ROM als solche entwickelt und als Datenträger vorgesehen haben. Das hat also noch eine ganze Weile gedauert. Philips hat das noch auf anderem Wege versucht. Die hatten gar nicht vor, die CD-ROM als PC-Medium in den Markt zu bringen und durchzusetzen. Die hatten ihr eigenes Format auf CD-Basis entwickelt und 1986 angekündigt, nämlich CD-i, also eine Plattform für interaktive CD-basierte Multimedia-Player. Die ersten CD-i-Geräte, die sollen schon 1987 eigentlich rauskommen. Daraus wurde nichts, warum nicht, das könnt ihr euch gerne nochmal anhören in unserer CD-i-Folge. Die Idee dahinter ist aber eigentlich gar nicht so schlecht. Also sie versuchen hier ein Gerät in den Markt zu bringen, das technisch angelehnt ist an einen Computer, aber viel leichter zu bedienen. Ohne eine Tastatur, stattdessen komplett zu steuern mit einer Fernbedienung, wie man sie aus dem Wohnzimmerkontext schon kennt. Angeschlossen an einen Fernseher, nicht an einen Monitor.
Henner:
[19:07] Und das ist so ein Gegenentwurf zu den PCs und den Heimcomputern dieser Zeit, aber eben auch Multimedia-tauglich. Diese Geräte brauchen allerdings in der Entwicklung dann noch etwas länger als von Philips vorhergesehen. Die allerersten Modelle kommen erst 1990 auf den Markt von Sony, das sind rein japanische Handheld-Modelle und die eigentlich von Philips geplanten wohnzimmertauglichen Standalone-Geräte, die kommen erst 1991.
Henner:
[19:34] Also Philips versucht hier eine eigene CD-basierte Multimedia-Plattform mit
Henner:
[19:39] Computertechnik auf den Markt zu bringen und Philips ist damit nicht alleine, denn Commodore versucht jetzt genau das gleiche, denn auch bei Commodore hat man natürlich längst erkannt, welches Potenzial in der CD-ROM steckt.
Chris:
[19:52] Ja, das ist ja auch kein Wunder, weil der Amiga ist ja von Anfang an eine Multimedia-Plattform. Der kann mit digitalisierten Fotos umgehen, der kann mit digitalisierten Klängen umgehen. Gleich mehrere Amiga-Anwendungen etablieren sich in dem Bereich als Branchenstandard. Das Zeichenprogramm Deluxe Paint zum Beispiel oder die Videolösung Videotoaster oder das Multimedia-Authoring-System Scala. Aber ein CD-Laufwerk gibt es für den Amiga zunächst nicht. Wo wir ja vorhin schon erwähnt haben, dass ab der zweiten Hälfte der 80er die PCs und die Macs damit ausgestattet werden können, bringt Commodore sowas für den Amiga nicht auf den Markt.
Chris:
[20:26] Aber hinter den Kulissen bei Commodore wird mit optischen Laufwerken schon experimentiert zu dieser Zeit. Und zwar geht das schon 1987 mit ersten Experimenten los, aber der wesentliche Meilenstein passiert im Jahr 1989, als nämlich Commodore’s leitender Produktentwickler Don Gilbreth ein CD-Laufwerk mit einem Amiga 500 verbindet und damit dann über ein von ihm selbst entwickeltes Interface Musik-CDs wiedergeben kann, die Wiedergabe mit dem Amiga steuert. Und auf Basis von dieser Erfahrung arbeitet er dann zusammen mit einem Kollegen ein Konzept aus, das den Amiga und die neue CD-Technik vereint. Aber dieses Konzept sieht nicht etwa vor, dass jetzt ein handelsüblicher Amiga ein CD-Laufwerk bekommen würde.
Chris:
[21:12] Sondern der Gedanke, die Idee hinter diesem Konzept von Gilbreth ist eigentlich genau die gleiche wie bei dem CD-Eye, das ja schon vor einer Weile von Philips angekündigt war, aber auf sich warten lässt. Also der Gedanke ist hier, auch einen wohnzimmertauglichen Player zu machen, auf Basis eines Amigas und natürlich eines CD-ROM-Players, aber nicht als Computer. Sondern als Gerät für den Fernseher im Wohnzimmer. Da gibt es ein Strategie-Meeting bei Commodore in der Mitte des Jahres 1989 und dort präsentieren Gilbreth und sein Kollege dieses Konzept und sie erhalten dann vom Vorstandsvorsitzenden Irving Gold und von Commodore’s damaligen Präsidenten Medi Ali die Freigabe, dieses Konzept zu einem Produkt weiterzuentwickeln. Weil das scheint ja auch perfekt zum Amiga zu passen. Der Amiga ist mit seinem Multimedia-Chipset bestens geeignet, um das Potenzial von der CD-ROM-Technologie auszuschöpfen. Und auf dem Heimanwendermarkt fühlt sich Commodore ohnehin wohler als auf dem ziemlich hart umkämpften Büromarkt. Und Irvingold hofft mit einer Verlagerung vom Büro ins Wohnzimmer der wachsenden Konkurrenz durch die IBM-kompatiblen PCs zu entgehen. Weil die PCs wuchern überall rein in die Büros, aber nicht ins Wohnzimmer. Da haben sie noch nichts zu suchen. Und dieses Konzept, das ist jetzt der Startschuss für die Entwicklung des CDTV.
Henner:
[22:35] Commodore ist ja weltweit aufgestellt. Die haben überall Abteilungen und überall auch Entwicklungsabteilungen, nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland zum Beispiel oder in Japan. Und dieses CDTV, das entsteht jetzt in Commodore’s Abteilung für spezielle Projekte. Das ist eine Abteilung, die eigentlich einmalige Entwicklungen ersinnt, eigentlich eher Dinge oder Projekte, Gerätschaften, die nicht für die Massenfertigung gedacht sind. Trotzdem kümmern die sich jetzt darum, dieses Amiga-basierte CD-Gerät zu entwickeln, das ja durchaus ein Massenprodukt werden soll. Diese Abteilung ist sehr weit unabhängig vom restlichen Unternehmen, sowohl organisatorisch als auch finanziell und auch räumlich. Die sitzen da also in ihrem eigenen Gebäude und werkeln dann an ihrem CDTV-System herum. Dafür stellt Gilbreth sein eigenes CDTV-Team zusammen und dieses Team verwendet für das Projekt bald einen internen Codenamen. Das ist BABY.
Chris:
[23:35] Super.
Henner:
[23:36] So entsteht also auf der Basis des Amiga 500 ein Prototyp, der im November 1989 erstmals läuft. Und ein weiterentwickelter Prototyp wird dann im Frühjahr 1990 auch der Unternehmensführung präsentiert. Und die gibt grünes Licht, das Ganze weiterzuentwickeln zu einem Massenprodukt und das Ganze auf den Markt zu bringen fürs Weihnachtsgeschäft 1990. Das ist sehr ambitioniert, denn wir haben jetzt gerade mal einen lauffähigen Prototyp. Aber für die Serienfertigung ist schon noch ein bisschen mehr zu tun und Software braucht so ein Gerät ja auch noch. All das ist eigentlich gar nicht zu schaffen bis Ende 1990 oder im Idealfall, um das Weihnachtsgeschäft komplett mitzunehmen, ja bis Sommer 1990. Das wissen auch einige von den erfahreneren Amiga-Ingenieuren, Jeff Porter zum Beispiel, der tut das damals als viel zu ambitioniert ab. Aber Gilbreth verspricht das zu schaffen und tut dann auch sein Bestes, das wirklich zu erreichen. Mithilfe von verschiedenen Zulieferfirmen, also nicht alles alleine, will er das Gerät bis zum Jahresende fertigstellen.
Henner:
[24:40] Da gibt es allerdings noch eine größere Hürde und das ist gerade das zentrale Element neben der Amiga-Platine, das CD-ROM-Laufwerk. Das ist vor allem ein großer Kostenfaktor.
Chris:
[24:51] Schon wieder. Wie bei den Modulen vorhin. Das gibt es doch gar nicht.
Henner:
[24:55] Ja, die CDs sind billig, aber das Laufwerk dazu ist teuer. Du hast dir mit einem Freund zusammen die Kosten aufteilen wollen für ein Laufwerk und das war 1993. Und hier sind wir 1990, da sind die Dinger noch viel teurer.
Chris:
[25:08] Das ist Hightech. Genau.
Henner:
[25:10] Porter hat später auch mal in dem Interview das so gesagt, was das CDTV wirklich, wirklich, wirklich teuer gemacht hat, war das CD-Laufwerk. Und das stimmt auch, Ende 1990 kosten solche Geräte im Laden 700 bis 1000 US-Dollar. Die US-Zeitschrift Compute hat damals geschrieben, dass die in den meisten Geschäften überhaupt gar nicht erst zu bekommen seien. Also das ist zu der Zeit noch sehr exotische Technik. Ja, und das bleibt auch bis zum Schluss ein ungelöstes Problem. Dieses Laufwerk bleibt einfach ein wesentlicher Kostenfaktor, auch wenn Commodore hier und da es schafft, die Kosten ein bisschen zu senken. Zumindest die Schnittstelle, die wird günstiger. Auf dem PC herrscht zu dieser Zeit noch SCSI vor oder auch SCSI, wenn man diese Aussprache bevorzugt. Das ist eine Profischnittstelle, die sehr, sehr teuer ist und Commodore entwickelt lieber was Eigenes. Dieser günstigere PATA oder IDE-Standard, der sich später im PC-Sektor durchsetzt, den gibt es zu der Zeit noch gar nicht. Zumindest nicht für optische Laufwerke, nur für Festplatten. Auf den können sie also nicht zugreifen, deswegen entwickeln sie ein eigenes System. Das ist proprietär, das kostet natürlich wieder Zeit und bindet Entwicklungsressourcen, aber es spart auch eine Menge Geld. Trotzdem, wie gesagt, das Ergebnis bleibt zu teuer und das bleibt auch ein Problem für diese Plattform.
Henner:
[26:32] Aber dazu kommen wir noch. Was macht man denn damit? Das ist die entscheidende Frage erstmal.
Chris:
[26:37] Ja genau, so ein Ding braucht ja auch Software und das innerhalb von weniger als einem Jahr zur Marktreife zu prügeln, das ist natürlich auch unter diesem Gesichtspunkt sportlich, denn man möchte ja auch Launchtitel haben zu der Markteinführung und die müssen ja auch irgendwo herkommen. Nun hat Commodore aber in diesem Fall die Strategie schon deutlich festgelegt, nämlich sie selber machen nichts. Es gibt in-house keine Softwareentwicklung fürs CDTV, sondern der Gedanke ist, dass das extern entwickelte Sachen sein sollen. Und es ist auch klar, dass CDTV logischerweise ein sehr teures Gerät werden wird. Wir haben gerade gehört, das CD-ROM-Laufwerk kostet einfach viel, selbst wenn man das hochrechnet auf eine Massenproduktion. Also es zeichnet sich für Commodore schon ab, an dem Gerät selbst werden sie nichts verdienen. Das ist so ein klassisches Lockvogel-Angebot. Kaufe das Gerät für, naja, wir werden ja später noch sehen, was es kostet, aber kaufe dann noch Software dazu und über die Lizenzgebühren dann für diese Software möchte Commodore das Geld verdienen.
Chris:
[27:32] Damit externe Entwickler anfangen, für diese neue Plattform zu entwickeln, müssen sie natürlich dafür erstmal rekrutiert werden. Und im Frühjahr 1990, wo dieser Entwicklungsauftrag rausgeht an die Abteilung von Gold Breath, da machen sich dann auch Leute bei Commodore auf die Suche nach externen Entwicklern, klappern dort die ganzen großen Hersteller ab. Natürlich insbesondere die, die schon auf der CD-ROM unterwegs sind, also Verlage, Hersteller von Nachschlagewerken und von ernsten Anwendungen. Da gibt es zum Beispiel einen Enzyklopädie-Verlag namens Growlier, die sind da schon relativ gut dabei. Aber auch Spielehersteller werden von Commodore angeworben und kommen auch an Bord, um für das CDTV zu entwickeln oder sagen wir eher erstmal zu portieren. Und darunter sind auch große Namen, Electronic Arts zum Beispiel, Interplay, Accolade. Du hattest vorhin gesagt, Commodore hat ja Zweigstellen überall auf der Welt, auch in England. Und Commodore UK knüpft dann auch Kontakte zu britischen Entwicklern oder Publishern, Ocean zum Beispiel, Mirosoft, Psygnosis. Der Entwicklungsleiter Gilbreth sagte später, dass die Entwickler ziemlich leicht zu überzeugen waren, vor allen Dingen, weil die CD-ROM natürlich ein riesiges Platzangebot hat.
Chris:
[28:46] Aber die CD hat zu dieser Zeit ja noch einen ganz anderen wesentlichen Vorteil. Die ist in sich selbst der perfekte Kopierschutz, denn wir sind noch weit vor den CD-R’s, also vor den kopierbaren CD-ROMs. So eine CD, insbesondere wenn sie gut gefüllt ist, ist einfach nicht zu kopieren in dieser Zeit. Und das ist natürlich etwas, was Spielehersteller toll finden.
Chris:
[29:09] Andererseits gibt es auch Einschränkungen, denn für die Spieleentwickler, die jetzt das CDTV umsetzen wollen, sind einige Regeln zu beachten, die für die Amiga-Software, mit der sie ja schon vertraut sind, nicht gelten. Zum Beispiel darf es keine Dropdown-Menüs geben für eine Maus und auch keine Tastatureingaben, denn das CDTV wird standardgemäß nicht mit Maus und Tastatur ausgeliefert werden, soll ja im Wohnzimmer stehen wie eine Konsole. Aber dass so viele von den größeren Spielefirmen da an Bord sind und sagen, ja, wir unterstützen dieses Gerät, das hat auch noch einen zweiten Grund, denn es gibt jemanden, der bei Commodore hilft, diese Softwarepartner zu rekrutieren.
Henner:
[29:51] Ja, ein großer Name kommt ins Spiel. Wir haben ja schon beschrieben, dass Amiga ursprünglich mal von ehemaligen Atari-Leuten gegründet wurde und der Amiga-Chipsatz von einem Atari-Ingenieur entwickelt wurde. Und jetzt kommt ein weiteres Atari-Urgestein ins Boot, nämlich Nolan Bushnell, der Atari-Gründer oder vielmehr Atari-Modell. Wir wollen Ted Depp nicht immer unterschlagen. Und Nolan Buschnell wird jetzt also dazu geholt, der fängt im Mai 1990 an bei Commodore zu arbeiten und dieses CDTV-Projekt zu pushen, vor allem im Marketing. Der hat später in einem Interview mal gesagt, er hätte die Entwicklung des CDTV geleitet. Buschnell ist ein großer Geschichtenerzähler, hier hat er auch ein bisschen übertrieben, das ist wohl nicht so. Der hilft ein bisschen aus mit eigenen Ideen und mit Marketing- und Vertriebsideen, aber er ist nicht der Leiter der Entwicklung. Trotzdem, das hilft natürlich so einen großen Namen an Bord zu haben. Das hilft bei der Anwerbung von Softwarepartnern.
Henner:
[30:46] Offiziell trägt er den Titel des General Manager für interaktive Consumer-Produkte. Aber es gibt einige Commodore-Programmierer, die später gesagt haben, naja, also eigentlich hat er ab und zu mal eine Präsentation gehalten oder war auf Messen zugegen. Aber General Manager ist vielleicht ein bisschen hoch. Der war ab und zu mal da, tauchte auf, sagt dieser Mitarbeiter, führte uns zum Essen aus und dann verschwand er wieder und wir sahen ihn für fünf Wochen nicht.
Henner:
[31:13] Naja, wird auch nicht geschadet haben.
Henner:
[31:15] Nun braucht das ganze System aber noch einen Namen und auch dabei ist Bushnell hilfreich. Der beauftragt nämlich ein externes Unternehmen mit der Namenssuche, denn das Ding soll ja nicht weiterhin Baby heißen, das ist ja nur ein interner Codename. Das Entwicklerteam spricht intern auch von CDA1, Compact Disc Appliance 1. Das ist auch nicht so marktauglich. Und dieses externe von Bushnell beauftragte Unternehmen liefert den finalen Namen und das wird CDTV. Das ist ein Akronym, das nach Commodore-Lesart offiziell nicht etwa für Compact Disc Television steht, wie man es erwarten würde, sondern eigentlich für Commodore Dynamic Total Vision, was arg gekünstelt ist. Ich bin mir nicht so ganz einig mit mir selbst, ob ich diesen Namen total bescheuert oder clever finde. Clever, weil er ja eigentlich zwei Bedeutungen in sich vereint. Es gibt die offensichtliche Bedeutung, irgendwas mit CDs und Fernsehen und diese interne Bedeutung, irgendwas mit dynamischer Vision. Also irgendwie ist es clever, aber andererseits auch doof. Vor allem, wenn das Gerät ja Commodore CDTV heißt und dann heißt das ja ausgeschrieben Commodore, Commodore Dynamic Total Vision.
Chris:
[32:30] Ich frage mich gerade, ist das jemals ausgeschrieben worden eigentlich? Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich den Namen jemals irgendwo in seiner ausgeschriebenen Form gesehen oder gehört hätte, sondern immer nur in der abgekürzten Form.
Henner:
[32:43] Das stimmt.
Chris:
[32:44] Also ich glaube, niemand außerhalb von Commodore weiß überhaupt, was das bedeutet.
Henner:
[32:48] Ja, da hast du wohl recht.
Chris:
[32:50] Naja, aber damit die Welt weiß, dass dieses neue Gerät jetzt in den Startlöchern steht und ja nach den Plänen Ende 1990 auf den Markt kommen soll, muss auch schon die Werbetrommel gerührt werden und das macht Commodore auch parallel. Also es geht auch schon los im Januar 1990, kurz nachdem der Entwicklungsauftrag ergangen ist. Da findet ja mal wieder eine CES statt, also diese große Computermesse in den USA. Und da wird der zu dem Zeitpunkt natürlich noch namenlose interaktive Grafikplayer vorgestellt. So nennt Commodore das damals. Das ist technisch gesehen einfach ein Amiga 500 ohne Tastatur und dafür mit einem Megabyte RAM und eben diesem CD-ROM-Laufwerk. Aber genau genommen ist das schon eine neue Gerätegattung. Die Zeitschrift Compute Amiga Resource, die berichtet im Juni 1990, Zitat, die lange vermutete 200 Dollar Amiga-Spielemaschine würde sich bestens verkaufen, aber warten Sie lieber nicht darauf. Statt auf den Einstiegsmarkt zu zielen, versucht sich Commodore daran, eine neue Marktnische zu öffnen. Zitat Ende. Und Computer Amiga Resource schreibt dann auch noch, das Gerät sei die Antwort auf die Computerphobie.
Chris:
[33:58] Eigentlich ist das etwas, was Commodore schon mal geschafft hat, weil wir erinnern uns, ein Jahrzehnt vorher haben sie ja den VC20 auf den Markt gebracht als betont nutzerfreundlichen Computer. Da sind wir ja noch in der Anfangszeit das 8-Bit Computing und da gab es in der allgemeinen Gesellschaft noch große Vorbehalte gegenüber diesem neuen Gerät, das ja auch ziemlich kompliziert war, wenn wir ehrlich sind. Und jetzt ist das eigentlich nochmal der gleiche Gedanke. Wir machen wieder ein Gerät, das viel vertrauter und viel zugänglicher ist, das so ähnlich aussehen und funktionieren soll wie die Dinge, die man vielleicht zu Hause schon unter dem Fernseher stehen hat, ein Videorekader möglicherweise oder im Hi-Fi-Tower. Ein Redakteur von der Compute Amiga Resource berichtet auch noch von einer kabellosen Maustastaturkombination und von einer Modem-Erweiterung und sogar von einem Home-Security-Paket mit drahtlosen Einbruchsensoren. Also das sind natürlich alles Sachen, die Commodore da in den Raum stellt, aber da bekommt man schon den Eindruck, dass vielleicht Commodore zu dem Zeitpunkt selber noch nicht ganz genau weiß, wofür das Gerät eigentlich genutzt werden soll.
Chris:
[34:57] Aber das ist ja Anfang 1990, wie gesagt, auch noch ein bisschen früh. Im Sommer 1990, im Juni, da findet die Sommer-CES statt. Da wird das Gerät dann offiziell vorgestellt, jetzt auch mit dem Namen CDTV. Da wird der Prototyp von Nolan Barschnell präsentiert. Irving Gold, der Vorstandsvorsitzende von Commodore, der adressiert persönlich die Gäste und sagt, es sei stets sein Ziel gewesen, ein Gerät für jene zu entwickeln, denen Computer zu kompliziert sind, so wie ihn selbst.
Chris:
[35:26] Das CDTV, das sei die Antwort darauf. Und bei diesen ganzen Dingen, die ich gerade erzählt habe, bei diesen Ankündigungen, fällt ein Wort nicht, nämlich das Wort Spiele. Zum Jahresende 1990 soll das CDTV dann ja fertig sein. Damit wäre Commodore auch sehr früh dran, denn in den USA gibt es zu dem Zeitpunkt nur das TurboGrafx-CD von NEC als CD-passierte Konsole. Es gibt natürlich die CD-ROM-Laufwerke schon auf PC und auf dem Mac, wie wir das beschrieben haben. Aber das sind ja alles Dinge, die nicht auf das gleiche Marktsegment zielen, wie Commodore das vorhat. Also insbesondere das TurboGrafx-CD ist ja eine reine Spielekonsole und kann keine Multimedia-Anwendungen. Und das CD-i, das dieses ganze Multimedia können soll, das kommt in den Versionen von Philips erst ab Ende 91 auf den Markt. Das ist also aus dieser Perspektive noch ein Jahr entfernt. Insofern wäre Ende 1990 echt ein guter Termin, aber der klappt nicht.
Henner:
[36:30] Nee, und woran liegt es, wie so oft, am Feature-Creep? Da wird viel zu viel reingesteckt, das Gerät bekommt immer mehr Funktionen. Und zwar um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, denn es kommt vielleicht schon so langsam raus, Commodore weiß selbst gar nicht so genau, wen sie damit überhaupt ansprechen wollen. Offensichtlich keine klassischen Computernutzer und auch keine Spieler, aber wen denn dann? Und um möglichst viele Leute mitzunehmen, packen sie einfach alle erdenklichen Technologien rein, die es auf dem Markt gibt. Also CD-ROM-Standard natürlich für digitale Datenträger, aber auch Audio-CDs soll das Gerät abspielen können. Ein neues Format namens CD Plus G, das sind Audio-CDs mit integrierten Standbildern.
Henner:
[37:10] Setzt sich nicht durch, aber ist damals gerade neu und ganz vielversprechend. Und außerdem ist geplant, einen neuen VCD, also Video-CD, Video-Standard für Kinofilme auf CD zu unterstützen. Der ist noch gar nicht definiert, das passiert noch parallel. Aber man plant schon mal dafür, später eine passende Erweiterung nachzuliefern, mit der dieser Standard auch unterstützt werden soll. Und Gilbreth, der arbeitet zusätzlich noch an einem eigenen Videoformat, CDXL, das auch ohne diese Zusatzhardware und ohne diesen offiziellen Video-CD-Standard kurze Videoclips abspielbar macht. Das ist schon eine ganze Menge, aber es kommt noch viel mehr rein in dieses Gerät. Sie überlegen einen PC-Card-Leser einzubauen, kommt dann allerdings nicht, aber Sie denken darüber nach. Ein Gen-Log-Adapter, das ist etwas, was man für externe Videoquellen braucht, was im Amiga wichtig ist für die Videobearbeitung. Ein MIDI-Port, den hat der klassische Amiga nicht, aber der Atari ST hat den für die Ansteuerung von Musikinstrumenten. Und was der ST hat, das soll das CDTV bitteschön auch bekommen. Ja und all diese Dinge und wir hören nachher noch, was da noch alles drin steckt, aber all das treibt natürlich die Produktionskosten in die Höhe und es kostet auch Zeit.
Henner:
[38:25] Somit schaffen sie es einfach nicht, wie ursprünglich mal geplant, das Gerät im November 90 auf den Markt zu bringen. Das Weihnachtsgeschäft wird also verpasst und schon machen sich in der Presse Gerüchte breit, das Ganze könnte Vaporware sein, also tatsächlich niemals rauskommen. Die Compute schreibt sowas im Januar 91, da sagen sie, das Projekt sei hoffnungslos hinter dem Zeitplan und einige Mitarbeiter von Commodore in den USA würden sich schon davon distanzieren und gar nicht mehr vom CDTV sprechen.
Henner:
[38:55] Also das sieht nicht gut aus, aber trotzdem, sie schaffen es und im Frühjahr 91 beginnt dann endlich die Massenproduktion und im April geht das Gerät in den Verkauf. Und was soll es denn jetzt kosten, dieses Wundergerät?
Chris:
[39:08] Ein halbes Jahr Verspätung, das ist jetzt nicht so dramatisch, würde ich sagen. Aber es kommt dann auf den Markt und es kostet mehr als geplant. Das ist ja jetzt nicht so überraschend bei diesen ganzen Sachen, die du gerade aufgezählt hast, die da noch mit drin stecken. Angekündigt war das zu einem Preis von 600 bis 800 Dollar. Das ist schon noch eine ordentliche Hausnummer für die Zeit. Tatsächlich auf den Markt kommt es dann in den USA für 1000 Dollar. Das sind heute umgerechnet etwa 2050 Euro. Damit ist es deutlich teurer als die CDI-Geräte von Philips, die aber erst ein halbes Jahr später starten. Es kommt im Spätsommer 1990 auch nach Deutschland. Und dort kostet es dann anfangs 1600 Mark. Zum Vergleich, einen Amiga 500 gibt es zu dem Zeitpunkt schon für 700 Mark.
Chris:
[39:58] Der volle Name des Geräts lautet CDTV Interactive Multimedia. Es gibt auch eine Modellnummer, die lautet CD1000. Ein Hinweis darauf, dass da ja die technische Basis des Amiga drinsteckt, findet sich im Namen nicht. Zumindest noch nicht.
Chris:
[40:14] Und was ist dabei? Nun im Basispaket, da liegt logischerweise auch eine CD-ROM mit dabei, damit man das Gerät gleich mal ausprobieren kann. Die heißt Welcome Disc und ist eine Art multimediale Anleitung. Und die spielt eine schöne Melodie, während sie lädt. Die können wir uns mal kurz anhören.
Henner:
[40:57] Die ist toll. Ich las unter einem YouTube-Video, in dem diese Musik auch wiedergegeben wird, den Kommentar, diese Musik sei das Beste am ganzen Gerät. Das ist vielleicht ein bisschen harsch, aber sie ist wirklich toll.
Chris:
[41:10] Diese CD-ROM, diese Welcome-Disk ist eine von nur zwei Sachen, die da beiliegen, dem Basisgerät. Das andere ist das Gamepad, also in dem Fall eine Fernbedienung. Aber wie eine normale Fernsehfernbedienung ist das natürlich auch kabellos, also infrarotbasiert. und dementsprechend könnte man sagen, dass CD-TV ist die erste Konsole, der einem kabelloser Controller beiliegt. Weil so ist es de facto. Die wird kabellos gesteuert. Es gibt auch eine alternative Ausstattungsvariante, das nennt sich Professional Pack. Das ist dann das CD-TV-P oder auch CD-1500. Da ist dann zusätzlich noch eine Maus dabei, auch kabellos, Infrarotmaus. Es gibt eine kabelgebundene Tastatur, ein Diskettenlaufwerk und noch eine zweite CD-ROM. Da ist dann Software drauf. Allerdings keine beeindruckende oder irgendwie neue, keine Killer-App, sondern das ist eine Sammlung von ein paar gemeinfreien Programmen, Bildern, Mod-Musikdateien. Alles andere, also zum Beispiel diese Multimedia-Enzyklopädie von Grolya, die muss man separat kaufen.
Chris:
[42:11] Aber Henna, wie sieht denn das Gerät an sich jetzt eigentlich aus, das CDTV?
Henner:
[42:16] Hübsch sieht’s aus.
Chris:
[42:17] Ja, finde ich auch. Das ist schick.
Henner:
[42:19] Also verglichen mit den meisten Konsolen dieser Zeit, es ist ja keine reine Konsole. Es ist ja was Eigenes, aber es sieht eher aus wie ein CD-Player. Und ich glaube, das ist auch das Ziel gewesen, sehr deutlich. Ja, das hat nämlich das klassische Maß eines CD-Players oder eine Hi-Fi-Komponente. 43 Zentimeter breit, fast 10 Zentimeter hoch. Das ist dieses Hi-Fi-Maß, also das passt wunderbar in den Hi-Fi-Turm zwischen CD-Player und Verstärker. Und an der Front ist dann auch, wie man es von diesen Geräten kennt, ein kleines Display, so ein Vakuum-Fluoreszenz-Display mit so einer hellblauen 7-Segment-Anzeige. Das ist vor allem sinnvoll für die CD-Wiedergabe, damit man sieht, welcher Track gerade läuft. Und dann gibt es da auch die typischen Bedienelemente, die man von einem CD-Player erwartet. Ein Ausschalter natürlich, Tasten für Start und Stopp und Pause, Vor und Zurück. Und es gibt einen Kopfhöreranschluss mit eigenen Lautstärkereglern. Aber es gibt eines, was darauf schließen lässt, dass hier mehr drin ist als ein CD-Player, dass hier ein Computer drin steckt, nämlich ein kleiner Reset-Knopf. Den hatte mein CD-Player damals nicht.
Chris:
[43:21] Brauchte er auch nicht.
Henner:
[43:23] Nein, stimmt. Und es steht natürlich auch Commodore drauf.
Henner:
[43:27] Und was steckt drin? Ein CD-ROM-Laufwerk natürlich. Das ist ein Single-Speed-Modell, wie das, was du dir damals fast gekauft hättest. Denn Double-Speed-Laufwerke gibt es zu dieser Zeit noch gar nicht. Die kommen erst 1992 auf den Markt. Und diese Single-Speed-Laufwerke, die sind also genauso schnell wie die Laufwerke in einem CD-Player und die schaffen im Datenmodus nur ungefähr 150 Kilobyte pro Sekunde. Das ist nun wirklich sehr lahm. Also eine Datasette auf dem C64 ist natürlich noch langsamer, aber wenn es darum geht hier hunderte von Megabyte zu laden, dann dauert das natürlich ewig. Es hat aber keine Schublade, dieses Laufwerk, wie man das von einem CD-Player erwarten würde. Und es nimmt auch die CDs, die Scheiben nicht direkt an. Stattdessen muss man die in Caddies stecken, also in quadratische Kunststoffträger. Und dann erst kann man sie in das Gerät stecken. Das ist also ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der soll die Scheiben ein bisschen schonen. Aber das ist wirklich sehr umständlich. Was passiert, wenn man eine CD einlegt? Nun, wenn man eine Audio-CD einlegt, dann wird automatisch das Interface für die Musiksteuerung geladen, für die Titelauswahl und so, für Play und Pause. Dann kann man das Gerät also wirklich als CD-Player benutzen. Wenn man eine CDTV-CD einlegt, also eine Multimedia-CD, dann startet das entsprechende Programm automatisch. Das ist also durchaus nutzerfreundlich.
Chris:
[44:53] Eine Sache, die in CDTV nicht drinsteckt, ist ein beschreibbarer Datenspeicher. Also das kommt ja weder mit dem Diskettenlaufwerk, wo man auch was drauf speichern könnte, noch mit einer Festplatte. Und deswegen gibt es an der Front vorne, also versteckt unter einer Klappe, einen Steckplatz für eine Speichererweiterung. Das ist dann entweder zusätzlicher Arbeitsspeicher oder das kann sich auch als Spielstandspeicher nutzen lassen. Das ist dann batteriegestützt und gleicht so also aus, dass da ansonsten nichts Beschreibbares in diesem Gerät drin ist. Denn es soll ja auch möglich sein, insbesondere natürlich bei Spielen dann, dass man dort einen Spielstand anlegen und bewahren kann.
Chris:
[45:29] Wenn wir das CDTV herumdrehen und die Rückseite angucken, dann findet sich dort ein Wust an Anschlüssen. Also das ist schon beeindruckend, was da alles hinten dran ist. Man kann da natürlich eine Tastatur und eine Maus anstecken, beziehungsweise statt Maus auch einen Joystick.
Chris:
[45:45] Seriellen und parallelen Port gibt es. Es gibt einen Anschluss für ein Diskettenlaufwerk. Das wäre natürlich auch noch eine Option, Sachen abzuspeichern. Es gibt jeweils zwei Audio- und die schon erwähnten MIDI-Anschlüsse für das Bild. Gibt es einen RGB-Ausgang sowie, je nach Markt, auf dem das rausgekommen ist, weitere Wege der Bildausgabe. In den USA zum Beispiel sitzen hier zwei Antennenanschlüsse und ein Composite-Ausgang. In Europa sind es entweder Composite-Plus-S-Video oder ein SCART-Ausgang. Und daneben ist dann auch noch Platz für eine zusätzliche Erweiterung, zum Beispiel für einen SCSI-Controller. Das Einzige, was man hier nicht findet, sind die gewohnten 9-Pin-Joystick-Anschlüsse des Amigas. Also wer jetzt mit seinem Amiga-Joystick in der Hand da sitzt vor dem CD-TV, dem frischgekauften, der wird ein trauriges Gesicht machen, weil den kriegt man da leider nicht angestopft.
Henner:
[46:36] Ja, also abgesehen von den fehlenden Joystick-Ports. Denkst du, das ist genug, die Anschlussvielfalt?
Chris:
[46:43] Nein. Also da haben wir auf halbem Wege aufgehört. Also ich finde das schon einigermaßen beeindruckend. Mir ist das genug. Oder fehlt dir etwas, Herr Na?
Henner:
[46:52] Nee, ich wollte in die andere Richtung. Das ist doch überkomplex. Da steckt viel zu viel drin. Ganz offensichtlich dachten die Entwickler, das reicht nicht, wenn wir eine ganz neue Gerätekategorie begründen, diesen Multimedia-Player, sondern wir müssen damit auch noch zwei bestehende Kategorien ersetzen, nämlich den CD-Player und den Heimcomputer. Denn nur vor diesem Hintergrund ergibt das Sinn, so viele Anschlüsse und Funktionen da reinzustecken. Und ich glaube, damit haben sie sich aber verzettelt. Also betrachten wir mal den Computeraspekt. Selbst wenn da gelegentlich mal jemand ein klassisches Amiga 500 Spiel mitspielen will, also ein floppy Laufwerk anschließen und ein Amiga Programm starten, ja dann reicht doch der Anschluss fürs Laufwerk und für Tastatur und Maus. Da brauchst du doch nicht auch noch serielle Schnittstelle, parallele Schnittstelle, MIDI und Monitorausgang. Das ist doch viel zu viel. Da wird doch niemand jemals eine richtige Workstation draus machen. Und das gleiche gilt ja auch für den CD-Spieler-Aspekt. Das Ganze hat ja, wie beschrieben, diese HiFi-Komponentengröße und Anmutung in diesem schwarzen Gehäuse. Das will also platziert werden im HiFi-Turm zwischen dem Kassettendeck und dem Verstärker. Und auch nur dort ergibt ja dieses Display Sinn. Denn dieses Display, das brauchst du ja nur für die CD-Steuerung, wenn der Fernseher nicht läuft. Also wenn du das Gerät ohne Fernseher im Hi-Fi-Turm am Verstärker benutzt.
Chris:
[48:10] Das ist aber gar keine gute Idee, das Gerät in den Hi-Fi-Turm zu stellen. Warum? Dazu kommen wir gleich noch.
Henner:
[48:16] Ja, genau. Aber ich meine, wer aus der Zielgruppe hat denn 1991 noch keinen CD-Player? Und wenn man schon einen hat, warum sollte man den dann ersetzen durch einen, bei dem man die CDs immer erst in so einen Plastik-Caddy reinstecken muss? Also das ist doch von vorne bis hinten nicht durchdacht. Tut mir leid, Commodore, aber das ist einfach zu viel.
Chris:
[48:35] Naja, aber es ist ja nun auch im Kern ein Computer. Das, was in diesem Gehäuse, das wie ein CD-Player aussieht, steckt, ist ja de facto ein Amiga 500. Was ist denn da drin? Wie sieht die Technik aus, Henna?
Henner:
[48:48] Ja, es ist die Hauptplatine aus dem Amiga 500, weitgehend die CPU ist auch dieselbe, also unverändert die 68.000er CPU, die schon 1985 im allerersten Amiga steckte und auch im Atari ST. Die läuft hier mit rund 7 Megahertz nach wie vor und auch das Amiga OS Betriebssystem, auch wenn man davon nicht viel sieht, ist dasselbe wie im Amiga 500.
Henner:
[49:11] Das ist Version 1.3, obwohl es schon längst neuere Versionen gäbe. Und auch der Chipsatz, das ist ja wie gesagt das Herz des Amigas, das ist noch dasselbe wie im Amiga 500. Das ist der OCS, der Original Chipsatz und nicht etwa der etwas neuere ECS Chipsatz aus dem Amiga 3000. Der besteht wie gehabt aus den drei Spezialchips Agnus, Denise und Paula. Die haben wir in der Amiga-Folge sehr ausführlich beschrieben, deswegen jetzt nur in aller Kürze. Agnus, das ist der Chip, der sich um die Speicherzugriffe kümmert, um die Prozessorunabhängigen, also die DMA-Speicherzugriffe. Das heißt, der Chipsatz, etwa der Grafikchip, wenn der irgendwas im Speicher ablegen will, dann muss er dafür nicht über den Prozessor gehen, sondern kann direkt auf den Speicher zugreifen. Das macht dieses System so effizient. Der Amiga ist eine DMA-Maschine. Das ist ein ganz wesentliches Funktionsprinzip im Amiga. Und das steuert eben Agnus. Der macht aber noch mehr, dieser Baustein, der enthält noch Funktionseinheiten für vor allem die Grafikberechnung Blitter und Copper. Die können bestimmte Grafikberechnungen beschleunigen. Blitter kann Bitmap-Formen, also 2D-Bilder direkt im Speicher, verschieben und manipulieren. Also so etwas wie Sprites zum Beispiel, Bildelemente verschieben.
Henner:
[50:26] Und Copper, das ist ein Co-Prozessor, der sich programmieren lässt und der kann während des Bildaufbaus dynamisch noch Parameter ändern, wie Auflösung und Farbpalette. Das Spiel kann also während ein Bild auf dem Bildschirm gezeichnet wird, noch diese Parameter dynamisch ändern. Das geht zurück auf das Atari VCS, da ging das in Grenzen auch schon und hier wird das perfektioniert. Und diese beiden Dinge, der Blitter und der Copper vor allem, die machen aus dem Amiga eine so sehr leistungsfähige Grafikmaschine, zumindest wenn es um 2D-Grafik geht. 3D ist hier noch kein Thema. Die eigentliche Bildausgabe, also die Erstellung eines Bildes für den Fernseher, die übernimmt dann allerdings Denise, der zweite Chip und der dritte Paula, ist für die Klangverarbeitung zuständig unter anderem und bietet wie gehabt vier Kanäle, vier PCM-Soundkanäle für digitalisierte Samples. Das heißt, hier werden keine Klänge erzeugt, das ist kein Soundgenerator wie der SID-Chip im C64, sondern hier werden Samples wiedergegeben, die also vorher aufgenommen und digitalisiert wurden. Die können auch vermischt und verzerrt und miteinander verrechnet werden, um neue Effekte zu erzielen, aber trotzdem das Ganze basiert auf digitalisierten, fertigen Samples und daran ändert sich nichts hier im CDTV. Was sich allerdings ändert, es kommt eine Funktion hinzu, natürlich die Unterstützung für Audio-CDs. Also man kann damit auch ganz normale Musik-CDs abspielen in den 90ern, also vor allem Techno.
Henner:
[51:52] Es gibt noch zwei kleine Erweiterungen auf der Platine, zwei kleine Controller-Chips, die nötig werden. Das ist einmal Grace, also man bleibt hier bei den Frauennamen für die Chips. Grace kümmert sich um die CD-ROM-Adressierung und Beauty kümmert sich um die Ansteuerung von den Fronttasten und von dem kleinen Display und von dem Infrarot-Empfänger. Das sind nötige Ergänzungen, die waren ja im Amiga 500 nicht nötig. Ja, und was ändert sich noch im Inneren? Du hast es schon erwähnt, der Arbeitsspeicher wächst gegenüber dem Amiga 500 auf 1 Megabyte.
Henner:
[52:24] So, und wie steuere ich das Ganze jetzt, wenn ich anders als beim Amiga keine Maus und keine Tastatur habe?
Chris:
[52:30] Ja, genau, weil der Amiga kommt ja ab Werk mit einer Maus. Und das ist hier beim CDTV nicht der Fall. Stattdessen die schon erwähnte Fernbedienung. Und das hat auch den Formfaktor einer Fernbedienung. Das ist ein langer, rechteckiger Kasten, schwarz selbstverständlich, und funktioniert auf der gleichen technischen Basis wie eine Fernbedienung für den Fernseher, nämlich drahtlos per Infrarot. Aber diese Fernbedienung für das CD-TV wird quer gehalten, wie ein Gamepad. Auf der linken Seite ist ein Steuerkreuz drauf, auf der rechten Seite sind schwarze Knöpfe A und B. Also das sieht auch tatsächlich aus wie bei einem Gamepad, bis auf den mittleren Teil, denn da sind ganz viele kleine Tasten drauf wie bei einer Fernbedienung. Also die Zifferntasten von 0 bis 9 und Tasten zur Steuerung von Audio-CDs, also Play und Stop und so weiter, ein Lautstärkeregler. Wobei, lustigerweise mit diesem Lautstärkeregler steuert man nicht etwa die Lautstärke des Fernsehers, wie auch, das ist ja nicht mit dem Fernseher verbunden, diese Fernbedienung, sondern mit dem CD-TV, aber man steuert auch nicht die Tonausgabe an den Fernseher, deren Lautstärke, sondern nur die des Kopfhörerausgangs, der vorne dran ist und sonst nichts. Und es gibt auch noch einen anderen besonderen Knopf, nämlich einen Button namens Mouse Joy. Und der ist dafür da, umzuschalten zwischen Joystick und Maus-Modus. Wofür braucht man das überhaupt? Nun, auf dem CDTV soll ja.
Chris:
[53:55] Klassische Amiga-Software laufen. Also Dinge, die schon auf dem Amiga rausgekommen sind.
Chris:
[54:01] Und diesen jeweiligen Spielen kann das CDTV melden, was für ein Steuergerät angeschlossen ist. Also diese Fernbedienung kann diesen Spielen vorgaukeln, dass sie ein Joystick ist oder dass sie eine Maus ist. In dem Maus-Modus sind die A- und B-Tasten dann die beiden Maustasten links und rechts. Wenn man auf den Joystick-Modus schaltet, dann funktioniert nur die Taste A, weil der Amiga-Joystick hat ja nur einen Button. Und woher weiß man, welcher Modus aktiviert ist, wenn da ein Knopf drauf ist, auf dem nur Joystick-Maus ist? Naja, das ist tatsächlich ein Problem und deshalb gibt es dann auch eine Revision dieser Fernbedienung später. Da wird das durch einen Schieberegler ersetzt, wo man also links und rechts hin und her schieben kann zwischen Maus- und Joystick-Modus.
Chris:
[54:43] Maus-Modus ist aber auch ein bisschen irreführend, weil man steuert den Cursor auf dem Bildschirm ja trotzdem mit dem Steuerkreuz. Und das ist natürlich nicht ideal, zumal viele Amiga-Software ja auf eine Maussteuerung ausgelegt ist. Nun kann man natürlich einfach eine Maus anschließen. Wir haben ja gesagt, hinten dran ist ein Anschluss für eine Maus. Aber Commodore bietet alternativ auch noch einen Profi-Controller an. Der nennt sich CD1200. Und der sieht jetzt gar nicht mehr aus wie eine Fernbedienung. Das ist ein viel größerer Klotz. Und der hat auch kein Steuerkreuz mehr, sondern stattdessen einen Trackball in der Mitte. Und auch keine AB-Buttons mehr, sondern zwei richtige Maustasten. Denn das ist der Controller, der dann wirklich als Mausersatz gedacht ist, nur eben mit einem Trackball. Aber was wird aus dem Joystick-Modus mit diesem Profi-Controller, wenn jetzt hier kein Steuerkreuz und keine AB-Tasten mehr drauf sind? Naja, da gibt es eine pragmatische Lösung. Die neuen Pin-Stecker sind zurück in dieser Fernbedienung integriert. Das heißt, du kannst an die Fernbedienung deine Amiga-Joysticks wieder anschließen. Sogar zwei Stück, weil zwei Ports drin sind und deren Signal wird dann per Infrarot über die Fernbedienung an das CDTV übertragen. Das ist schon fast Star Trek Science Fiction Niveau, was hier passiert. Und es ist dann auch übrigens der einzige Weg, um auf dem CDTV zu zweit spielen zu können mit zwei Joysticks.
Henner:
[56:06] Ja, du sagst ja immer Fernbedienung zu diesem Profi-Controller, aber das ist ja eigentlich ein Tischgerät, das liegt auf dem Tisch.
Chris:
[56:12] Ja, okay.
Henner:
[56:13] Das hält man nicht in der Hand. Das wäre ein bisschen zu unhandlich.
Chris:
[56:17] Was ich mich gefragt habe, Henna, vielleicht kannst du das beurteilen, ist, wie gut funktioniert denn das eigentlich mit dieser Infrarot-Steuerung? Weil in meiner Vorstellung ist Infrarot eine Technologie, die ein bisschen störungsanfällig ist.
Henner:
[56:31] Ja, das Problem ist ja, dass Infrarot nun mal eine Sichtverbindung braucht. Die Signale müssen auf direktem Wege beim Empfänger ankommen. Das funktioniert also nicht, wenn man diese Fernbedienung in eine andere Richtung hält oder unter dem Sofatisch.
Chris:
[56:46] Oder wild herumwedelt oder so.
Henner:
[56:48] Ja, genau. Oder wenn im schlimmsten Fall, wie wir es ja schon skizziert haben, dieses CDTV im HiFi-Turm steht und der HiFi-Turm aber hinter mir im Wohnzimmer angeordnet ist und der Fernseher vor mir. Dann muss ich immer nach hinten ziehen, um dieses Gerät bedienen zu können. Also das ist nicht so ganz durchdacht.
Chris:
[57:05] Aber selbst wenn er seitlich steht, du musst ja mit deinem Controller, mit dieser Fernbedienung de facto auf das Gerät zielen und nicht auf den Fernseher.
Henner:
[57:14] Genau. Und das ist ein wesentliches Problem. Auch diese Tasten sind nicht sonderlich präzise. Das ist also nicht das Qualitätsniveau, was man von einem NES-Controller etwa kennt. Das Steuerkreuz ist auch viel schwammiger. Also das ist insgesamt nicht ganz so gelungen. Aber andererseits ist es viel besser gelungen als das, was Philips macht beim CDI. Denn auch die stehen ja vor der Frage, legen wir jetzt eine Fernbedienung bei oder einen Game-Controller? Wir packen beides in eines. Das machen die also auch. Aber Philips nähert sich dem von der anderen Richtung. Die nehmen eine klassische, also eine quasi vertikal einhändig gehaltene Fernbedienung und packen da noch so einen Mini-Stick für den Daumen drauf, mit dem man dann die Spiele steuern soll. Also auf dem Philips CD-i steuert man Spiele einhändig und das funktioniert nur wirklich gar nicht. Commodore hat hier den richtigen Gedanken gehabt. Wir übernehmen den Formfaktor des NES-Controllers, also horizontal gehalten. Rechts zwei Tasten, links das D-Pad und alles andere in die Mitte. Das ist also schon vom Gedanken her richtig, auch wenn die Umsetzung nicht perfekt ist.
Chris:
[58:18] Es gibt, um das noch zu vervollständigen, noch eine Reihe von weiteren offiziellen Peripheriegeräten für das CDTV, nämlich eine Kabeltastatur, die man anstecken kann. Es gibt zwei Mausvarianten, eine kabelgebundene und eine drahtlose. Ist alles in schwarz gehalten, damit es zum Design des Gerätes passt. Und es lassen sich neben den Speicherkarten auch externe Laufwerke anschließen. Also auf diese Weise kann man von einer ganz normalen Amiga-Diskette auch zum Beispiel die Workbench, also die Amiga-Oberfläche, laden und dann darüber auch andere Amiga-Programme ausführen, weil die technische Basis ist ja nun mal ein Amiga 500. Ach ja, und einen eigenen Monitor bietet Commodore auch noch an für das CDTV, natürlich auch in schwarz. Aber wir lassen jetzt die ganze Peripherie mal beiseite und sagen, wir haben uns einen fabrikneuen CDTV-Player gekauft mit der dazugehörigen Fernbedienung und den haben wir jetzt aufgestellt bei uns zu Hause und an den Fernseher im Wohnzimmer angeschlossen. Und was machen wir jetzt damit, Henner?
Henner:
[59:17] Ja, jetzt kommen wir zum Software-Angebot und das ist ein ziemlich trauriges Kapitel. Commodore selbst bietet da ja nichts. Keine First-Party-Titel, die verlassen sich voll und ganz, wie auch bei ihren Computern, auf externe Zulieferer. Das hat ja beim Amiga gut funktioniert, aber beim CDTV klappt das nicht ganz so gut, denn das Angebot ist recht überschaubar. Was soll man denn damit nun eigentlich machen? Primär ja nicht spielen, aber was denn dann? Die Presse fragt sich das auch und die deutsche ASM, die stellt sich das folgendermaßen vor. Ich zitiere mal, die Mutti kann Kochrezepte abfragen. Nicht sehr progressiv, aber es war eine andere Zeit. Opa zieht sich die Gärtnerdisk rein. Fatih schlägt nach im elektronischen Guinness-Buch, während Sven und Sascha Sportspiele betreiben oder Adventure-Rätsel lösen. Zitat Ende.
Chris:
[1:00:07] Hervorragend, ich habe die Szene vor Augen.
Henner:
[1:00:10] Also es geht hier nicht nur um Spiele, sondern auch um allerlei Nachschlagewerke. Bildungssoftware. Und das sind dann auch Schwerpunkte aus Sicht von Commodore zumindest. Bouchnell sagt das damals selber so, wir können Bildung unterhaltsam machen und Unterhaltung lehrreich, sagt er. Und Gold, also der Commodore-Chef, der sagt über das CDTV sogar, das sei das großartigste Bildungswerkzeug, das je erfunden wurde.
Henner:
[1:00:35] Sprich, sie wollen offensichtlich auf den Bildungsmarkt. Das ist ja auch etwas, was Philips ebenfalls versucht. Und was auch auf dem PC eine Zeit lang versucht wird. Also So multimediale Nachschlagewerke und Lernspiele und sowas auf CD-ROM zu bringen. Aber da braucht man schon ein sehr großes Sortiment, damit das funktioniert für alle erdenklichen Themen und das auch in allen möglichen Sprachen. Und ganz so viel, die gibt es dann leider nicht. Zum Start gibt es ungefähr 30 von diesen Multimedia-Titeln zum Lernen und zum Nachschlagen. Es gibt ein Atlas, eine Enzyklopädie, es gibt ein Kochbuch, Garten- und Hauspflanzenratgeber. Shakespeare’s gesammelte Werke und ein paar animierte Märchenbücher Und einige davon sind auch wirklich halbherzig umgesetzt. Das schreibt damals auch die ASM. Zitat, leider ist die Mehrzahl der Programme recht lieblos zusammengeschustert worden. Zitat Ende. Das sind also billig zusammengeworfene Texte, die ein bisschen ergänzt wurden um Bilder oder hier und da mal ein Klangbeispiel oder sogar ein kurzes Video. Dass ein wirklich überzeugender Multimedia-Disc dabei ist, ist die Ausnahme. Es gibt eine CD von der NASA mit sehr vielen Fotos und Videos, die sehr gut sein sollen. Ich habe sie mir nicht selbst angesehen, aber die allermeisten sind sehr schwach. Ach, das allein ist also noch nicht unbedingt ein Grund, sich ein so teures Gerät zu kaufen. Und die CDGs, die wir erwähnt haben, also die um Bilder angereicherten Audio-CDs, die setzen sich auch nicht durch. Also auch das ist kein Grund, sich jetzt ein CDTV zu kaufen.
Henner:
[1:02:05] Ja, und dann bleiben noch die Spiele. Der Amiga ist ja traditionell eine wichtige Spieleplattform. Und wir erinnern uns, darum ging es ja eigentlich ursprünglich mal, den Konsolen etwas entgegenzusetzen. Was gibt es denn da an der Spielefront?
Chris:
[1:02:18] Naja, es gibt Spiele zum Start. Das ist ja auch nicht verwunderlich, denn Commodore ist ausgezogen und hat ja nun einen Hersteller rekrutiert für die Plattform. Deswegen sind ungefähr 15 Spiele tatsächlich zum Launch verfügbar. Das sind aber im allerüberwiegenden Maße Spiele, die schon auf dem Amiga erschienen sind und jetzt für das CDTV portiert worden. Also sowas wie Space Quest 3 zum Beispiel oder Xenon 2. Die kommen im Jahr 1991 für das CDTV raus und sind da schon zwei Jahre alt. Battle Chess kommt raus, das ist da schon drei Jahre alt Falken, der Flugsimulator kommt raus der ist da schon vier Jahre alt Defender of the Crown kommt auch fürs CDTV. Das ist doch schon fünf Jahre alt. Also wir sehen das Muster. Das kann ich den Publishern auch gar nicht unbedingt verdenken, weil wir erinnern uns, Commodore möchte ja über die Software Geld verdienen durch Lizenzgebühren. Das heißt, Publisher, die ihre Titel auf dem CDTV veröffentlichen, müssen eine Lizenzgebühr an den Plattforminhaber abdrücken, genauso wie das bei den Spielkonsolen auch der Fall ist.
Chris:
[1:03:18] Und damit sich das rentiert, müssen dann natürlich entsprechend die Verkaufszahlen auf dieser Plattform hoch genug sein. Das kann man am Anfang bei einer Marktneuentführung aber schwer einschätzen. Deswegen ist man da natürlich vorsichtig. Da rentiert sich dann eine reine Neuentwicklung für diese Plattform eher nicht. Vorher ist erstmal der Plattformbetreiber, also in diesem Fall Commodore, in der Pflicht dafür zu sorgen, dass das auch ordentlich Marktanteil erobert. Dass der genügend Stückzahl installierte Basis, sagt man, im Markt ist. Und dann wird das Ganze attraktiv für die Hersteller. Also testen die das Wasser erst mal mit den etablierten Titeln, die da portiert werden.
Chris:
[1:03:51] Und von den ganz wenigen Titeln, die auch wirklich neu auf dem CDTV erscheinen, sind das Sachen, die dann nicht CDTV-exklusiv bleiben. Also sowas wie Sherlock Holmes Consulting Detective zum Beispiel.
Chris:
[1:04:04] Das ist ein Detektivspiel auf Basis von der Pen & Paper Vorlage. Das findet man dann auch auf dem PC später. Und beliebte Spiele auf dem CDTV, vor allen Dingen SimCity oder Lemmings, kennt man natürlich auch schon vom Amiga. Und naja, das sind auch beide Spiele, die sind mit einer Mouse natürlich schon bequemer zu steuern als mit dieser Fernbedienung.
Henner:
[1:04:26] Ja, aber warum sollte ich jetzt eine CD-Version von SimCity kaufen, wenn ich schon die Diskette habe und die war aus irgendwelchen Gründen umsonst? Also die Änderungen gegenüber den älteren Amiga-Spielen, die beschränken sich in sehr vielen Fällen auf zusätzliche Musik, wenn überhaupt. Das merkt natürlich auch die Presse irgendwann. Zum Beispiel hat die britische Amiga-Format Xenon 2 auf dem CDTV, also einen der Starttitel, getestet. Und die empfehlen da, man möge dieses angestaubte Ballerspiel doch bitte ignorieren und die CD stattdessen in einen normalen CD-Spieler einlegen. Denn dann könne man sich den exzellenten Soundtrack anhören und das Spiel ignorieren.
Chris:
[1:05:03] Die Bitmap Brothers, die haben ja damals echte Songs gesampelt für ihre Spiele. Also bei Xenon 2 ist der Titelsong eine Variante von Mega Blast, von Bomb the Bass. Aber die sind als Mod-Stücke umgesetzt und sind sehr cool, aber sie sind deswegen halt natürlich nur, sagen wir mal, ein Fragment des Originaltitels. Und jetzt mit der CD-Audio-Technologie ist das wieder herstellbar, indem da einfach der Originalsong draufliegt und abgespielt wird, sogar in mehreren Varianten. 1991 ist Magic Pockets rausgekommen von den Bitmap Brothers. Das hat als Titelsong Doing the Do von Betty Boo auch wieder in so einem Modfragment. Und auch das findet man hier auf der CD-ROM von Xenon 2 fürs CD-TV als vollständigen Titel drauf. Also ja, als Audio-CD ist das tatsächlich ganz cool und auch einigermaßen zeitgemäß.
Henner:
[1:05:50] Aber die beste Musik, Christian, die gibt es bei SimCity in der CD-Version. Die ist toll. Also SimCity ist weitgehend das gleiche Spiel wie das, was man schon vom Amiga kennt. Aber es gibt jetzt eben CD-Musik passend zu neuen Szenarien, denn auch die sind eine Ergänzung der CDTV-Version. Es gibt ein Western-Szenario, ein Mittelalter-Szenario und ein Zukunftsszenario. Und das wusste ich bislang nicht. Ich dachte, ich kenne SimCity, aber diese Version kannte ich nicht. Und wie toll ist denn bitte dieses Western-Szenario? Das können wir uns mal anhören, wie die passende Musik klingt. Ist das nicht prächtig, Christian? Da kriegt man doch sofort Lust, SimCity zu spielen im Western-Szenario und eine Goldmine zu bauen und eine Rodeo-Arena. Das sind nämlich zwei der Spezialbauten, die man hier im Western-Szenario bauen kann.
Chris:
[1:07:01] Kannst du auf dem Amiga aber auch.
Henner:
[1:07:03] Was?
Chris:
[1:07:04] Ja, da musstest du diese Add-ons halt nur separat nachkaufen. Da gab es zwei Grafikerweiterungen für das ganz normale, stinknormale SimCity auf PC auf Amiga. Und da war dann auch ein Western, ein mittelaltes Szenario und sogar noch mehr dabei. Also ich glaube, jeder von diesen Erweiterungen hatte drei oder vier Szenarien.
Henner:
[1:07:21] Also die einzigen Vorteile, die man hat, wenn man diese Spiele auf CDTV spielt, gegenüber PC oder dem regulären Amiga, sind in der Regel diese Soundtracks.
Henner:
[1:07:32] Exklusivtitel hingegen, die man sonst nirgendwo spielen kann, die gibt es fast gar nicht. Die einzigen Exklusivspiele, die ich finden konnte, waren ein paar Lernspiele, also Lernprogramme mit Gamification-Elementen, wenn man die denn als Spiele bezeichnen will. Und eine Casino-Spiele-Sammlung und es gibt noch ein Western-Adventure, Town with No Name. Das kam in der Presse jetzt nicht besonders gut an. Tja, und das war’s. Es gibt noch hier und da mal ein zeitexklusives Spiel, das etwas später erst für DOS oder andere Plattformen erscheint. Aber richtige Killer-Applikationen, etwas wirklich Exklusives, wie man das auf einem Mega Drive bekommt oder auf einem Super Nintendo, das gibt es einfach nicht. Und auch insgesamt ist das Angebot sehr dürftig. Es erscheinen über die gesamte Lebenszeit des CDTV nur ungefähr 50 Spiele. Es gibt auch Quellen, die deutlich größere Zahlen nennen, aber da werden dann meistens eben Lernspiele mitgezählt oder spielerische Anwendungen, sowas wie MyPaint oder die animierten Märchenbücher, aber die kann man eigentlich kaum als richtige Spiele bezeichnen. Und von diesen 50 richtigen Spielen, also die es auf dem CDTV gibt, allein anzunehmen, Ein Zehntel davon. Fünf Titel gehören einer Kartenspiel-Serie an namens Will Bridge. Also wenn man gerne Bridge spielt, dann ist CDTV wahrscheinlich genau das Richtige, aber für alle anderen eher nicht. Die allermeisten von diesen 50 Spielen, ungefähr 30, die erscheinen noch im ersten Jahr, 91 und dann wird es sehr schnell weniger.
Henner:
[1:08:59] 92 erscheinen dann schon deutlich weniger und 1993 kommen nur noch zwei Spiele raus und das war’s. Wir reden ja später noch über Erfolg und Misserfolg, aber es ist daran schon erkennbar, die Plattform hat nicht so lange.
Chris:
[1:09:13] Ja, woran lag es? Nun an der Berichterstattung der Presse eher nicht. Die ist nämlich durchaus wohlwollend. Zur Jahresmitte 91 erscheinen dann die ersten Testberichte in der Fachpresse und da wird das Gerät gelobt. Wenn es da überhaupt gravierende Kritikpunkte gibt, dann ist es eher von Anfang an eine Skepsis über das Softwareangebot. Das ist damals also schon absehbar, dass das eher mickrig ist. Auch hier in Deutschland testet zum Beispiel die EASM das CDTV und fühlt sich da erinnert an den Amiga 1000 von 1985. Zitat, eine fantastische Maschine, nur keine Software vorhanden. Zitat Ende. Aber das hindert die Redaktion nicht daran, das Gerät an sich trotzdem toll zu finden. Spricht von einer ausgereiften Hardware, klar ist ja der Amiga 500, und von der großen Zahl an Schnittstellen, ja, wie erwähnt, sehr beeindruckend.
Henner:
[1:10:04] Kein Widerspruch.
Chris:
[1:10:05] Das sei ein gutes Gespann für die Zukunft. Die Amiga-DOS, die schwärmt im Juli 1991 vom Überfluss an Grafik und Sound, den die CD-ROM bietet und preist die Bedienung per Fernsteuerung, weil das sei für jeden Menschen verständlich. Guter Punkt. Es gibt eine australische Zeitschrift, Commodore and Amiga Review heißt die und in der Juni-Ausgabe 91 sehen die das CDTV sogar als einen Anwärter auf das Consumer-Elektronik-Produkt des Jahrzehnts. Das ist schon mal eine Aussage, denn laut Ihnen habe das weit mehr Potenzial für Unterhaltung und Bildung als reine Videogeräte und sei gleichzeitig einfacher und günstiger als komplexe Computersysteme. Das Einzige, was Sie stört, ist der Joystick-Anschluss. Die hätten gerne die neuen Pinnstecker gehabt und beim Navigieren durch die Programme aus dem Sessel sagen Sie, wünsche man sich bald die gute alte Maus zurück.
Henner:
[1:11:02] Ja, ja, das kann ich verstehen.
Chris:
[1:11:04] Ja, kann ich auch verstehen. Aber wie gesagt, also unterm Strich, die Presse ist durchaus angetan vom CDTV. Wo es nicht reüssieren kann, ist im Markt.
Henner:
[1:11:14] Die ganz große Frage ist ja nach wie vor, wer soll das Ganze überhaupt kaufen? Wer ist eigentlich die Zielgruppe? Und das scheint ja Commodore selbst nicht so genau zu wissen. Wollen sie jetzt Spielerinnen und Spieler damit ansprechen, wie die klassische Amiga-Zielgruppe oder Heimcomputernutzer oder Workstation-User oder CD-Freunde oder, naja, eine ganz neue Zielgruppe, die erst noch entstehen muss und diese Multimedia-CDs kaufen soll? Oder wollen sie auf den Bildungsmarkt? Es ist nicht so ganz klar. Und interessanterweise hat die Amiga Computing, also dieses britische Magazin im Juni 91, auch Gold, also den Vorstandsvorsitzenden von Commodore, der ein großer Unterstützer dieses CDTV-Projekts war, befragt, wer denn das CDTV eigentlich kaufen solle. Und seine Antwort ist ganz fantastisch. Er sagt, der Kunde.
Chris:
[1:12:04] Ach, warum bin ich da nicht draufgekommen?
Henner:
[1:12:06] Ja, und Buschnell ist ähnlich vage. Der sagt beim Launch, dies ist eine neue Produktkategorie und es ist uns egal, wer es kauft. Damit meint er natürlich, Hauptsache es kauft irgendjemand.
Chris:
[1:12:18] Ja.
Henner:
[1:12:19] Man muss so ein neues Gerät den Menschen auch erstmal nahe bringen und erklären und dafür ist natürlich die Werbung da. Commodore startet dann auch eine Werbekampagne natürlich, um dieses neuartige Gerät zu erklären. Und auch um das Phänomen Multimedia erstmal überhaupt zu erklären. Was ist das überhaupt? Das wird ja erst langsam zum Trend. Das ist also noch nicht jedem ein Begriff. Und man sieht dann auch einige Printanzeigen, die sie schalten in der Presse. Und da sind Gemälde zu sehen, da fliegen Musiknoten durchs Bild oder berühmte Bauwerke und Persönlichkeiten. Die Botschaft soll also hier sein, es gibt alle Arten von Medien, von Kunst und man kann irgendwas damit machen. Aber es wirkt eher so, als würden sie hier für ein Museum werben oder für ein Nachschlagewerk und nicht für ein Elektronikgerät. Das kommt dabei überhaupt nicht rum. Und dann muss man ja noch erklären, dass dieses CDTV nicht nur ein Bildschirm, Player ist. Nicht nur etwas für die passive Wiedergabe, also wie ein CD-Player oder ein Videorekorder, sondern dass es ein interaktives System ist. Also gewisserweise auch wie eine Konsole oder ein Computer. Und das gelingt den Anzeigen jetzt nicht so gut. Ich fand eine deutsche Anzeige, in der die Interaktivität folgendermaßen erklärt wird.
Henner:
[1:13:34] Der Aufbau ermöglicht den Eingriff in den Programmablauf. Das heißt, man kann bei den CDs zwischen einzelnen Programmteilen hin- und herspringen. Zugleich kann man bei bestimmten Programmen in unterschiedlich tiefe Informationsebenen gehen. Zitat Ende. Das klingt so, als hätte das ein Ingenieur dem Marketingmenschen erklärt am Telefon. Der hätte das alles mitgeschrieben und genauso wörtlich in die Anzeige gedruckt. Aber das ist weder ansprechend noch irgendwie verständlich. Damit wirbt man doch nicht.
Chris:
[1:14:01] Ja, und ähnliche Probleme mit der Positionierung. Im wörtlichen Sinne hat auch der Vertrieb bei Commodore, also die Leute, die entscheiden, in welchen Läden, in welchen Kategorien das CDTV eigentlich angeboten werden soll. Oder andersrum gesagt, wo muss man denn als Kunde hingehen, wenn man ein CDTV kaufen will?
Chris:
[1:14:19] Naja, nicht dorthin, wo man ein Amiga kaufen würde, weil das Konzept von Nolan Bushnell sieht vor, dass das CDTV eben nicht über die angestammten Computervertriebskanäle von Commodore angeboten werden soll, sondern über große Kaufhäuser. Und das ergibt ja auch durchaus Sinn, weil das soll ja gar kein Computer sein. Das soll ja nicht neben Amigas und PC stehen, sondern das soll im Bereich der Wohnzimmerelektronik, also vielleicht bei Videorekordern oder Fernsehern stehen. Aber das klappt nicht so recht. Ein Commodore-Mitarbeiter hat später berichtet, dass die Kaufhäuser das Gerät in verschiedensten Abteilungen untergebracht hätten. Mal stand es neben den CD-Spielern, mal stand es neben den Konsolen und nirgendwo passt es so richtig hin. Also auch dort weiß niemand so recht, welches Gerät da eigentlich verkauft werden soll und vor allem an wen das verkauft werden soll, weil in so einem Computerladen, da geht ja in der Regel ein gut informierter Computer-Nerd rein oder halt zumindest jemand, der weiß, was er will und der angepeilte Gelegenheitsnutzer den Commodore da irgendwie vage rumwabern hat als den Kunden. Das sind ja nicht Leute, die so ein neues Gerät einfach so kaufen, aus schierer Technikbegeisterung und schon gar nicht für 1000 Dollar. Die brauchen schon einen klaren Grund, warum sie das kaufen. Also die brauchen eine Killer-Application.
Chris:
[1:15:40] Da reichen nicht irgendwie ein paar Nachschlagewerke, die auch Musik abspielen können. Wer kauft denn Kochbücher oder Gartenratgeber oder Reiseführer, wenn man die nur im heimischen Wohnzimmer benutzen kann und erstmal eine halbe Minute warten muss, bis die überhaupt geladen sind von der CD?
Henner:
[1:15:58] Ja, ich bin Nerd, ja. Ich mag Technik, aber selbst ich würde mir, glaube ich, kein Kochbuch für den Fernseher kaufen, sondern ich würde dann doch vielleicht was auf Papier nehmen.
Chris:
[1:16:07] Er musste immer hin und her rennen zwischen einem Fernseher und der Küche, während da die Suppe brodelt.
Henner:
[1:16:12] Ja, während da Sascha gerade seine Sportspiele spielt.
Chris:
[1:16:16] Betreibt, er betreibt sie bitte, er spielt sie nicht.
Henner:
[1:16:19] Ach so, ja, Entschuldigung. Ja, also die Positionierung ist schwierig. Commodore ist mit diesem Problem natürlich nicht allein, sondern Philips hat mit dem CDI genau dasselbe Problem und es gibt noch weitere, zum Beispiel Tandy, dieser US-Hersteller, die versuchen mit dem Tandy Video Information System was ganz ähnliches. Die sind beide etwas günstiger als das CDTV, aber auch sie finden keine Zielgruppe, denn auch denen fehlt so eine richtig klare Anwendung, es fehlt eine Killer-Applikation.
Chris:
[1:16:47] Diese ganze Systemkategorie, das ist der klassische Fall von einer Lösung, der das Problem fehlt.
Henner:
[1:16:53] Ja, ganz genau. Und da hat es die Konkurrenz leichter, denn die löst ein bestehendes Problem. Die hat einen klaren, deutlich definierten Zweck. Also ein Megadrive zum Beispiel mag man nicht unbedingt wahrnehmen als direkten Konkurrenten, aber letztlich ist es ja doch ein Konkurrent. Weil man ja nun mal vor der Wahl steht, welches Gerät kaufe ich mir denn und was schließe ich an meinen Fernseher an. Und so ein Megadrive, ja da weiß man, was man damit machen kann. Kann ich nämlich Sonic spielen oder ein CD-Player, ja kann ich Eurodance hören, wunderbar. Da weiß ich, was Sache ist, wofür ich das einsetzen kann und das kostet auch beides nur zu dieser Zeit 300 Mark und das CD-TV, wie wir es gehört haben, 1600 Mark. Ein Amiga 500 ist auch viel billiger. Und dann sind da ja noch die PCs, also die IBM-Kompatiblen. Die sind noch teurer als das CDTV. Ich habe mal in damaligen Katalogen nachgesehen, was so ein Einsteiger-PC kostet mit 2,86er Prozessor, also wirklich nicht mehr State-of-the-Art. Der kostet 91 in Deutschland schon noch mindestens 2000 Mark. Aber einen PC braucht man ja nun mal. Du brauchst irgendwas, um Briefe zu schreiben, um deine Finanzen zu verwalten oder halt um Wing Commander zu spielen. Und wenn du sowas dann sowieso hast, ja dann ist es viel günstiger, dafür noch ein CD-Laufwerk zu kaufen und nachzurüsten für ungefähr 600 Mark, als sich ein CD-TV für 1600 Mark zu kaufen.
Henner:
[1:18:15] Jetzt stellen wir uns mal vor, es ist Ende 91, wir sind die technischen Nerds, die wir sind und wir haben aus irgendeinem Grunde zu viel Geld. Oder du hast mit deinem Freund halt zusammengelegt, um dir was Neues zu kaufen. Und jetzt stehst du vor der Wahl. Kauft ihr euch Option A ein CD-TV für 1600 Mark ohne Software, mit dem du eigentlich noch gar nichts machen kannst. Oder Option B für genau dasselbe Geld. Ein Megadrive, ein CD-Player, ein Videorekorder, weil warum nicht? Und obendrauf noch ein CD-Laufwerk für deinen PC. Oder alternativ ein Amiga 500 anstelle des CD-Laufwerks. Also ich glaube, da ist es ziemlich leicht. Da nimmt man doch Option B und kriegt diesen Riesenhaufen an Gerätschaften, mit denen man genau weiß, was man damit tun kann. Und nicht dieses unausgegorene Gerät, das irgendwie alles kann, aber nichts richtig.
Chris:
[1:19:04] Ja, das verheißt ja nun alles nichts Gutes für das CDTV. Nun gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, je nach Quelle, was Commodore denn denkt, was sie verkaufen für den CDTV, was ihre Pläne so sind. Da gibt es einige Quellen, die sprechen von 20.000 Einheiten pro Monat. Andere sagen, sie wollten eine Million im ersten Jahr verkaufen. Aber es ist im Endeffekt auch irrelevant, wie die Planung aussieht, weil der tatsächliche Erfolg im Markt liegt weit unter den Erwartungen. In jedem Fall. Das CDTV floppt. Das kann man nicht anders sagen. Und zwar selbst auf den Märkten hier in Europa wie Deutschland oder Großbritannien, die eigentlich sehr Commodore-affin sind, wo Commodore eine große Fanbasis hat, Und selbst dort will niemand das teure Gerät haben. Es gibt jetzt keine konkreten Verkaufszahlen für die ersten Monate, aber über die gesamte Lebenszeit der Plattform werden in Deutschland ungefähr 25.000 CDTVs verkauft, in England ungefähr 30.000 Stück. Und insgesamt sind es wohl weniger als 80.000 Exemplare, die Commodore produziert.
Chris:
[1:20:09] Das ergibt eine Seriennummernauswertung der Seite CDTVLand. Und produziert heißt ja noch nicht zwangsläufig auch verkauft. Aber selbst diese 80.000, das ist nur ein Fünftel der Stückzahl, die von einem Commodore Plus 4 hergestellt wurden und schon der galt als ziemlich katastrophaler Fehlschlag. Naja, was macht man in so einem Fall als Firma? Man senkt erstmal den Preis. Das macht Commodore auch Ende 1991 das erste Mal, 1992 dann nochmal. Und dann gibt es auch noch Aktionen wie, wer einen Amiga 500 in Zahlung gibt, der kriegt nochmal Rebatt auf das CDTV. Da muss ich schon lachen, wenn ich das sage.
Chris:
[1:20:50] Das ist ja der schlechteste Deal aller Zeiten. Und das ist auch nicht die einzige Maßnahme. Es gibt dann tatsächlich eine Neupositionierung des Gerätes 1992.
Chris:
[1:21:00] Aus diesem sehr computerfernen Multimedia-Wundergerät wird jetzt doch noch ein Amiga-Computer. Zumindest dem Namen nach, denn fortan heißt das System Amiga CD-TV und das wird jetzt auch in einem neuen Bundle verkauft, wo eine Tastatur, eine Maus und ein Diskettenlaufwerk gleich mit dabei ist. Es gibt da Werbeanzeigen, da erinnert das dann jetzt mehr an einen schwarzen Amiga 2000 als an einen CD-Player. Und weil ja jetzt ein Diskettenlaufwerk in diesem Bundle dabei ist, wirbt Commodore dann auch mit 3000 Amiga-Titeln, weil man natürlich über dieses Laufwerk auf dem Gerät auch ganz normale Amiga-Software ausführen kann. Aber das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass die Zahl der exklusiven Titel, die auch wirklich Nutzen aus dem CD-ROM-Laufwerk und aus den Multimedia-Fähigkeiten des CD-TV-Ziehens, verschwindend gering ist. Ja, und das Ganze hilft auch nichts. Die Produktion der Platinen für das CDTV wird bereits im September 1991 eingestellt. Das ist etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Produktionsbeginn. Und das, was dann also 1991, 1992 noch verkauft wird, das sind im Endeffekt Pressbestände. Dann gibt es ja nochmal einen neuen Namen und das Ganze geht bis 1993. Dann gab es nochmal eine Preissenkung. Da wird das im Endeffekt dann halt noch abverkauft. Aber das war’s dann schon. Dann ist das CDTV Geschichte und der Konkurrent, das CDI von Philips, das du schon erwähnt hast, das hält immerhin fünf Jahre länger durch, auch wenn das natürlich auch kein wirklicher Hit im Markt ist.
Chris:
[1:22:29] Aber die Geschichte von Commodore und der CD-ROM ist damit natürlich nicht vorbei. Kann auch gar nicht vorbei sein, weil auch Commodore weiß, dass die CD-ROM der Datenträger der Zukunft sein wird und 91, 92 ist das völlig klar. Da führt kein Weg mehr drum herum. Das heißt, Commodore muss sich jetzt überlegen, was machen wir denn dann, wenn es das CDTV nicht ist?
Henner:
[1:22:51] Erstmal planen sie Nachfolger. Nämlich einen kostenreduzierten, ein günstigeres CDTV-Modell. Im April 91 schon. Da kommt das Original-CDTV gerade erst auf den Markt. Da treffen sich einige Ingenieure mit dem Management und entscheiden, okay, das Ding ist zu teuer, wir müssen eine kostenreduzierte Version davon produzieren.
Henner:
[1:23:13] Codename CDTVCR für Cost Reduced oder interne Modellnummer auch CD500. Und das entsteht dann auch auf der Basis des Amiga 600, der ja ein bisschen günstiger ist. Allerdings, sie stopfen noch mehr Funktionen rein, was ein bisschen überraschend ist, denn eigentlich geht es hier um eine Kostenreduzierung. Aber da kommt der aktualisierte Chipsatz rein, der ECS aus dem Amiga 600, neues Betriebssystem. Das Mainboard wird ein bisschen kleiner, dafür ist jetzt aber auch Platz genug im Gehäuse, um ein Diskettenlaufwerk einbauen zu können, zumindest optional. Eine Festplatte soll man einbauen können und das Display wird auch noch ein bisschen größer. Das CD-Laufwerk wird doppelt so schnell, das ist jetzt dann doch ein Dual-Speed-Laufwerk, das verringert die Ladezeiten, die oft kritisiert wurden. Trotz dieser Verbesserung schafft es das Team die Baukosten um ungefähr ein Drittel gegenüber dem Original zu reduzieren. Es wird parallel auch noch darüber nachgedacht, ein weiteres Modell rauszubringen, das intern CDTV2 genannt wird. Das soll jetzt den ganz neuen AGA-Chipsatz aus dem Amiga 1200 bekommen und auch von Anfang an ohne zusätzliche Hardware diese neuen MPEG-Video-CDs unterstützen.
Henner:
[1:24:23] Das heißt, Commodore hat schon noch einiges vor für diese Plattform, aber das Ganze wird dann doch wieder eingestellt, denn als die Ingenieure im August 92 ihre Ergebnisse präsentieren, da ist der Commodore-Präsident Ali nicht überzeugt. Und all das, was Sie da vorstellen, ist immer noch viel zu teuer. Das grundlegende Problem des CDTVs, die hohen Produktionskosten, ist damit nicht gelöst. Und außerdem sind die Lager noch voll mit dem Originalmodell. Und das soll bitte schön erstmal abverkauft werden, bevor irgendwas Neues eingeführt wird. Und so wird dieses ganze Projekt CDTVCR genau wie das CDTV2 schon wieder eingestellt, obwohl von dem CR-Modell eine Vorserienproduktion schon gelaufen ist. 64 Vorserienexemplare sind schon fertig. Es ist also alles bereit für die Serienproduktion, aber das Projekt wird eben kurz vorher eingestellt.
Chris:
[1:25:16] Ja, aber es gibt ja auch noch eine andere Möglichkeit, den Amiga ins CD-Zeitalter zu bringen, nämlich indem man an die installierte Basis von Amigas einfach ein CD-Laufwerk anschließt. Ja, das wäre ja eigentlich der naheliegende Weg, die es halt beim PC und bei Macintosh schon möglich ist. Und das passiert aber lange nicht. Erst im Herbst 1992 ist es soweit, dass Commodore das erste offizielle CD-Laufwerk für den Amiga rausbringt. Das trägt die Seriennummer A570 und ist für den Amiga 500 gedacht. Der A500 hat ja einen zeitlichen Erweiterungsport und da kann man das dann anschließen. Und eine der Besonderheiten von diesem A570 ist, dass es den Standard Amiga 500 damit vollständig CD-TV-kompatibel macht. Es gibt vorher schon CD-Laufwerke für den Amiga von Drittanbietern, nicht von Commodore selbst. Die sind nicht CD-TV-kompatibel. Mit dem A570 ist es dann der Fall. Und das klingt ja eigentlich nach einer guten Lösung. Also die Multimedia-Fähigkeiten, das CD-TV über das CD-ROM-Laufwerk an einem normalen A500 mit Monitor und Maus und Tastatur und so weiter. Das könnte es doch jetzt sein. Aber das A570 hat einen gravierenden Makel. Das funktioniert nur mit dem Amiga 500.
Chris:
[1:26:35] Und das zu einem Zeitpunkt, wo die Produktion des Amiga 500 schon längst eingestellt ist. Als das Laufwerk rauskommt, ist bereits der Nachfolger Amiga 600 im Markt. Und der wiederum funktioniert nicht mit dem CD-Laufwerk. Der Amiga 1200 auch nicht.
Chris:
[1:26:52] CDTV ist auch abgeschrieben als Plattform zu diesem Zeitpunkt. Also da kommt eine tote Erweiterung für einen toten Computer. Also so ist es unterm Strich wenig überraschend, dass sich von diesem A570-Laufwerk nur ungefähr 20.000 Stück verkaufen. Aber was ich mich frage, Henner, ist, ich weiß nicht, ob du da eine Ansicht oder eine Theorie dazu hast, ist die Tatsache, dass Commodore erst so spät ein Laufwerk für den Amiga rausbringt, ist das CDTV daran schuld? Wollten die ihr CDTV nicht kannibalisieren, indem sie dem Amiga ein CD-Laufwerk spendieren?
Henner:
[1:27:25] Das kann schon sein. Ich glaube, Commodore hatte einfach keinen festen Plan. Die wussten selbst nicht so genau, wo sie hinwollen mit dieser Plattform. Da steckt glaube ich keine Strategie dahinter, die erkennbar wäre. Das ganze Konzept scheint zum Scheitern verurteilt zu sein, denn der Konkurrenz von Philips geht es ja mit dem gleichen Konzept nicht viel besser.
Henner:
[1:27:45] Aber woran genau liegt das denn nun? Woran scheitert das CDTV? Commodore hat ja eigentlich vieles richtig gemacht. Das darf man dabei nicht vergessen. Sie haben sehr früh erkannt, dass der CD-ROM die Zukunft gehört und dass die CD-ROM eine wunderbare Ergänzung ist für den Multimedia-tauglichen Amiga und dass man mit dieser Kombination vielleicht auch mehr Menschen begeistern kann als mit dem klassischen Amiga-Computer. Also nicht nur die Nerds, sondern eine breitere Zielgruppe. Das sind eigentlich alles ganz richtige Gedanken.
Henner:
[1:28:15] Aber sie schaffen es trotzdem nicht, diese Zielgruppe anzusprechen und das Ganze zum Erfolg zu führen. Also woran liegt’s? Ich glaube nicht, dass das A570-Laufwerk als interne Konkurrenz dabei eine Rolle spielt. Und ich glaube auch nicht, dass die technische Umsetzung schuld ist, also Hardware-Probleme am Gerät. Es gibt hier und da Schwächen wie diesen Controller, der nicht perfekt ist oder das Fehlen der Joystick-Ports. Das hat sicherlich geschadet, aber das war nicht der Grund dafür, dass das CD-TV untergegangen ist. Auch andere Mängel, die wir noch nicht genannt haben, zum Beispiel, dass das Gerät einen sehr lauten internen Lüfter hatte oder dass die Ladezeiten von der CD oft sehr, sehr lang waren. Auch das kann man kritisieren, aber ich glaube, das war nicht ausschlaggebend. Und viel schwerer wog, denke ich, dass, wie wir es beschrieben haben, die Positionierung so unklar war. Niemand wusste genau, was mit diesem Gerät anzufangen ist. Der Hersteller wusste es nicht, der Handel wusste nicht, wo er es hinstellen soll. Der Kunde wusste es am Ende natürlich auch nicht. Was mache ich damit? Es fehlte ein klarer Zweck. Es fehlte eine Vision dahinter, obwohl sie im Namen steckt. Und es fehlte eine Killer-Applikation. Es fehlten Inhalte, klare, gute Inhalte in überzeugender Qualität, die man sonst nirgendwo bekommt. Und ohne diese Inhalte fehlte jeder Grund 1600 Mark für so ein Gerät zu bezahlen und deswegen hat es auch keiner gemacht.
Chris:
[1:29:35] Ja, also was bleibt vom CDTV? Wenn wir es mal wohlwollend betrachten, dann kann man sagen, einige Trends, die im CDTV schon drin waren, setzen sich bis heute fort. Also optische Datenträger waren ja dann ein ganz wichtiges Format auf dem Markt, sind auch heute noch in der Benutzung zum Beispiel auf dem Konsolenmarkt. Kabelloser Controller ist auch etwas, was heutzutage Gang und Gäbe ist. Und die Idee, so eine multimediale Universalmaschine zu machen, das lebt ja fort im PC und dann im Smartphone. Also man könnte, wenn man wollte, dem CDTV zugutehalten, dass es seiner Zeit voraus war. Das ist aber wie gesagt schon mit viel Wohlwollen formuliert.
Chris:
[1:30:16] Es gibt noch eine hübsche Fußnote der Geschichte, nämlich, dass es nochmal eine Firma probiert hat mit so einer Hi-Fi-Komponente im Multimedia-Anstrich mit CD-Laufwerk, in der dann Computertechnik drinsteckt. Denn im Jahr 1997 veröffentlicht die chinesische Firma Lotus Pacific zwei Geräte, die dem CDTV sehr ähnlich sind, die Modelle Wanda TV A6000 und A6060. Und die dienen als CD-Player, als MPEG-Video-Player und als Karaoke-Maschine und man kann sie sogar mit dem Internet verbinden. Und in deren Inneren steckt Amiga-Hardware, denn Lotus Pacific hat über Umwege die entsprechenden Lizenzen erworben, die gehörten zu dem Zeitpunkt dem damaligen Commodore-eigner S-Com aus Deutschland.
Chris:
[1:31:03] Nun, Commodore selbst aber wagt sich in den letzten Jahren seines Bestehens nicht mehr an diese eigenwillige Gerätekategorie, also an die Multimedia-Box fürs Wohnzimmer. Aber die Idee einer Fusion von Amiga und CD-ROM kann die Firma nicht aufgeben, wenn sie nicht völlig gegen die PCs verlieren will. Und so nimmt sich Commodore das Thema nochmal vor, nimmt nochmal Anlauf. Und davon erzählen wir in der nächsten Folge.
Henner:
[1:31:32] Ganz genau. Davon im zweiten Teil. Vielen Dank für das Gespräch, Christian, euch fürs Zuhören und ich freue mich auf Teil 2 und das CD32.
Chris:
[1:31:42] Ich ebenfalls. Bis dahin.
Gibt es irgendwo Bilder bzw. weitere Infos zum A250, ich kann selbst auf Big Book of Amiga Hardware nichts finden?