Heinrich:
[0:15] Hallo Christian, wie schön, dass wir wieder im Pixel-Kino zusammenkommen.
Christian:
[0:20] Ja, hallo Heinrich, ich freue mich ja auch, dass wir hier bei diesem Special zusammenfinden. Denn wir reden ja heute über einen Film, bei dem ein Mann im weißen Anzug mit einem Liedchen auf den Lippen tanzt und sich dann in ein Auto verwandelt.
Heinrich:
[0:32] Und über drei verschiedene Spiele für verschiedene Systeme mit höchst unterschiedlicher Qualität, die aber eines gemeinsam haben, den damaligen King of Pop.
Christian:
[0:46] Ja, den Namen müssen wir vielleicht gar nicht sagen. Wir tun es aber trotzdem. Es ist ein Sänger namens Michael Jackson, der ein paar Hits hatte, die könnte der eine oder andere vielleicht mal gehört haben. Sein Album Thriller hat sich ja auch nur 51,3 Millionen Mal verkauft. So zumindest die offizielle verifizierte Zahl. Geschätzt werden eher 70 Millionen.
Heinrich:
[1:07] Mindestens. Aber was hat denn so ein Popstar im Pixelkino verloren? Tja, besagter Michael Jackson, der hatte auch Filmambitionen. Und die wurden bei Moonwalker verwirklicht. Und wie schön für uns, es gab nicht nur ein offizielles Spiel zum Moonwalker-Film, sondern gleich drei, die auch recht unterschiedlich sind. Den Spielautomaten, die Heimcomputer-Versionen und das Sega-Videospiel.
Christian:
[1:37] Ja, das passt eigentlich auch zum Film. Der Film kam 1989 heraus. Michael Jackson war da immer noch ganz auf der Höhe seiner kommerziellen Kraft und hat die Bravo gefüllt wie kein zweiter. Es kam kurz nach dem Bad-Album dieser Film Moonwalker und der ist dann eigentlich auch wie drei Filme in einen gepackt. Vielleicht sind es auch fünf oder sechs.
Heinrich:
[1:59] Ja, das Pixelkino beschäftigt sich ja traditionell mit Kinofilmen und den Spielen, die auf deren Basis entwickelt worden sind. Das stellen wir vor, es gibt erst das Filmsegment, dann kommt das Spielsegment und dann diskutieren wir, wie das zusammenpasst und wie uns das alles so gefällt und am Ende natürlich das einfachste Wertungssystem der Welt, the good, the bad and the ugly, da bewerten wir auch noch ein bisschen. Aber sag mal, Christian, können wir über einen Michael-Jackson-Film und Michael-Jackson-Spiele wirklich reden, ohne uns mit Michael Jackson, die Musiker, zu beschäftigen?
Christian:
[2:38] Das erscheint mir sehr schwer, zumal sich beides natürlich ganz, ganz stark mit der Person Michael Jackson, mit der Welt von Michael Jackson und natürlich auch mit den Hits von Michael Jackson beschäftigt.
Christian:
[2:50] Und deswegen würde ich sagen, fangen wir mal damit an, wer denn dieser Mann überhaupt war.
Heinrich:
[3:09] Und wenn sich jetzt alle im Pixelkino rhythmisch bewegen und mit Füßen wippen oder mit sonstigen Körperteilen rotieren, dann liegt das natürlich hier an den ersten Takten von Don’t Stop Till You Get Enough von dem 1979 Album Off the Wall. Ein toller Song, ein tolles Intro. Das war das Lied, mit dem ich als Teenager damals das erste Mal Michael Jackson als Solo-Pop-Künstler wahrgenommen habe. War ein Riesenhit in den USA. Ich habe damals immer fleißig AFN Munich gehört, den Soldaten-Sender. Da gab es die American Top 40, die aktuellen US-Hits. Und da lief das 79, die Charts rauf und runter.
Christian:
[3:51] Ja, da warst du etwas früher dran als ich. aber ich habe eine gute Entschuldigung. Ich war 1979 ein Jahr alt. Da habe ich mehr zu Kraftwerk gerockt als zu solch stressigen Michael-Jackson-Songs. Ich bin dann ein paar Jahre später drauf gekommen. In der Schule hatte ich dann einen Kumpel, mit dem hat man immer so Bänder getauscht. Also die Mixtapes, die man gemacht hat. Und da waren natürlich ganz wüste Sachen von Iron Maiden und Halloween und dergleichen drauf. Heitere Songs von der ERV und dazwischen natürlich auch die großen Hits von Michael Jackson. Der hatte damals dann auch schon das Thriller-Album und es kamen dann schon die Singles auch zu Bad. Das heißt, die Auswahl war dann natürlich sehr, sehr groß. Der Effekt war, glaube ich, genau der gleiche wie bei dir von Don’t Stop Till You Get Enough. Das ist ein unwiderstehlicher Sound, der den Leuten einfach sofort eingegangen ist.
Heinrich:
[4:39] Aber Michael Jackson war natürlich vorher schon ein großer Kinderstar, hatte Solo-Alben in sehr jungen Jahren gemacht und los ging es natürlich als kleiner Steppke bei den Jackson Five.
Christian:
[4:52] Ja, Michael hatte nämlich sehr, sehr viele Geschwister. Es sind mehr als fünf, kann ich gleich dazu sagen. Seine Eltern Joe Jackson und Catherine Jackson hatten neun Kinder. Es gab auch ein zehntes Kind, das ist aber kurz nach der Geburt gestorben.
Christian:
[5:05] Die sind von dem Jahrgegen her zwischen 1950 und 1966 angesiedelt. Das ist also eine große Zeitspanne. Und die Jackson Five, das waren also fünf Brüder. Jackie, Tito, Jermaine, Marlon und der junge Michael. Und der junge Michael war wirklich sehr, sehr jung. Es heißt, dass er also schon mit vier Jahren so wundervoll gesungen hat und auch so freudig gesungen hat, dass jeder erstaunt war und darauf reagiert hat. Und es hat dann nicht lange gedauert, bis der Vater Joe Jackson, der selber so eine Band hatte, die Blues-Songs, R’n’B-Songs gespielt haben, The Falcons hieß die, dieses Talent von seinen Kindern entdeckt hat und man könnte sagen, gefördert hat, man könnte aber auch sagen, er hat sie ihn eingeprügelt. Die Kindheit von Michael Jackson ist natürlich keine sehr schöne, denn der Vater wartet immer mit dem Gürtel oder mit dem Stock und treibt seine Jungs an, dauernd zu proben und mehr zu proben und wenn sie irgendwas falsch machen, dann verdricht der See. Es schärft ihnen natürlich wahnsinnige Disziplin ein und die Jungs kommen ganz, ganz schnell über Talentwettbewerbe, über größere Engagements bis hin zu Motown, dem ganz großen Label für schwarze Musik damals. Motown, das sind die, wo Diana Ross and the Supremes waren, Marvin Gaye, Stevie Wonder.
Heinrich:
[6:23] Four Tops, Smokey Robinson, ja, lange Liste. Ich empfehle auch jedem mal zu gucken. Es gibt da auch ganz tolle Sammlungen, auch bei den Streaming-Diensten Motown 60er, 70er Jahre. Ein unglaublicher Schatz an exzellenter Solo- oder Popmusik, wie immer man es nennen will.
Christian:
[6:39] Ich habe ein Boxset, das zu einem Motown Jubiläum herausgekommen ist, das ist so in Hausform, nämlich das Motown Haus und innen drin sind gleich 10 CDs nur mit Nummer 1 Hits von Motown. Also das Label war wichtig. Und dieses Label hat die Jackson 5 unter Vertrag genommen und Barry Gordy, der Chef von Motown, hat angekündigt, die ersten vier Singles, die sie veröffentlichen werden, werden alles Nummer 1 Hits. Und so war es dann auch. I Want You Back, ABC, The Love You Safe, I’ll Be There, jedes Mal ein Nummer 1 Hit.
Christian:
[7:12] Und die Jungs waren so erfolgreich, dass es sogar eine animierte Fernsehshow mit ihnen gab.
Heinrich:
[7:43] Ja, jetzt kann ich ja ein bisschen kontern, denn ich war etwas zu klein, als I Want You Back, die erste Single der Jackson 5, veröffentlicht wurde. Am 7. Oktober 1969, da war ich schon auf der Welt, man soll es nicht glauben, aber habe mich da, glaube ich, musikalisch mit anderen Dingen noch beschäftigt. Ja, war natürlich ein Riesenerfolg. Es gab da auch einen TV-Auftritt in der legendären Ed Sullivan-Show, weil die Kinder, die singen nicht nur sehr schön, das Lied ist auch ein wahnsinniger Ohrwurm und dazu halt die Choreografie, das Getanze, das war einfach das neue Pop-Phänomen. Und wie das halt so ist mit Kinderstars, die werden irgendwann älter, dann droht vielleicht auch mal ein Stimmbruch, man ist nicht mehr ganz so niedlich.
Heinrich:
[8:28] Es gab dann immer weitere Alben auch noch, auch von Michael Jackson Solo.
Christian:
[8:34] Ja, er war ja unter anderem nominiert für einen Oscar und zwar für den Song Ben. Der Film Ben, das war die Fortsetzung des Films Willard über eine Killer-Ratte. Und Ben ist damit vermutlich der erfolgreichste Song, der jemals über eine mörderische Ratte geschrieben wurde.
Heinrich:
[8:52] Das ist auch so eine herzzerreißende Ballade, wo man überhaupt nicht jetzt an einen Horrorfilm denkt.
Christian:
[8:58] Naja, also in Willard ging es ja auch um einen sehr sensiblen jungen Mann, der seine eigene Ratte hat und deswegen passt das natürlich perspektivisch total, dass Michael Jackson da auch sehr gefühlvoll über Ben singt. Ja, und die Erfolge enden ja da auch nicht. Denn irgendwann verlassen die Jackson 5 Motown. Nur Jermaine, der bleibt bei Motown. Der war nämlich dann schon verheiratet mit der Tochter von Barry Gordy, dem Chef von Motown. Stattdessen kommt also noch ein jüngerer Jackson-Bruder in die Band, nämlich Randy, der ist also noch jünger als Michael. Und sie treten ab sofort als die Jacksons auf. Und sie werden noch größer. Sie sind auf Epic mittlerweile unter Vertrag. Und dann kommen Hitsingles wie Blame It on the Boogie und Shake Your Body. Die Jacksons fangen an, ihre eigenen Songs zu schreiben, ihre eigenen Songs zu arrangieren und zu produzieren. Und in Michael wächst der Wunsch, eigenes Material zu machen. Und das führt uns zu Off the Wall.
Heinrich:
[9:51] Ja, die größten Erfolge von Michael Jackson, die sind natürlich mit dem Namen eines legendären Produzenten verbunden, Quincy Jones. Mit dem hat Michael Jackson bei Off the Wall zusammengearbeitet. Und da hat eine alte Motown-Freundin für die Connection gesorgt, denn mit Diana Ross war Michael Jackson in dem Filmmusical The Viz, für das dieser Quincy Jones eben die Musik betreut hat, den Soundtrack gemacht hat. Und Quincy Jones, da war ja bereits in den späten 70ern so eine Legende, der hat ja seit den 50er Jahren im Chess mit dir angefangen, alles mögliche gemacht. Und bei der Gelegenheit empfehle ich auch die Dokumentation, die es über ihn gibt. Die sollte auf Netflix laufen. Quincy Jones über sein Leben, da war ich nämlich sehr erstaunt, was der schon auf dem Kerbholz hatte, bevor er so für uns normal Pop-Hörer irgendwie ein Begriff wurde.
Christian:
[10:53] Ja, das sind legendäre Namen, also der wirklich als ganz junger Trompeter angefangen hat und dann Arrangements gemacht hat und produziert hat, mit Lionel Hampton gespielt hat, mit dem jungen Ray Charles befreundet war, zig Platten aufgenommen, Soundtracks komponiert, für den Score der Truman Capote-Verfilmung kaltblütig dann auch schon mit dem Oscar nominiert. Und dann ab den späten 60ern kommen fantastische Alben, die irgendwo zwischen Jazz und Soul und R’n’B und Funk liegen, mit wahnsinnigen Musikern wie Herbie Hancock und Ron Carter und Freddie Hubbard und Hubert Laws und so weiter. Das sind legendäre Alben, also wer da mal reinhören will, Walking in Space, das Album, ist ein wundervoller Einstiegspunkt für diesen frühen Quincy Jones. Und ein großer Erfolg, den er dann hatte, war die Musik zu Roots, der Fernsehserie über den Sklavenkund der Kinte. Die hat für sehr viel Aufmerksamkeit gesorgt.
Christian:
[11:45] Und Quincy Jones war auch schon involviert in das Musical The Wiz, was da eben verfilmt wurde. Das ist eigentlich die Geschichte vom Zauberer von Oz, ist aber afroamerikanisch besetzt, ins moderne New York verlegt, also nach Harlem. Und das war als Musical wahnsinnig erfolgreich. Die Musik hatte Quincy Jones arrangiert. Das wurde dann fürs Kino umgesetzt von Sidney Lumet. Das Drehbuch stammt von Joel Schumacher. Das ist der, der dann später Flatliners und St. Elmo’s Fire und The Lost Boys und so gemacht hat. Diana Ross hat die Hauptrolle Michael Jackson hat die zweite Rolle, nämlich als Scarecrow Richard Pryor ist auch dabei und der Film ist ein voller Flop.
Christian:
[12:22] Es hat leider nicht funktioniert es wird ganz, ganz viel gemäkelt an Diana Ross, die zu alt sei für die Rolle und an der Regie von Sidney Lumet der eigentlich zu den ganz großen wichtigen Regisseuren gehört, An ganz vielen anderen Elementen. Aber ein Element, wenn es erwähnt wird, wird immer positiv hervorgehoben. Und das ist Michael Jackson in dieser Rolle.
Heinrich:
[12:43] Und Quincy Jones war auch sehr beeindruckt von dem talentierten jungen Mann. Er schwärmte auch unter anderem von der Disziplin. Also der Michael, der war immer pünktlich, der hat seine Texte gelernt gehabt und wusste auch die Texte von den anderen und überhaupt.
Heinrich:
[12:58] Und so hat man sich halt kennengelernt und irgendwann ist daraus eben der Plan geworden, das nächste Soloalbum von Michael gemeinsam anzugehen. Und das war eben dann besagtes Offs the Wall. Das hat natürlich noch ein paar andere Hits abgeworfen. Rock With You war eine Nummer eins in den USA.
Heinrich:
[13:18] Der Titeltrack, das war eine ganz interessante Mischung aus Michael-Jackson-Songs und auch von Stücken, die andere Komponisten beigetragen haben. Die Quincy Jones-Connection natürlich, der kannte jeden, der wusste, welche Musiker er im Studio haben wollte. Der wusste auch, wer vielleicht einen guten Song schreiben kann. Also Rod Camperton ist der Name, den man vielleicht erwähnen kann. Der hat Off the Wall Rock With You und dann auch später Thriller das Lied geschrieben. Ein Engländer übrigens, den man vielleicht von der Funkband Heatwave kennt. Ich habe irgendwo noch die Single von Boogie Nights noch in irgendeiner Kiste. Ja, das Album war ein Riesenerfolg. Hat über 20 Millionen verkauft, sagt man. Michael Jackson war nur etwas angefressen, dass er bei den Grammys der wichtigen Auszeichnung der amerikanischen Musikindustrie, dass er da in den wichtigen Kategorien irgendwie gar nichts gewonnen hat. Und da hat er sich gesagt, euch zeige ich es mal, mein nächstes Album, da ist dann jeder Song eine Hitsingle und so ist es ja dann auch fast gekommen.
Christian:
[14:28] Ja, das nächste Album war natürlich Thriller, das dann 1982 erschien. Und Thriller hat neun Songs und sieben von diesen Songs waren Top Ten Singles. Wenn man sich Thriller anhört, muss man sagen, das ist ja kein Album mit einem wahnsinnigen Konzept dahinter, außer dass es quasi alles Hits sind. Das ist, als würde man ein Greatest Hits Album machen, wo sie noch keine Greatest Hits sind. Wenn man es jetzt hört, ist es sozusagen ein Greatest Hits Album.
Christian:
[14:55] Auch da hat natürlich Quincy Jones produziert. Auch da ist dieses eingespielte Team wieder mit an Bord. Du hast schon gesagt, Rod Temperton hat Thriller geschrieben. Über Rod Temperton hat Quincy Jones mal gesagt, ein großes Talent, was dieser Mann hat, ist, dass die Texte sehr organisch auf den Melodien liegen bei ihm. Und das merkt man bei Thriller ja total. Und ein ganz wichtiges Element von diesen Alben, die Jones da produziert hat, sind natürlich dann auch die Sessionmusiker, die schon bei Off the Wall dabei waren, die jetzt hier bei Thriller dabei waren und die dann später auch bei Bad dabei waren. Das sind Leute wie Greg Fillingains und Michael Boddicker und Paulino da Costa oder Louis Johnson von den Brothers Johnson, Wawa Watson. Die Liste ist wahnsinnig lang. Das sind alles Profis, die auf Tausenden von Platten gespielt haben und die halt aus dem FF alles umsetzen können und so einen ganz, ganz eigenen Sound, einen perfekt sitzenden Sound für diese Songs finden können. Und einen möchte ich da ganz besonders hervorheben und das ist Jerry Hay. Jerry Hay ist Trompeter und der hat die ganzen Bläser-Arrangements geschrieben.
Christian:
[15:59] Wie toll Jerry Hay arrangiert, hört man auch an Thriller. Diese Bläser-Arrangements sind natürlich absoluter Irrsinn. Aber auch die anderen Songs, schon auf dem ersten Album of the Wall, Working Day and Night, dieses das sitzt so punktgenau, das ist absolut unglaublich. Also mit diesen Musikern, glaube ich, da kann man fast nur Hits produzieren. In Klammern, sie haben natürlich auch auf ein paar Alben gespielt, die dann keine Hits waren, Klammer zu. Aber ich bin so absolut erstaunt von der Qualität dieser Musiker und von diesem sehr eigenen Sound, den sie zusammen mit Quincy Jones und den Songs von Jackson dann produziert haben.
Heinrich:
[16:37] Du hast noch gar nicht meine Lieblinge erwähnt. Ich war ja damals schon großer Toto-Fan. Und die Pocaro-Brüder und Steve Lukeffer und David Page, die sind auch bei Thriller vertreten. Und nicht nur das, Steve Pocaro hat auch einen meiner Lieblingssongs da geschrieben. Der wäre eigentlich dann wohl auf dem Toto-Vor-Album gelandet, aber die Legende ist die, dass Quincy Jones mal um ein paar Demos gebeten hatte, vielleicht ist ja was dabei für das neue Michael-Jackson-Album. Und das Lied Human Nature, das wollten sie eigentlich gar nicht einreichen, das war aber auf der Rückseite von der Demokassette. Und es gab ja damals diese Kassettenrekorder, die etwas gehobneren Modelle, die haben dann automatisch umgeschaltet, wann das Ende vom Band erreicht war. Und das war hier wohl der Fall. Und auf einmal lief Human Nature, die Demo, und Quincy Jones und Michael Jackson haben die Ohren gespitzt, ich schmücke das jetzt nur minimal aus, und gesagt, hey, das ist es. Das ist ein Lied, das auch so einen fantastischen Klang hat, weil da eben auch Page selber die Synthesizer und was nicht alles gemacht hat.
Heinrich:
[17:54] Und jetzt kommt ja mein Geständnis, als Thriller rauskam, noch 82, wer konnte denn das ahnen? Ich war einer der wenigen Menschen auf der Welt, die das Album nicht gekauft haben.
Heinrich:
[18:08] Die Frau Upsingle. Das darf man nicht vergessen, es kommt der nächste große Name. Das war so ein etwas schmalziges Duett mit Paul McCartney. The Girl Is Mine, was jetzt nicht unbedingt repräsentativ für den Rest des Albums ist.
Christian:
[18:33] Nein, Paul McCartney war ja schon auch auf The Wall mit dem Song Girlfriend. Das setzt sich dann hier fort. Es ist vielleicht nicht repräsentativ, aber natürlich als Name war Paul McCartney dann doch eine so große Nummer. Der Gag ist ja dann, auf späteren Michael-Jackson-Alben kommt dann kein Duett mehr mit Paul McCartney, weil das ganze Geld, was Michael mit Thriller verdient hat, wollte er ja auch irgendwie gut anlegen. Und Paul McCartney hat ihm empfohlen, das in Songrechte zu investieren. Und dann hat Michael Jackson den Beatles-Katalog gekauft. Und ja, das hat die Stimmung dann doch irgendwie so weit getrübt, dass sie keine weiteren Duette mehr aufgenommen haben. Einnahmen können wir auch noch erwähnen. Und das ist der Gitarrist auf dem Hit Beat It, nämlich Eddie Van Halen von der Band Van Halen natürlich, der da ein knarziges Solo spielt.
Christian:
[19:34] Und das ist auch stellvertretend für einen großen Appeal, den Thriller nämlich hatte. Du hattest das schon gesagt mit den Grammys und der R’n’B-Kategorie. Damals war Musik immer noch sehr stark unterteilt in weiße und schwarze Musik. MTV zum Beispiel, die waren ja noch nicht sehr alt, aber die haben gar nicht wirklich Videos von schwarzen Künstlern spielen wollen. Eddie Van Halen, weißer Rock-Gitarrist, der ist stellvertretend dafür, dass dieses Album so einen überschreitenden Appeal hatte. Da ist Rock, da ist Pop, da ist Funk, da ist alles drin. Und das ist völlig egal, ob das weiß oder schwarz ist. Und das ist für die Hörer auch total egal. Der natürlich überschreitet, dass diese Grenzen, dass da nur schwarze Hörer irgendwie, die sonst eben R’n’B hören, dieses Album kaufen, sondern du hast plötzlich diesen kompletten Massenappeal.
Heinrich:
[20:24] Eddie Van Halen hat das übrigens als Gefeigen getan, da ist er für nicht bezahlt worden. Solche Musikanekdoten findet man in dem sehr interessanten Buch von Joseph Vogel, Man in the Music, das konzentriert sich wirklich auf die Alben, up off the wall und geht da Track für Track durch, wie sind die Lieder entstanden, wie sind die aufgenommen worden.
Heinrich:
[20:47] Das ist aber wirklich nur das Solo von Eddie Van Halen, denn ansonsten das Gitarrenriff, was sonst die ganze Zeit dem Lied ist, das war Steve Luqueffer von Toto. So, das habe ich aber genug angegeben.
Heinrich:
[20:58] Auf jeden Fall, Thriller hat sich für mich erst so im Lauf des Jahres 83 erschlossen, wo ich wirklich platt war, wie dann so eine Single nach der anderen kam und das immer interessanter wurde und natürlich das Billie Jean Musikvideo. Ich weiß nicht, wo ich das genau gesehen habe. es gab schon Formel 1 im deutschen Fernsehen und es gab auch auf ORF 1, das haben wir reingekriegt, auch so eine Musikvideosendung. Das war ja auch noch bevor MTV in Deutschland. Und das Billie Jean Video, das war so beeindruckend. Zum einen, weil das Lied dieses tolle Intro hat mit diesem Basslauf und wie geduldig das Anlauf nimmt. Und das Video war auch so toll inszeniert, wo natürlich Jackson als Tänzer in Erscheinung tritt. Aber das sah auch teuer aus. Eigentlich so in Richtung Kurzfilm, das waren ja auch immer die Videoambitionen von Michael Jackson.
Christian:
[21:54] Genau, um die tollen Videos und die filmischen Ambitionen von Michael Jackson kümmern wir uns noch etwas später. Denn er hat ja nach Thriller nicht aufgehört, Musik zu machen und wir bleiben noch ein bisschen bei der Musik. Was ich jetzt total erstaunlich finde in dieser Biografie von Michael Jackson ist, dass er nicht etwa als Solo-Künstler mit dem Album Thriller auf Tour geht, Sondern er geht mit den Jackson 5 Oder den Jacksons, wie sie ja da hießen Auf Tour, weil sein Vater das so wollte.
Heinrich:
[22:22] Das muss man sich mal vorstellen, weil Thriller war das schon das meistverkaufte Album aller Zeiten. Er war der größte Star auf der Welt. Und dann dieser schiese Vater, sage ich jetzt so aus meiner Warte, der ordnet an, nee, nee, wir machen als Familie eine Tour, damit wir alle uns bereichern können. Und Michael macht das mit. Das ist schon der Hammer.
Christian:
[22:45] Diese Auseinandersetzung mit dem Vater, das ist schon sehr speziell. Der hatte seine Jungs schon sehr unter der Fuchtel, aber es endet dann auch wirklich hier. Also Michael erklärt dann auf dieser Tour, dass er das nicht mehr machen wird und sich jetzt auf seine Solokarriere konzentrieren wird. Es gab dann noch ein Album von den Jacksons ohne Michael und ja, das war dann natürlich nicht mehr ganz so erfolgreich. Also Michael war schon immer eigentlich so ein bisschen der Brotgewinner in diesem Gespann und das hat man dann in diesem Bruch natürlich sehr gemerkt.
Christian:
[23:15] Michael hat sich also jetzt auf das nächste Album konzentriert, das kam fünf Jahre nach Thriller und das trägt den Titel Bad wieder mit Quincy Jones produziert wieder das eingespielte Team aus den fantastischen Session Musikern der Songwriting Anteil ist diesmal größer Michael Jackson hat wirklich die meisten Songs auf Bad geschrieben und das ist dann auch wieder wie so ein Greatest Hits die man da nennt, ja, Bad und The Way You Make Me Feel und Smooth Criminal da geht eins aufs andere Dirty Diana und Liberian Girl also das sind alles Michael Jackson Hits.
Heinrich:
[23:47] Dass das so lange gedauert hat, bis der Nachfolger zu Thriller erschienen ist, da gab es einige Gründe. Du hast schon die Jacksons Tour erwähnt. Es war auch natürlich nicht ganz so leicht, dass sich alle terminlich abstimmen, dass Jackson wieder mit Jones zusammenarbeitet. Da gab es viele gute Gründe. Zum einen natürlich die Erwartungshaltung nach dem großen Erfolg von Thriller. Es gab auch einen Vertrag über drei Alben. Es hat aber wohl schon ein bisschen geknirscht, also schon bei Thriller war man nicht immer ganz einer Meinung, welche Songs sind gut genug, was soll auf das Album, da hat natürlich der Jones als erfahrener Produzent oft das letzte Wort gehabt. Michael Jackson hatte auch schon angefangen, ohne Quincy Jones mit einem eigenen kleinen Team an dem Album zu arbeiten oder Demos zumindest zu machen und seine Mitstreiter haben sich augenzwinkernd das B-Team genannt, denn die Musiker, die von Quincy Jones immer angeheuert worden sind, die hießen das A-Team.
Heinrich:
[24:52] Ja, und dieses B-Team, das die Demos mit Michael gemacht hat, das waren Bill Bottrell, Matt Forger und John Barnes. Und da gab es aber auch später so ein bisschen Knatsch, weil Quincy Jones sich wohl gesorgt hat um Einfluss und Verantwortung und hat dann letztendlich durchgesetzt, dass gewisse Leute nicht mehr beschäftigt worden sind, zumindest zeitweise. Also, da merkt man schon ein bisschen, es ist nicht immer alles alte Sonnenschein. Michael Jackson emanzipiert sich natürlich da auch ein bisschen.
Heinrich:
[25:22] Fand jetzt Bad eigentlich ein erstaunlich gutes Album. Ich meine, nach Thriller kannst du ja nur verlieren sozusagen. Das ist ja nicht mehr zu toppen. Bad hat sich auch nicht mehr ganz so fantastisch verkauft. Aber es waren immer noch so 30, 40 Millionen, was so geschätzt wird. Auch hier ein sehr abwechslungsreiches Album. Auch für seine Zeit klingt es natürlich irre. Michael Jackson war ja auch immer sehr drauf erpicht, neue Sounds zu haben. Die neuesten Synthesizer, da wurden unzählige Texte und Demos aufgenommen. Er wollte immer den Leuten was bieten, was sie so noch nicht gehört haben. Und Bad war ja das Album, was so ein bisschen die Grundlage ist dann für das ganze Moonwalker-Projekt, zumindest in musikalischer Hinsicht.
Christian:
[26:09] Ja, also das ist wirklich der Punkt, an dem eben dieses ganze Moonwalker-Projekt jetzt entsteht. Und das ist der Punkt, an dem Michael Jackson in seiner Karriere ist. Ich finde das immer sehr lustig, dass man gemessen an den Verkäufen von Thriller ja dann eigentlich jedes folgende Michael-Jackson-Album als Flop bezeichnen muss.
Christian:
[26:26] Also du hast schon gesagt, es hat sich nicht mehr so gut verkauft. Ich meine, Bad hatte fünf Singles, die Nummer-Eins-Erfolge waren. Das ist ein gigantischer Erfolg. Und Jackson war omnipräsent. Aber jedes folgende Album war dann eigentlich immer noch mal kleiner. Und das heißt im Fall von Jackson immer noch, dass sich da Millionen verkaufen. Aber seine Relevanz ist so nach und nach zurückgegangen.
Christian:
[26:50] Wir haben jetzt auch natürlich verschwiegen bislang, dass Jackson ja durchaus, sagen wir mal, exzentrisch war. Die Presse hat sich nicht nur sehr damit beschäftigt, was für tolle Songs der Mann schreibt, sondern sie haben sich vor allen Dingen sehr viel damit beschäftigt, wie merkwürdig dieser junge Mann ist. Da gab es also die verrücktesten Geschichten von seinem Affen, der ihn immer begleitet hat, Bubbles, der ist mit ihm auf Welttournee gegangen. Es gab Geschichten, dass er unterm Sauerstoffzelt schläft, um den Alterungsprozess aufzuhalten. Er hat sich seine eigene Ranch gebaut, Neverland, wie bei Peter Pan. Also so ein Kinderparadies eigentlich, was du mit allem Geld der Welt kaufen kannst. Er hat sich Tiere angeschafft. Angeblich wollte er die Knochen vom Elefantenmann kaufen. Du hast praktisch jede Woche irgendeine neue Schrulligkeit von Michael Jackson gelesen. Und das war zu dem Zeitpunkt noch alles irgendwie schräg, aber vielleicht auch charmant. Und es passte irgendwie zu diesem Menschen, der so überlebensgroß irgendwie war.
Christian:
[27:49] Also wir bleiben jetzt eigentlich in dieser Zeit von Bad oder kurz nach Bad, um über Moonwalker zu reden, aber ich gebe noch den Ausblick, was jetzt dann weiter mit Michael Jackson war. Er hat sich ja dann von Quincy Jones getrennt. Das nächste Album Dangerous ist vor allen Dingen in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Teddy Riley entstanden. Das war damals so der angesagte New Jack Swing Produzent und auch Dangerous hatte natürlich große Hits wie Black or White oder Remember the Time. Aber auch das hat sich nicht mehr so toll verkauft. Und dann kamen Anschuldigungen. Wir müssen das hier natürlich erwähnen. Wir wollen das nicht wahnsinnig ausbreiten. Aber es gab ja dann Anklagen, dass Michael Jackson unangemessene Kontakte mit Kindern hatte.
Christian:
[28:28] In seinem Neverland-Bereich, da waren immer Kinder zu Gast und die haben auch bei ihm übernachtet. Und wie er dann erklärt hat, haben die auch bei ihm im Bett geschlafen. Dann gab es also hässliche Gerüchte, die sind dann irgendwie durch einen Vergleich wieder weggefallen. Aber der Ruf war natürlich sehr beschädigt. Mitte der 90er kommt sein Album History, wo er eigentlich sehr persönlich sich dann äußert dazu. Also Tired of Being Judged, Stop Questioning Me, so geht das die ganze Zeit. Er widmet einen kompletten Song dem Staatsanwalt, der diese Untersuchungen geleitet hat, den er eben als Cold Man dort bezeichnet und und und. Und sein Ruf ist so angeschlagen, dass das History-Album gar nicht viel Wellen in Amerika schlägt. Es hilft aber auch nicht, dass das History-Album als Doppelalbum verpackt ist. Und die erste CD, History Begins, ist eine Best-of-Compilation mit 15 seiner größten Solo-Hits. Und erst die zweite CD ist dann das neue Album mit Songs wie Scream oder Stranger in Moscow oder They Don’t Care About Us. Also durchaus große Pop-Songs. Nur die meisten Jackson-Fans haben ja schon seine Songs im Regal stehen. Die brauchen sich nicht ein Doppelalbum kaufen, wo sie dann nochmal dieselben Songs kriegen.
Heinrich:
[29:45] Ja, das war so eine Geschichte, wo die Plattenfirma ursprünglich ja nur das Greatest Hits-Album wollte. Aber Jackson hatte halt das Bedürfnis, sich da mit neuen Songs auch zu äußern. War alles ein bisschen unglücklich, auch da die ganzen Werbekampagnen, wo da, ich glaube, an verschiedenen Orten in Europa überlebensgroße Michael-Jackson-Statoren aufgebaut wurden. Das hat seinem Image, glaube ich, alles nicht geholfen. Da war auch in der Presse dann viel so von Größenwahn und einer eigenen Realität die Rede.
Christian:
[30:15] Ja, und das hat sich dann leider auch fortgesetzt. Die Berichte über sein merkwürdiges Privatleben haben dann auch überhand genommen. Das war dann wirklich schon wichtiger als die Musik. Er hatte ja dann geheiratet, die Tochter von Elvis Presley, die Ehe hielt nicht lang. Und danach hat er nochmal geheiratet. Und das war die Krankenschwester von seinem Dermatologen. und es gibt dort auch Kinder aus diesen sehr kurzlebigen Ehen. Er hat 2001 ja noch ein Album rausgebracht, Invincible, und das ist wirklich nicht gut. Also da tackern die Beats irgendwie mechanisch daher und Jackson wirkt eigentlich recht saftlos und vor allen Dingen hat er die Hits nicht mehr. Also das sind keine Songs, die dir im Ohr bleiben in irgendeiner Form. Und in den 2000ern, das hat natürlich dann jeder mitgekriegt, da tauchten dann die Anschuldigungen wieder auf. Es gab ein Gerichtsverfahren. Er wurde freigesprochen bei dem Gerichtsverfahren, aber der Ruf war natürlich schon so beschädigt. Es gab dann diese Episode, wo er seinen Jungen nur auf einem Arm gehalten, so über die Brüstung von dem Balkon gehalten hat, um den Fans zu winken. Also der Aufschrei war natürlich entsetzlich. Und The Rolling Stone hat in seinem Nachruf das sehr schön geschrieben Da heißt es Er schien nicht das geringste Gespür dafür zu haben, wie seine Handlungen auf die Welt wirken mussten Was vielleicht nicht einmal weiter schlimm wäre, außer man erwartet von dieser Welt bedingungslose Liebe.
Christian:
[31:37] Nach dieser ganzen Geschichte hat sich Jackson zurückgezogen Er ist ins Ausland gegangen, Neverland hat er nicht mehr betreten Es hätte dann ein Comeback geben sollen Es waren Konzerte angekündigt in London Eine große Konzertreihe mit 50 Konzerten, für die er trainiert hat. Aber 2009 ist er dann an einer Medikamentenüberdosis gestorben, im Alter von nur 50 Jahren. Also eigentlich eine traurige Figur, die schrittweise dann nach diesem Höhepunkt, über den wir hier reden, auch sehr tragische Komponenten angenommen hat.
Heinrich:
[32:11] Aber wir erkennen jetzt zurück zur Blütezeit des Schaffens von Michael Jackson. Er hat ja mit ambitionierten Musikvideos bereits durchblicken lassen, wie sehr er an dem Medium interessiert ist. Sehr aufwendig gemacht teilweise. Das nötige Kleingeld lag ja rum, wo er auch mit hochkarätigen Regisseuren schon zusammengearbeitet hat. Ja, Thriller war natürlich nicht das erste Musikvideo vom gleichnamigen Album, das war sogar die siebte und letzte Single, aber da hat sich nochmal Jackson selbst übertroffen, der Aufwand, das Geld, das in dieses Musikvideo gesteckt worden ist und da gab es auch die längere Version, die man an guten Tagen auch mal im Fernsehen sehen konnte, wo noch so ein bisschen Rahmenhandlung drumherum war und das hat ja auch nicht irgendwer inszeniert. Also Michael Jackson war ein großer Fan des Films American Werewolf in London und hat dann seinen Leuten gesagt, hier findet mal den Regisseur und bringt ihn hier diesen John Landis, den hätte ich hier gerne für mein Grusel-Video.
Christian:
[33:35] Ja, es ist witzig im Making-of zu Thriller, sieht man dann John Landis und Michael Jackson nebeneinander hocken und Michael Jackson kennt die ganzen anderen John-Landis-Sachen nicht. Landis sagt ja, naja, also Michael kannte weder Blues Brothers, noch kannte er Animal House, noch kannte er Die Glücksritter, also den mit Dan Aykroyd und Eddie Murphy. Das sind alles gigantische Hits, sondern er kannte halt American Werewolf. Michael meinte dann noch, er kannte Kentucky Fried Movie. Und John Landis meinte ja, Disappointing Day at the Jackson House. Und lacht recht viel. Aber John Landis hat ja dann auch seinen Maskenmann mitgebracht, nämlich Rick Baker, der ja für die Werwolf-Effekte von American Werewolf auch dann Oscar-prämiert war.
Heinrich:
[34:17] Ja, und das Video sieht auch fantastisch aus, kann man sich auch heute noch geben, ist ja so ein Halloween-Klassiker geworden, die Choreografie beim Zombie-Tanz und auch sehr inspirierend für gewisse Levels in gewissen Moonwalker-Spielen, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen. Ja, Jackson hat ja zu der Zeit schon gesagt, dass er sich gerne Musikvideos anguckt und MTV, aber ja, so richtig gut sind die ja oft nicht, sondern eher so Billigproduktionen und er möchte eher so Kurzfilme machen und nicht nur die Bandfilme, wie sie gerade irgendwie das Lied runternudelt. Gut, da hat er natürlich die Möglichkeiten gehabt. Ich glaube, so ein Thriller-Budget, das waren dann auch schon siebenstellige Bereiche zu einer Zeit, wo ein Musikvideo vielleicht 50.000 Dollar im Schnitt gekostet hat. Da hat er natürlich auch in einer anderen Liga gespielt. Aber er hatte ja noch größere filmische Ambitionen.
Christian:
[35:16] Ja, das Prinzip mit den Musikvideos als große Kurzfilme, das zieht sich dann auch wirklich durch seine Karriere durch. Und wenn man da sich die Namen anschaut von Leuten, die dann an diesen Videos teilweise hängen, als Regisseure und genauso auch als Darsteller. Da kann man oft nur mit den Ohren schlackern. Also das nächste sehr große Musikvideo war ja Bad, das dann von Martin Scorsese inszeniert wurde, ein 17-minütiger Kurzfilm letzten Endes. Im Musikvideo von Black or White, das ist wieder von John Lendis inszeniert, da taucht dann McGorley Culkin als Gaststar auf. Das Video Remember the Time, das war von John Singleton inszeniert, das ist der mit Boys in the Hood. Da tauchen Eddie Murphy und Iman und Magic Johnson als Gäste auf. Das Musikvideo They Don’t Care About Us war von Spike Lee inszeniert. Und sein letztes Musikvideo, You Rock My World, von Paul Hunter. Das ist auch noch mal so ein viertelstündiger Kurzfilm. Und da sind Chris Tucker und Marlon Brando und Michael Madsen und Billy Drago drin. Das ist völlig unglaublich. Und dazwischen kommt noch ein Musikvideo, nämlich Ghosts. Das ist ein absolut längstes. Das dauert 38 Minuten. Das ist inszeniert von Stan Winston. Den kennen wir als den Mann, der die Terminator-Effekte gemacht hat. Und das Drehbuch hat Jackson zusammen mit Stephen King geschrieben. Also die Ambition ist allein aufgrund der Namen, glaube ich, spürbar, die er da verfolgt hat.
Heinrich:
[36:41] Und wenn man dann für sein Thriller-Video vielleicht einen Schauspieler braucht, der ein paar Textzeilen besonders gruselig spricht, dann engagiert man natürlich Horrorfilm-Ikone Vincent Price.
Heinrich:
[37:10] Ja, es gab auch vorher schon Berührungen mit Hollywood. Quincy Jones hat für Steven Spielberg das Audiobook, so eine Begleitschallplatte zum großen Kinoerfolg E.T. Produziert und da wurde natürlich gleich Michael Jackson auch als Sprecher verpflichtet. Und bei Spielberg, da denken wir immer gleich auch an George Lucas. Und der war involviert als Produzent eines Kurzfilms, der für die Disney World Vergnügungsparks gedreht worden ist. Und das war so ein bisschen schon Michael Jackson mit dem großen C in einer dramatischen Rolle, wenn man so will. Und dieser Kurzfilm hieß Captain E.U.
Christian:
[37:55] Ja, auch da sind die Namen sehr, sehr beeindruckend. Denn nicht nur hat George Lucas produziert und mitgeschrieben, sondern inszeniert und mitgeschrieben wurde, das Ding von Francis Ford Coppola, dem Regisseur von Der Pate und Apocalypse Now. Er hat auch gleich seinen Kameramann Vittorio Storaro mitgebracht, der dann als Lichtberater fungiert hat bei diesem Set. Die Kamera hat Peter Anderson gemacht, der ist einer der Pioniere in der 3D-Kamera gewesen. Angelica Houston spielt mit. Die Musik zwischen den Jackson Songs ist von James Horner komponiert. Das ist der, der den Aliens-Score gemacht hat. Und auch Rick Baker ist wieder mit an Bord. Also, das Ding ist gigantisch und es galt als teuerster Film, wenn du, Kosten pro Minute rechnest, denn dieser Kurzfilm dauert 17 Minuten und umgerechnet kommst du dann auf ein Budget von 1,76 Millionen pro Minute. Er ist in 3D inszeniert, aber er ist eigentlich sogar in 4D inszeniert, denn wenn du dir das in Disney World angeschaut hast, gab es im Zuschauerraum sogar Rauch und Laser und so weiter, während du dann mit Michael Jackson in diese Science-Fiction-Welt eingetaucht bist.
Heinrich:
[39:08] Ach, das war die vierte Dimension. Nun, was sagen denn die Physiklehrer dazu? Das ist ja eine interessante These. Ja, also ich habe ihn damals nicht in Disney World gesehen. Ich kenne ihn jetzt auch nur so als normales Video. Es ist ganz putzig. Zu Beginn hat man so ein bisschen den Eindruck, da ist Jackson in eine Muppet Show-Folge reingeraten, weil seine Alien-Begleiter an Bord seines Raumschiffs, das sind so recht putzige Puppen und knuffige, tierähnliche Wesen, Aber, ja, man hat schon so einen leichten Zweifel an seiner Tauglichkeit als Hauptdarsteller in einem Weltraum-Action-Spektakel. Jetzt ist das natürlich kein richtiger Film und Zielgruppe sind offensichtlich Kinder. Und in der zweiten Hälfte, wenn dann gesungen und getanzt wird, dann gewinnt das auch deutlich an Qualität. Und ich glaube, die Handlung lässt sich zusammenfassen, indem man sagt, die magische Macht von Musik und Liebe verwandelt auch die garstigsten galaktischen Kreaturen in liebevolle Zeitgenossen und alles wird gut.
Christian:
[40:18] Genau, Angelica Houston spielt ja da so eine böse Königin. Und ich fand es sehr interessant, dass sie eigentlich wie die Borg-Königin dann viel später in Star Trek First Contact, darum hängt nur so ein Torso, der dann von Drähten und Schläuchen irgendwie in der Luft bewegt wird. Es ist alles sehr beeindruckend gemacht. Und ich muss dir auch zustimmen, dass Jacksons schauspielerische Qualitäten jetzt nicht zu den allerersten Talenten gehören, die man bei ihm nennen würde. Er hat sehr viele. Die Schauspielerei, die hat mich dann manchmal so ein bisschen an Peter Alexander erinnert.
Heinrich:
[40:51] Jetzt haben wir die Verbindung hergestellt.
Christian:
[40:55] Nicht, dass es der gleiche Typ wäre, aber Peter Alexander wirkt auch immer so nett und scheint uns dann immer irgendwie zuzuzwinkern. Ist alles nur Spaß. Ich spiele nur. Keine Angst.
Heinrich:
[41:07] Die beiden hätte Quincy Jones mal zusammenbringen müssen.
Christian:
[41:10] Das wäre ein Duett gewesen, gell? Genau, interessantes Captain EO übrigens auch, weil da ist ein Jackson Song zu hören, der fast unbekannt ist, nämlich We Are Here To Change The World. Das ist der erste, den er dort singt. Danach kommt eine frühe Fassung von Another Part Of Me. Der Film war 86, also das war noch vor dem Bad Album, wo der Song dann in neuer Version zu hören war. Aber We Are Here To Change The World, der ist dann gar nie auf den Alben erschienen. Es gibt dann später eine große Compilation, ein Boxset, wo der dann mit enthalten ist. Aber das ist natürlich sehr interessant, sich das jetzt anzuschauen, wo man ja das Gefühl hat, man kennt eh alle Jackson Songs in- und auswendig. Und dann gibt es aber immer mal wieder welche, die man noch entdecken kann.
Christian:
[41:48] Ja, das sind die Ausflüge von Michael Jackson in die Filmwelt, die uns dann zu Moonwalker führen. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass es ja auch Versuche gab, das Leben von Michael Jackson in einen Film zu bannen, wo Michael Jackson gar nichts mit zu tun hat. Es gab Anfang der 90er schon ein TV-Zweiteiler, The Jacksons and American Dream, wo also die Karriere der jungen Jackson 5 dann genauer beleuchtet wird. Es gab 2004 einen Film von Alan Moyle, das ist der Regisseur von Pump Up the Volume, der heißt Man in the Mirror.
Christian:
[42:20] Moyle hat das ein Bio-Poem genannt, da versucht er diese Anschuldigungen aufzugreifen und Jackson aber halt so als dieses verlorene Kind selber zu inszenieren, der irgendwie eigentlich seiner nicht vorhandenen Kindheit hinterherjagt oder so. Der Film hat wahnsinnig miese Kritiken auf Letterboxd und sonstiges, was du finden kannst. Ich glaube, ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der den irgendwie interessant und eigentlich auch ambitioniert findet. Und er hat keinerlei Jackson-Musik. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht im Budget drin war oder ob es daran liegt, dass sie keine Rechte gekriegt haben, also keine Erlaubnis.
Christian:
[42:56] Ja, und 2026 gab es natürlich das große Biopic Michael von Antoine Fuqua. Den kennen wir vor allen Dingen durch harte Action-Filme. Sein bekanntester Film ist vermutlich Training Day mit Denzel Washington und Ethan Hawke.
Christian:
[43:09] Und das ist auch ein Biopic, das teilweise sehr miese Kritiken gekriegt hat, aber es ist ein wahnsinniger Box-Office-Success, das spielt Millionen ein. Und der Film ist nicht so schlecht, wie die Kritiken vielleicht suggerieren. Man muss sagen, zwischen der tollen Musik und den tollen Bühnen-Performances und den Tanzeinlagen und so weiter ist nicht wahnsinnig viel Fleisch an der Geschichte dran. Also die Jackson 5 sind eigentlich mehr so eine Staffage im Hintergrund, das so ein bisschen wie Tick, Trick und Track, die man nur an den Mützen auseinanderhalten kann. Also ich habe Tito erkannt, weil der trägt eine Mütze, auf der steht Tito. Aber der Film hält sich nicht wahnsinnig damit auf, denen eine Persönlichkeit zu geben oder dann die Beziehung zwischen Michael und seinen Brüdern irgendwie zu beleuchten, sonst irgendwas. Der Film konzentriert sich eigentlich auf die Auseinandersetzung zwischen Michael und seinem Vater. Er folgt diesem Biopic-Schema von dem Jungen, der halt hart trainiert und der Erfolg der Jackson 5 und dann Solo und dann Thriller und der Film endet 1988, gerade rechtzeitig sozusagen.
Christian:
[44:10] Also auf diesem Höhepunkt mit einer Bad-Performance. Diese Auseinandersetzung mit dem Vater funktioniert und ich finde, da liegt schon auch was drin. Das ist eine gut gemachte Erzählung. Die Vorwürfe, die der Film kriegt, liegen auch teilweise darin begründet, dass er diese ganzen Vorwürfe, die Michael Jackson gegenüber gemacht wurden, komplett ausklammert. Das war nicht immer so geplant. Es gab ursprünglich tatsächlich einen dritten Akt, in dem diese Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs dann auftauchen. Das wurde dann aber alles gestrichen. Die sind dann drauf gekommen, dass es da eine rechtliche Klausel gibt, weswegen sie diesen Jungen von diesem Fall in den 90er Jahren nicht in einem Film oder in einer Fernsehproduktion irgendwie bearbeiten können. Deswegen wurde das komplett geknickt und wurde umgeschrieben und es gab Reshoots und so weiter. Das mag also auch dann einen Teil mit dazu beigesteuert haben, dass dann von der Handlung noch weniger da war, als es vielleicht vorher schon der Fall war. Es ist aber auch so, der Film ist von der Familie von Michael Jackson produziert. Das heißt, die wären natürlich nicht dann zu dem Schluss gekommen, dass er irgendwas Unanständiges gemacht hätte, sondern das wäre sicherlich auf seinen Gunsten letzten Endes gelandet. Es steht auch nicht die komplette Familie dahinter. Janet Jackson existiert nicht in dieser Welt und die älteste Schwester Rebby existiert auch nicht in dieser Welt. Latoya gibt es. Es ist ein interessantes Biopic. Wie gesagt, ich finde den nicht so schlimm, wie manche von den Kritiken dich glauben lassen.
Christian:
[45:40] Glaube, man kann schon da drin auch was entdecken und es ist jetzt nicht so, dass er Michael Jackson Unrecht tun würde, indem er ihn darstellt, nämlich als sehr schüchternen und ein bisschen verlorenen Jungen, der seine Freundschaften eigentlich in Tieren findet, eigentlich in einer Fantasiewelt findet. Er liest Peter Paaren, er träumt davon, irgendwann eben dieses Neverland zu haben und er kanalisiert all das irgendwie in seine Songs, die dann dadurch auch sehr, sehr persönlich ausfallen.
Heinrich:
[46:06] Und wo das Michael Biopic aufhört, da macht das Pixel-Kino weiter, nämlich im Jahre 1988 bei dem Film Michael Jackson’s Moonwalker.
Heinrich:
[46:44] Michael Jacksons Moonwalker hätte im Dezember 1988 in die US-Kinos kommen sollen, kam aber nicht. Da gibt es verschiedene Aussagen, woran das lag. Waren es reine Terminprobleme oder wollte Jacksons Firma zu viel Geld von den Kinobetreibern haben? Auf jeden Fall wurde das kurzfristig abgesagt. Dafür gab es in den USA dann gleich im Januar 1989 eine VHS-Veröffentlichung und als Home-Video war der Film auch erfolgreich, also im siebenstelligen Bereich soll er sich verkauft haben. In Deutschland gab es einen Kinostart. Der war am 12. Januar 1989. Und das war jetzt nicht ein Film, wo ein großes Studio quasi den Star gebucht hat und dem ein Drehbuch vorgesetzt hat. Das ist wirklich Michael Jacksons Vision, wenn man so will. Und er hat den Film auch selbst finanziert. Also er hat ja ein paar Platten verkauft, da kann man sich sowas leisten.
Christian:
[47:50] Ja, mit einem Budget von 22 Millionen, da kann man schon was anstellen. Und er hat sehr viel angestellt bei diesem Film. Es ist eine sehr komplexe Geschichte, diese Entstehung von Moonwalker zu erklären.
Christian:
[48:04] Und vielleicht sollte man da erstmal erklären, was ist denn dieses Moonwalker eigentlich? Worum geht’s da? Was passiert da?
Heinrich:
[48:11] Das frage ich mich auch nach zweimaliger Begutachtung immer noch. Also ich wusste nicht so genau, was mich erwartet. Versuchen wir mal, die Handlung zusammenzufassen. Es beginnt damit.
Heinrich:
[48:24] Dass wir erstmal Michael Jackson im Konzert sehen, damals aktuell. Hell, Man in the Mirror wird zum Besten gegeben. Das Publikum ist begeistert und ergriffen, ist ja auch ein schönes Lied. Und dann geht es ein bisschen zurück in die Vergangenheit, so eine Retrospektive, die Anfänge, die Jackson 5, worüber wir schon gesprochen haben. Und da denkt man erst, es geht vielleicht mehr in Richtung Dokumentation, ist auch toll gemacht, toll geschnitten, viele Details. Ich wusste gar nicht, dass es in Saint-Vicent damals schon Michael Jackson Sonderbriefmarken
Heinrich:
[48:58] gab. Und dann wird es aber ein bisschen merkwürdig. Also erst gibt es Badder, wird es genannt. Das ist so eine Art Parodie auf das berühmte Bad-Musikvideo. Nur, dass die Gangmitglieder diesmal von niedlichen Knirpsen dargestellt werden. Also die Mini-Playback-Show sozusagen kombiniert mit Bad.
Heinrich:
[49:19] Und dann kommt die Flucht von Michael Jackson vor seinen Fans, die als Claymation, als Knetfiguren, als Animationen dargestellt werden. Also es sind natürlich nicht nur die Fans, sondern auch die bösen Paparazzi, die böse Presse. Von denen wird er gejagt rund um das Filmstudio und Michael Jackson entkommt, indem er ein Hasenkostüm findet und das Fahrrad, mit dem er davonradelt, verwandelt sich zum Motorrad und dann…
Heinrich:
[49:53] Das Lied Speed Demon sehr passend und die Verfolgung sagt, endet damit, dass Michael Jackson einen Strafzettel bekommt, weil er in einer No-Dance-Zone einen Dance-Off mit dem Hasen hatte, der inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat. Und das ist der Punkt, wo ich mir dann nicht mehr ganz sicher war, ob ich so diese innovative Art der surrealen Komponenten richtig verstehe. Ist es ein Kinderfilm? Ist es ein Drogenfilm? Deswegen bin ich ja froh, dass du heute dabei bist, Christian, der mir das alles erklären kann.
Heinrich:
[50:27] Zumal dann etwa in der Mitte, nach dem Lief-mir-Lohn-Musik-Video, das auch so ein bisschen zusammenhanglos dann noch eingespielt wird, da kommt ja doch noch eine Filmhandlung. Und jetzt wird es erst richtig merkwürdig. Also, es gibt drei Waisenkinder, die nächtens von einem Dach aus Zeuge werden wie Michael Jackson, als er sein Musikgeschäft, was sonst verlässt, wie er beschossen wird von irgendwelchen vermummten Gestalten und was soll das alles? Da kommt zurück ein Flashback, das alles erklärt. Michael und besagte drei Kinder spielen im Sonnenschein und es gibt ganz wichtig einen niedlichen Hund und sie spielen und sie spielen mit ihm Fußball. Michael allerdings, der hält ihn mehr wie beim American Football, das ist aber ein europäischer Fußball.
Heinrich:
[51:19] Für den Hund den Vorteil hat, dass man den leichter ergreifen oder mit weglaufen kann. Wo ist Skipper? Bei der Suche nach dem Hund landet man in einer Höhle mit vielen Spinnweben, die führt in das Drogenlabor von Mr. Big, der alle Kinder dieser Welt mit seinen Drogen abhängig machen will. Und weil Michael das weiß, deswegen wird er verfolgt. Wieder zurück in die nächtlichen Straßenszenen. Michael rennt mal wieder weg. Diesmal halt nicht vor den aufdringlichen Fans, sondern vor den tödlichen Schergen von Mr. Big, als er in eine Sackgasse gedrängt wird.
Heinrich:
[51:55] Dann macht man sich schon große Sorgen. Ist es um ihn geschehen? Aber nein, im richtigen Moment gibt es eine Sternschnuppe und die gibt Michael die magische Kraft, um sich in ein Auto zu verwandeln. Und damit rast er dann zum Club 30s, wo das sehr ausführliche und auch richtig tolle Smooth Criminal Musikvideo kommt. Und dann geht es aber dummerweise wieder mit der sogenannten Filmhandlung weiter. Also die Bösen kommen und dann wird noch die kleine Katie entführt, das niedlichste von den Kindern, die immer so ihren Teddybär noch dabei hat.
Heinrich:
[52:29] Dann kommt es zu einem großen Showdown, wo man glaubt, alles ist wirklich jetzt endgültig verloren, aber die nächste Sternschnuppe fliegt vorbei und Michael verwandelt sich in einen Riesenroboter, der alles zu Klump schießt und sich am Ende noch in ein Raumschiff verwandelt und wegfliegt. Dann sind die Kinder ganz traurig. Aber dann kommt ja Michael wieder und sie gehen zusammen ins Konzert, wo er Come Together von den Beatles eine Cover-Version spielt. Und das Wichtigste, Skipper ist gefunden worden, also ein Happy End. Ich habe so alle Zusammenhänge dieser komplexen Handlung nicht ganz verstanden, aber deswegen haben wir ja einen Filmexperten dabei. Christian, analysier das mal für uns. War ich dann nur überfordert? War das eine innovative Form der surrealistischen Inszenierung?
Christian:
[53:19] Also Heinrich, vielen herzlichen Dank für diese sehr gute Zusammenfassung. Ich glaube, das ist so der Punkt, wo man eigentlich erstmal in sich gehen muss und das so ein bisschen auf sich wirken lassen muss.
Christian:
[53:30] Dass der Film so auseinanderfranst, hat durchaus Gründe, verschiedene. Und die liegen teilweise in seiner Entstehung und die liegen aber teilweise natürlich auch darin, was Michael Jackson da machen wollte. Und dem versuchen wir jetzt mal ein bisschen auf die Schliche zu kommen. Aber ich kann dich beruhigen, Heinrich, du hast da jetzt nicht etwa das große Statement verpasst und die große Auflösung, die alles klärt, sondern es ist ein buntes Sammelsurium. Es ist eine Collage aus verschiedensten Ideen, wo einfach alles gerade reingeworfen wird, was irgendwie gerade lustig sein könnte. Also, der Film beginnt eigentlich auch als Musikvideo. Wir haben ja schon darüber geredet, dass Jackson diese ganz großen, aufwendigen Musikvideos machen wollte. Und das ist auch die Idee hier. Denn ursprünglich stand Smooth Criminal im Mittelpunkt. Und dieser ganze Part, den du siehst rund um Smooth Criminal und diesen drei Kindern und Mr. Big und so weiter, das ist eigentlich erst einmal der Kern des Films. Und für dieses rund 40-minütige Musikvideo oder einen 40-minütigen Kurzfilm hat sich Michael Jackson den Regisseur Colin Chilvers geholt. Colin Chilvers ist eigentlich als Effektmann bekannt. Der hat nämlich den Oscar für die Effekte von Superman damals gewonnen, 1979.
Christian:
[54:46] Der hat auch an anderen Filmen gearbeitet, wie Tommy zum Beispiel, dieses The Who Musical, an der Rocky Horror Picture Show hat er gearbeitet, an dem Frank Zapper Film 200 Motels, der hat später auch an dem ersten X-Men Film zum Beispiel gearbeitet. Das war ein Mann, der wusste, was er tat und Michael Jackson war so begeistert von Superman, dass er gesagt hat, er will den Mann, der diese tollen Effekte gemacht hat.
Christian:
[55:09] Colin Schilfers kam also, um dieses Smooth Criminal Video zu drehen und er hat auch als Drehbuchautor David Newman mitgebracht. David Newman hat die Drehbücher zu Superman 1 bis 3 geschrieben und auch mit am Drehbuch für Bonnie and Clyde geschrieben. Und auch hier haben wir wieder das Prinzip, dass da also große Namen plötzlich drankommen und zwar die Hauptrolle neben Michael Jackson spielt Joe Pesci. Das ist der aus Kevin allein zu Haus, der auch kurz nach Moonwalker dann in dem Martin Scorsese-Film Goodfellas zu sehen war. Und den kennen wir auch zum Beispiel aus den Lethal-Weapon-Filmen.
Christian:
[55:43] Die Idee von diesem Smooth Criminal mit dieser Spelunke, wo ja das Fleisch des Musikvideos gewissermaßen stattfindet, das kommt von Der dritte Mann. Colin Chilvers hat Michael Jackson diesen alten Film aus den 40ern von Carol Reed, Der dritte Mann, The Third Man mit Joseph Cotton und Austin Wells gezeigt. Und Michael Jackson war ganz begeistert von dieser Schattenwelt und dieser sehr, sehr eindringlichen visuellen Komponente des Films. Und das hat er kombiniert mit seiner Liebe für Fred Astaire. Michael Jackson war ja auch ein sehr talentierter Tänzer, der immer sehr viele eigene Schritte und Bewegungen und so weiter entwickelt hat. Und eins seiner Vorbilder war Fred Astaire. Und da hat er sich den Film Vorhang auf angeschaut. 1953 kam der raus, The Bandwagon heißt der im Original, Vincent Minelli. Und da trägt Fred Astaire genau diesen weißen Anzug, den Michael Jackson dort bei Smooth Criminal anhat.
Christian:
[56:36] Das ist also die Genesis, wie diese Welt von Smooth Criminal entsteht Colin Chilvers hat gesagt Michael was paying for the damn thing Whatever Michael wanted, he could get We had some fun with that Michael would see something he liked on another movie And say, let’s do something like that.
Christian:
[56:54] Michael Jackson hat sich also im Kino umgeschaut und wenn ihm was gefallen hat, dann hat er gesagt, das brauchen wir auch. Er hat also Robocop zum Beispiel gesehen und hat gesagt, diese Schusswaffen, die brauchen wir unbedingt. Also haben sie irgendwie geschaut, dass sie solche Schusswaffen rankriegen. Er hat sich Back to the Future angeschaut und fand dieses Auto so toll, den DeLorean. Und deswegen wollte er dann auch so ein Auto haben für diese Sequenz, wo sich dann Michael Jackson in ein Auto verwandelt. Und er wollte auch nicht irgendein Auto haben. Er wollte einen ganz bestimmten Prototyp, der einzigartig ist. Und der musste dann aus Milan herangeschafft werden, damit sie den dann für den Film mehrfach nachbauen, um mit dem drehen zu können. Die haben ihm also Kataloge gegeben und haben gesagt, such dir irgendein Auto aus, Michael, die sind alle leichter zu kriegen. Aber nein, er wollte natürlich den haben. Rick Baker hat er auch wieder herangezogen vom Thriller-Video. Der hat sich um diese Robotermaske gekümmert und, und, und. Also er hat sich auch viel Zeit gelassen damit. Er war perfektionistisch, er wollte, dass das alles toll aussieht und dass die Tanzchoreografie richtig packt und so was. Aber alle Ideen entstanden eigentlich immer so nach und nach.
Christian:
[58:00] Aus diesen 40 Minuten ist aber ja noch kein Spielfilm Moonwalker geworden, sondern die Idee kam dann irgendwie erst später. Michael Jackson ist dann auch mal auf Tour gegangen und dann ist er wieder zurückgekommen und dann haben die weiter an dem Film gearbeitet.
Christian:
[58:14] Und Colin Chilvers war dann irgendwann fertig mit diesem Smooth Criminal-Segment und war dann sehr überrascht, als er das fertige Produkt gesehen hat, weil nämlich er überhaupt nicht wusste, dass da irgendwas drumrum gedreht wird bei Moonwalker. I wasn’t even aware of it until I saw the finished product. Let’s just say I wasn’t involved and Michael did what he wanted to do.
Christian:
[58:37] Der Mann, der jetzt also den Rest von Moonwalker übernimmt, ist Jerry Kramer. Jerry Kramer ist schon als Produzent dabei und wird jetzt quasi zum nächsten Regisseur. Der ist als Co-Regisseur neben Colin Chilvers für Moonwalker gelistet. Jerry Kramer hat einen Background in Musikvideos. Der hat Musikvideos gedreht für Styx, für Jefferson Starship, für Rod Stewart, für Aerosmith, für ZZ Topp, für John Fogarty und Heinrich, was dich besonders freuen wird. Er hat von Survivor das Burning Heart Video gedreht.
Heinrich:
[59:08] Ah, das ist doch Musik.
Christian:
[59:10] Ja. Und als Produzent hat er von Van Halen das Hot for Teacher Video produziert.
Heinrich:
[59:15] Oh, auch ein Klassiker. Wurde damals auch gerne gesehen.
Christian:
[59:19] Genau. Der Mann hatte einen Spielfilm gemacht, Modern Girls heißt der, bei uns mit dem deutschen Untertitel Hummeln im Hintern.
Heinrich:
[59:26] Oh Gott.
Christian:
[59:27] Drei Mädels in einer Nacht in L.A., der ist sehr charmant und sehr witzig, Die sich dann halt so mit ihren Liebeswirrungen und so weiter herumtreiben. Es ist ein wahnsinnig stylisch gemachter Film, also wo man den Background als Musikvideoregisseur dann merkt. Es ist aber quasi sein einziger Film, weil Moonwalker können wir jetzt nicht richtig als Spielfilm durchwinken und später hat Jerry Kramer dann TV-Specials und Comedy und so weiter gemacht.
Christian:
[59:51] Kramer hatte eigentlich ein Skript für einen anderen Michael-Jackson-Film. Kramer war nämlich schon in Kontakt, der hatte nämlich das Making-of für Thriller damals gedreht. Und der hat zusammen mit Phil Hartman, dem Schauspieler, und mit dem Saturday-Night-Life-Chef Lorne Michaels ein Skript für einen Michael-Jackson-Film entwickelt, eine Komödie, wo es irgendwie um eine Firma von Michael Jackson geht, die tausende Mitarbeiter hat. Aber solange Michael nicht arbeitet, arbeitet auch sonst keiner. Das fanden die alle ganz toll und witzig und wollten das gerne machen. Aber die Agentur von Michael Jackson, CAA, das ist eine der ganz großen Hollywood-Agenturen.
Christian:
[1:00:29] Die dachten sich, naja, also wenn Michael jetzt mal so ins Kino geht, dann muss das was Großes sein, ja, dann muss das ein Spielberg-Film sein oder ein Francis Ford Coppola-Film oder so, also ein Event-Movie. Die Kramer-Komödie wollten sie also nicht. Stattdessen war also der Gedanke, wir basteln mit diesem Moonwalker irgendwas zusammen, also mit diesem Smooth Criminal Ding, dass wir das ausbauen. Und Kramer hatte dann so die Idee, wir machen sowas, als wäre es ein visueller Ausdruck von einem kompletten Album. Es gibt also zu den einzelnen Songs dann jeweils so ein Kapitel oder ein Element, was in diesem Film auftaucht. Kramer hat dann zum Beispiel dieses Badder, also das Bad mit Kindern gedreht. Er hat es Babybad genannt. Diese Konzertsequenzen und sowas, das ist auch Kramer. Er hat aber auch andere Leute mit an Bord geholt. Zum Beispiel für dieses Speed Demon Segment. Du hast gesagt Claymation Animation, also diese ganzen Knetfiguren. Wir kennen das ja später zum Beispiel von Wallace and Gromit.
Heinrich:
[1:01:26] Oder den Videospiel Clayfighter in den frühen 90ern nicht zu vergessen. Jawohl.
Christian:
[1:01:30] Ah ja, wichtige Elemente hier, ja. Will Vinton hat er dafür geholt, der sehr berühmt war für seine Claymation-Animationen. Das ist ein durchaus namhafter Mann in dem Gebiet.
Christian:
[1:01:41] Für dieses Leave-Me-Alone-Video haben sie Jim Blashfield geholt. Jim Blashfield, der hat Musikvideos für die Talking Heads oder für Tears for Fears gemacht und da haben die dann drei Tage auf 35 Millimeter gedreht und dann Einzelbilder draus gemacht und als Collage eben zu Leave Me Alone animiert und dabei haben sie dann auch gleich Leave Me Alone umfunktioniert, Denn eigentlich geht es in dem Song darum, dass er von einem Mädchen in Ruhe gelassen werden will. Aber im Musikvideo geht es darum, dass er von der Presse so gejagt ist und dass da so viele Gerüchte über ihn in der Welt sind.
Heinrich:
[1:02:16] Ah, siehste mal, wer achtet schon auf die Texte? Ich bin da voll auf die Bildsprache reingefallen. Das Video hat dann auch noch 1990 ein Grammy gewonnen als bestes Musikvideo. Also das ist schon sehr sehenswert.
Christian:
[1:02:30] Ja, also der Level an Kreativität, der da eigentlich in den ganzen Elementen steckt, ist Wahnsinn. Es gibt nur halt keine rote Linie dann dazwischen. Und da Jackson das ja auch selber finanziert hat, hat ihm da auch niemand reingeredet, sondern was immer ihm eingefallen ist, wurde dann halt gemacht. Und er hat sich wirklich Zeit gelassen. Es gibt die Anekdote, die hat Jerry Kramer dann erzählt. Also sie hatten einen Produktionsleiter ans Set und der war dann auch immer so ein bisschen besorgt, wie lange alles gedauert hat und wie oft manche Sachen wiederholt wurden und, und, und. Und dann kommt da also so mit Blick auf die Uhr, dass es jetzt schon spät wird und so müssten die jetzt eigentlich mal wieder was in den Kasten kriegen und so. Und Jerry Kramer hat diesem Mann dann gesagt, With Michael, you don’t need a watch, you need a calendar.
Christian:
[1:03:16] Jerry Kramer hat dann tatsächlich auch gesagt, dass der Film nie für die US-Kinos gedacht war, weil er ja meinte eben, CAA wollten ja einen größeren Eventfilm als Kinofilm für Michael Jackson, aber ja, also du hast das erwähnt mit Verhandlungen, der Manager von Michael Jackson, Frank DiLeo, der sagt, es ging da um Verhandlungen und sie wollten halt mehr Geld, als ein US-Vertrieb bereit wäre zu zahlen und deswegen kam das in den USA dann eben auf Home-Video raus. Auch in Japan, da kam es tatsächlich noch vorher raus und dann eben die Kinos in Europa. Also das klingt alles natürlich auch sehr, sehr improvisiert und zusammengestückelt. Colin Chilvers hat dann gesagt, ja, also er hat bei Michael Jackson schon die Ambition auch gemerkt, dass er selber Regie führen will. That’s where he saw the next stage of his life. Also diese Ambition, da irgendwas zusammenzubrauen.
Christian:
[1:04:08] Wurden sehr, sehr von Michael Jackson getrieben und ich glaube, der Schlüssel zum Moonwalker und wie man das alles verstehen muss, ist dann eigentlich das, dass da ein Mann, der im Grunde genommen noch Kind ist, ja, also wir reden von einem Mann, der ja auch mit so einer kindlichen Stimme mal redet und sich eine Neverland Ranch baut, damit er wie Peter Pan nie erwachsen werden muss. Und der hat halt Ideen wie ein Kind, wie ein Zehnjähriger, der halt sagt, oh und wäre das nicht cool, wenn ich mich als Hase verkleide und wäre das nicht cool, wenn ich mich dann in ein Auto verwandle und wäre das nicht cool, wenn dann Gangster kommen und die ballern und dann sind wir aber plötzlich irgendwo anders, auf einer grünen Wiese und so. Und so wird das dann umgesetzt und das hat natürlich einen gewissen Charme, weil es sowas Unmittelbares hat und das sieht man eigentlich auch in den Musikvideos und in dem Kurzfilm Captain EO, an dem ja Jackson auch schon im Konzept mitgearbeitet hat, dass der Gedanke eigentlich immer der ist, wir werfen da jetzt irgendeine bunte Bilderwelt rein und das ist so ein ganz unschuldiger und kindlicher Blick eigentlich auf Popkultur und auf diese fremden Welten und die Kreaturen und so weiter. Und da geht es überhaupt nicht darum, dass das irgendeinen narrativen Faden haben müsste. Und das ist natürlich das, was uns als Zuschauer dann durchaus irritieren mag, wenn wir das erwarten, dass da zumindest eine kleine Handlung uns irgendwie von einem Segment ins andere führt.
Heinrich:
[1:05:30] Und da kann man die Schuld nicht auf irgendwelche anderen Drehbuchschreiber irgendwie schieben. Das war wirklich der Fall von der Star, der finanziert das und der will das so. Und wenn das keinen Sinn macht, dann mögen das alle anderen so sehen, aber da kann man jetzt nichts machen. Der Geldgeber hat recht.
Christian:
[1:05:47] Genau, es ist im Prinzip ein großes Fenster in die Welt von Michael Jackson, so wie er sich sieht oder so wie er seine Welt sieht und inszenieren mag und so. Also auf diese Weise ist es eigentlich auch sehr persönlich und für uns dann eben auch manchmal sehr befremdlich.
Heinrich:
[1:06:03] Ja, wie soll man aus so einem Stückwerk, so einem Sammelsurium von verschiedenen Filmelementen ein offizielles Spiel machen? Oder noch besser, drei verschiedene offizielle Spiele oder noch besser, von denen eines von Michael Jackson selbst designt worden ist? Ich glaube, da müssen wir jetzt im Spielsegment näher drauf eingehen.
Christian:
[1:06:47] Wir behandeln im Pixelkino ja immer wieder Lizenzen von Filmen, die eifrige Videospieldesigner aufgegriffen und dann in mehr oder weniger gelungene Games verwandelt haben. Aber ein Musiker als Lizenz, das ist doch eigentlich recht ungewöhnlich. Heinrich, ich glaube aber, es war gar nicht das erste Mal, dass man sowas gemacht hat.
Heinrich:
[1:07:05] Wir müssen da wirklich zurückgehen ins Jahr 1982 für den ersten dokumentierten Fall von einer Musiklizenz. Eine damals sehr angesagte Rockband Journey, die stand im Mittelpunkt von Journey Escape, einem Spiel für das Atari 2600. Ich war zu der Zeit ein bisschen ein Journey-Fan. 1981 kam ja Escape raus, das Album, das ihr großer kommerzieller Durchbruch war, wo sie sich auch so ein bisschen gewandelt haben, wo das vom Sound her ein bisschen glatter wurde, wo dann die Single-Hits kamen mit dieser Schnulze Open Arms. Heute kennt natürlich jeder Don’t Stop Believing, aber das Spiel kannte ich nicht. Ich glaube, das kam nie rüber nach Europa. Ich habe mir das jetzt nochmal kurz angeguckt. Es ist bizarr, weil natürlich das Atari 2600 nicht so viele technische Möglichkeiten bietet. Es ist so ein Weglauf-Ausweichspiel, wo man also auf der Flucht ist vor Fotografen, Moonwalker-Parallelen, aber auch auf der Flucht vor Groupies und vor Promotern und ähnlichen zwielichtigen Gestalten, wo man also zur Limousine, die oben am Ende des Levels wartet, flieht. Und das ist dann die Escape in dem Spiel, ist jetzt nicht als großer Klassiker bekannt.
Heinrich:
[1:08:33] Kurios ist übrigens noch, der 1983 Automat Journey von Belly Midway hat jetzt mit dem Atari 2600 Spiel nicht so viel zu tun. Das ist eigentlich eine Ansammlung von verschiedenen Minispielen. Sollte man zumindest im Video mal gesehen haben, weil sehr knuffig, da so kleine digitalisierte Spatz-Weiß-Fotos der Bandmitglieder so draufgeklebt worden sind auf so Sprites und jeder hat so einen anderen Level, also Jonathan Cain hat dann so einen Donkey Kong-Klon.
Heinrich:
[1:09:09] Bevor er dann mit seinem Spielzeugformat Klavier ein bisschen auch ballern darf.
Heinrich:
[1:09:14] Sehr kurios, sehr kurios. Erwähnen müssen wir natürlich auch noch Michael Jacksons alten Duett-Kumpel Paul McCartney. Denn der hatte ja seine Filmambitionen bereits 1984 verwirklicht. In Paul McCartneys Give My Regards to Broad Street, vielleicht mal irgendwann auch ein Fall fürs Pixel-Kino, auf jeden Fall hat damals der englische Anbieter Argus Press ein Spiel gemacht.
Heinrich:
[1:09:44] Was so eine Art, naja, fast wie eine Fahrsimulation ist, wo man durch London kurvt und da verschiedene Teile von einer Demo-Aufnahme findet. Ich habe den Film bis heute nicht gesehen, kann das also nicht weiter beurteilen. Das Spiel war wohl keine Katastrophe, aber ich habe es auch nicht wirklich als Spaßspiel in Erinnerung.
Heinrich:
[1:10:05] Viel Aufsehen gab es 1985 für Frankie Goes to Hollywood. Da wurde das Spiel zur Band, da war Ocean dafür zuständig und das war gar nicht so schlecht, denn da hatte man mit Denton Designs ein relativ fähiges Programmierteam beauftragt und die haben so ein surreal anmutendes Action-Adventure gemacht mit so Minigames, wo man auch nicht so ganz wirklich durchgeblickt hat, was man da so macht. Die Entwickler haben sich Mühe gegeben, die haben sich dann wirklich so das Album angeguckt, Welcome to the Pleasuredome und so grafische Elemente und Symbole verarbeitet. Das kam in der Presse ganz gut an, aber es gab nicht wirklich eine aktive Mitwirkung der Musiker, das war ein reiner Lizenzstil.
Heinrich:
[1:10:53] Ja, die Liste ist gar nicht so kurz. Es gab 1994 zum Beispiel Revolution X, ein Rail-Shooter unter Mitwirkung der Rockband Aerosmith. Wu-Tang Taste the Pain nannte sich ein Prügelspiel. 1999 für die Playstation. Kiss Psycho Circus. Es gab ein Spiel zum damals aktuellen Album im Jahr 2000. Das hieß The Nightmare Child, ein Ego-Shooter für PC und Dreamcast. 2005 gab es dann den Third-Person-Shooter 50 Cent Bulletproof mit dem gleichnamigen Rapper für PS2, PSP und Xbox und der aus meiner Sicht größte Name natürlich, ich habe euch auch damals gerne gespielt.
Heinrich:
[1:11:40] 2009 erschien The Beatles Rock Band und das war ja so der Spätsommer dieser Plastikmusikinstrumentspiele. Also wir erinnern uns vielleicht noch auch an Guitar Hero, das war die erste Serie, die das populär gemacht hat. Du hast einfach Farbsymbole nachgespielt mit einer Plastikgitarre, wie sie auf dem Bildschirm erschienen sind Und dazu lief halt eine Art Musikvideo, eine grafische Umsetzung, ein großer Spaß, nicht nur auf Partys. Und die Konkurrenzserie zu Guitar Hero war eben Rock Band. Und die haben 2009 ein Spiel rund um die Beatles gemacht. Das waren auch so eher die frühen Jahre. Da haben auch einige ganz große Hits gefehlt. Aber es war schon eine Sensation, dass dieses Spiel ganz offiziell überhaupt entstehen konnte. Mit dem Segen von Paul McCartney, von Ringo Starr und den Witwen von George Harrison und John Lennon.
Christian:
[1:12:41] Ja, da ist man dann auch schon in einer Zeit, wo ja die Musik dann auch auf der Konsole so klingt wohl, wie sie klingen sollte. Ich stelle mir das bei den früheren Games, die ich auch nicht kenne, relativ schwer vor. Aber ich muss sagen, ich glaube, die Musik von Journey, die kann nur gewinnen in den Arrangements eines Atari 2600. Vorsicht, Vorsicht!
Heinrich:
[1:12:59] Ich bin fest davon überzeugt. Ja.
Christian:
[1:13:02] Ich kenne ein Game, das hatte ich damals auf dem C64. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob es in diese Liste zählt. Und das ist Samantha Fox Strip Poker. Man hat Karten gespielt gegen Samantha Fox und sich dann so etwas nachlässig eingescannte Bilder von einer ebenso nachlässig bekleideten Samantha Fox erspielt. Und irgendwie hat es das Spiel geschafft, je aufregender die Bilder wurden, desto weniger Speicher war offensichtlich über, weil die Bilder wurden qualitativ immer schlechter. Aber zählt das? Samantha Fox hatte ja doch ein paar kleine Pop-Hits, oder?
Heinrich:
[1:13:37] Also Christian, da hast du jetzt sehr kreativ versucht, deine Jugenderinnerung hier einzubauen. Aber ich wage zu bezweifeln, dass Martek damals die Samantha Fox wegen ihrer Pop-Erfolge unter Vertrag genommen hat. Ich glaube, das Spiel kam auch raus. Zu einem Zeitpunkt war da die Single überhaupt schon in den Charts. Und das war ja auch musikalisch nicht viel los in dem Strip-Poker. Also ich glaube, das basierte alleine auf dem Ruhm, den Samantha Fox als Page-Free-Girl in der englischen Boulevardpresse hatte, also als Busenwunder sozusagen.
Christian:
[1:14:11] Ja, also es war auf jeden Fall auffällig, denn die ASM hat 10 von 10 Motivationspunkten vergeben, während die Happy Computer im Spiele-Sonderteil eine Gesamtwertung von 19% gegeben hat.
Heinrich:
[1:14:25] Tja, jetzt Vorsicht, wem hat man da eher getraut?
Christian:
[1:14:28] Ja, vielleicht habt ihr die Spiele auch einfach wegen unterschiedlichen Gründen gespielt.
Heinrich:
[1:14:33] Aber beim Rumstöbern in den 80er-Jahren ist uns auch aufgefallen, dass es zwar noch keine offiziellen Michael-Jackson-Spiele gab, aber sein Ruhm so groß war, dass er so ein bisschen in so Parodien aufgegriffen wurde. Ich weiß nicht, wer sich noch an das Mastertronic-Plattform-Spiel Chiller erinnert aus dem Jahr 1984.
Heinrich:
[1:14:56] Das war jetzt nichts allzu berühmtes, also für ein 10-Mark-Spiel war es schon okay, aber das ist vielleicht nicht nur ein reiner Zufall, dass sich Chiller auf Thriller reimt, denn nicht nur heißt unser Held im Spiel Jackal, sondern auch, wenn man sich den Ladescreen anguckt, man könnte eine entfernte Ähnlichkeit mit Michael Jackson sich einbilden. Also das Thriller-Video mag da vielleicht inspirierend gewirkt haben.
Heinrich:
[1:15:23] Und wenige Jahre später schlägt sich bereits nieder, dass Jackson dieses Image als Exzentriker hatte und immer wieder Boulevard-Schlagzeilen machte. Denn in dem unvergessenen Spiel Rockstars Ate My Hamster von Codemasters aus dem Jahr 1988, das ist so ein Management-Spiel eigentlich, wo man so ein Jahr Zeit hat, möglichst viel Geld zu verdienen. Da gab es auch Anspielungen und Karikaturen auf damals zeitgenössische Popstars. Da durfte natürlich auch ein sehr inoffizieller Michael Jackson nicht fehlen. Es sollte ja bis 1990 dauern, bis sein offizielles Spiel erschien.
Heinrich:
[1:16:06] Dabei war er generell ein begeisterter Spieler. Also es gab immer wieder auch mal Berichte im Laufe der Jahre, wo Reporter-Teams seine Ranch besucht haben mit seiner Privatspielhalle. Wo Michael Jackson auch dann in Interviews gesagt hat, was es seine Lieblingsspiele waren. Da hat er alle möglichen Flipper genannt oder ein Jurassic Park-Spieleautomaten.
Heinrich:
[1:16:29] Kampfspiele, Mortal Kombat, Ritual Fighter. Bei den Videospielkonsolen war er erklärter Fan der Sonic Sea Hedgehog Serie von Sega. Und es gab auch nach Moonwalker immer wieder Berührungen von Michael Jackson mit der Spieleindustrie. Er taucht auf in Space Channel 5. Das war ein Musikspiel, ein Rhythmusspiel, das Sega für die Dreamcast-Konsole rausgebracht hat. Man erinnert sich, die Weltraum-Reporterin Ulala. Und da war Jackson ganz begeistert davon. Er ist dann selber als Space Michael noch ins Spiel gekommen. Im ersten Titel war das so kurz vor Schluss. Da konnten sie nicht mehr viel mit ihm machen. Das war mehr so ein kleiner Gastauftritt. Aber in Space Channel 5 Part 2, in der Fortsetzung, da hat dieser Space Michael dann eine prominentere Rolle und tritt natürlich auch in dem Spiel auf.
Christian:
[1:17:32] Ja, und er hat auch tatsächlich am Soundtrack zu dem Game Sonic 3 gearbeitet, also dem dritten Teil von Sonic the Hedgehog, war ja sein Favorit. Da hat er mit seinem Team an dem Score gearbeitet, ist aber nicht genannt im Spiel. Man weiß, dass diese Carnival-Night-Zone, dass da Elemente von Jam drin sind. Es sind anderswo im Spiel Elemente von Stranger in Moskau zu hören, aber man findet seinen Namen nirgendwo und es heißt, das mag daran gelegen haben, dass 1994 ja die Zeit war, in denen eben diese Anschuldigungen so hoch gekocht sind, dass das vielleicht eben lieber unter den Teppich gekehrt werden sollte.
Heinrich:
[1:18:19] Ja, eine andere These ist, dass Michael Jacksons Team gemeint hat, ja, der Soundchip des Mega Drive sei eigentlich nicht gut genug und deswegen hätte man die Zusammenarbeit zurückgefahren. Ob das jetzt vielleicht eine Ausrede war, um das Gesicht zu warnen, das können wir jetzt auch nicht beurteilen. Auf jeden Fall so die von dir genannten Tracks, die sind nämlich dann ausgetauscht worden, als Sonic 3 für Sonic Origins neu aufgelegt worden ist. Und das würde durchaus die Theorie natürlich stützen, dass da ursprünglich schon ein bisschen Michael Jackson im Spiel-Soundtrack drin war.
Heinrich:
[1:18:55] Und beenden wollen wir vielleicht diese Revue mit der Nennung von Ready-to-Rumble-Boxing Round 2, einem Arcade-Box-Spiel aus dem Jahr 2000, wo Michael Jackson tatsächlich als Spielfigur in den Ring steigt.
Heinrich:
[1:19:33] Das waren aber nur kleine Gastauftritte. Michael Jacksons eigenes Spiel, das war Moonwalker, Die Sega-Connection geht auf den Dezember 1988 zurück. Da war Michael Jackson auf Tour in Japan und hat sich gewünscht, mal das Sega-Hauptquartier zu besuchen, denn Jackson mochte Spielautomaten der Firma wie OutRun oder das damals noch recht neue Galaxy Force. Und das fand der Weltstar alles ganz interessant und das war dann die Grundlage für die Gespräche, zu sagen, lass uns doch zum Moonwalker-Film ein Spiel machen.
Heinrich:
[1:20:07] Und wie wir gleich feststellen werden, es war ja nicht nur ein Spiel, aber wir fangen mit dem Spielautomaten an.
Heinrich:
[1:20:14] Der im Juli 1990 dann in den Spielhallen auftauchte, denn das ist das Projekt, wo Jackson selber am meisten noch persönlich involviert war. Und das geht ja so weit, dass es zu Beginn des Spiels heißt Design by Michael Jackson. Also ich gehe jetzt nicht davon aus, dass Jackson selber alles designt und programmiert hat. Die Hauptarbeit haben die Profis von Segas Automatenabteilung gemacht, das AM1-Team. Aber es gibt Berichte, wo beteuert wird, Jackson kam das schon mit seinen Ideen an und gab dem Sega-Team während der Entwicklung immer wieder Feedback, nachdem man Konzeptgrafiken oder Videos vom Gameplay gezeigt hatte.
Heinrich:
[1:21:03] Und die eigentlichen Designer vom Moonwalker-Automaten. Da werden zwei Namen genannt. Das eine ist Yutaka Sugano. Den kennt man vielleicht für das Spiel Shinobi. Und der hat zwar angefangen mit Moonwalker, hat aber dann wegen anderer Verpflichtungen und Gelegenheiten das Team verlassen und übernommen. Hat dann ein ziemlicher Newcomer namens Rob Yaku Tsurumi. Der war noch gar nicht lang bei Sega, Meinte auch, es war generell ein relativ unerfahrenes Team, das versucht hat, gewisse Shinobi-Spielelemente mit der isometrischen Perspektive und eben dem Michael-Jackson-Film Moonwalker zu vereinbaren.
Heinrich:
[1:21:53] Was machen wir denn im Moonwalker-Automaten?
Christian:
[1:21:58] Moonwalker in der Automaten-Version ist ein isometrisches Baller- und Prügelspiel. Man kann es allein spielen, man kann es auch zu zweit spielen, man kann sogar eine dritte Person hinzuholen. Und man muss sich nicht mal darum streiten, wer von denen Michael Jackson spielt, weil sie spielen dann alle Michael Jackson, nur mit unterschiedlicher Anzugfarbe, weiß, rot, schwarz. Es gibt fünf Levels, durch die man läuft. Man läuft durch eine Höhle, man läuft irgendwie durch eine nächtliche Straße, durch einen Friedhof, kommt dann irgendwann bis zur Festung von Mr. Big, also die Handlung orientiert sich an Moonwalker, dass man diesen Stinkstiefel Mr. Big platt machen muss, der Kinder entführt hat und irgendwie Heroin verbreiten will.
Christian:
[1:22:42] Und da geht man also in dieser isometrischen Ansicht durch. Es kommen allerlei Gegner. Es kommen Gangster, es kommen Roboter, es kommen Zombies, Soldaten und irgendwelche Schussanlagen und so weiter. Es kommen so viele, dass man wirklich davon ausgehen kann, dass Mr. Big sehr, sehr erfolgreich ist als Drogendealer. Weil den Kram muss man sich ja erst mal leisten. Also so eine Armee von 1.000 Leuten und 500 Robotern und ich weiß nicht was. Michael kann sich wehren, er hat so einen Zauberangriff, der ist zwar nicht sehr weitreichend, aber zumindest muss man nicht direkt neben dem Gegner stehen. Und man kann den Angriff noch für etwas mehr Entfernung hingreifen lassen.
Christian:
[1:23:23] Es gibt auch eine Art Smartbomb, und das ist dann der Tanz von Michael Jackson. Das Spotlight geht an, er tanzt zur Musik, und die ganzen Gegner tanzen mit, und dann fallen sie dabei leider um, weil es kann natürlich nur einer so gut tanzen wie Michael Jackson.
Christian:
[1:23:36] Und es gibt den Affen, Bubbles, der einem hin und wieder über den Weg läuft und wenn man den einfängt, dann verwandelt sich Michael in einen großen Roboter, der dann Schusswaffen hat und damit kann man dem ganzen Gesocks dann schon etwas besser Herr werden. Hält natürlich nicht ewig und auch der Roboter ist nicht unverwundbar, sondern ganz im Gegenteil was da an Mengen an Gegnern aufgefahren wird und an Schüssen über den Bildschirm fliegt und an Angriffen von hinten und von vorne da kommt der gute Michael Jackson schon ziemlich ins Schwitzen.
Heinrich:
[1:24:07] Unsere Aufgabe ist es natürlich, in diesen fünf Levels die Kinderchen zu befreien, die von Mr. Bigs Schergen gefangen gehalten werden. Und die wissen, was sich gehört, die lieben Kleinen. Die bedanken sich nicht nur mit warmen Worten, sondern haben auch oft etwas, das uns hilft, weiterzukommen. Du kriegst vielleicht ein bisschen Lebensenergie zurück oder eine weitere Hose.
Heinrich:
[1:24:30] Denn damit wird die von dir schon erwähnte Smart Bomb, also dieses Tanzmanöver, symbolisiert. Und das ist sehr hilfreich, wenn man das mal öfters einsetzen kann, um so ein bisschen die Gegnermassen zu lichten.
Heinrich:
[1:24:43] Es gibt natürlich Begleitmusik, die klingt auch ganz zünftig in den einzelnen Levels. Also zu Beginn in der Höhle, da läuft Bad.
Heinrich:
[1:24:52] Dann im Vergnügungsviertel, sehr passend zum Club 30s. Da gibt es Smooth Criminal, bei der nächtlichen Straße natürlich Beat It. Dann kommen wir ja im fünften Level auf den Friedhof der schreit ja nach Thriller und muss ja auch von dem Musikvideo inspiriert sein denn im Moonwalker Film habe ich nicht viele Friedhöfe wahrgenommen aber da läuft Another Part of Me und da kann ich jetzt nur spekulieren vielleicht haben die Jackson-Leute gesagt nee, nee, wir wollen, dass da primär Songs von Bad zu hören sind und nicht so viele Thriller-Songs und deswegen gab es diesen Austausch. Und am Ende im Hauptquartier von Mr. Big gibt es dann nochmal Bad und der Abspann, den wir natürlich nur gesehen haben, weil wir am Emulator beliebig nachmünzen konnten, Billie Jean als Zugabe. Also eine ganz handfeste Prügelei mit Musik und Tanzmagie, das ist der Spielautomat.
Heinrich:
[1:25:55] Es erschien im Sommer 1990 auch ein Moonwalker-Heimcomputerspiel von US Gold und das hat mit dem Automaten eigentlich gar nichts zu tun.
Christian:
[1:26:20] Auch das orientiert sich so ein bisschen an Moonwalker, aber in komplett anderen Levels. Und zwar gibt es derer vier.
Christian:
[1:26:26] Die ersten zwei Levels sind in einer Top-Down-Perspektive gehalten. Man blickt also von oben auf ein Labyrinth. Im ersten befindet man sich in diesem Studiogelände, was man am Anfang von Moonwalker sieht, wo er vor Paparazzi und Fans und Wachleuten und so weiter davonläuft. Wir gehen also durch dieses Studiogelände und müssen die einzelnen Teile von diesem Hasenkostüm finden. Die sind aus irgendeinem Grund quer über das Studiogelände verstreut und aus einem noch unerfindlicheren Grund müssen wir diese Dinger in der richtigen Reihenfolge aufsammeln. Es nützt also nichts, wenn man den Handschuh vom Hasenkostüm findet, wenn man jetzt eigentlich erstmal die Schuhe dafür braucht und dann erst später sucht man sich den Kopf und so weiter. Da laufen dann so kleine Männchen rum, das sind eben diese Fans und die Wachen und so weiter, die einen versuchen auszuschalten.
Christian:
[1:27:20] Man hat einen Radar unten am Bildschirm, wo man blinkende Punkte sieht. Die steuern einen dann so ein bisschen hin, wo jetzt das nächste Objekt ist, was man finden muss. Man muss aber auch sehr viel eben dieses Labyrinth versuchen zu meistern oder vielleicht auch auswendig zu lernen. Der zweite Level ist so ähnlich. Das ist der Level zu Speed Demon. Da befindet man sich dann eben schon auf dem Motorrad, muss aber genauso dann in der Top-Down-Perspektive durch eine labyrinthische Gegend fahren. Man kann dann Gegner auch überfahren und trotzdem ist es nicht sehr viel gemütlicher geworden.
Christian:
[1:27:55] Im dritten Level ändert sich das Spiel dann plötzlich. Im dritten Level sind wir plötzlich in so einer seitlichen Perspektive. Das ist so ein Side-Scroller, der nach links und rechts immer wieder zu denselben Punkten führt, also als würde man im Kreis gehen. Wenn man lang genug nach rechts geht, kommt man wieder am Startpunkt an und genauso nach links.
Christian:
[1:28:12] Und das ist dieser Club 30, den man eben in Moonwalker sieht, da wo Smooth Criminal dann abläuft. Und da tauchen böse Buben an den Fenstern auf oder hinter Säulen. Die sind oben im Club dann immer irgendwie zu sehen und die schießen auf einen und man muss zurückschießen. Man sammelt Munition ein, die so ein bisschen im Club herumliegt und die dann auch immer mal wieder auftaucht, weil die Munition ist schnell weg. Und muss also diese Gegner dann erschießen und zusehen, dass die einen nicht dabei auch erschießen und dass einem die Munition dabei nicht ausgeht.
Christian:
[1:28:41] Wenn man eine bestimmte Anzahl von Gegnern dann erschossen hat, kommt man in den vierten Level und der ist dann nochmal ein anderes Konzept. Und zwar ist man dann in Robo-Michael verwandelt. Der Robo-Michael kann sich aber nicht bewegen, der ist wie festgeschraubt auf einer Stelle. und man sieht dann in der Festung des Gegners so verschiedene Türen und Öffnungen und so, wo eben auch wieder Gegner herauskommen. Und als Robo-Michael kann man die abschießen. Es kommt dann auch manchmal so eine große Kanone ins Bild, die auf einen schießen will. Da muss man dann halt zum anderen Ende des Bildschirms quasi zielen, um die abzuschießen. Das ist also so in einem ganz, ganz einfachen Operation-Wolf-Stil gewissermaßen gemacht. Man steuert nur das Fadenkreuz, um eben dann die Soldaten, die aus den Türen kommen oder um die Kanone, die da irgendwo auftaucht, dann zu erledigen. Auch hier, man muss einfach eine gewisse Anzahl von denen niedermähen, dann explodiert die Festung und man hat alles gewonnen.
Heinrich:
[1:29:38] Es ist schon ein bisschen merkwürdig. Ich freue mich schon auf unsere Diskussion. Vor allen Dingen, dass es mit diesen Labyrinth-Levels anfängt, wo du ja bei der Berührung mit einem Gegner wieder an den Anfang zurückgesetzt wirst. Das kann vielleicht ein bisschen frustrierend sein. Es gibt mir auch zu denken, dass man da 20 Leben hat, als wäre das die Kompensation dafür, dass das irgendwie nicht richtig ausgetestet worden ist oder unfair oder wie auch immer. Ja, ich habe schon den Publisher erwähnt. US Gold brachte das heraus für Amiga, Atari STC, 64, CPC, Spektrum, PC, was halt damals wichtig war. Das Entwicklerteam, ein nicht so prominenter Name, Emerald Software.
Heinrich:
[1:30:20] 1988 in Irland gegründet. Das Studie gab es noch nur ein paar Jahre, haben nicht wahnsinnig viele prominente Sachen gemacht, aber aus irgendwelchen Gründen hatte US Gold sich gedacht, diese namhafte prominente Lizenz, wo dann am Ende vielleicht noch Michael Jackson’s Leute das absegnen müssen, das geben wir jetzt mal Emerald Software. Und ja, sie haben sich gewissenhaft den Film angesehen und versucht, dessen Handlung zu übertragen. Aber das kam nicht so wahnsinnig gut an, auch damals in der Presse. 40 Prozent in Powerplay vom Henrik Fisch.
Heinrich:
[1:31:00] Und du hast ja die C64-Version gespielt und die ist im Vergleich zum Amiga das kleinere Übel in einer Hinsicht.
Heinrich:
[1:31:11] Denn beim C64 haben sie zumindest die Musikstücke, die im Hintergrund laufen, nachprogrammiert. Also so als Chiptunes laufen die so vor sich hin. Und bei meinem MIGA dachte man, wir digitalisieren, wir samplen die Originalsongs. Aber da sowas viel Speicherplatz kostet, sind das nur sehr kurze Clips. Das heißt, du hast immer so vier bis fünf sekündige Häppchen, die endlos geloopt werden. Und das hört sich dann irgendwann an wie eine akustische chinesische Wasserfolter.
Heinrich:
[1:31:55] Ja, ich freue mich auch schon auf unsere Diskussion zu diesem Qualitätsprodukt.
Heinrich:
[1:32:01] Aber es gibt ja noch den dritten im Bunde.
Heinrich:
[1:32:14] Auch dieses Moonwalker-Spiel erschien 1990, das wurde intern bei Sega programmiert, erschien für das Megadrive, dann auch eine Umsetzung, ein bisschen abgespeckt für die 8-Bit-Konsole Master System. Sollte man meinen, naja, die setzen den Automaten um, aber ich weiß nicht, ob das so einfach gewesen wäre, so von der Technik her, da hatten die Spielautomaten damals schon noch etwas kräftigere Hardware. Und auch vom Spieldesign her hat man sich wohl gedacht, wir machen was, was ganz zugeschnitten ist auf die Heim-Videospieler. Und dieses Mega Drive Woundwalker hat die Powerplay relativ freundlicher besprochen. Ich werde nachher erklären, warum der Tester Heinrich Lehnhardt das unterbewertet hat. Es gab damals jedenfalls 59% für diesen Titel.
Heinrich:
[1:33:05] Das ist wieder ein ganz eigener Spielablauf. Damals hat man sich so ein bisschen an eine Light-Version von Shinobi erinnert gefühlt, denn auch dieses Mega Drive Woonwalker ist ein seitlich scrollendes Actionspiel, bei dem man ein bisschen hüpft und bei dem man auch Sachen wirft, um Gegner auszuschalten. Nur sind es ja keine tödlichen Wurfsterne, sondern Michael Jackson schüttelt Magie aus dem Fußgelenk oder aus seinen strahlend weißen Socken, um die Bösewichte zu kletten. Oder was passiert da so ungefähr?
Christian:
[1:33:41] Auch hier gibt es fünf Levels. Du hast schon gesagt, es ist ein Sidescroller. Es ist quasi als Jump’n’Run, wo man auf verschiedenen Ebenen sich durch diese einzelnen Levels bewegt. Das fängt an im Club 30, den wir ja aus dem Film schon kennen und auch aus anderen Umsetzungen. Es geht dann raus auf die Straße, es geht in die Wälder, also eigentlich wieder auf den Friedhof, wo die Thriller-Zombies kommen. Es geht in eine Höhle und dann wieder in die Festung von Mr. Big. Jeder Level hat dann so seine Eigenheiten, also zum Beispiel in dem Club 30, da klettert man dann über die Tische und muss manchmal eine Leiter von oben irgendwie sich runterholen, um auf die nächste Ebene zu kommen. Auf der Straße, da nimmt man dann mal den Fahrstuhl, um auf die nächste Ebene von einem Parkhaus zu kommen. Im Friedhof, da klettert man dann über verschiedene Grabsteine und über den Baum wieder auf die nächste Ebene. In der Höhle muss man dann immer in verschiedene Höhlen schauen, um bestimmte Elemente zu finden. Und in der Festung des Gegners, da gibt es dann auch bestimmte Schussvorrichtungen und so weiter, die dann auch dafür sorgen können, dass man nicht wahnsinnig weit kommt.
Christian:
[1:34:48] Die Aufgabe ist auch hier, dass man diese verlorenen Kinder wieder einsammelt. Also alle die Geschroppen, die von Mr. Big irgendwie geklaut wurden.
Christian:
[1:34:57] Das sind relativ viele und sie verstecken sich in unterschiedlichen Gegenden, also im Club beispielsweise sind die mal hinter einer Tür oder hinter einem Fenster, auf der Straße oder im Parkhaus, da sind die dann auch mal in einem Kofferraum zu finden. Am Friedhof sind die sogar manchmal hinter irgendwelchen Grabsteinen oder im Gebüsch. In der Höhle eben, da gibt es diese versteckten Höhlen, in denen man die Kleinen dann findet. Und in der Festung von Mr. Big, da schaut man dann hinter gewisse Türen und Behälter in dieser ganzen Maschinerie, die dieses Hightech-Zentrum zu bieten hat. Man wehrt sich eben mit dieser Tanzmagie. Also auch da, man hat einen Angriff, der nicht wahnsinnig weit reicht, aber zumindest eben muss man nicht direkt neben dem Gegner stehen.
Christian:
[1:35:41] Man hat auch hier wieder so eine Art Smartbomb, also man hat eine Magie, die man auslösen kann, damit die Gegner dann tanzen und dann umfallen. Das kostet einen leider wertvolle Lebensenergie. Das unterscheidet sich also da vom Automaten. Der Automat hatte ja quasi wie so eine Art Joker, die man einsetzen konnte dafür. Hier geht das direkt von der eigenen Lebensenergie ab. Also die Lebensenergie, die auch schwindet, wenn man mit Gegnern in Berührung kommt oder die auf einen schießen oder im Hauptquartier vom Boss einen Laserstrahl einen erwischt. Diese Energie geht relativ schnell nach unten. Durch das Aufsammeln von Kindern kann man sie wieder nach oben bringen. Aber wenn man eben die Smart Bomb Energie einsetzt, dann geht das auch wieder ganz, ganz schnell weiter nach unten.
Heinrich:
[1:36:24] Dafür kriegst du aber auch eine coole Animation, wenn du die Sternenmagie einsetzt und Michael wirft sogar sein Fedora. Ich muss übrigens anmerken, also Kinder in Anführungszeichen, das sind zwar gar nicht so wenige, die man pro Level retten muss, aber da war wohl das Speicherplatz knapp. Also im Automaten sind das verschieden aussehende Kinder, aber hier rettest du eigentlich immer die geklonte Katie, die Kleine mit ihrem Stofftier aus dem Film. Dadurch, dass sie jedes Mal dir wieder einen guten Batzen Energie zurückgibt, ist das schon ganz gut machbar. Zumindest bis zum gewissen Punkt, wo es doch dann ein bisschen schwieriger wird. Auch die Trackliste ist ähnlich wie beim Automaten. Also Smooth Criminal, Beat It, Another Part of Me auf dem Friedhof. Es gab eigentlich mal einen Prototypen der Mega Drive-Version, wo auch wirklich Thriller zu hören war. Billie Jean und am Ende gibt es dann noch Bad, Und wenn man ganz am Ende Mr. Big besiegt hat, ich bin in der fünften Runde, ich bin noch nicht ganz durch, dann kommt noch eine kleine Bonus-Sequenz, wo sie aufgreifen, dass sich Michael am Filmende ins Raumschiff verwandelt und dann kommt so eine Art, naja, so 3D-Weltraumgeballer, so ein bisschen so Star Raider, Star Fox, irgendwie so in der Mitte und dann ist auch dieses Spiel beendet.
Christian:
[1:37:50] Ja, man kann sich auch während des Spiels in Robo-Michael verwandeln, also ähnlich wie beim Automaten. Und hier funktioniert das über Sternschnuppen. Wenn man ein bestimmtes Kind als erstes in einem Level rettet, dann fällt eine Sternschnuppe vom Himmel, also auch wie im Film. Und wenn man die einfängt, dann verwandelt man sich in Robo-Michael. Der kann fliegen und der kann mit Laser herumballern. Er kann leider keine Kinder einsammeln und er kann auch leider nicht durch die Decke fliegen. Das heißt, das ist manchmal dann sogar etwas hakelig, wenn man sich in den verwandelt. Aber tatsächlich funktioniert der letzte Bosskampf dann so, dass man den auch als Robo-Michael bestreiten muss also da kommen dann wirklich Scharen an Gegnern und man fliegt als dieser Robo-Michael dann durch diese Festung von Mr. Big und schießt dann lauter grüne Männchen ab, die noch und nöcher kommen und da ist es nicht schlecht, wenn man das vorher schon ein bisschen geübt hat.
Heinrich:
[1:38:39] Ich weiß ja nicht, ob du zu denen gehörst, die erstmal aufmerksam die Anleitung lesen, bevor sie losspielen. Also bei mir war es so, als ich zum ersten Mal diese blaue Sternschnuppe gesehen habe, da wollte ich ausweichen nach dem Motto, das ist ein böses Geschoss, nur nicht berühren, bis ich dann irgendwann mal nachgelesen habe, Moment mal, das ist die Sternschnuppe, die ich aufsammeln muss, um mich zu verwandeln. Da habe ich es dann irgendwann doch mal hingekriegt. Also deswegen, das ist ein ganz wichtiger Tipp, wenn man das mal ausprobieren will. Aber es geht auch ohne Robo-Michael, sich da durchzukämpfen.
Christian:
[1:39:11] Ja, ich dachte auch erst, da schwirren manchmal so Vögel rum. Also in dem Level, wo ich das das erste Mal geschafft hatte, dass ich sozusagen das richtige Kind als erstes rette. Und dann dachte ich, diese Vögel haben irgendwie so einen Spezialangriff. Ich bin auch ausgewichen. Zum Glück kam dann eine Nachricht aus Kanada von dir. Du mir gesagt hast, ich soll das aufsammeln. Dann habe ich das mal probiert und habe dann aber schnell festgestellt, es hilft mir eigentlich überhaupt nichts, weil ich war zu diesem Zeitpunkt dann auch schon so versiert darin, als normaler Michael durch die Levels zu rennen, dass mich das eigentlich mehr irritiert hat, da als Robo-Michael plötzlich irgendwie was anderes machen zu müssen.
Heinrich:
[1:39:45] Aber so im direkten Vergleich mit dem Automaten, ja beides aus dem Hause Sega, es ist weniger los, nicht ganz so viel Spektakel. Es ist auch ein reines Einspielervergnügen. Da gibt es also keine Möglichkeit, da mit einem zweiten Michael durch die Levels zu streifen. Es überfordert dich nicht ganz so schnell so sehr und du musst ja auch nicht nachmünzen. Und du hast immerhin auch ein paar Continues, wenn deine drei Lieben mal weg sind, dass du da verschiedene Anläufe unternehmen kannst, aber es gibt jetzt kein Passwortsystem oder sowas, um deinen Fortschritt zu speichern.
Christian:
[1:40:21] Ja, wir haben jetzt drei verschiedenste Games angeschaut, die alle auf demselben Film basieren, die alle auf demselben Musiker basieren und die auch alle irgendwie ihre Querverbindung haben und Sachen dann doch spielerisch ganz anders lösen.
Christian:
[1:40:32] Ich glaube, Heinrich, es wird Zeit für eine sehr, sehr epische Diskussionsrunde, in der wir uns mal ganz genau anschauen, was es denn mit diesen drei Spielen auf sich hat und wie die qualitativ sich unterscheiden und mit dem Film arbeiten.
Heinrich:
[1:41:07] Also Christian, man kann ja über den Moonwalker-Film sagen, was man will und wir werden vielleicht gleich noch ein paar Worte dazu sagen, aber erst mal Respekt vor der Leistung, dass er wohl genug Substanz hat, um drei unterschiedliche Videospiele zu ermöglichen.
Christian:
[1:41:24] Ja, ich glaube ja sogar, dass diese Collagenartigkeit des Films dem vielleicht sogar entgegenkommt, nämlich weil er so viele unterschiedliche Situationen und Bilder und Momente enthält, aus denen man irgendwas machen kann. Also du hast diese ganze Smooth Criminal Handlung, diese 40 Minuten, die ja auch schon so viele unterschiedliche Momente haben. Also die klettern da irgendwo durch eine Höhle, obwohl das handlungsmäßig ja überhaupt nicht relevant ist. Und dann sind die in diesem Club und dann sind die irgendwo draußen auf der Straße und dann fliegt Michael als Raumschiff herum und so weiter. Da ist schon so viel drin und dann gibt es aber drumherum noch die Geschichte mit dem Studiogelände und eben diese ganzen Bilder von den Musikvideosequenzen und, und, und. Da kann man sich schon sehr viel rauspicken, finde ich.
Heinrich:
[1:42:10] Aber welcher Teufel hat denn die Entwickler der US-Gold-Heimcomputer-Version geritten, dass sie so mit dem uninteressantesten, langweiligsten, nervigsten anfangen? Also es ist ja rührend, dass sie überhaupt versucht haben, diese Michael-rennt-auf-dem-Filmgelände-davon-Sequenz irgendwie umzusetzen. Da waren die Sega-Leute doch deutlich cleverer. Die haben sich also auf das konzentriert, was als Actionspiel funktioniert. Und haben erst gar nicht versucht, die Handlung in ihrer Gänze abzubilden. Eine sehr weise Entscheidung. Einer von vielen Gründen, warum die US-Gold-Heim-Computer-Version nicht unbedingt mein Lieblingsspiel ist. Es fängt halt schon so belanglos an. Und dann ist es auch noch wahnsinnig nervig und frustrierend. Und dass das Ganze von der Handlung hier halt nur wenig Sinn ergibt, also ich weiß nicht, da finde ich dieses Destillat, wo man sagt, es geht also nur eigentlich darum, diese Kinder zu befreien und Mr. Biggs Schergen zu bekämpfen, das finde ich wesentlich konsequenter. Und von daher finde ich die Spiele ja, zumindest die von Sega, fast runder als die Filmvorlage, die sich halt in diesen vielen einzelnen Segmenten verliert.
Christian:
[1:43:25] Naja, ich glaube schon, dass wir aus dem, was US Gold da machen wollten, ein besseres Spiel hätte machen können mit komplett anderen Sequenzen. Bleiben wir mal bei dem, bei diesem Heimcomputerspiel. Du kannst schon eine Sequenz nehmen auf diesem Studio-Gelände, aber natürlich nicht in der Art von Spiel, was die uns da anbieten. Also Michael schreitet da gemächlich durch dieses Labyrinth. Labyrinth-Games sind ja jetzt eh nicht so die spannendsten Sachen, wenn da jetzt nicht auch irgendwie ein bisschen Action passiert. Die einzige Action, die du machen kannst, ist, dass du rennen kannst, aber das natürlich nicht unendlich lang. Die Gegner sind ja auch alle total doof und dann weiß ich auch nicht, warum ich die Gegenstände in der richtigen Reihenfolge sammeln muss. Das ist ja völlig hirnverbrannt. Wenn ich was finde, dann habe ich es fertig.
Christian:
[1:44:10] Du kannst dir aber eigentlich eine Sequenz auf dem Studio-Gelände vorstellen, die auch als Jump’n’Run zum Beispiel funktioniert. Also wäre ja technisch kein Problem gewesen, dass du 1989 einen Jump’n’Run machst, wo du in verschiedenen Gegenden arbeitest. Das macht die Mega Drive Version ja auch. Und dann kannst du ja von mir aus durch dieses Studiogelände rennen. Und dann sind die Gegner halt nun mal die Paparazzi und die Fans und so weiter. Und du musst verschiedene Gegenstände finden und du musst durch irgendwelche Türen dann in den nächsten Studiobereich. Und dann kannst du sogar damit spielen, theoretisch, dass du durch die Filmsets in irgendeiner Form dich kämpfen musst oder so. Also wenn du mehr Mühe dann da reinsteckst, dass das Setting dann sogar noch da drinnen Unterschiedlichkeiten hat, kann man sich für 1989 gut vorstellen. Aber hier scheint das so, als hätte keiner irgendwie Lust gehabt oder Zeit gehabt, vielleicht auch beides, um überhaupt etwas Vernünftiges damit zu machen.
Christian:
[1:45:02] Also ich habe mir das Spiel angeschaut und ich wusste sofort, das Spiel ist eine Strafe. Ich weiß nicht, was ich angestellt habe, um das zu verdienen, dieses Spiel. Also ich bezweifle, dass sehr viele Spieler überhaupt den Rest vom Spiel gesehen haben, weil der erste Level gleich schon so unattraktiv ist, dass du einfach keine Lust hast, mehr vom Spiel zu sehen.
Heinrich:
[1:45:24] Und es ist auch so frustrierend, weil wenn du nicht wirklich ständig auf den Radar unten guckst, dann läufst du ja ständig in die Gegner rein. Die siehst du ja teilweise echt zu spät, vor allem an dem zweiten Level, wenn auch alles noch schneller ist. Also das ist eine einzige Geduldsprobe. Und es ist ja jetzt nicht nur die böse Presse, die das nicht gut fand. Es gibt ein wunderbares Zitat von Geoff Brown, der Gründer von U.S. Gold, der auch der Oberboss zu der Zeit war. Der hat für das Buch The Story of U.S. Gold aus dem Nähkästchen geplaudert, natürlich zur Firmengeschichte allgemein.
Heinrich:
[1:46:02] Zu Moonwalker hat er gesagt, it was an abysmal game. Es war grottenschlecht, das war seine Meinung. Das haben wir schon öfters gehabt, das Thema, dass bei diesen Lizenzspielen die Qualitätssicherung oft eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Wichtiger war es wohl, möglichst schnell zu einem heißen Thema war es, möglichst billig zusammenzukloppen. Und das war ja offensichtlich auch der Fall. Lustig fand ich dann noch die Anekdote, die er in dem Buch erzählt, als es eben um die Abnahme ging. Weil Michael Jacksons Leute hatten eine Klausel im Vertrag und Brown erzählt die Geschichte, wie er seinen Manager Mike Wilding nach Los Angeles geschickt hat, um sich diesen Segen abzuholen. Und die Geschichte klingt dermaßen erfunden. Ich gebe das jetzt wieder. Der Geoff Brown wird schon wissen, was er erzählt hat.
Heinrich:
[1:46:57] Der Mike Wilding, der wurde untergebracht in einem schicken Hotel und er wollte da einfach ein schönes Foto von sich haben, das ihn in dem Hotelzimmer zeigt. Und heute macht man schnell ein Selfie. Früher musste man mit einem Auslöser an der Kamera arbeiten. Das heißt, du hast das Knöpfchen gedrückt und bist dann schnell vor die Kamera gerannt, bis der Auslöser dann das Bild gemacht hat. Dummerweise hat er dabei eine Glastür übersehen, ist da durchgeknallt, musste ins Krankenhaus, wurde bandagiert und wäre eigentlich gar nicht in der Lage gewesen, an dem Treffen teilzunehmen. Dann hat er den Chef Brown angerufen, der meinte, nix da, du entlässt dich da jetzt selber aus dem Krankenhaus, du gehst zu dem Meeting. Der arme Mike ist also da erschienen, bandagiert, das Blut tropfte noch auf den Teppich, so wird das hier dramatisch geschildert. Und dann hat der Anwalt von Jackson’s Leuten gemeint, ach, wir haben jetzt gar nicht den richtigen Computer, um uns das anzugucken und ach, hier, gib mal mal den Papierkram, ich unterschreibe. Also laut Geoff Brown, rein aus Mitleid, haben sie das abgenommen gekriegt und so wurde dann diese Spiele auf die Menschheit losgelassen. Ich glaube, vielmehr muss man dazu nicht sagen, was so die Qualitätsbeurteilung angeht.
Christian:
[1:48:14] Das ist aber sehr süß. Zumindest geht da die Menschlichkeit dann doch über den Konzerngedanken, dass wir ein gutes Produkt brauchen.
Heinrich:
[1:48:22] Aber da hätte man doch ein Videoband hinschicken können. Ich meine, 89, 90, wann immer das genau war, da hatten alle VHS. Und da muss man sich jetzt nicht Sorgen machen. Ich meine, dass die in den USA, in der Anwaltskanzlei, keine Amiga haben, das sehe ich hier irgendwo ein. Da hätte ich doch ein VHS-Band geschickt. Aber lassen wir das.
Christian:
[1:48:40] Naja, vielleicht haben sie sich darauf vorbereitet, dass sie das Spiel verteidigen müssen. Es ist ja auch so, dass das Spiel auch nicht besser wird, auch wenn es dann anders wird. Also diese restlichen Levels, die dann später kommen, die sind dann halt auf andere Weisen schlecht und langweilig. Also dieses Shootout da im Club 30, es ist von der Steuerung her so unendlich hakelig, wie man dann auf diese Gestalten schießen soll, die da oben auftauchen, während die einen natürlich dauernd niedermähen. Aber das ist auch nicht reizvoll. Also du hast dann auch nicht so das Gefühl irgendwie, oh, das ist jetzt spannend, was da passiert. Oder mal schauen, was noch kommt oder so. Du kommst dir wirklich vor, als wirst du bestraft und du kriegst so eine Fleißaufgabe. Und dann unten ist so ein Zähler, der sagt dir dann, es gibt noch, keine Ahnung, 25 von diesen Typen, die du niederballern musst. Und dann denkst du so, Alter, warum muss ich jetzt noch so viele Leute niederballern? Aber selbst wenn man es auf stupide Ballerei machen will, dann macht man doch so einen Kommando-Klon aus dieser Sequenz, Wo man dann zwischen den Stühlen und Tischen herumrennt und von oben kommen dann die gegnerischen Sprites und man ballert die nieder. Aber es ist als hätten die davor Angst gehabt, dass das Spiel zu viel Spaß machen könnte und dann, keine Ahnung, verbringt man vielleicht zu wenig Zeit damit, die Michael-Jackson-Platten zu kaufen.
Heinrich:
[1:49:55] Sagen wir es mal so, das Studio Emerald Software gab es dann auch nicht mehr lange. Die haben schon 1991 den Betrieb eingestellt. Also vielleicht waren sie mit so einem Titel einfach auch überfordert.
Christian:
[1:50:07] Ja, ich muss auch sagen, eure Wertung damals von 40 Prozent ist wirklich sehr, sehr, sehr, sehr, sehr großzügig gewählt. Da kenne ich schon andere Gurken, die sehr viel gnadenloser abgestraft wurden.
Christian:
[1:50:19] Aber du hast uns ja vorhin schon gesagt, du wirst uns erklären, warum du das Mega Drive Game unterbewertet hast, denn das hat auch nur 59 gekriegt. Und schwenken wir doch mal um von der, nun ja, herausfordernden Heimcomputer-Variante zu dem Mega Drive-Konsolengame. 59 Prozent, Heinrich, was war da los?
Heinrich:
[1:50:41] Ich hatte ja noch im Kopf, oh, ich habe das damals gespielt, aber ich musste wirklich erst nachblättern in der alten Powerplay, um daran erinnert zu werden, dass ich der Tester war. Also wenn ich jetzt hier den Powerplay-Tester kritisiere, dann darf ich das.
Heinrich:
[1:50:56] Denn es ist deutlich besser als 59 Prozent. Ich hatte geschrieben, geschickte Mischung aus Filmelementen und solidem Actionspielprinzip bietet auf Dauer aber wenig Neues und ist zu leicht. Also auf Dauer wenig Neues, das ist nicht ganz falsch, weil sie geben sich zwar Mühe, dass es in den einzelnen Levels neue Grafik und auch neue kleine Spielelemente gibt, aber im Prinzip ist es ja schon immer dasselbe. Du guckst nach, wo noch ein Kind steckt und dann gibt es am Ende des Levels so eine Art Bosskampf, der oft nur darin besteht, dass einfach ganz viele Gegner auf einmal kommen. Das Charmanteste daran ist noch, dass hier Bubbles, der Schimpanse, dir den Weg weist, wo der Bosskampf genau ist. Also Bubbles hat in zwei von drei Spielen eine wichtige Rolle. Das muss ja auch nochmal unterstrichen werden. Aber zu leicht. Ich weiß nicht, wie lange ich das dann wirklich gespielt habe, um dieses Urteil zu fällen. Ich finde schon, dass das so ab der Mitte schon ein bisschen anzieht, wenn da auf dem Friedhof die Zombies auch dann so rumhüpfen und gerade jetzt den fünften und letzten Level, den fand ich jetzt durchaus knackig, auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad kann man ja auch noch auswählen.
Heinrich:
[1:52:13] Ich finde, die Spielbarkeit hat sich gut gehalten. Es steuert sich einfach nett. Ich finde auch, sie haben sich viel Mühe gegeben mit Details aus dem Film. Also allein im ersten Level habe ich sofort wiedererkannt, oh, das ist ja hier der Billiardspieler aus Smooth Criminal, dem Musikvideo aus dem Film, der da seinen Stock zerbricht. Oder dass es in dem Club so eine Leiter gibt, die so ausgefahren wird. Das hast du auch als Level-Element. Da haben sie schon viel Liebe zum Detail bewiesen, finde ich. Und das spielt sich einfach rund. Also deswegen, also ich würde dem heute eher so 71 oder sowas geben. Alleine auch, um den Abstand zu dieser US-Gold-Moonwalker-Version zu vergrößern, weil der ist deutlich höher qualitativ, als diese Zahlen es vermuten lassen.
Christian:
[1:53:04] Ja, da bin ich ganz bei dir. Also was die Details angeht, ich finde das sehr schön. Das fängt ja gleich damit an, dass Michael in diesen Club kommt und dann wirft er die Münze in die Jukebox, so wie wir das aus dem Smooth Criminal Video kennen. Und sowas versteckt sich dann über das ganze Spiel immer, dass da so Elemente sind, wo man sich denkt, ah ja, genau, das ist doch eigentlich auch im Film. Oder es sind Elemente, die kennt man aus der Welt von Michael Jackson. Also natürlich, der Friedhof ist ja eigentlich Thriller. Das ist nicht Moonwalker, das ist das Thriller-Video. Aber auch wenn man da durch die Straßen geht und dann das Parkhaus geht, das ist ja eigentlich auch wieder, klar, es gibt im Moonwalker diese Kinderversion von Bad, die da unten in dem Parkhaus ist. Aber das sind ja Bilder, die reichen eigentlich über Moonwalker hinaus, sondern die arbeiten mit dieser ganzen Michael-Jackson- Ikonografie und diesen ganzen Welten, die er da aufgemacht hat. Das haben die sich, finde ich, schön angeschaut und haben das alles spielerisch sehr nett und fluffig verbaut. Ich glaube, der Vorwurf, dass es zu leicht wäre, das ist auch was, was aus der Zeit daraus geschuldet ist, wo ja die meisten Spiele so knüppelhart waren, Und heute, ich hab das Gefühl, ich bin sehr dankbar, dass das Spiel nicht so hart ist.
Heinrich:
[1:54:14] Mir klingt es genauso, ja.
Christian:
[1:54:15] Also, ich hab halt auch nicht die Zeit, dass ich mich da monatelang dransetze und dann noch mal und noch mal und noch mal. Man hat sehr schnell Erfolgserlebnisse. Man hat auch seine Herausforderungen. Wenn man das Gefühl hat, man will mehr Herausforderungen, dann spielt man halt gleich auf hart. Also, das ist ähnlich wie beim Terminator 2-Game, wo wir geredet haben. Es ist ein bisschen schwerer als Terminator 2. Aber das ist so das gleiche Prinzip. Man kann sich das ja einstellen. Aber das Spiel erlaubt auch den Spielern, die jetzt nicht so versiert sind, ein bisschen mehr vom Spiel zu sehen. Dieser Level, den du erwähnt hast, der 5-2, das ist wirklich der härteste. Also da bin ich auch am meisten gestorben, weil dann kommen da von überall her Laser und die Gegner sind halt auch schon wirklich sehr oft zack und überall passiert was. Der 5-3 ist dann ein bisschen sanfter und dann kommt eh der Bosskampf schon und dann kommt Mr. Big. Ich habe es bis zu Mr. Big geschafft und im Endkampf, da habe ich dann versagt. Ich glaube, wenn ich es jetzt noch mal spielen würde und ein paar Leben mehr in den Endkampf reinnehmen würde, dann schaffe ich das auch noch. Und ich spiele das Spiel auch noch mal, weil es tatsächlich Spaß macht. Es ist stimmungsvoll, es ist abwechslungsreich. Die Musik, die groovt dich irgendwie so nett dahin. Also diese Mega Drive Versionen vom Michael Jackson Hits, die funktionieren auch richtig gut, finde ich.
Heinrich:
[1:55:28] Ja, bei der Beurteilung des Schwierigkeitsgrads war man vielleicht noch zu sehr das knuppelharte Megadrive-Shinobi gewöhnt, was ja so leichte spielerische Ähnlichkeiten hat, aber halt auf einem anderen Niveau. Aber es ist ein sehr vernünftiges Design, auch wenn man vielleicht daran denkt, dass das auch jüngere Michael-Jackson-Fans kaufen, die jetzt nicht die allergrößten Videospielexperten sind. Und leicht wirkt es halt dadurch, dass die gefundenen Kinder, die halt immer einen Batzen Energie zurückgeben, dann kann man auch mal ab und zu mal diese Sondermagie einsetzen, auch wenn die Lebenskraft kostet. Gerade bei manchen Bosskämpfen am Levelende kann das sehr sinnvoll sein. Und ja, Liebe zum Detail, natürlich der Münzwurf gleich zu Beginn, den hast du erwähnt. Generell, wie sich das Michael-Jackson-Sprite bewegt, finde ich so ganz fantastisch. Überhaupt kein Vergleich mit diesem Heimcomputermüll. Das ist wirklich Michael Jackson im Rahmen der Hardwarefähigkeiten dieser 16-Bit-Konsole. Er ist ganz toll animiert. Ich finde das sogar schöner als beim Automaten, wie er seinen Standardangriff einsetzt. Weil auf dem Megadrive, dann ist das wirklich aus dem Fußgelenk dieses Tänzerische. Das kommt bei jeder Bewegung so gut rüber. Also ich habe jetzt hier kein Zitat gefunden, was Michael Jackson über sein Megadrive-Spiel mal je gesagt hat. Aber ich wäre damit sehr zufrieden gewesen. Ich finde, da kommt er prima rüber.
Christian:
[1:56:55] Ja, ich finde auch. Also das ist eigentlich das, was er ja haben wollte. Dass das irgendwie ihn in eine andere Welt bringt oder mit ihm eine Welt im Videospiel irgendwie baut. Ich finde, das funktioniert gut. Und die Levels haben jeweils eigene Besonderheiten und eigene Situationen und so weiter, die das immer dann ein bisschen abändern. Die Musik nervt auch gar nicht auf der Endlosschleife.
Heinrich:
[1:57:18] Die ist super. Die wollte ich ja auch noch mal gelobt haben. So gut kann man das machen. Das ist natürlich auch Chip-Tune-Musik. Aber das Megadrive hat ja schon einen ordentlichen Chip gehabt. Und ich finde, die Arrangements sind klasse. Die Musik, die lasse ich einfach gerne laufen. Das ist wirklich eine schöne Interpretation. Du erkennst sofort die Originalsongs und das passt wunderbar zusammen.
Christian:
[1:57:49] Vor allen Dingen mag ich Billie Jean, was in der Höhle dauernd läuft. Und das wird ihr dann auch nicht fahrt, obwohl es ja in Endlosschleife durchläuft. Und da der Höhlenlevel so ein bisschen länger sich zieht als die anderen Levels, da habe ich dann schon mal angefangen mitzusingen Billie Jean, den Refrain, wenn der dann kommt. Und dann irgendwann habe ich angefangen, das einzudeutschen, die Version. Ich bin dann hingekommen bis zu Billie Jean ist nicht mein G’spusi. Sie ist ein Mädel, die redet recht wir, aber die G’schroppen sind nicht von mir. Und dann irgendwann war der Level aus.
Heinrich:
[1:58:20] Okay. Wir brauchen einen Untertitel für diese Episode oder für die Zuhörer im norddeutschen Raum.
Christian:
[1:58:27] Ja.
Heinrich:
[1:58:29] Ja, und dann beurteilen wir auch noch das Original, wenn man so will, denn der Spielautomat ist ja wohl die Version, wo Michael Jackson noch am ehesten direkten Input in die kreative Entwicklung hatte. Und ja, ich weiß nicht, wie es dir ging, aber der würde bei mir so in der Mitte stehen. Ist natürlich dramatisch besser als das Heimcomputerspiel, aber auch wenn das natürlich grafisch ganz schick ist und da richtig was passiert und sicher mit drei Leuten in der Spielhalle Freitagabend sehr stimmungsvoll sein kann. Also rein vom spielerischen Nährwert her finde ich es nicht so gut wie die Mega-3-Version.
Christian:
[1:59:10] Ja, es ist vor allen Dingen knüppelknüppelhart, dieses Spiel. Es ist unfair hart und von Beginn an wirklich so hart. Also ich habe die Theorie entwickelt, dass das immense Vermögen von Michael Jackson zu einem nicht unbeträchtlichen Teil nicht etwa von Plattenverkäufen stammt, sondern von frustrierten Jugendlichen, die ihr Taschengeld in diesen Automaten stecken mussten, damit sie auch nur irgendwas jenseits von Level 1 sehen konnten. Das Spiel stülpt dir gleich einfach so viel über, was da an Gegnern kommt und was da an gefährlichen Situationen kommt. Und es kommt einfach immer noch mehr und noch mehr. Man stirbt 1000 Tode. Das ist am Emulator natürlich sehr nett. Da kann man den virtuellen Münzeinwurf einfach mit der Taste C simulieren. Und ich fände es sehr lustig, wenn man dann irgendwie am nächsten Tag so ein E-Mail mit einer Abrechnung kriegt. Und da lese ich dann irgendwie, dass ich denen jetzt 2000 Euro schulde. Dafür, dass ich Moonwalker durchgespielt habe.
Heinrich:
[2:00:10] Ich finde das auch ganz charmant, mit welchem Soundeffekt das Nachmünzen begleitet wird. Das ist dieses ganz begeisterte Michael-Jackson-Jauchzen.
Christian:
[2:00:22] Das ist ja nett. Also man merkt schon auch da, dass die Designer, oder Michael selber ja dann auch, dass die damit gearbeitet haben. Was ist Michael Jackson und was sind diese Elemente, die man kennt? Auch der Tanz zum Beispiel, den er dann macht als Smart Bomb. Da sind viele schöne Sachen drin. Das ist nicht so, dass das lieblos designt wäre. Es ist halt zu schwer und ich muss auch sagen, es ist nicht so abwechslungsreich. Da finde ich das Megadrive-Game dann im Vergleich eigentlich abwechslungsreicher, denn hier geht man halt immer weiter durch diese isometrische Welt und dann kommen halt einfach immer nochmal so viele Gegner und nochmal so viele Gegner und dann halt nochmal drei Roboter mehr. Die Grafik ändert sich so ein bisschen, klar, man ist dann irgendwann im Friedhof und dann kommen etwas andere Gegner, aber es spielt sich dann nicht so schnell und flott und abwechslungsreich eigentlich wie das Megadrive-Game.
Heinrich:
[2:01:12] Und was sollen wir jetzt vom Film halten? Langweilig ist er nicht. Ich meine, man rollt mit den Augen, man verzweifelt manchmal an der Logik. Aber alles in allem, es gibt nicht viele Filme wie Moonwalker oder wie bist du da jetzt rausgegangen? Weil du hast ihn ja auch damals nicht gesehen. Es war jetzt für uns beide ja das erste Mal, dass wir uns den angeguckt haben.
Christian:
[2:01:37] Ja, definitiv. Ich finde, es ist eine sehr frustrierende Seherfahrung. Vielleicht beim zweiten Mal dann nicht mehr so, weil man halt ja drauf gefasst ist, dass das Ding eigentlich überhaupt nicht zusammengehalten wird von irgendwas. Aber es ist frustrierend, denn ich habe so das Gefühl, ich schaue mir das an und bei all dem Aufwand, der betrieben wurde, Der finanzielle Aufwand, aber auch der Arbeitsaufwand, die Bauten und die Technik und die Tänzer, die Choreografie und die Effekte und Joe Pesci und alles drum und dran.
Christian:
[2:02:10] Wäre da nicht noch irgendwie ein bisschen Taschengeld übergeblieben, um sich so eine kleine Mini-Handlung zu überlegen, die das alles zusammenhält, irgendwie in roten Faden bietet? Deswegen, du sagst, es ist nicht langweilig. Ich finde ihn auf eine merkwürdige Weise gleichzeitig langweilig und gleichzeitig spannend, weil er ist total kreativ. Und es passiert dauernd irgendwas Neues und was anderes. Und ich frage mich dann, oh, wo sind wir denn jetzt? Und was passiert denn jetzt? Und wie hängt das jetzt eigentlich mit dem zusammen, was ich mir eben angeschaut habe? Und gleichzeitig langweilt es mich auf einer gewissen Ebene, weil eben diese Sachen ja keine Bedeutung haben. Also Michael wird verfolgt. Und ich denke mir, ja, eh. Und dann kommt ein Hase. Und dann kommt ein Auto. Und dann kommen Leute, die ballern. Und das sind so, keine Ahnung, ich komme mir vor wie in der Bibliothek von Babel, nur in Filmversionen, wo einfach irgendwelche Bilder neu zusammengepuzzelt werden und ich bin ja nicht involviert in dieser Handlung.
Christian:
[2:03:03] Und gleichzeitig ist es halt eine spannende Collage. Also ich habe vorhin schon gesagt, es hat ja damit was sehr Persönliches. Das ist ungefiltert Michael Jackson. Das ist das, was ihm einfällt und das, was er gerade irgendwie schön und witzig und spannend findet. Und er hat ja da noch diese kindliche Unschuld, mit der er auf das alles blickt und sagt, oh, ein Auto, wie schön. Und deswegen muss das rein. Du merkst also schon den Künstler dahinter, du merkst auch da, das passt zu Michael Jackson und das ist er und es hat natürlich was Spielerisches dann auch an sich. Von daher will ich jetzt auch natürlich nicht ungnädig sein und finde ihn dann auch schon auf seine Weise irgendwie interessant anzuschauen.
Heinrich:
[2:03:41] Ja, und es ist auch so ein Hin und Her. Du hast dich ja am Anfang so ein bisschen eingeschossen auf, es kommt einfach so eine Sammlung von aufwendigen Musikvideos.
Heinrich:
[2:03:51] Dann wird halt doch versucht, so ein bisschen eine Handlung zu erzählen. Und mit diesen Kindern, eins davon ist ja Sean Lennon, Johns Filius, also Come Together am Ende, ein Sean-Lenn-Song, passt ja alles ganz gut zusammen, aber nur in der Hinsicht, also handlungsmäßig ist es eine ziemliche Katastrophe. Und ich glaube, ich hätte mehr Spaß an einer Videosammlung von Michael Jackson.
Heinrich:
[2:04:18] Denn wo man immer wieder dann aufwacht oder wo man immer wieder dann entschädigt wird, das sind eben die Musik- und Tanzszenen. Und das Smooth Criminal, das macht das so halbwegs erträglich, was da so an Handlungen in der zweiten Hälfte geboten wird, weil das ist wirklich ganz toll inszeniert und einfallsreich und schockierend wahrscheinlich zu der Zeit, wo dann Michael Jackson auch mal zur Maschinenpistole greift und dann so Mord und Totschlag angedeutet werden, natürlich auf tänzerische, spielerische Art und Weise. Das ist schon super gemacht und das ganze Set und das Lied ist auch fantastisch. Also das nimmt man natürlich auch noch mit, wenn man das Thema recherchiert. Ich war also nie Michael Jackson Fan, aber wie gut die Musik sich auch gehalten hat. eben aus dieser goldenen Ära die Quincy Jones Alben. Das sind so coole Ohrwürmer und auch abwechslungsreich und eben die Inszenierung. Also ich gucke mir sonst nicht viel Musicals oder Tanzfilme an, aber das hat immer noch eine echte Qualität und ja, es ist wirklich so ein Zickzack-Film, ein Hin und Her.
Heinrich:
[2:05:24] Ein eigenwilliges Werk, sowas hatte ich noch nicht gesehen.
Christian:
[2:05:28] Ja, wir haben es gesehen, wir haben es alles gespielt und das sind ja die besten Voraussetzungen, dass wir uns jetzt zum Bewertungssystem begeben, nach dieser doch sehr kurzen Episode, zumindest wenn man sie vergleicht mit der Länge von manchen Michael-Jackson-Musikvideos.
Heinrich:
[2:05:59] Das Pixel-Kino-Bewertungssystem wurde nicht nach Michael-Jackson-Alben benannt, auch wenn da ein Bad irgendwo drin steckt, sondern wir wurden da inspiriert von einem anderen Kinoklassiker. Jedenfalls bewerten wir Spiel und Film in drei Stufen. The Good, The Bad and The Ugly. Gut und Bad ist hier eindeutig, aber Christian, erinnere uns nochmal daran, was ist denn Ugly für eine Mittelwertung?
Christian:
[2:06:27] Ja, Ugly ist das, was vielleicht verborgene Schönheiten haben kann. Ugly ist das, was auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz funktioniert, aber dann doch irgendwie fasziniert. Das ist das, was irgendwo noch so eine Kehrseite hat und wo man sagen kann, das lohnt sich schon, sich damit mal genauer auseinanderzusetzen. Und wir finden für diese Kategorien, The Good, The Bad and The Ugly, jedes Mal Elemente, Bilder oder Objekte aus dem Film, aus den Spielen, die dann die Kategorien The Good, The Bad and The Ugly symbolisieren. Heinrich, du bist der Vorreiter darin, Sachen zu finden und du hast ja hier gleich mehrere Vorschläge geschickt. Was wolltest du da machen?
Heinrich:
[2:07:09] Ja, wir haben erst überlegt, vielleicht Michael Jackson Garderobe, Handschuh, Fedora und Socken. Aber was ist dann Good, Bad, Ugly? Ganz schwierig. Auch bei den Tanzschritten, ich meine Moonwalk, Moonwalker wäre ja naheliegend, aber da hätten wir aus Recherchegründen die vielleicht auch mal ausprobieren müssen. Und da wollten wir doch keine bleibenden Schäden riskieren. Also lieber was ganz harmloses, was kuscheliges. »Good, bad and ugly« werden symbolisiert durch »Michael Jackson Haustiere«.
Christian:
[2:07:40] Ja, und das Haustier, was gut ist, das ist ja jetzt auch schon öfter bei uns aufgetaucht in der Episode und es taucht zumindest am Rand auch im Film auf, aber natürlich hat es eine große Rolle in seinem Leben gespielt und das ist der treue Schimpanse, Bubbles hieß er.
Heinrich:
[2:07:54] Ein Haustier, das Michael sicher sehr geliebt hat, das aber manche seiner kreativen Mitstreiter als bad empfunden haben, das ist die Boa Constrictor. Genauer gesagt, hat Quincy Jones da Anekdoten erzählt, dass während der Aufnahmen des Thriller-Albums Michael Magerne die Boa-Konstriktor Muscles mit ins Studio genommen hat. Und er fand das doch ein bisschen irritierend, der Quincy, dass sich die Schlange mal gern um sein Bein wickelte, während er eigentlich arbeiten wollte. Deswegen, ohne jetzt Reptilienfreunden zu nahe treten zu wollen, aufgrund dieser Quincy Jones Aussage wäre die Bohr-Konstriktor unser Bad-Haustier.
Christian:
[2:08:39] Ja, bleibt noch das Ugly-Tier. Und es tut mir natürlich leid, dass ich dieses schöne Tierchen jetzt als Ugly bezeichnen muss. Aber wenn man das Thriller-Album aufklappt, dann liegt Michael Jackson da mit so einem kleinen Tiger-Baby. Und das Tiger-Baby ist natürlich sehr, sehr süß und flauschig. Ich muss aber darauf hinweisen, liebe Leute es ist schon nicht gut, sich einen Schimpansen als Haustier zu halten, aber ein Tiger, überlegt mal, was euch das an Futter kostet, wenn das Tier wächst das wächst irgendwann so weit da hilft auch das Gatefold-Cover vom Thriller-Album nicht mehr, das wird zu groß dafür, das braucht auch relativ viel Platz im Haushalt und ich weiß auch nicht ob es dann noch so kuschelig ist also der Tiger ist schon süß aber vielleicht nicht daheim.
Heinrich:
[2:09:24] Also, gut ist der Schimpanse, bad, die Boa Constrictor und ugly ist der Tiger. Und damit das noch ein bisschen verwirrender wird, haben wir heute drei Spiele, die es zu beurteilen gibt.
Heinrich:
[2:09:38] Aber wir fangen wie immer mit dem Film an. Und also, ich habe mich ja sehr schwer getan, aber Christian, da lasse ich dir gerne den Vortritt.
Christian:
[2:09:47] Ja, also als Katzenfreund werde ich da den Tiger zücken, was den Moonwalker angeht. Also ein Aglee.
Christian:
[2:09:56] Ich habe ja gesagt, es ist ein frustrierender Film. Es ist ein Film, der einen manchmal auch zweifeln lässt, ob da nicht irgendjemand mal gesagt hat, du, können wir da was anderes machen? Können wir das irgendwie ein bisschen besser zusammenführen? Und gleichzeitig, ja, das ist halt Michael Jackson und das ist Pop und Popmusik funktioniert immer im Jetzt und Popmusik hat auch nicht den Auftrag, dass sie irgendwie Bedeutungen mitliefern muss. Sie kann das natürlich, aber muss es nicht tun. Und dann habe ich auch wieder so ein Herz für einen Film, der irgendwie es wagt, einfach total anders zu sein, der einfach diese Regeln völlig ignoriert, dass deine Handlung dich irgendwie durchführen soll, dass die Dinger irgendwie zusammenhängen sollen oder dass du da irgendwie erleuchtet hinausgehen sollst, irgendwas. Es ist fast wie so ein Avantgarde-Film, wo einfach Ideen reingeworfen werden und du kannst dir das dann selber durch den Mixer ziehen und schauen, was dabei rauskommt. Also auf der Ebene finde ich es dann irgendwie auch wieder ganz cool und faszinierend, was er da gemacht hat. Die Kreativität ist alles da und es ist purer Michael Jackson zu einer Zeit, wo noch eben nicht die tragischen Komponenten und diese Paranoia und diese Wut auch in ihm hervorbricht, die dann später kommt. Also das kann schon Spaß machen und deswegen, wenn man sich darauf einlassen mag, dann hat das schon was zu bieten. Gleichzeitig kann man sich jetzt nicht ernst in gewissen Sinn stellen und sagen, was für ein großer Film unbedingt anschauen. Deswegen Der Tiger.
Heinrich:
[2:11:21] Ich sehe es ganz ähnlich wie du, aber bei mir rutscht der Film wirklich noch eine Stufe runter. Für mich ist er bad, eine Bohr-Konstriktor. Ich habe ja schon gesagt, langweilig in dem Sinn wird er nicht, aber puh, also die Realfilmszenen, die sind schon teilweise arg bescheuert. Und mir ist schon klar, sie hatten da wohl auch Terminprobleme. Michael Jackson hat nebenbei noch getourt. Und wie viele Szenen kann man mit oder ohne ihm machen? Was kann man ihm schauspielerisch zumuten? Aber also erst zu Beginn, wie auch die Fans dargestellt werden, als so nervige, aufdringliche Knetfigürchen und dann diese Hasennummer und gegen Ende und mit den Kindern, also das ist dermaßen Krampf. Also da können auch Smooth Criminal und andere Highlights oder diese Montage zu Beginn, die war wirklich gut gemacht, können das nicht mehr ausreichend anheben. Als Film ist es für mich eine Boa, ein Bad.
Heinrich:
[2:12:27] Und in welcher Reihenfolge wollen wir denn die Spiele beurteilen? So etwa in der Reihenfolge, wie wir sie vorgestellt haben am Anfang. Die war ja auch so etwa chronologisch, 1990. Dann fangen wir mit dem Automaten an.
Christian:
[2:12:39] Ja, beim Automaten, also man merkt, ich bin ein großer Katzenfreund. Es kommt schon wieder der Tiger, denn der Automat ist schon eigentlich ein gutes Spiel. Also es ist ein liebevoll designtes Spiel. Es ist ein Spiel, das auch gut funktioniert und eine gewisse Abwechslung bietet. Nicht zu viel davon, aber zumindest spielerische Elemente so weit durchkonjugiert, dass man damit schon Spaß haben kann. Und gleichzeitig ist das Ding halt einfach so schwer, dass ich mich da nicht dran sehe, wie ich mich hinsetze und das ernsthaft trainiere und versuche, besser zu werden und dann versuche, noch weiterzukommen. Und ich sehe ja dann, es kommt gewissermaßen mehr vom Selben. Also das Spiel ist eigentlich auch nicht wahnsinnig lang, wenn man jetzt das mit Trainer und Unendlich Leben und alles durchspielt, dann dauert das nicht sehr lang. Aber wenn man das auf ehrliche Weise durchspielen wollte, dann sitzt man da, glaube ich, so ein paar Jahre. Zumindest ich sitze da ein paar Jahre. Ich bin überzeugt, es gibt ein paar Hardcore-Gamer, die sagen dann, so wie du beim Mega Drive-Game, es ist zu leicht. Die gibt’s immer. Aber mir ist das einfach viel zu knüppelhart.
Heinrich:
[2:13:46] Ja, genau, was du gesagt hast. Also zum einen der Schwierigkeitsgrad, aber auch so ein bisschen der Mangel an Abwechslung. Ich hab erst gedacht, hey, das ist ja richtig cool. So der erste Level und Peng-Peng und Tanzschritte und überhaupt. Aber dann wird es halt nur wenig variiert, finde ich. Man hat schon so ein bisschen das Gefühl, als hätten da die Sega-Designer so auch mit leichten Augenrollen das so als Job runterprogrammiert. Michael Jackson hat mal ein Fax geschickt und okay, jetzt machen wir halt irgendwie ein Spiel draus, mal gucken. Also sehr solide, sehr professionell, muss man sich nicht dafür schämen, aber so, ja, guter Durchschnitt und das heißt deswegen auch bei mir ein Ugly, ein Tiger für den Spielautomaten.
Christian:
[2:14:33] Ja, dann kommen wir jetzt wohl zu den Fassungen für die Homecomputer. Und man hat ja vorne bei unserer Diskussion vielleicht schon ein bisschen sanft zwischen den Zeilen lesen können, wie wir dieses Spiel finden oder auch nicht. Also, so gern ich Tiger mag, hier hilft einfach nur noch die Boa. Und was für eine Boa. Also, ich sag’s noch mal, das Spiel ist eine Strafe. Ich hab keine Ahnung, wer das mit Spaß spielen soll oder auch da dranbleiben soll. Das spielt man doch wirklich nur, wenn man sonst nichts hat. Und wenn ich sonst nichts habe, dann spiele ich gar nichts. Finde es sowas von einfallslos und unsäglich und es ist vor allen Dingen halt traurig, weil du eigentlich aus diesen Elementen, die sie haben, bessere Version machen könntest. Also du kannst dir immer Situationen vorstellen, wie das auch an einem C64 ein unterhaltsameres Spiel werden könnte. Ein flotteres Spiel und ein Spiel, das auch irgendwie ein bisschen mehr Michael-Jackson-Geist versprüht als dieses Ding hier, was irgendwie so aufregend ist wie ein Sackzement.
Heinrich:
[2:15:33] Es gibt ja Leute, die mögen Labyrinthe. Ich gehöre nicht zu denen und ich glaube, selbst Labyrinth-Fans haben da Probleme, den, Spielspaßfunken zu finden, also bei mir ist es nicht nur eine Bohr-Konstriktor, ich würde der Amiga-Version eine Zusatz-Bohr-Konstriktor, ein Doppelbett verleihen, alleine für diese völlig bescheuerte, geschmacksverfehlte Idee, da aus einem Mini-Sample so eine Endlos-Loop zu machen und damit das eine, was ein Michael-Jackson-Spiel vielleicht noch retten könnte, nämlich die Musik, auch zu ruinieren. Das haben sie wirklich gründlich gemacht. Also viel better geht’s nicht.
Christian:
[2:16:17] Ja, bleibt uns noch das dritte Spiel. Das für die Konsolen, den Mega Drive und natürlich auch das Master-System in der kleineren abgespeckten Version. Und auch da hat man ja schon eine Tendenz bei uns rausgehört. Und das ist jetzt der Punkt, da kann ich endlich den Schimpansen zücken.
Heinrich:
[2:16:32] Bubbles, da ist er.
Christian:
[2:16:34] Jawohl, ich finde, es ist ein schönes Spiel. Ich finde es nett, dass das Spiel nicht so wahnsinnig hart ist. Ich komme relativ schnell recht weit. Ich habe ein bisschen Abwechslung. Ich habe die coole Michael-Jackson-Musik. Ich habe Michael-Jackson-Feeling beim Spiel. Das spielt sich auch schnell und flott. Also ich habe nicht das Gefühl, das bewegt sich zu langsam oder es ist irgendwie mühsam voranzukommen, sondern es geht zack, zack, zack so vor sich hin. Es kommt immer mal ein neues Szenario und damit kommen auch wieder ein paar neue Herausforderungen. Ich komme recht flott zum Ende. Ich finde, sie haben sich sehr viel Mühe dabei gegeben, diese Michael-Jackson-Welt dann in eine relativ überschaubare Spielewelt zu packen. Das passt rundum für mich, von daher der Bubbles.
Heinrich:
[2:17:18] Absolut. Also ich stimme dem zu. Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass die Powerplay-Wertung völlig falsch war. Hört nicht auf den Lenhardt. Aus heutiger Sicht ist das wirklich ein gutes Spiel. Nicht überragend. War ja sicher so ein bisschen Abwechslung und was nicht alles. Aber das ist total nett und auf jeden Fall ein Schimpansenwert. Also damit haben wir ja wohl eine eindeutige Einstufung gefunden. Michael Jackson Moonwalker auf Megadrive ist gut, Michael Jackson Moonwalker in der Spielhalle ist ugly und Michael Jackson in der US-Gold-Version auf Heimcomputern ist bad. Da können wir uns, glaube ich, drauf einigen.
Christian:
[2:18:02] Ja, wahrscheinlich ist das Laufen durch eine Glasscheibe lustiger als diese Heimcomputer-Version.
Heinrich:
[2:18:09] Ja, Christian, ich weiß ja nicht, ob du vielleicht Kleingeld dabei hast, dass wir durch die Luft schnippen können, damit die Münze in die Podcast-Jugbox gleitet und wir noch ein paar Stunden weiter über Moonwalker reden oder eher nicht?
Christian:
[2:18:26] Ja, wir reden uns ja jetzt gerade erst warm. Wir beginnen erst und dann kommt erst der richtige Teil.
Christian:
[2:18:32] Aber ich glaube, nach dieser epischen Moonwalker-Betrachtung können wir jetzt schon langsam zum Schluss kommen. Ich glaube, wir sollten noch die allerwichtigste Frage klären. Die allerwichtigste Information, die uns hier in diesen Recherchen untergekommen ist. Und wir haben seinen Namen so oft erwähnt und keiner hat sich gefragt, wie geht es denn Bubbles heute eigentlich? Ich darf den Leuten versichern, Bubbles geht es gut. Bubbles lebt in einer Einrichtung in Florida, dem Center for Great Apes. Da gibt es sogar eine Website, da kann man sich aktuelle Bilder von Bubbles anschauen. Es heißt, Bubbles ist ein wenig schüchtern, er mag keine Kameras, er ist künstlerisch, er malt gerne Bilder. Und wenn Besucher kommen, dann wirft er manchmal Wasser oder Sand auf die Gäste. With amazing accuracy, wie uns die Website informiert.
Heinrich:
[2:19:19] Das ist wahrscheinlich abgerichtet worden, dass er die Presse, die Paparazzi damit bekämpft.
Christian:
[2:19:24] Ja, also die Psychologisierung von Bubbles, warum er keine Kameras mag, das ist sofort spannend aus irgendeinem Grund. Aber ja, ich finde das jedenfalls sehr schön. Ein Affenkreis, der da irgendwie seinen Lebensabend in dieser Einrichtung begeht. Es heißt auch, dass er sehr respektiert wird von den anderen Schimpansen. Und die anderen Schimpansen kommen offenbar auch aus der Unterhaltungsbranche. Ich habe aber nicht rausfinden können, was das wieder für Affen sind. Ob da vielleicht Ronny aus Ronnys Popshow auch dabei ist oder so.
Heinrich:
[2:19:51] Aber was aus den Schlangen geworden ist und aus den Tigern, das wissen wir nicht so genau.
Christian:
[2:19:57] Das heben wir uns dann für die Extended Version von dieser Folge auf.
Heinrich:
[2:20:01] Das ist dann die Version, wo ich noch ausführlich über das Journey-Album Escape und dessen Einfluss auf die Videospielbranche referieren darf. Genau.
Christian:
[2:20:10] Ja, da ist es, glaube ich, ganz gut, dass wir jetzt zum Schluss kommen, bevor wir da jetzt die Grausamkeiten auspacken. Ich sage, Heinrich, es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit dir in die Michael-Jackson-Welt und in Moonwalker einzutauchen. Wir hören uns wieder im Stay Forever-Unterstützer-Feed mit der nächsten regulären Pixel-Kino-Folge.
Heinrich:
[2:20:29] Auf jeden Fall, denn auch für das Pixel-Kino gilt das Motto Don’t stop till you get enough. Christian, das war ja wunderbar smooth heute, der reinste Thriller.
Heinrich:
[2:20:39] Und jetzt höre ich mal auch auf, keine Sorge. Vielen Dank und ich hoffe, es hat euch auch ein bisschen Spaß gemacht.
Christian:
[2:20:46] Tschüss.
Heinrich:
[2:20:47] Ciao. Das war Pixel-Kino Episode 32 zu Michael Jackson’s Moonwalker. Vielen Dank, dass ihr uns eure Aufmerksamkeit geschenkt habt bis zum Ende dieser extra langen Special-Episode des Pixel-Kinos. Das war ja das reinste Doppelalbum, aber es gab ja auch von Michael Jacksons musikalischen Schaffen, den Videoclips, den Moonwalker-Film und den drei Spielen, die darauf basierten, einiges zu besprechen. Wir schärfen bereits die Schwerter für die nächste Episode, in der die Pixel-Kino-Crew sich wieder einen Film ansieht und das dazugehörige offizielle Computerspiel bespricht. Der Pixel-Kino-Podcast ist eine Koproduktion von Christian Genzel und Heinrich Lienhardt. Die Musik stammt von Chris Hülsbeck. Wir hören uns bald wieder bei unserer Begegnungsstätte für Film und Spiel.
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