In der Vergangenheit hatte man von der Zukunft oft ein ganz schlechtes Bild. So auch im Ego-Shooter SiN, 1998 für den PC erschienen: Man glaubte, dass im Jahr 2037 die Welt ein Sündenpfuhl sein würde, wo korrupte Konzerne unbescholtene Bürger in Mutanten verwandeln. Die nicht minder korrupte, zudem überforderte Polizei wurde längst abgelöst durch private Sicherheitstruppen, die erst schießen, dann … noch mal schießen.

In der Rolle von Colonel John „Rusty“ Blade schießen wir aber ebenso munter zurück. Alles beginnt mit einem Banküberfall, wir erreichen den Ort des Geschehens in einer 1998 beeindruckenden Heli-Ballersequenz. Dieser Einsatz ist aber nur die Spitze eines verschwörerischen Eisbergs, den wir mit purer Waffengewalt abtauen. Der B-Movie-Ansatz bei den Charakteren und Dialogen war schon zum Release grober, wenigstens bewusst platzierter Unfug, aber SiN ist in seinen spielerischen Ambitionen dennoch interessant, gerade auch aus heutiger Perspektive. Auf Basis einer modifizierten Quake 2-Engine wollte das Spiel schon kurz vor Half-Life ganz schön viel: Wir stehen mit einem Team in Funkkontakt, werden von Stealth-Missionen überrascht, hacken Computerterminals, fahren Vehikel, erleben also einen für die damalige Zeit hohen Grad an Interaktivität, schauen außerdem vielen Zwischensequenzen zu.

Ein einigermaßen spektakulärer Heli-Einsatz eröffnet das Spiel.

Das ist ein Anspruch, den zum Beispiel der Engine-Lieferant Quake 2 bei all dessen Qualitäten gar nicht hatte. In seiner oft etwas tumben Lautheit blickte SiN immer wieder durchaus schlau und unterhaltsam in die Zukunft seines Genres, auch wenn diese letztlich von anderen Spielen wie eben Half-Life geprägt wurde. Valves Meisterwerk schoss Rituals SiN auch die Verkaufszahlen zu Klump, Launch-Probleme wie lange Ladezeiten und Bugs taten ihr Übriges für das relative Scheitern des Spiels am Markt.

Der subtil-schlaue Humor der ausgehenden 90er-Jahre fehlt nicht.

Da die amerikanischen Nightdive Studios aber mittlerweile immer tiefer in der Mottenkiste nach alten Shootern suchen, die man auf moderne Systeme bringen kann, gibt’s nun auch SiN in Kombination mit dem Add-on Wages of Sin als Neuauflage. SiN Reloaded hat die zu erwartenden Verbesserungen, also hohe Auflösung und Breitbild-Support, außerdem lässt sich das Spiel nun ohne vorheriges Informatik-Studium zur Controller-Steuerung überreden. Die Level haben kleine Optimierungen erfahren, um den Spieler besser zu leiten, außerdem kann man jederzeit zwischen Original und Remaster umschalten – um festzustellen, dass auch die Remaster-Version trotz HD-Texturen und -Modellen erkennbar alt aussieht.

Der Großteil des Spiels ist blutiges Ballern auf Basis der Quake-2-Engine.

Spaß macht SiN Reloaded trotzdem, aber es hilft auf jeden Fall, wenn man entweder Kenntnis des Urspiels oder Offenheit für eine meist noch altmodische Spielerfahrung am Startpunkt der großen Shooter-Transformation mitbringt. Das Spiel ist für PC, PlayStation, Xbox und Switch erschienen.