REVIEW Apidya Special
Die Blumen, die Bienen und das Ballern: Mit Apidya Special kehrt ein Amiga-Oldie zurück, der japanische Shoot ’em ups 1992 anders interpretierte. Fabian hat reingespielt.

In üblichen Amiga-Bestenlisten findet man Apidya eher selten richtig weit oben. Ein gutes Spiel war es ja. Aber um die Spitzenplätze kämpften andere. Manchmal genügt dennoch bereits eine große persönliche Leidenschaft, um auch einem alten Computerspiel ohne Legendenstatus zu einer Neuauflage zu verhelfen: Stefan Becker verliebte sich einst so sehr in das Shoot ’em up (aka Shmup) Apidya, dass er es in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des alten Studios nun für einen zweiten Frühling aufgefrischt hat. 1992 zeichnete Kaiko für das Original verantwortlich, eine deutsche Firma, die bewusst ein wenig wie Taito klingen und mit Apidya ein Spiel im Orbit von R-Type, Gradius und anderen japanischen Größen des Shmup-Genres abliefern wollte.

Der damalige Komponist Chris Hülsbeck überarbeite für das neue Apidya Special den Soundtrack, es sieht zudem schöner aus und kommt mit einem echtem Widescreen-Modus, der nicht durch Beschnitt eines 4:3-Bilds entstanden ist. Puristen können jederzeit zur alten Amiga-Grafik wechseln, die immer noch ansprechend aussieht – der originelle Stil macht viel aus. Wir wollen nicht groß spoilern, aber das Spiel hat einige recht abgefahrene Bosse, die Siegchancen gegen diese steigen durch optionale Erleichterungen exponentiell: Wer stirbt, darf die erspielte Bewaffnung nun behalten. Die ballernde Biene lässt sich ganz wie in Gradius über eine Power-up-Leiste am unteren Bildrand verbessern. Sie wird schneller, erlernt alternative Schüsse oder heuert kleine Drohnen an, die fortan an ihrer Seite flattern.

Abseits des Settings ist Apidya in Level- und Spieldesign nicht außergewöhnlich, das war weder damals wie heute der Anspruch. Kaiko wollte eine hochklassige, deutsche Amiga-Alternative zu den Spielen abliefern, die den Commodore-Computer zugunsten anderer Plattformen mehr und mehr ausließen. Gerade aus heutiger Sicht stellt man fest, dass das audiovisuell etwas besser geglückt ist als spielerisch: Gelegentlich fliegt man in unübersichtliche Passagen oder wundert sich über ein merkwürdiges Pacing. Aber das sind Aspekte, die am ehesten im direkten Vergleich mit den Genre-Referenzen auffallen. Grundsätzlich war Apidya damals ein spektakuläres Spiel, in seiner sinnvoll überarbeiteten Form ist die neue Special-Variante für Action-Fans im Allgemeinen und Amiga-Fans im Besonderen auch heute noch eine lohnende Zeitreise.

Apidya Special ist für PC, PlayStation, Xbox und Switch erschienen, der Preis liegt bei 20 Euro für eine Download-Version, alternativ gibt es für PlayStation und Switch zum höheren Preis auch physische Fassungen.
AUS DEM STAY-FOREVER-INSIDER
Dieser Beitrag erschien zuerst im Insider vom 1. September 2026. Der Insider ist unser monatliches, kostenloses E-Mail-Magazin.
Fabian Käufer
Fabian war viele Jahre Redaktionsleiter bei Rocket Beans TV, wo er heute noch als Freelancer das wöchentliche Format Game Talk moderiert und redaktionell betreut. Früher war er unter anderem Redaktionsleiter bei IGN und redaktionell sowie konzeptuell an vielen Gaming-Printmagazinen beteiligt.
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