Mháire:
[0:00] Hallo Rahel.
Rahel:
[0:01] Hallo Mháire.
Mháire:
[0:02] Ich freue mich darauf, heute mit dir über einen Fantasy-Klassiker zu reden, in dem eine kleine Gruppe von Leuten mit speziellen Fähigkeiten, teilweise so aus einem verlassenen Königreich am Rande der Zivilisation, teilweise aus dem Hinterland, wo sie sehr behütet aufgewachsen sind, unter Anführungen eines grimmigen, magisch begabten Mannes losziehen, um ein wichtiges Artefakt zu finden und die Welt zu retten.
Rahel:
[0:25] Ich habe schlechte Neuigkeiten für dich, Mháire, weil wir haben leider schon die Welt von Mittelerde. Das haben wir schon gemacht, das können wir nicht nochmal machen.
Mháire:
[0:31] Ich bin mir dessen voll und ganz bewusst, wir reden ja auch über Shannara.
Rahel:
[0:35] Ja, Shannara oder wie es streng genommen heißen müsste, Shannara.
Mháire:
[0:39] Das ist tatsächlich eine interessante Frage, denn ich habe verschiedene Quellen versucht aufzutun für die Aussprache und ein Hörbuch hat Shannara gesagt, aber Interviews haben dann teilweise Shannara gesagt und ich bin verwirrt.
Rahel:
[0:52] Terry Brooks hat mal klargestellt, dass es Shannara oder Shannara sein müsste.
Mháire:
[0:56] Ah, hervorragend. Hervorragend.
Rahel:
[0:57] Aber niemand außer Terry Brooks hält sich daran.
Mháire:
[1:01] Okay, willst du uns, nachdem ich einleitend erstmal Unsinn gemacht habe,
Mháire:
[1:06] mit den Fakten ausstatten, über was wir hier reden? Was ist Shannara?
Rahel:
[1:10] Ja, der Vergleich mit Mittelerde oder spezifisch eben Tolkiens Der Herr der Ringe, der drängt sich ja schon in deiner Kurzbeschreibung auf. Heute betrachtet man den Herr der Ringe immer gerne, ja, ich sag mal, als Initialzündung für das Fantasy-Genre. Also sprich Mitte der 50er Jahre, 54 und 55 ist Der Herr der Ringe erschienen. Wirklich in den Mainstream gebracht hat aber wer anders das Genre. Nämlich das war Terry Brooks mit seinem Shannara-Roman. Und das sind ganz schön viele. Also wir reden hier über eine Buchreihe mit über 30 Romanen, dann kommen noch einige Kurzgeschichten dazu. Es gibt auch mindestens eine Graphic Novel, die ich gefunden habe. Es gibt natürlich auch eine TV-Serie und, was dem einen oder der anderen Hörerin bzw. Hörer bekannt sein dürfte, ein Shannara Adventure. Und weil das so riesig ist, muss ich auch gestehen, ich habe vor dieser Folge ganz schön großen Respekt bei der Vorbereitung gehabt.
Mháire:
[2:02] Ich habe sehr großen Respekt vor dir, was die Vorbereitung angeht. Ich habe vor allen Dingen auch noch mal das direkte Wissen aufgefrischt, habe den ersten Roman gelesen, beziehungsweise noch mal vollständig gelesen. Ich habe ihn nämlich schon einmal angefangen gehabt und damals, ich weiß gar nicht mehr warum, nicht fertig gelesen. Ich glaube, weil das Buch nur geliehen war von einem Freund und er es wiederhaben wollte. Und das Spiel noch mal gespielt, das kannte ich schon, in die Serie reingeschaut, also die verschiedenen Medienumsetzungen mir auch noch mal angesehen. Aber es ist sehr viel Material und ich hoffe, die Leute da draußen verzeihen uns, wenn wir in der schlicht und einfach durch Physik und Lebenszeit begrenzten Menge an Zeit, die wir investieren können, nicht alle 30 Romane nochmal gelesen haben. Und uns fokussieren auf den Kern, den, glaube ich, auch die meisten Leute mit Shannara identifizieren, weil ich würde sagen, der Kanon, mit dem es auch an der Popkultur angekommen ist, das sind die ersten Bücher, sozusagen der erste Zyklus und die Dinge, die davon adaptiert wurden. Das heißt, das Schwert von Shannara, die Elfensteine von Shannara und das Zauberlied von Shannara.
Rahel:
[3:08] Genau. Und wir wollen jetzt auch mal einfach rausfinden, was denn die popkulturelle Relevanz von diesen Romanen ist und wie es in der Shannara-Welt so aussieht. Und die wird vorschlagen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie diese Geschichten funktionieren, dass wir die Handlung von den ersten drei Romanen kurz umreißen. Weil, um da jetzt mal direkt eine These aufzustellen, in meinen Augen, diese Romane funktionieren wie eine Blaupause für die anderen Romane, die später kommen. Die dann teilweise noch lustige Genre-Mixe mit reinbringen oder verrückte Ideen austesten. Aber das Grundkonzept aus den ersten drei Romanen, das bleibt eigentlich immer gleich.
Mháire:
[3:43] Und man kann auch sagen, das ist direkt eine These, die ich hier auch noch mit aufstelle, dass dieser erste Roman speziell, das Schwert von Shannara, noch eine Menge andere Leute mit derselben Grundformel ausgestattet hat, wenn man den ersten Roman von Das Rad der Zeit liest oder von Terry Goodkind liest. Warum auch immer man das sollte, Entschuldigung, dann kommen einem da Dinge doch sehr vertraut vor, die aber tatsächlich eher eben der Formel, wie Terry Brooks sie hier aufgestellt hat, entsprechen als dem Original, wo er wiederum sich vom Herrn der Ringe hart inspirieren lassen, ist zumindest mein Eindruck.
Mháire:
[4:17] Aber fangen wir doch mal an mit dem Schwert von Shannara, beziehungsweise dem ersten Roman. Die haben nämlich ja im Grunde die gleiche Formel. Wir haben auch die gleiche Familie von Leuten mit einem speziellen Erbe, die Familie Ohmsford, die vom Schicksal mehr oder weniger gerufen werden, gegen das Böse anzutreten und dafür eine Gruppe von Leuten an die Seite gestellt bekommen. Zwerge und Elfen in der Regel und auch ein paar andere Menschen und immer wieder den gleichen Druiden, der zwar nicht per se in echt unsterblich ist, aber durch bestimmte Fähigkeiten sehr, sehr lange lebt und deswegen immer wieder kommen kann. Und das Schwert von Shannara, das beispielhaft dafür steht von 1976.
Mháire:
[5:02] Da beginnen wir kurioserweise gar nicht mit dem Hauptcharakter, dann Shea Ohmsford, sondern mit seinem Bruder und der bringt uns den ersten Blick in die Heimat von Shea und Flick. Flick ist der Bruder, Shady Vale. Das ist ein süßes, kleines Tal, das am Popo der Zivilisation liegt, im Südland. Wir werden später noch erfahren, was es mit diesen Himmelsrichtungen auf sich hat. Wo nicht viel los ist und die Leute alle nett zueinander sind und Shady auch adoptiert wurde, der ist nämlich nicht der leibliche Bruder von Flick. Und dann passieren komische Dinge, es gibt irgendwie finstere Gerüchte und ein großer, düsterer Mann mit Kapuze taucht auf und der sagt mehr oder weniger, Ja.
Mháire:
[5:42] Hey Shae, du bist die letzte Hoffnung dieser Welt, denn du bist der letzte Überlebende einer Figur aus der Vergangenheit, Jarrell Shannara, und du wirst gebraucht, um die Welt zu retten. Dann lässt er die mehr oder weniger erstmal für einen Moment wieder alleine und sie müssen selber aus Shady Vale entkommen und werden dabei von fliegenden, grauenhaften Figuren verfolgt, den Schädelträgern, die versuchen sie aufzuspüren und herauszuschnüffeln. Aber sie haben einen magischen Gegenstand bzw. Gegenstände dabei, die Elfensteine, mit denen man sich gegen das Böse wehren kann, bzw. Shae kann das, aber gleichzeitig verraten sie damit ihren Standort an das Böse. Viel davon klingt jetzt schon vertraut, vor allen Dingen, wenn sich dann später eine Gemeinschaft um diese zwei zusammenfindet, die aus unterschiedlichen Spezialisten besteht und,
Mháire:
[6:27] Sagen wir so, ich habe das Buch nochmal gelesen und ich habe meinem Mann einen Bericht erstattet. Der hat teilweise dann auch als Hörbuch mitgehört, was zwischendurch passiert ist bei den Teilen, die er nicht mitbekommen hat. Und weil er sich die Narben nicht merken konnte, waren meine Zusammenfassungen so viel wie Der böse Pfarrer mir hat Boromir in den Kerker gesteckt, während Wurmzunge Folgendes gemacht hat. Und gleichzeitig sind die anderen auf der Suche nach Gollum, weil die Parallelen doch sehr stark sind. Wollen wir die mal durchgehen?
Rahel:
[6:54] Sehr gerne. Also insbesondere beim ersten Band. Ich finde schon ab dem zweiten Shannara-Band ist das nicht mehr ganz so eindeutig, aber im ersten kann man wirklich fast schon eins zu eins Figurengegenüberstellung machen. Shae Omsford ist im Grunde genommen Frodo Beutlin. Nur dass er eben in Shannara ein Halbelf ist, der aufgrund seines Elfenbluts eben diese magischen Elfensteine nutzen kann. Und auch der letzte ist, der noch das Schwert von Channara nutzen kann.
Mháire:
[7:19] Und dann haben wir seinen Bruder Flick Ohmsford, der der pragmatischere, kräftigere, normalere Begleiter ist, der sowas von einsam weiß ist.
Rahel:
[7:30] Wir haben Alannon, den Druiden, der sehr eindeutig nach Gandalf gemünzt ist, der also auch am Anfang Shea und Flick erstmal anleitet, das ist euer Erbe, das müsst ihr jetzt tun und nach und nach hilft ihr ihnen dann dabei, dass sie ihre Gefährten einsammeln.
Mháire:
[7:44] Und er hat auch den gleichen Tick, dass er ihnen nie die ganze Wahrheit erzählt und immer Dinge mysteriös lässt und auch ein bisschen grob, sag ich mal, sein kann und Leute zurechtweisen. Wir haben dann zwei Menschen, die mitkommen. Menion Leah und Balina Buckhenna. Das sind beides Prinzen. Ich würde sagen, wenn man das verteilt, ist Menion Leah eher Aragorn, weil er der Gute ist und tatsächlich der Waldläufer im wahrsten Sinne des Wortes, der mit dem Bogen gut umgehen kann auch. Und Balinor ist ein bisschen so etwas wie Boromir, wenn er moralisch mehr gefestigt wäre.
Rahel:
[8:18] Wir haben einen kampfbegabten Zwergen, Handel, der dann eben nach Gimli kommt. Jetzt muss man dazu sagen, dass Zwerge in Shannara sehr anders funktionieren als in Der Herr der Ringe. Da werden wir aber gleich noch drauf zu sprechen kommen.
Mháire:
[8:31] Dann haben wir nicht einen, sondern wir haben zwei Elfen, Durin und Dale. Wobei es schön ist, dass Durin wiederum einen Zwergennamen aus dem Herr der Ringe hat. Den Zwergennamen aus dem Herr der Ringe. Ich glaube, es gibt keinen Zwergennamen, den mehr getragen haben an Königen Durin. Die sind beides Prinzen, sind Brüder. Und ich will nicht schlecht über sie reden, aber ein Charakter hätte auch gereicht. Die sind etwas blass. Also ihre Haupteigenschaft ist, dass sie sich gegenseitig mögen und dass Durin auf Dale aufpasst.
Rahel:
[8:58] Ich habe an der Stelle auch direkt so ein Fun-Fact, nämlich aus der Shannara-TV-Serie. Da wird der Elfenkönig, Eventin Elacedil, gespielt vom gleichen Schauspieler, der in Der Herr der Ringe ein Gimli spielt, also John Rhys Davies. Das heißt, spätestens hier haben wir eine ganz eindeutige Verbindung.
Mháire:
[9:13] Ja, da hat aber jemand auch wirklich sich selbst auf die Schulter geklopft beim Casting. Und John Rhys Davies hat gesagt, ich mache gerne Fantasy, aber ich klebe mir nie wieder so viel ins Gesicht. Und jetzt darf ich endlich mal einen hübschen Elfen spielen.
Rahel:
[9:24] Genau.
Mháire:
[9:25] Eventine taucht im ersten Roman auch auf. Der ist insofern eine Schlüsselfigur, als dass der entführt wird und muss gerettet werden, damit die elfischen Truppen bereit sind, in den Krieg zu ziehen. Denn in diesem Part des Herrn der Ringe haben wir auch das parallel zu der Mission, ein wichtiges Artefakt zu finden und damit Dinge zu tun und zum Bösen damit zu laufen. Man auch die weltlichen Armeen sammeln muss, um eine große Schlacht zu schlagen. Und so wenig wie Eventine beschrieben wird, ich habe ihn mir nicht wie John Rhys Davis vorgestellt.
Rahel:
[9:53] Nee.
Mháire:
[9:54] Aber ich bin anpassungsfähig.
Rahel:
[9:55] Mit Oral Fane haben wir eine Art Gollum. In Shannara ist das aber ein Gnom. Das heißt, er tritt auf als kleine, etwas vollkommene Gestalt, der nach einem ganz bestimmten Artefakt sucht und nicht so genau sagen will, was es ist und immer versucht, geheimnistorisch zu sein und sehr listig auftritt. Also es ist schon sehr eindeutig eine Gollum-Figur.
Mháire:
[10:14] Ja, er wird dabei auch immer bizarrer in seinem Verhalten, bis er irgendwann gänzlich unvernünftig ist und nur noch von seiner Besessenheit getrieben ist, mit diesem Artefakt an einen Ort zu gehen, egal was ihn auffällt und egal was schlimme Dinge passieren. Also das ist eine der zugespitztesten Vergleiche, würde ich sagen.
Mháire:
[10:33] Wir haben dann auch noch, abgesehen von Orphane und Gollum, die zweite stärkste Übereinstimmung mit dem Hexenmeister Bruna und seinen Schädeträgern zu Sauron und seinen Naskul. Wir haben nämlich diesen in der Vergangenheit schon einmal geschlagenen, bösen, magiebegabten Herrscher über das Böse, der aktuell körperlos ist, aber dafür durch seine Dienerkreaturen agiert, zu denen die sogenannten Schädeträger gehören. Das sind fliegende, finstere Gestalten, die das Sonnenlicht nicht so sehr mögen und die kreischend und suchend die Landschaft absuchen nach seinen Feinden und Leuten, die ihn vielleicht aufhalten könnten oder wichtigen Artefakten. Also ich würde sagen, da sind die Nummern auf dem Fahrgestell nicht abgefeilt. Da ist nur ein bisschen so Klebeband drüber.
Rahel:
[11:19] Ja, ja, da hat jemand aus einer Null eine Acht gemacht.
Mháire:
[11:21] Ja, ja, genau.
Rahel:
[11:23] Dann haben wir, wie du ja auch schon gesagt hast, einen Haufen wichtiger Artefakte, die für diese ganze Geschichte maßgeblich sind. Einmal die Elfensteine. Und da hattest du ja eben schon beiläufig erwähnt, ja, ja, wenn die genutzt werden, dann wissen die Schädelträger auch, wo sie genutzt wurden. Das kennen wir vom einen Ring. Das große, wichtige Artefakt im ersten Roman ist aber eben das titelgebende Schwert von Shannara. Es funktioniert sehr anders als der eine Ring, aber es ist eben genauso kriegsentscheidend.
Mháire:
[11:51] Jetzt muss man aber sagen, so viel wie hier übereinstimmt, es ist nicht wirklich 1 zu 1. Es ist 1 zu 0,8, würde ich vielleicht sagen. Und ein paar von den Veränderungen und anderen Ideen, die da drin sind, finde ich auch wirklich sehr ansprechend. Zum Beispiel die Idee dahinter, wie das Schwert von Shannara funktioniert, die finde ich tatsächlich ziemlich cool. Auch wenn sie etwas Untererklärtes an ein paar Stellen. Und einige von den Worldbuilding-Ideen, die haben mich auch sehr angesprochen. Und mit den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
Mháire:
[12:24] Das ist, denke ich, der größte Punkt, der auch kurios eingeführt wird, in dem Sinne, als dass es nie ein großes Geheimnis ist, aber wenn man es liest, dann Stück für Stück Erkenntnis erzeugt. Wir erfahren, dass früher die unterschiedlichen Spezies in dieser Welt gegeneinander gekämpft haben und dass es auch vorher schon Krieg war. Und dann wird Mitte des Buches spätestens ziemlich klar, das hier ist nicht eine mythische Vorgeschichte, so wie der Herr der Ringe. Es ist eine Zukunft.
Rahel:
[12:49] Genau, also es gibt schon im ersten Roman eine Stelle, wo die Charaktere durch eine alte Stadtruine laufen. Und das hat für mich beim Lesen an der Stelle fast schon Fallout-Vibes gehabt. Weil auch da dann irgendeine seltsame Gestalt, also ein Monster rumschleicht. Und es ist halt alles so aus einer Vergangenheit, die die Charaktere schon gar nicht mehr richtig interpretieren können. Wo sie eben nicht wissen, ja, Hochhaus, was ist denn Hochhaus?
Mháire:
[13:12] Ja, warum sind da Stahlbänder in dem komischen Gestein drin? Was hat das alles mal bedeutet? Was sind das für Materialien hier? Und die nehmen das hin. Und ich muss sagen, ich habe einen absoluten Fable für solche Fern-Post-Apocalypse-Settings. Ich bin großer Fan von den Horizon-Spielen, was neuere Beispiele angeht, aber schon irgendwelche Animes aus den späten 90ern, die irgendwie Hochhäuser, die wild überrangt waren von Natur und dergleichen, die haben mich immer extrem angesprochen. Und das ist der Punkt, wo ich die Ohren gespitzt habe bei Chanel und gesagt habe, oh, das ist eine coole Idee. Lass uns das mal weiter verfolgen.
Rahel:
[13:49] Du hast eben schon gesagt, dass das Schwert von Shannara untererklärt ist im Roman. Vielleicht nutzen wir jetzt gerade mal kurz die Gelegenheit, um zu erklären, was denn dieses ultimative Artefakt eigentlich genau macht. Das Besondere an diesem Schwert ist nicht, dass es besonders gut schneiden kann. Vermutlich kann es okay gut schneiden. Da geht das Buch gar nicht so drauf ein.
Mháire:
[14:08] Ich glaube, das Buch sagt, es ist immer noch ein ganz gutes Schwert, wenn seine andere Fähigkeit nicht funktioniert. Aber die ist entscheidend, die andere Fähigkeit.
Rahel:
[14:17] Genau, denn das Schwert ist in der Lage, Leute mit sich selbst zu konfrontieren, also mit ihren eigenen inneren Wahrheiten bei Berührung. Das heißt, dass es zum einen nicht ohne weiteres von jeder Person genutzt werden kann, weil man dann sich eben auch sich selbst stellen muss. Siehst du, da fängt es schon an. Das ist auch gar nicht so leicht zu erklären. Warum es spezifisch bei Bruna funktioniert, ist, dass Bruna eigentlich schon seit langer Zeit tot ist. Als geisterhafter Hexenmeister aber immer noch böse Dinge tut. Und als er mit dem Schwert von Gennara konfrontiert wird, muss er sich selbst eingestehen, dass er eigentlich nichts ist. Und dann geht er kaputt.
Mháire:
[14:51] Und dadurch wird er nichts.
Rahel:
[14:53] Genau.
Mháire:
[14:53] Ja, es ist tatsächlich ein überraschend existenziell-philosophisches Schwert am Ende, das im Grunde sagt, erkenne dich selbst und alle deine Fehler und alle Wahrheiten über dich. Also erstens kann diese Fähigkeit nur aktiviert werden, wenn ein Erbe von Gerald Shannara es in der Hand hält. Das war ein legendärer Elfengeneral, aber zur Historie kommen wir ja noch, der es als erstes führen sollte und dabei aber versagt hat, wie sich dann herausstellt. Und zweitens, die Person, die das Schwert führt, die bekommt den gleichen Effekt ab und muss in der Lage sein, ihre eigenen Fehler und Missetaten und Vergehen und dergleichen anzuschauen. Und, und das ist der schwerste Punkt, sie als Teil von sich selbst zu akzeptieren und damit im Grunde auch ein bisschen sich selbst zu vergeben. Und das Böse ist aber so, jenseits davon in der Lage zu sein, sich selbst ins Gesicht zu schauen, bis zu dem Punkt, dass es eigentlich nicht existiert, sondern nur eine Illusion seiner selbst ist, dass es durch die pure Wahrheit zu nichts zerfällt. Und das ist eigentlich ein wirklich, wirklich schöner Ansatz, finde ich.
Rahel:
[15:56] Ja, er hätte nur eben etwas mehr Raum gebraucht im Buch.
Mháire:
[16:00] Ja, der Showdown im ersten Buch ist ohnehin kurios, weil er in einer mehr oder weniger zufälligen Gefängniszelle stattfindet. Und irgendwie etwas unterwältigend ist dafür, welche Bedeutung er eigentlich hat. Das ist so etwas, wo man sich denkt, da hätte ein Editor vielleicht nochmal sagen können, lass uns das nochmal einen Moment lange anschauen. Das Konzept ist toll, aber vielleicht können wir es noch ein kleines bisschen besser durchsetzen. Wobei ich mich auch gnadenlos, weil garantiert Leute das gerade auch denken, ich stimme euch zu, ist es gnadenlos arrogant, jetzt hier 50 Jahre später zu sagen, was man hätte besser machen können in diesem wegweisenden Fantasy-Roman.
Rahel:
[16:43] Wobei genau das ein Thema ist, also sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die literarische Lupe auf das Buch zu halten. Da wären wir gleich noch zu kommen.
Mháire:
[16:51] Ja.
Rahel:
[16:52] Wer das Shannara Adventure gespielt hat von 1995, ist jetzt vielleicht etwas verwirrt, denn obwohl ja Bruna im ersten Roman vernichtet wird, taucht er dort wieder auf.
Mháire:
[17:02] Ja, das passiert mit solchen Leuten mal. Dazu muss man sagen, dass das Point-and-Click-Adventure, finde ich, es ziemlich geschickt macht, indem es sich zwischen die Romane setzt und verschiedene Aspekte aus ihnen verwendet, um die miteinander zu verbinden und dabei auch Charaktere reinzunehmen, die wirklich Lücken füllen. Denn im ersten Shannara-Band geht es ja um Shea Omhsford und im zweiten Shannara-Band geht es um seinen Enkel. Und das Point-and-Click-Adventure sagt, Moment, da ist eine Generation übersprungen worden. Und er findet dafür dann jetzt die Person dazwischen, nämlich Jak Omsford, den Sohn von Shea. Der eine ähnliche Heldenreise zurücklegen muss, das Schwert von Shannara finden und Bruna besiegen muss und dabei Leute in einer Gruppe einsammelt. Bei denen handelt es sich zumindest in einem Fall tatsächlich auch um die Tochter von einem Mitglied der ersten Gemeinschaft aus dem ersten Buch, an teilweise die gleichen Orte wieder geht, mit Allanon das Ganze zusammen macht. Also es ist sehr viel parallel dazu, was im ersten Buch passiert, aber alles immer mit einem Twist und alles ein bisschen anders. Und es bringt auch Aspekte aus den späteren Büchern mit rein, wie das Buch Ildatsch, ein Buch des absoluten Bösen, was überhaupt erst es möglich macht, für Brunner zurückzukommen. Ein tatsächlich ziemlich geschickt gewobenes kleines Story-Konstrukt.
Rahel:
[18:20] Genau, das ist also keine Adaption, sondern es erweitert die Welt und das ist so eine kleine, aber eigentlich harmlose Ergänzung. Da passiert jetzt kein riesiges Worldbuilding drin, aber wie du schon so schön gesagt hast, es füllt ein paar Lücken auf.
Mháire:
[18:33] Ja, und es ist ausgesprochen hübsch.
Rahel:
[18:35] Ja.
Mháire:
[18:36] Ich habe es jetzt nochmal gespielt. Wir haben tatsächlich noch die Originalversion bei uns und haben sie zum Laufen bekommen. Und es sieht immer noch wirklich sehr schön aus. Gerade die Hintergründe, die sind sowas von liebevoll gemalt. Und dann gibt es zwischendurch so ein paar Render-Szenen, die haben nicht ganz den Zahn der Zeit so gut überstanden. Aber die eigentlichen Spielteile, abgesehen von diesen Cutscenes, die sind immer noch wirklich sehr, sehr schick.
Rahel:
[19:02] Kommen wir mal zum zweiten Roman der Trilogie, Die Elfensteine von Shannara. Der ist 1982 erschienen. Und da schon als Warnung vorweg für alle, die die TV-Serie gesehen haben, die Geschichte vom zweiten Roman ist auch das, was zumindest in der ersten Staffel von The Shannara Chronicles adaptiert wird.
Mháire:
[19:20] Ja, wobei die, die die Generationen gewechselt haben, die sagen wiederum, dass der Omsford, um den es diesmal geht, der Sohn von Shae wäre, wobei er im Original der Enkel ist. So, ansonsten erkennt man aber sehr viel wieder. Will Omsford ist mal wieder angeheuert, um die Welt zu retten, aber diesmal liegt der Fokus auf den Elfenlanden, die im Westen liegen und dort einen magischen Baum haben, den Elgris, der in seinen Wurzeln und unter sich ganz viele Dämonen aus der Vergangenheit gebannt hat. Aber der Elgris fängt an zu sterben und es gibt nur ein bestimmtes Ritual, mit dem man ihn retten kann. Aber die ersten Dämonen entkommen schon und versuchen, das zu verhindern. Alannon wacht auf, der hat wahrscheinlich so einen Timer oder so einen Wecker neben ihm. Ach, kann die Welt mal fünf Jahre gerettet bleiben? Und dann dürfen eine hübsche Elfin, Ambali Elacedil, aus derselben Familie wie Eventine Elacedil und Shae zusammen die Welt retten.
Rahel:
[20:15] Das Buch bewegt sich jetzt von Tolkien ein Stück weit weg. Also wir haben nicht mehr diese klare Vorlage, ah, das ist eindeutig der Herr der Ringe, aber wir merken schon, dass die Idee von dieser Fantasywelt immer noch durchaus nach Tolkiens Mittelerde funktioniert, würde ich mal behaupten. Wir lernen außerdem in die Elfensteine von Shannara mehr über die Hintergründe von Magie, wo kommt die Magie eigentlich her, wo kommen die Elfen her und was hat es mit Dämonen auf sich. Das war ein Thema, das war im ersten Band eigentlich irrelevant.
Mháire:
[20:44] Da gab es das, aber es musste nicht erklärt werden. Wie es im Herrn der Ringe ja auch ist, da gibt es Magie und Gandalf beherrscht Magie. Aber wie sie funktioniert, wann er sie einsetzen kann, was genau sie macht, wer verfügt überhaupt darüber und was kann sie an der Welt verändern, wird alles mythisch gelassen. Das ist keine Hard Fantasy, wie man heutzutage sagt, sondern eben mythische Fantasy in dem Fall. Und hier werden jetzt mehr Dinge erklärt und mehr hergeleitet, wie die Welt funktioniert, was etwas ist, was in der Regel immer bei solchen Reihen ist, wenn sie länger existieren. Irgendwann muss man nämlich sich selbst orientieren und man muss neue Dinge dazu erfinden und das ist etwas, was wir im Laufe der Zeit hier auch finden werden.
Rahel:
[21:24] 1985 erscheint dann das Zauberlied von Shannara und das bildet den Abschluss von der ersten Trilogie. Und natürlich erwacht einmal wieder Adanon und er muss die Welt retten, beziehungsweise andere Leute auf den Weg schicken, die Welt zu retten. Und das sind in dem Fall Brynn und Jair ums fort, die Kinder von Will. Was passiert? Einige Anhänger von Bruna, der wirklich tot ist, den gibt es wirklich nicht mehr. Die haben aber das böse Buch Ildatsch gefunden, was überhaupt der Quell von Brunas Macht war. Und das ist auch der Grund, warum im Shannara Adventure Bruno auf einmal wieder rumläuft. Das war eigentlich nur eine Illusion, geschaffen von diesem bösen Buch vom Ildatsch. Das ist also ein bewusstes Buch. Und Brynn und Jaya müssen jetzt eben dieses Buch zerstören. Wir haben auch hier wieder Nazgul-ähnliche Monster. Das sind in dem Fall die Mordgeister. Die terrorisieren die vier Lande. Und Brynn und Jaya sind beide magiebegabt aufgrund von ihrem Elfenblut. Sie beherrschen das Zauberlied, wobei Bryn das wahre Zauberlied beherrscht und Jair nur eine Illusion davon. Werden wir später drüber reden, ist immer wieder ein Thema, was in den ganzen Romanen auftaucht. Diese Idee von, was ist wahr, was ist Illusion und wie mächtig kann eine Illusion sein? Was ja eben auch schon im ersten Band im Grunde genommen das ist, was Brunner macht und was Brunner dann auch zerstört, ist, dass er eben einerseits eine Illusion ist und andererseits dann mit seiner wahren Essenz konfrontiert wird.
Rahel:
[22:44] Auf jeden Fall beim Zauberlied. Dadurch, dass Bryn das wahre Zauberlied beherrscht, kann sie mit ihrer Stimme Dinge geschehen machen oder herbeiwünschen. Und Jair kann eben nur eine Illusion davon wirken. Aber zusammen können sie damit das Ildatsch zerstören.
Mháire:
[22:59] Und damit ist die Welt wieder gerettet.
Rahel:
[23:01] Fürs Erste.
Mháire:
[23:01] Man braucht ja noch Material für 27 weitere Romane, wobei die nicht alle danach spielen. Ja.
Mháire:
[23:08] Aber wir können jetzt mit diesen dreien, diesem Kernwerk auf jeden Fall schon sehen, was Shannara ausmacht. Einmal die Welt, die immer wieder neu besucht wird, also alles davon spielt in demselben Konglomerat von Spezies und Ländern und Umgebungen, die immer weiter noch ergänzt wird. Aber die auch jede Generation von Umswurz oder alle zwei Generationen bei dem Sprung zwischen dem ersten und dem zweiten Buch eine neue große Gefahr findet, die nur von ganz bestimmten Leuten besiegt werden kann.
Rahel:
[23:36] Ja, also das ist wirklich kein Klein-Klein. Es geht jedes Mal fast die Welt unter.
Mháire:
[23:40] Ja, es gibt keine persönlichen Probleme, beziehungsweise die müssen sich alle dem großen Plot irgendwie unterordnen. Da sind durchaus Leute, die Liebespartner finden oder Familiengeschichten auseinanderklamyseln. Aber das ist alles immer Teil des Größeren und bekommt seine Bedeutung auch aus dem Größeren heraus. Weil die Familien zum Beispiel Städte besetzen, Armeen auflösen und dergleichen. Und deswegen muss man sich mit seinen Verwandten auseinandersetzen.
Rahel:
[24:05] Was aber auffällt, wenn man jetzt mal Alanon außen vor lässt, dann tauchen in diesen Romanen immer neue Charaktere auf. Häufig aus denselben Familien, aber es sind doch eben jedes Mal neue Figuren. Das heißt, wenn man jetzt mal Alanon und dieses Setting von den vier Landen außer Acht lässt, dann gibt es ehrlich gesagt wenig, was die Bücher inhaltlich miteinander verbindet. Und da kommen wir jetzt schon zu so einem kleinen Detail aus der Hintergrundgeschichte, wie diese Romane entstanden sind. Terry Brooks hatte das nie als Trilogie konzipiert, sondern der Verlag der Ray Books hat Channara als Trilogie vermarktet. Und im Grunde genommen gesagt, nein, nein, diese Romane, die gehören zusammen, das ist zusammen die Shannara-Trilogie.
Mháire:
[24:43] Das ist nun mal das, was man gemacht hat. Fantasy kommt in Trilogien. Das ist ein Gesetz, das niemand aufgeschrieben hat, aber sehr viele Leute halten sich dran.
Rahel:
[24:52] Ja.
Mháire:
[24:53] Zum Leidwesen von Leuten, die auf Teil 3 warten oder so. Und das Kuriose daran ist ja, dass Buch 1 schon den Spannungs- und den Erzählbogen von der gesamten Trilogie vom Herrn der Ringe in einem Roman hat. Es geht vom Auenland bis hin zur Mount Doom in einem Buch.
Rahel:
[25:10] Geht auch.
Mháire:
[25:11] Ja, das geht auch. Es kam hier öfters der Scherz auf beim Lesen, dass Terry Brooks auf den Händeringe geschaut hat und gesagt hat, ja, aber was, wenn ich die ganzen langweiligen Teile rausnehme, die mich nicht interessieren und das verdichte? Und so ein bisschen hat er das gemacht, gefühlt. Ich gehöre übrigens zu den Leuten, die die langweiligen Teile des Händeringen durchaus auch mögen, aber ich weiß, dass ich da teilweise auf verlorenen Posten bin.
Rahel:
[25:31] Nicht in dieser Runde.
Mháire:
[25:32] Ah, sehr schön. Ich bin hier untergleich gesinnt.
Rahel:
[25:35] Ja.
Mháire:
[25:36] So, und der Aufbau und die Entwicklungen, die eigentlich schon Teil einer Trilogie werden, sind in einem Buch und dann sollte er noch zwei weitere irgendwie da dranhängen. Das erklärt teilweise, warum sich das so kurios anfühlt beim Lesen mit den Sprüngen zwischen den Romanen und warum der erste so voll ist, dass die anderen da auch nicht mehr mithalten können mit dieser irrsinnigen Dichte von was alles passieren muss.
Rahel:
[25:58] Wenn wir jetzt ohnehin schon bei der Hintergrundgeschichte und der Entstehungsgeschichte der Romane sind, dann tauchen wir da doch mal ein und schauen, wie es eigentlich dazu gekommen ist, dass Terry Brooks seine Channara-Welt geschaffen hat.
Mháire:
[26:09] Ja, Terry Brooks hat nämlich eigentlich den perfekten Job dafür, etwas zu schreiben, was nicht verklagt werden kann vom Original-Inhaber des Werks. Entschuldigt den Witz, aber Terry Brooks ist eigentlich Anwalt.
Rahel:
[26:23] Der ist 1944 geboren und er hat wohl schon immer Geschichten geschrieben. Also auch während seiner Jugend, da hat er sich in ganz vielen verschiedenen Genres ausprobiert. Nie so richtig Fantasy. Da ist er erst zu seiner Zeit als Jurastudent zugekommen, wo er dann auch überhaupt erstmal Der Herr der Ringe gelesen hat. Also, Der Herr der Ringe ist Mitte der 50er erschienen, das heißt, er war zu dem Zeitpunkt schon eine Weile auf dem Markt, bis Terry Brooks ihn dann eben zu Studienzeiten gelesen hat. Und da hat er dann auch so seine Liebe zum Fantasy-Genre entdeckt. Das heißt, da fängt eigentlich ja sein Werdegang als späterer Fantasy-Autor an. Und er hat auch tatsächlich schon 1967, im Alter von 23 Jahren, angefangen, das Schwert von Charnara zu schreiben, während er noch Yoga studiert hat. Er hat sieben Jahre an diesem Roman geschrieben. Der ist dann 1974 von Ballantyne Books angenommen worden, also vom Verlag Ballantyne Books. Und er ist drei Jahre später veröffentlicht worden. Also wir reden hier von einem Roman, der zehn Jahre lang in der Entstehung war. Das ist jetzt unklar in meinen Augen, warum die Veröffentlichung so lange gedauert hat. Also es kann zum einen sein, dass doch sehr viel Editing noch von Verlagsseite passiert ist. Das glaube ich aber nicht so ganz. Ich glaube, der ausschlaggebendere Grund ist, dass Ballantyne Books den Shannara-Roman genutzt hat, um ein neues Imprint zu starten. Also ein Unterverlag sozusagen. Und das war eben Del Rey Books, den es bis heute noch gibt.
Mháire:
[27:45] Delray Books, unter anderem bekannt dafür, dass sie sehr lange die Star Wars Bücher rausgebracht haben. Also tatsächlich ein ziemlich wichtiges Imprint, unter dem all die, in Anführungsstrichen, Genre-Fiction sich finden dürfte von Ballantyne Books. Und das, finde ich, ist tatsächlich eine gute Erklärung aus meiner, zwar natürlich deutlich kleineren und auch mit kleineren Verlagen, Erfahrung mit dem Veröffentlichen von Büchern. Das dauert häufig länger, gar nicht mal, weil irgendwelche technischen Umstände dafür sorgen oder weil das Lektorat oder dergleichen länger dauert, sondern wegen Veröffentlichungsplänen. Wann kann man dafür die Werbung vernünftig machen? Wann sind die großen Messen? Oder in dem Fall, wir wollen ein neues Imprint und dafür brauchen wir einen starken Titel, um das zu starten. Und bis das alles fertig ist, von der rechtlichen Seite her, der Werbung, dass alle Bescheid wissen. Und wir sprechen hier ja auch über eine Zeit, wo Werbung und Bescheid wissen in der Industrie bedeutet, dass Leute physisch auf Messen gehen mussten oder physisch Flyer in die Hand gedrückt bekommen haben oder in einem Magazin davon lesen mussten. Das ist eine Zeit, in der sowas auch tatsächlich dann teilweise noch länger gedauert hat. Also ja, ich kann mir vorstellen, dass das der Grund ist, warum es dann nochmal rausgezögert wurde. Aber man kann jetzt nicht behaupten, dass sie damit aufs falsche Pferd gesetzt hätten.
Rahel:
[28:53] Im Gegenteil, das hat sich durch und durch gelohnt. Also das Schwert von Shannara ist quasi sofort ein Bestseller geworden. Der Roman war fünf Monate lang auf der Taschenbuch-Bestseller-Liste der New York Times. Und zwar als erstes Fantasy-Buch überhaupt, das auf dieser Liste auftauchte. Da wundert es auch nicht, dass nach dem Erfolg von diesem ersten Shannara-Buch Terry Brooks seinen Job als Anwalt einfach an den Nagel gehängt hat und Vollzeitautor geworden ist. Und so hat er eben in knapp 50 Jahren über 30 Romane in seiner Shannara-Welt verfassen können. Das ist nicht das Einzige, was er geschrieben hat. Er hat hier und da auch andere Werke verfasst, aber man muss schon sagen, Shannara ist sein Lebenswerk. Und dafür hat er auch 2017 den World Fantasy Award erhalten.
Mháire:
[29:34] Das ist auch ein Fall davon, wenn Leute was von Terry Brooks lesen wollen, wollen sie Shannara lesen. Das ist so ein bisschen die Sherlock-Holmes-Falle.
Rahel:
[29:42] Ja.
Mháire:
[29:42] Du hast diesen einen großen Erfolg und das ist dann auch eben das, was die Fans weiterhin verlangen. Brooks ist damit aber, glaube ich, alles andere als unglücklich. Brooks lebt auch noch und hat damit eine sehr gute Karriere hingelegt, bei der er, so blöd das klingt, aber glaube ich durchaus auch relativ entspannt, gerade für Autoren auf diesem Level, weiter an seinem Projekt arbeiten konnte und dabei immerhin immer weiter auch die Liebe seines Phantoms erfahren hat und den Erfolg.
Rahel:
[30:08] Und deswegen ist Terry Brooks auch eine sehr einflussreiche Stimme in der Fantasy-Literatur. Also selbst wenn wir nicht alle Schennerer gelesen haben oder jeden einzelnen Roman aus der Reihe gelesen haben, das ist schon ein Romanzyklus, der Fußsprung hinterlassen hat, der die Fantasy geprägt hat, der sie eben Mainstream-fähig gemacht hat.
Rahel:
[30:28] Und die Gelegenheit wollte ich nutzen, mich mal mit jemandem darüber zu unterhalten, was denn jetzt genau den literarischen Kern von diesem Werk ausmacht und wie sich das so über die Jahre hinweg entwickelt hat. Und dafür habe ich mir den Experten Patrick Rieser geschnappt.
Mháire:
[30:43] Und ausgefragt. Unter anderem zu dem immer wieder auftauchenden Punkt, ist Chandra deswegen zugänglicher, weil es leichter geschrieben ist. Ich bin sehr gespannt, was er dazu sagt.
Rahel:
[30:54] Patrick ist im Echtleben psychologischer Psychotherapeut. Abseits vom Job ist er aber auch Autor, hat beispielsweise mehrere Romane in ganz verschiedenen Genres veröffentlicht. Er ist zusätzlich auch ehemaliger Autor in der Spielebranche und hat bei Larian Studios am Rollenspiel Divine Divinity mitgewerkelt. Vor allem aber ist Patrick eins, begeisterter Leser und waschechter Shannara-Kenner. Der hat wirklich alle Romane gelesen. Und damit kennt sich Patrick nicht nur hervorragend im Shannara-Universum aus, sondern er bringt vor allem eben eine spannende Doppelperspektive mit. Er ist einerseits Fan oder Leser und andererseits auch Autor. Hi Patrick!
Patrick:
[31:30] Hallo, grüß dich!
Rahel:
[31:31] Ich habe mal direkt zum Einstieg die Frage, ich glaube, die wird uns hier schon sehr aufschlussreich sein, nämlich wie bist du denn zu Shannara gekommen?
Patrick:
[31:40] Das war eine meiner ersten Fantasy-Serien, die ich damals als Kind gelesen habe. Also ich müsste so roundabout vielleicht, ja, zehn Jahre alt gewesen sein. Es war so, dass ich damals in irgendeinem Italienurlaub Der kleine Hobbit gelesen habe und da total begeistert war. Und ich wollte dann eigentlich mit dem Herr der Ringe weitermachen. Nur musste ich dann feststellen als Zehnjähriger damals, dass das natürlich viel zu komplex war. Und das hat mich total am Boden zerstört. Da war ich richtig deprimiert gewesen, habe auch geweint, wenn ich mich noch daran erinnere, dass ich da einfach nicht mehr mitgekommen bin, weil es zu komplex geschrieben war, Der Herr der Ringe. Ich habe dann natürlich Alternativen gesucht, weil ich dann gemerkt habe, dieses Fantasy-Genre, also insbesondere so dieses klassische High-Fantasy-Genre, dass es mich unheimlich anspricht. Und so kam ich dann zu Das Schwert von Shannara und habe das als Zehnjähriger verschlungen, weil der erste Band ist ja, ich will nicht sagen, eine 1 zu 1 Kopie vom Herr der Ringe, aber es hat halt sehr starke Anleihe und das hat mich damals als Kind sehr begeistert.
Rahel:
[32:46] Das ist, glaube ich, schon eine ganz spannende Erkenntnis, dass du sagst, dass Shannara vielleicht auch deswegen ein breites Publikum anspricht, weil es zugänglicher ist als der Herr der Ringe. Also es ist auch stilistisch vor allem weniger komplex.
Patrick:
[32:57] Genau richtig. Also beim Herr der Ringe, wenn man sich darauf einlässt, auf diesen ganzen Kosmos und auch die ganzen Bücher von Christopher Tolkien beispielsweise liest, also das ist eine Lebensaufgabe und das kann man machen. Aber ich denke, bei Shannara ist es egal, ob jetzt vielleicht fünf oder zehn Jahre her ist, wo ich den letzten Band gelesen habe. Ich komme eigentlich relativ schnell wieder in diesen ganzen Serienkosmos rein. Also da merkt man schon, Shannara hat eine sehr reduzierte Komplexität. Das ist aber nicht negativ gemeint, weil es doch unheimlich auch fesselnd und spannend von der Story ist.
Rahel:
[33:32] Man könnte aber wahrscheinlich auch sagen, dass Brooks im Grunde genommen Tolkiens Romane genommen hat und darin etwas erkannt hat, was er dann zu einem wiedererkennbaren Genre hat ausdefinieren können. Also, dass wir so klare Muster und Regeln in der Fantasy-Literatur haben, was beispielsweise die Zusammensetzung von Charakteren angeht.
Patrick:
[33:50] Genau, richtig. Also, Brooks ist und war ja sehr starker Tolkien-Fan, hat ja vorher als Jurist gearbeitet und ich denke mal, das war einerseits die Passion für dieses Genre, Auf der anderen Seite aber auch, denke ich, ist er Geschäftsmann genug, um zu sehen, was spricht die Leute an, was ist gerade gefragt und Fantasy. Ich meine, das ist ja 1977, der erste Band erschienen, da war ja Fantasy eigentlich noch in Anführungszeichen, wenn man so den Output zu heute oder in den 90ern sieht, noch so ein bisschen Mangelware. Und da hat er wunderbar eine Nische, sag ich mal, füllen können und er kombinierte einfach so auf wunderbare Weise so wirklich klassisches High-Fantasy-Worldbuilding à la Tolkien mit… Wirklich zunehmend eigenständiger Ton.
Rahel:
[34:37] Das ist jetzt eine schöne Überleitung für meine nächste Frage. Ich würde nämlich gerne mit dir über die literarische Relevanz, aber auch Bewertung von den Romanen sprechen. Denn, ich muss gestehen, ich fand beispielsweise das erste Buch handwerklich ziemlich holprig. Also das hatte in meinen Augen ein unausgewogenes Erzähltempo, dass mal Dinge in ein, zwei Sätzen abgehandelt werden, andere wiederum seitenlang oder auch, dass Formulierungen hin und wieder mal grobig waren, was zugegebenermaßen aber auch an der deutschen Übersetzung liegen könnte. Wie siehst du das denn?
Patrick:
[35:08] Also ich muss sagen, die deutsche Übersetzung ist suboptimal. Das liegt aber am Gesamtkontext, weil in den Bänden wechselt der Übersetzer. Und dann hat man es durchaus, dass man plötzlich bei Teil 3, 4 oder so ganz andere Namen hat, weil die dann aus dem Englischen irgendwie eingedeutscht werden und umgekehrt.
Patrick:
[35:29] Wenn man es im Original liest, ist es viel, viel besser. Als Kind und Jugendlicher fand ich diesen Schreibstil gerade von seinem Erstlingswerk natürlich Weltklasse. Also da gibt es so bestimmte Szenen, wenn Shea dann nach Shady Vale kommt und dieser Skullbearer versteckt sich in seinem Zimmer. Das hat mich schon als Kind sehr beängstigt, beeindruckt. Ich habe das Schwert von Charnara vor ein paar Jahren, noch ganz so lange her, dann nochmal gelesen und ich habe gesehen, dass es tatsächlich auch im Original an der einen oder anderen Stelle, sage ich mal, schlecht gealtert. Also man darf dieses Erstlingswerk jetzt nicht mit den späteren Werken vergleichen. Zu der damaligen Zeit, also 1977, war ja Brooks noch ein relativ junger und unerfahrener Autor. Und man merkt, dass sein Stil war noch in der Entwicklung. Nicht schlecht, also als Kind hat sich das gut gelesen, aber ist das mal so, wenn man es jetzt als Erwachsener liest, ja, das wirkt manchmal ein bisschen steif, auch übererklärte Dialoge sind manchmal auch so ein bisschen gestellt. Also man sieht, es ist ein Erstlingswerk. Man kann es tatsächlich nicht mit dem späteren Stil von ihm vergleichen, weil der ist viel flüssiger, also auch dialogstärker, sage ich mal.
Patrick:
[36:42] Und der Fokus wird auch immer mehr auf die Charaktere und deren Gefühle gelegt und deren Konflikte, als jetzt diesen klassischen Handlungsabriss. Held zieht los, um irgendwie Bösewicht zu vernichten. Also es wird später weniger episch und oft mehr persönlicher, habe ich so einen Eindruck.
Rahel:
[37:00] Was mir an der ersten Trilogie beispielsweise sehr gut gefallen hat, ist, dass da, wenn man genau darauf achtet, ein wilder Genre-Mix drin steckt. Wir haben da ja diese klassische Mittelalter-High-Fantasy. Aber da stecken ja auch schon die Spuren von dieser Apokalypse der modernen Zivilisation, wie wir sie heute kennen, drin. Und später kommt dann ja auch diese World-and-Void-Trilogie, die wiederum Urban-Fantasy ist. Also wenn man sich so dieses ganze Shannara-Universum anguckt, dann behandelt Brooks da einen ziemlich wilden Genre-Mix.
Patrick:
[37:31] Ja, das stimmt. Also ich sag’s mal so, der erste Band ist noch ganz klassisch High Fantasy. Was er ja dann später anschlägt in seiner Reihe und das macht er wirklich sehr, sehr gut, diese Verschmelzung von Fantasy und postapokalyptischen Science-Fiction-Elementen. Das unterscheidet Shannara von anderen Reihen. Diese Welt wurde immer mehr so angepasst und erweitert. Wenn man so merkt, hey, das ist ja eigentlich unsere Welt, auf der das Ganze spielt, viele, viele Jahre in der Zukunft auf einer postapokalyptischen Erde, dann ist das sehr überraschend und er macht das ganz geschickt. Er tut das nicht auf einmal offenbaren, sondern Step by Step entwickelt sich das Ganze, wobei man natürlich sehr früh auch Ahnung hat. Ja, also ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, weil die frühen Bände liegen jetzt schon etwas weiter zurück, als ich die gelesen habe. Ich weiß nicht, ob es bei Shannara war oder beim Wheel of Time von Robert Jordan. Der hat ja auch so ein Konzept mit verschiedenen Zeitaltern, wo man ja auch überlegen kann, spielt es irgendwann in der fernen Zukunft auf der Erde, das Wheel of Time? Aber zum Beispiel beschreibt er da, ich weiß nicht, ob es jetzt Brooks oder Jordan war, wo die irgendwas finden auf einer Müllhalde oder so, was aussieht wie, man denkt sofort an einen Mercedes-Stern vom Auto oder so. Ich glaube, es war bei Brooks. Das sind halt so diese kleinen Nuosen. Und als dann später diese Word and Void Trilogie rauskam, da war es dann klar, das ist so die Vorgeschichte eigentlich von Gennarat.
Rahel:
[38:59] Du hast jetzt gerade schon darauf hingedeutet, dass genau dieser Mix irgendwo auch ein Alleinstellungsmerkmal von Gennara ist. Was generell macht denn die Romane für dich so besonders, wenn wir jetzt mal beim Thema Alleinstellungsmerkmale bleiben?
Patrick:
[39:13] Also generell dieser Wandel vom klassischen Setting à la High Fantasy hin zum immer düsteren Touch. Auf der anderen Seite, man fiebert sehr stark mit den Charakteren mit und Terry Brooks ist jemand, der nimmt keine Rücksicht auf seine Charaktere. Also es sterben sehr viele Hauptfiguren, also auch gerade Figuren, die einen über viele Bände bekleiden, beißen dann irgendwann in das Gras. Also man fühlt mit und man hat, wenn man eine neue Trilogie von ihm beginnt, immer so eine düstere Vorahnung, dass es viele vielleicht nicht schaffen werden und das macht er sehr gut. Besser, sage ich mal, als zum Beispiel, es gibt ja von Raymond Feist die Mid-Chemia-Saga. Der macht das ja eh nicht, da sterben auch viele Hauptfiguren. Aber bei Faisen ist es so, wenn da jemand stirbt, das wird im Nebensatz geschrieben. So ein Satz, Punkt und fertig und das war’s. Und dann wird es nie mehr erwähnt. Man denkt so, hä, was ist denn da?
Rahel:
[40:10] Aber es stimmt.
Patrick:
[40:11] Ja, und da gibt es dieses eine, wo es auch dieses Grondor-Computerspiel gibt. Da hat er ja Bücher dazu geschrieben. Und da gibt es den Squire Locklear. Und der wird dann irgendwann ermordet von Banditen, die ihn entführt haben. Das steht im Nebensatz. Ach, übrigens, der wurde ermordet. Wir haben seine Leiche da und da gefunden. und dann geht es weiter. Man denkt so, ach, aber hier ist das wirklich schön glaubhaft gemacht, wo man sehr gut mitfiebern kann. Das andere ist, er hat sich über die Zeit zum sehr soliden Erzähler entwickelt, mit wirklichem guten Gespür für Spannung und auch Figurenentwicklung. Und was auch ist, das ist aber kein Nachteil wie bei anderen Romanen. Die Romane folgen schon irgendwann. Wiederkehrenden Schema. Also es gibt eine bestimmte Aufgabe beispielsweise, man muss irgendwelche markischen Artefakte finden, das hat eine gewisse Vertrautheit, aber er tut es immer wieder neu verstricken, dass man da wirklich gebannt dem Ganzen folgt.
Patrick:
[41:04] Und das Coole ist so einerseits, wie die Charaktere auch mit Artefakten aus unserer Zeit umgehen. Also es gibt beispielsweise eine Trilogie von ihm. Da geht es darum, dass auf einem anderen Kontinent ist so ein militärischer Supercomputer, der noch aus der Zeit der Atomkriege stammte. Das ist so eine Art künstliche Intelligenz und die versucht jetzt, sich auszubreiten, indem sie dann beispielsweise Leute manipuliert. Und einer der Protagonisten in Shannara, der Walker-Bow, das ist ein Droide, also so das Gegenstück vielleicht zu Gandalf, der macht sich dann auf diese Reise zu diesem Supercomputer, weil er der Auffassung ist, dass dieser Computer ein sehr großes Wissensarchiv hat und er sehr viel Wissen sammeln kann über die alte Welt, warum die ausgelöscht wurde und er geht da eigentlich mit, um dieses Wissen zu bergen für die Droiden, dass die sich wieder weiterentwickeln können.
Patrick:
[41:59] Und am Ende des Romans, das fand ich so weltklasse, steht er dann vor diesem Supercomputer, mit dem er dann natürlich auch kämpft, was sehr interessant geschrieben ist. Und er realisiert dann an dieser Stelle dieses Archiv, was er meint, sind CD-ROMs, die sich da so stapeln. Und er sagt dann so zu sich selbst so, oh Scheiße, das ist Wissen, aber das ist Wissen, das können wir heute nicht mehr benutzen. Erst von ausgegangen sind Bücher und Schriftrollen, Aber tatsächlich sind es CD-ROMs. Und dann merkt er, diese ganze Reise war eigentlich umsonst. Seine einzige Aufgabe ist jetzt noch, diesen Supercomputer zu vernichten, was ihn auch sehr tragischen Ausgang nimmt. Das sind so diese Sachen, also diese Spielereien mit unserer heutigen Welt und eben diesen High-Fantasy-Setting. Jetzt könnte man natürlich sagen, okay, CD-ROMs ist ja veraltet, aber man muss dazu sagen, den Roman hat Terry Brooks in den 90ern geschrieben und da war damals CD-ROMs State of the Art.
Rahel:
[42:55] Ja und da hatte man auch noch ein deutlich längeres Lebensalter von Cediroms vor Augen als heute.
Rahel:
[43:01] Ja aber sehr charmant. Du kennst ja nicht nur die Romane, sondern auch das Droma Hombies jetzt mal nenne. Was ist denn deine Einschätzung einerseits vom Shannara Computerspiel und andererseits aber von der TV-Serie? Vielleicht fangen wir mal einfach mit dem Computerspiel von 1995 an.
Patrick:
[43:19] Also das Computerspiel ist ja von Legend Entertainment. Jetzt muss man natürlich dazu sagen, ich bin ein absoluter Adventure-Fan. Versuche auch heute noch, jedes Spiel ohne Lösung durchzuspielen. Und wenn es 70, 80 Stunden dauert, ist mir egal. Also von daher, ich bin natürlich ein Fan-Anhänger der Legend-Spiele. Das Spiel tut die Stimmung der Romane gut auffangen. Allerdings, was nicht so geglückt ist, das ist so ein Zwischending. Das ist ein Mix aus Adventure, aber auch aus Rollenspiel beziehungsweise mit Kämpfen. Diese Kämpfe, also man merkt, dass Legend einfach seine Wurzeln im Adventure-Genre hat. Und diese Kämpfe sind eigentlich redundant. Also das macht so ein bisschen das Spiel wieder. Man weiß nicht genau, was es ist. Das ist so ein Zwischending, weder Fisch noch Fleisch. Und für die Rollenspieler ist es zu simpel, zu einfach. Die werden sich dann wahrscheinlich am Adventure-Anteil stören. Und die Adventure-Spieler werden sich wieder stören an diesen taktischen Kämpfen. Auf der anderen Seite muss man aber sagen, dass Legend, also die Autoren, die haben damals glaube ich auch Terry Brooks mit einbezogen in die Entwicklung, die haben das sehr schön gemacht. Also so von Rätseln ist das auch nicht unbedingt schwer, das ist eher einsteigerfreundlich. Da gibt es von Legend andere Titel, die wesentlich komplexer sind. Das wäre jetzt so einfach mal meine Einschätzung zum PC-Spiel.
Patrick:
[44:44] Zur Fernsehserie, hattest du die gesehen gehabt?
Rahel:
[44:48] Nein, ich habe, glaube ich, mal eine oder zwei Folgen gesehen, aber nichts, was mir jetzt ein holistisches Bild verschafft hätte.
Patrick:
[44:54] Also ich sage es mal so, ich habe mich total gefreut, als das Ganze angekündigt worden ist und ich bin ja auch auf Facebook, folge ich Terry Brooks und der hat dann da immer berichtet über die Entwicklung der Serie und alles, aber letztendlich ist es so, die Serie darf man nicht mit den Büchern gleichsetzen. Weil das Problem ist, bei Fernsehserien, wie so oft, die Komplexität der Bücher wird ganz drastisch reduziert. Und der Fehler an der Stelle war dann auch, dass man mit der zweiten Staffel eigentlich nicht die Trilogie fortgeführt hat, sondern man hat sich irgendwas Wirres ausgedacht, was immer weiter von diesem Serienkosmos entfernt hat. Und das hat viele Fans, Leser der Bücher verärgert, glaube ich, weil die hätten sich schon gewünscht, dass man mit Teil 3 dann weitermacht, also dem Wich-Song von Shannara. Das hat man aber nicht gemacht. Also man muss dazu sagen, es ist oft so, die erste Trilogie hat unterschiedliche Helden, weil mehrere Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Ich glaube, zwischen Buch 1 und Buch 2 liegen 10 oder 15 Jahre und dann nochmal zwischen Buch 2 und Buch 3 liegen, glaube ich, nochmal 20 oder 30 Jahre. Das heißt also, es ist oft so, wenn ich eine neue Trilogie beginne, dass die Helden von damals gar nicht mehr gibt oder dass die schon sehr, sehr alt sind. Deshalb hat man damals bei dieser Fernsehserie gesagt, man kann nicht. Bei einer neuen Staffel die alten Helden austauschen und durch neue ersetzen, sondern wir machen mit den alten Helden weiter.
Patrick:
[46:24] Und das hat natürlich Buchfans irritiert, verärgert. Es gab halt sehr viele schlechte Kritiken, weil das war nicht unbedingt spannend. Man hat sich auch so ein bisschen versucht, an Game of Thrones zu orientieren, das Ganze dann sehr brutal aufgebaut, was eigentlich, ja, schon nachher ist auch brutal, aber eher subtil. Also das war nie bekannt für wirklich so Gewaltszenen, für seine Brutalität.
Rahel:
[46:47] Es zeigt nicht oder erzählt diese Szenen nicht explizit, ja, stimmt.
Patrick:
[46:50] Richtig, das überlässt Brooks der Fantasie. Ja, da hat man sich da versucht, dran zu orientieren. Und das war auch ein bisschen befremdlich, sage ich mal. Und das Problem ist für die Leute, die die Charnacher-Romane nicht kennen, die dann diese Serie gesehen haben, für die war es dann teilweise vielleicht auch wieder zu kompliziert, da einzusteigen. Und das ist so das Problem, das man generell bei diesen High-Fantasy-Serien hat, die sich über viele Bücher erstrecken. Das hast du auch bei Rad der Zeit, bei Wheel of Time, was ja auf Amazon Prime gelaufen ist. Hast du die Bücher gelesen? Ist dir die Serie zu schlicht, zu banal? Kennst du die Bücher nicht? Also meine Frau hat Wheel of Time gesehen, drei Staffeln oder was, und hat gesagt, ich habe keine Ahnung, um was es da geht. weil man einfach nicht durchsteigt, weil dieses Serienwissen von den Büchern fehlt. Und das macht es so schwer, da glaube ich auch dann adäquat Zuschauer zu finden. Also zurück zu Gennara, zur Serie. Ich würde die nur schauen, wenn man die Bücher gelesen hat. Dann ist das so nice to have, dass man sich das mal anschaut. Aber ich würde jetzt nicht zu viel davon erwarten, weil ich glaube auch Teil 1 war jetzt nicht so das große Budget, also manches so Special Effects, das war. Hat mich jetzt auch nicht so vom Hocker gehauen, sag ich mal.
Rahel:
[48:04] Ja, da bleiben wir unterm Strich dann doch am besten bei den Romanen.
Patrick:
[48:07] Richtig.
Rahel:
[48:09] Vielen Dank, Patrick, dass du dir die Zeit genommen hast, uns die Relevanz von Gennara als Fantasy-Literatur näher zu bringen.
Patrick:
[48:15] Ja, sehr gerne. War mir eine Ehre. Wie gesagt, Gennara ist kein perfektes Werk, aber ich sag’s mal so, wenn man dranbleibt, ist es sehr belohnend.
Rahel:
[48:24] Mairi, lasst doch darüber reden, wie die Welt von Shannara entstanden ist. Also jetzt tatsächlich der Handlungskosmos.
Mháire:
[48:32] Ja, lass uns Worldbuilding besprechen, Rahel. Der Part, wo ich immer anfange zu sabbern.
Rahel:
[48:38] Dann also, by all means, leg los.
Mháire:
[48:41] Also, die Welt von Shannara ist unsere Welt, aber einige Jahrtausende in der Zukunft. Erstmal, es gibt dann auch eine Zeitrechnung, die dann später wieder funktioniert und wo man ansetzen kann und alles zuordnen kann. Und es gibt dann in späteren Romanen auch Erklärungen dazu, wann die Dinge passiert sind, die da hinführen. Und ich habe gute Nachrichten für euch. Im Gegensatz zu vielen anderen Science-Fiction-Visionen und dergleichen, steht uns das Schlimmste noch bevor in dieser Zeitrechnung. Und wir können uns nicht zurücklehnen und sagen, ah, die Eugenik-Kriege hätten schon in den 90ern stattgefunden, wie bei Star Trek oder ähnliche Sachen. Und wir müssen noch im Laufe dieses Jahrhunderts, uns fürchte ich, mit Vernichtungswaffen und dergleichen auseinandersetzen, die Kontinente verschieben. Aber fangen wir erstmal an. Chandra, das erfahren wir schon im ersten Band, ist eine Welt der Zukunft, die dadurch entstanden ist, dass wir, also unsere aktuelle Zivilisation, sich so gründlich vernichtet hat, dass danach sich unsere Spezies aufgesplittet und verändert hat und die Welt nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Rahel:
[49:38] Genau, ganz ursprünglich, also tausende Jahre auch vor unserer jetzigen Zeit, hat es einmal ein Zeitalter der Magie gegeben, das Age of Fairies. Das ist eine Welt, in der es viele mächtige Naturgeister, werden sie im zweiten Shanaraband genannt, gegeben hat, also sprich Elfen, Dämonen. Und die Elfen werden da beschrieben als eine hochentwickelte und sehr langlebige Rasse, die sich in einem ewigen Kampf mit den bösen Dämonen befindet. Und dann gelingt es den Elfen aber irgendwann, die Dämonen in den Baum Elchris zu bannen. Nur das Problem dabei ist, dass sie so viel Magie brauchen für diese Verfäbung, wie diese Bannmagie heißt, dass sie sich selbst schwächen und vor allem die Magie aus der Welt heraussaugen. Dadurch sterben viele Spezies aus, aber es bedeutet auch, dass eine andere Spezies, nämlich der Mensch, sich ungebremst ausbreiten kann, samt seiner Technologie. Und so kommen wir in unser heutiges Zeitalter.
Mháire:
[50:30] Das ist ein Trope, das ich glaube, Terry Brooks hier als Erster aufgebracht hat in dieser Form und das sich später in einigen anderen Werken wiederfindet. Mit am stärksten würde ich fast sagen in Shadowrun, wo es auch dieses Anschwellen und Abebben von Magie über die Zeit gibt, die sich auch abwechselt mit Technologie. Und vor allen Dingen, dass es eine Vergangenheit schon gab mit Feen und Elfen und verschiedensten Wesenheiten, die dann untergegangen ist, um Platz für unsere moderne Welt zu machen, damit später aber Magie wiederkommen kann. Also dieses Kommen und Gehen von dem magisch-mythischen und der Zauberei versus Technologie, das ist etwas, was er, glaube ich, das erste Mal in dieser Form hier als Trope ausformuliert. Aber wenn dem nicht so ist und jemand anders was findet, bitte schickt es in meine Richtung. Ich bin immer gespannt darauf, solche Dinge neu zu lernen und mehr zu finden, wer das als erstes gemacht hat.
Rahel:
[51:19] Unsere jetzige Zeit, also unsere Lebensrealität, wie wir sie jetzt kennen, das ist das Zeitalter der Technologie, beziehungsweise in den Romanen wird es immer als die alte Welt bezeichnet. Die Magie ist verschwunden, die Elfen gibt es noch, aber sie leben im Verborgenen und irgendwann in unserer nahen Zukunft, also wir reden hier von einer Zukunft, wo die Menschen ungefähr 100 bis 150 Jahre alt werden und wo sie kurz davor sind, den Weltraum zu besiedeln. Also das wäre jetzt so ein Fall für, das spielt ungefähr 20 Minuten in unserer Zukunft, da kommt es zu einem katastrophalen Ereignis. Und zwar beginnen 2022 die großen Kriege, die in einer Apokalypse enden. Es ist nicht ganz klar, was während dieser großen Kriege genau passiert. Aber es steht fest, dass Doomsday-Waffen genutzt wurden. Also Waffen, die niemals für die Anwendung gedacht waren. Das könnten also, wenn man jetzt bedenkt, von wann die Romane sind, vermutlich Atomwaffen sein. Das Terry Brooks sich also von dem noch sehr präsenten Atomkriegsrisiko hat inspirieren lassen. Es könnten aber auch Biowaffen gewesen sein. Wir wissen, dass auch autonome Militärfahrzeuge benutzt wurden, also die sogenannten Creeper, selbstfahrende Panzer. Es ist also alles schon, ich würde sagen, ein apokalyptisches Kriegsszenario, durchaus mit einem Realitätsbezug.
Mháire:
[52:30] Ja, wir sehen auch Dinge in den Romanen, die noch Überbleibsel davon sind oder sein könnten, an Monstren und mutierter Fauna und Flora, die sich damit erklärt, dass das irgendwann mal in irgendeiner Form Kriegsführung war. Bäume, die Leute fressen und eben Kreaturen, die teils mechanisch sind, beziehungsweise also eine Mischung aus biologischer Masse und aus künstlich gebautem Teil. Es wird vage genug gehalten, dass es creepy ist, sagen wir mal so.
Mháire:
[52:59] Und es hat nicht nur dazu geführt, dass weite Teile der Menschheit ausgerottet wurden, sondern die Welt wurde auch gänzlich verändert. Was auch immer da eingesetzt wurde, hat solche Auswirkungen gehabt, dass durch Erdbeben, Vulkanusbrüche, Überschwemmungen dergleichen sich die Kontinente in ihren Umrissen verändert haben. Das ist insofern natürlich gut, als dass Terry Brooks dann seine neuen Karten da verwenden kann und sagen trotzdem, das ist das, was früher mal Nordamerika war. Wenn ihr nichts wiedererkennt, ist das euer Problem. Die Flüsse fließen jetzt anders und die Berge sind anders, weil das passiert ist.
Rahel:
[53:34] Es entstehen auch die verschiedenen Spezies, die wir dann in den Schanara-Romanen kennen. Also es gibt ja neben den Menschen und Elfen auch noch Zwerge und Trolle und Gnome. Und das Besondere ist, dass bis auf die Elfen stammen diese Spezies alle vom Menschen ab. Nämlich sind das Menschen, die aufgrund der Apokalypse in verschiedene Regionen flüchten mussten. Und diese Regionen, wo sie sich hin zurückverzogen haben, haben aber zu Mutationen oder sogar einer Evolution geführt. Also die Zwerge sind Menschen, die sich ins Gebirge zurückgezogen haben und eben versucht haben, in Höhlen zu überleben. Während die Trolle sind Menschen, die in sehr verstrahltem, also vielleicht verstrahlt, wir wissen ja nicht genau, was es gewesen ist, aber in diesen Gebieten versucht haben zu überleben und deswegen einfach sehr rapide mutiert sind. Was aber auch passiert, ist, dass das Wissen, vor allem das technologische Wissen, zerstört wird. Das heißt, es gibt jetzt all diese Spezies. Die wenigsten von diesen Spezies wissen noch, wie sie eigentlich entstanden sind. Und es gibt vor allen Dingen keine Technologie mehr. Das ist also ein Rücksturz in ein primitives Zeitalter. Und damit beginnt auch eine neue Zeitrechnung beim Jahr Null. Und die Magie kehrt zurück.
Mháire:
[54:39] Es ist immer erstaunlich, wie bei der Zerstörung von solchem technologischen Wissen es mehr oder weniger auf das Level der Renaissance zurückgesetzt wird, minus Schießpulver. Weil es die Variante ist, mit der sich Fantasy-AutorInnen am besten wohlfühlen, denke ich. Ja, aber da landen wir. Die Leute haben bewahrt, wie man effektive Festungen baut, wie man Langbögen herstellt, wie man Ackerbau betreibt und dergleichen. Nur Strom und Schwarzpulver, da sind sie nicht hingekommen. Aber dafür gibt es ja Magie. Und warum sollte man das machen, wenn man zaubern kann? Das ist, glaube ich, häufig die Erklärung dafür, dass diese Sachen in so einem Erblutverhältnis zueinander stehen.
Rahel:
[55:19] Mit der neuen Zeitrechnung können wir dann aber auch relativ genau nachvollziehen, was ungefähr wann passiert. Also ungefähr im Jahr 1000 finden sich einige Überlebende dieser neuen Welt in einem Konzil zusammen. Und die setzen sich das Ziel, dass sie das verlorene Wissen der alten Welt erforschen wollen. Das ist der erste Druidenrat mit ihrem Motto Macht durch Wissen. Und schon relativ bald nach der Gründung kommt es zu einem Bruch, weil zwei Strömungen innerhalb vom Druidenrat aufkommen. Die eine Strömung besagt, Wissenschaft ist alles und die Technologie ist der Schlüssel dazu, wohingegen die zweite Strömung sagt, Magie ist alles. Das heißt, bei der Erforschung von der Technologie erforschen sie aus Versehen auch Magie und kommen dann zum Schluss, dass das eigentlich das viel wichtigere Thema ist. Und zu eben diesen Leuten, die sagen, nein, wir müssen die Magie erforschen, da gehört auch der Druide Brunner hinzu, der allerdings eben zu dem Zeitpunkt auch schon von diesem bösen magischen Buch Ildatsch korrumpiert ist.
Mháire:
[56:14] Ja, das bringt ihn dann dazu, sich gegen alle anderen zu stellen und einen weiteren Krieg vom Zaun zu brechen. Das ist der sogenannte Krieg der Rassen, beziehungsweise der erste Krieg der Rassen. Ganz kurz ein kleiner Exkurs dazu, es wird hier immer im Original von Races und dann in der deutschen Übersetzung von Rassen gesprochen. Das ist heutzutage, wenn man das jetzt liest, ein bisschen icky, finde ich. Das ist, denke ich, ein ganz klarer Fall von anderer Verwendung des Wortes, beziehungsweise weniger spezifischer oder gedankenlose Verwendung des Wortes. Was damit gemeint ist, sind im Endeffekt ja die Subspezies, die aus der ursprünglichen Menschheit entstanden sind, aber die werden hier schlicht und einfach als Races, als Rassen bezeichnet. Bruna nimmt die Menschheit als seine Truppe und bringt sie dazu, gegen die anderen Spezies Krieg zu führen. Die Trolle, die Gnome, die Zwerge, die Elfen und möchte damit die anderen Droiden auslöschen und die Magie unter seiner Kontrolle als höchstes einsetzen bzw. Gänzlich zu entfesseln. Er wird dann geschlagen von einem Zusammenschluss von verschiedenen Spezies, unter der Anführung auch von anderen Druiden, kann sich dann aber verbergen. Und der Druidenart sagt danach, okay, offensichtlich versteht ihr euch nicht miteinander, jetzt teilen wir das hier auf. Jeder von euch kriegt eine Ecke von diesem Kontinent und da bleibt ihr jetzt.
Rahel:
[57:33] Genau, und so entstehen die vier Lande, über die wir gleich noch sprechen werden. In der Mitte von diesen vier Landen, da sitzt auch der Druidenrat selbst, denn der bleibt auch nach diesem Ersten Krieg bestehen. Allerdings wird das Studium der Magie verboten. Hilft aber alles nichts, weil ungefähr im Jahre 1500, also das ist jetzt noch einmal 300 Jahre später als der Erste Krieg, kommt es zum Zweiten Krieg der Rassen. Brunner kehrt zurück. Dieses Mal hat er eine eigene Armee und eben auch seine Schädelträger. und er greift die Druidenfestung Paranor, die eben im Zentrum der vier Lande liegt, die greift er an, er nimmt sie ein und nur wenige Druiden überleben den Angriff. Darunter auch der Druide Bremen, der das Schwert von Shannara erschafft. Das heißt, da kommen wir jetzt langsam in die unmittelbare Nähe vom ersten Shannara-Roman. Wobei es bis dahin noch eine ganze Weile dauert.
Mháire:
[58:23] Ja, nochmal 500 Jahre. Brunner, der eigentlich geschlagen wurde, aber wir erfahren jetzt im ersten Roman und beim dritten Krieg der Rassen oder Krieg des Nordlands, dass Jarrah Shannara ursprünglich sogar versagt hat dabei, wie auch immer. Brunner ist als Geisterwesen wieder da, schickt wieder seine Armeen aus, sowohl die normalen angeheuerten physischen Armeen, die ihm hörig sind, Trolle und Gnome, als auch seine Monstren, seine Schädelträger. Und versucht, die Linie von Jarrah Shannara auszulöschen, um in Sicherheit zu sein vor dem Schwert. Einer aber überlebt, nämlich der Halbelf Shane Omsford, weil seine Familie tot ist und er adoptiert worden ist und damit sozusagen erstmal aus den Aufzeichnungen verschwunden ist. Und Al-Anon kann ihn finden und dazu bringen, am Ende doch Brunner wieder zu besiegen. Da haben wir ja alles schon aufgearbeitet. Aber da sind wir jetzt so grob im Jahr 2000 in unserer Zukunft.
Rahel:
[59:17] Und das ist auch der Grund, warum Al-Anon immer als der letzte Druide bezeichnet wird, weil den Druidenrat, den gibt es zu dem Zeitpunkt streng genommen nicht mehr.
Mháire:
[59:25] Nein, die hat Bruna ausgelöscht, auch wenn sie ihn zumindest für eine ganze Weile erstmal geschlagen haben.
Rahel:
[59:31] Ja, und dann haben wir immer im Abstand von je einer Generation eben nach 2000 zuerst die Ereignisse, dann noch vom Adventure, dann von Die Elfensteine von Shannara und dann eben das Zauberlied von Shannara. Also der dritte Roman der Reihe spielt ungefähr im Jahre 2070 der Neuen Welt. Und damit haben wir jetzt eigentlich eine ganz gute historische Übersicht, wie wir zu den Ereignissen in den Romanen gekommen sind.
Mháire:
[59:53] Dann lass uns mal darüber reden, wer wo wohnt und warum. Wir haben vier Lande und fünf Spezies. Was allein schon, wenn man ganz grob das an seinen Fingern abzählt, dazu führt, dass irgendwas nicht passt. Aber gehen wir das erstmal durch. Es gibt in jede Himmelsrichtung also ein Land, das einer Spezies zugeteilt wurde. Und in der Mitte sitzen die Druiden in ihrer Festung Paranor. Wir haben die Menschen im Süden, wir haben die Elfen im Westen, wir haben die Zwerge im Osten und wir haben die Trolle im Norden. Und die Gnome, die sind halt irgendwo verteilt. Also sie sind vor allen Dingen auch in den Nordlanden, aber es gibt auch im Zentrum welche und es gibt auch im Osten welche. Aber irgendwie wurden die übersehen.
Rahel:
[1:00:32] Ja, die sind halt überall so ein bisschen.
Mháire:
[1:00:35] Die sind auch tatsächlich die am unterschiedlichsten, was verschiedene Gnomokulturen und dergleichen angeht. Sie sind trotzdem zu 90 Prozent die Bösen, auch teilweise etwas unschön gezeichnete Böse. Aber bevor wir dazu kommen, erstmal, alle diese Spezies sind eigentlich im Grunde Menschen, nur eben von unterschiedlichen Linien, die sich abgespalten haben und anders entwickelt haben in beschleunigter Evolution.
Rahel:
[1:00:59] Bis auf eben die Elfen. Die Elfen sind durch und durch ihr eigenes Ding.
Mháire:
[1:01:02] Die waren vorher schon da und sind cooler als der Rest.
Rahel:
[1:01:04] Das ist okay.
Rahel:
[1:01:06] Fangen wir doch mal im Süden an, sehr kreativ als Südland bezeichnet, wo eben die Menschen leben.
Mháire:
[1:01:12] Ja!
Rahel:
[1:01:13] Die Menschen, die hier leben, die haben sich während der großen Apokalypse möglichst weit von der verseuchten Region zurückgezogen und sind deswegen eben auch menschlich geblieben. Nach dem Ersten Krieg der Rassen haben sich die Südlande in mehrere kleinere Stadtstaaten und Königreicher aufgeteilt. Das ist auch da, wo das Schwert von Schanara anfängt. Da reißen direkt zu Anfang Shea und fliegt durch viele von diesen kleinen Regionen. Ja, und diese kleinen Stadtstaaten, die führen viel Handel miteinander, aber ansonsten leben die isoliert vom Rest der Welt. Also so isoliert, dass sie scheinbar vom Zweiten Krieg der Rassen erst erfahren haben, als der schon lange vorbei war.
Mháire:
[1:01:48] Ja, und das, was wir vor allen Dingen im Ersten Roman kennenlernen, sind, abgesehen von den Grenzländern, aber der tiefe Süden, wo wir anfangen, das sind Regionen, die vor allen Dingen so beschrieben werden, als würden da wirklich nur ein paar hundert Leute leben. Das ist alles klein, klein. Also wir haben Shadyvale, wo die Omsforts herkommen und dann dementsprechend auch die zukünftigen Omsforts, weil die aus irgendeinem Grund auch immer wieder dorthin zurückgehen müssen, weil das in der Heldenreise so vorgesehen ist, denke ich. Und in der Nachbarschaft ist dann Li. Aber das ist auch ein winziges Königreich. Das ist so klein, dass deren Kronprinz einfach wochenlang verschwinden kann, um durch die Wälder zu streifen. Und die Leute zucken nur mit den Schultern. Da leben irgendwie auch nur zwei Dutzend Leute. Also es ist alles überschaubar dort.
Mháire:
[1:02:30] Dann haben wir im Norden, also dort, wo es dann Kontakt mit den anderen Spezies gibt, die Grenzländer und das sind die taffen Leute. Das sind Menschen, die auch sich der Tatsache bewusst sind, dass sie diejenigen sind, die in den Krieg ziehen, damit der Rest ein gemütliches Leben hat. Da haben wir vor allen Dingen das Königreich Calahorn, da ist eine von den Figuren der Erbprinz von Balinor und ein paar andere Städte, die dazu gehören, zum Beispiel Kern, insofern wichtig, als da die Lebenspartnerin dann von Minion Lee herkommt, die er rettet. Und das liegt alles entlang eines großen Flusses und ist mehr oder weniger das Bollwerk für den Süden und den Rest der Menschheit zu beschützen. Und die haben auch eine sogenannte Border Legion, eine Legion, die ganz besonders gut ausgebildet und effektiv im Verteidigungskrieg ist, die hier alles dann beschützt und rettet. Das ist sehr Gondor.
Rahel:
[1:03:23] Ganz weit im Süden von den Südlanden, das erfahren wir eben aber erst in späteren Romanen, da gibt es dann noch die Mäntelstadt Erishake und die erinnert an das Alter Rom, also da wird es dann auch doch mal ein bisschen größer. Und wir haben auch die Industriestaat Dektara, wo das Schwert von Gennara geschmiedet wurde. Das werden später Schlüsselstädte einer neuen Macht, die sich in den Südlanden formiert, die aber in der ersten Trilogie noch quasi komplett abwesend ist. Das ist die Föderation.
Mháire:
[1:03:52] Ja, das ist ein klassischer Fall von, wir müssen Dinge größer machen und neue Dinge herausfinden, um das Setting zu erweitern und weitere Geschichten erzählen zu können, weil alles andere ist inzwischen zu klein.
Rahel:
[1:04:03] Genau, das merkt man auch richtig schön, wie da einfach angebaut wurde.
Mháire:
[1:04:06] Ja, ich meine, so ein Kontinent kann groß sein und so eine Welt erst recht, da kann man sogar noch andere Kontinente finden mit der Zeit.
Mháire:
[1:04:12] Dann haben wir den Westen. Da leben die Elfen. Das sind die Besonderen, die es ja auch schon lange vor dem Weltuntergang gab und die zwischendurch verborgen gelebt haben. Die haben eine Hauptstadt namens Arborlon, also Baum mit Fantasy-Endung aus dem Lateinischen, mit dem Baum Elgris. Das ist auch die einzige größere Stadt, von der wir irgendwie im Zusammenhang mit den Elfen hören. Und die Elfen haben einen König. Also alles weist darauf hin, dass das eine in sich geschlossene Kultur ist, die Elfen, die da leben. Mit der Natur zusammen. Das sind auch recht viele Elfen und das ist eine Hochkultur. Und sie haben gar nicht so gern mit dem Rest der Spezies Kontakt. Das ist tatsächlich auch so ein Punkt, dass sie teilweise eben so Isolationisten haben, die sagen, warum soll uns der Rest der Welt kümmern, solange wir in Sicherheit sind, ist doch alles gut. Im Westen von den Elfen ist Wasser, da ist die Küste. Und wenn man sich dann versucht, das zusammenzuschieben, was wie wohin gehört, dann sitzen die, glaube ich, im Endeffekt in einem der Nationalparks der heutigen USA und der Westen ist weggebrochen. Kalifornien ist futsch irgendwie.
Rahel:
[1:05:17] Ja, das gehört ja zu sehr beliebten Aktivitäten von Gennaro-Fans, dass sie versuchen, die Karte zu interpretieren und eben doch noch nachzuvollziehen, was vormals welcher Ort gewesen sein könnte. Und das, was du jetzt gerade beschreibst, scheint die gängigste Interpretation vom Westland zu sein. Ich glaube, Oregon war die Antwort.
Mháire:
[1:05:37] Warum nicht? Da gibt es auf jeden Fall große Bäume. Insofern passt das schon.
Rahel:
[1:05:41] Schauen wir einmal auf die andere Seite der Karte. Da haben wir das Ostland, wo die Zwerge leben. Und das sind eben vormals die Menschen gewesen, die sich nach dem großen Krieg in den Bergen versteckt haben. Da waren sie zwar von der Strahlung oder solche oder was auch immer sicher. Sie sind aber im Laufe der Generation immer kleiner geworden. Und hier kommt der Punkt, den ich vorhin angeteasert hatte. Inwiefern die Zwerge in Shannara anders sind als in den meisten anderen Fantasy-Romanen oder auch Filmen, Die Zwerge in Channara sind klaustrophobisch, weil sie so lange in Höhlen gelebt haben. Und deswegen sind sie echte Frischluftfanatiker. Das heißt, die wollen möglichst immer draußen sein und in der Natur sein und möglichst nicht in irgendwelchen Höhlen leben. Auch wenn sie eben durch ihr Überleben dieses Höhlenerbe irgendwie doch mitbekommen haben.
Mháire:
[1:06:25] Ja, eine Zwergenstadt, die uns im Text begegnet, Calhaven. Die kurioserweise ein bisschen dann sowas wie Bruchtal ist, also der sichere Hafen, in dem die Gemeinschaft wieder zusammenfinden kann und durchatmen kann, ausgerüstet wird und dann weiterzieht. Eine Zwergenstadt, die aber in einem Wald an der Oberfläche ist und eher dem ähnelt, was wir uns sozusagen als klassische Elfenstadt vorstellen. Das finde ich tatsächlich irgendwie ganz charmant. Die Zwerge, die irgendwie hier die Wanderburschen sind, die an der Oberfläche in der Natur leben wollen.
Rahel:
[1:06:54] Ja, in Kyle Haven gibt es auch wunderschöne hängende Gärten.
Mháire:
[1:06:57] Ja, noch frischere Luft als so schon. Wir verlegen unsere Gärten sogar nach oben. So, ihr könnt uns gar nichts. Das ist tatsächlich irgendwie ganz knuffig.
Rahel:
[1:07:05] Im Ostland begegnen uns in den Romanen auch zum allerersten Mal die Gnome. Sie werden so hergeleitet als Menschen, die besonders flink waren und sich deswegen einfach sehr gut durchschlagen konnten. Das heißt, ich würde sagen, in Charnara ersetzen sie so ein kleines bisschen die Orks. Zum einen, weil es sehr, sehr viele Gnome gibt. Also ich meine, dass sie die bevölkerungsreichste Spezies sind. Und dann, wie du vorhin schon gesagt hattest, werden sie größtenteils als böse und auch rückständig beschrieben. Das Spannende ist aber, sie sind nicht ausschließlich böse, sondern es gibt auch sehr fortgeschrittene und vor allen Dingen sehr wohltäterische Gnome. Das sind aber die Stores, das heißt, die kriegen nochmal so ihre eigene Bezeichnung. Und das sind Heiler, die leben in Storlog, das ist eben eine Stadt im Ostland, wo sie alle möglichen Menschen, Zwerge, Elfen von den komplexesten Krankheiten noch heilen können.
Mháire:
[1:07:54] Und sie sind absolute Pazifisten. Die würden selber niemals jemanden angreifen, aber dadurch, dass sie so fähig sind als Heiler und dass sie bereit sind, allen zu helfen, sind sie auch tabu. Also die anderen Gnome wären auch niemals bereit, den Stores wehzutun. Finde ich auch tatsächlich ein schönes Konzept, dass wir hier diese kleine Hippie-Enklave von Gnomen haben, dass sie aber so respektiert sind, dass sie auch gleichzeitig in Sicherheit leben.
Rahel:
[1:08:19] Die Gnome finden sich aber nicht nur im Ostland, sondern auch im Nordland. Das Nordland ist da, wo im ersten Schadarer-Roman eigentlich die Geschichte die ganze Zeit hin will, weil wir wissen, da haben wir die besonders karge Landschaft, da irgendwo haben wir auch Bruna und seine ehemalige böse Hexenmeisterfestung, also das Schädelreich. Und neben den Gnomen leben da auch Trolle. Menschen, die versucht haben, in der freien Ebene zu überleben und entsprechend stark mutiert sind. Das heißt, die haben rindenartige, harte Haut. Sie sind besonders groß, besonders stark, aber werden eben auch tendenziell als wieder so richtige Haudingen und vor allem tendenziell auch wieder böse dargestellt.
Mháire:
[1:08:58] Das sind so ein bisschen, verzeih mir den Begriff, die Superbutanten dieser Welt, die aber, und das bekommen wir auch relativ früh durch einen Vertreter dieser Spezies mit, ihre eigene, sehr auf persönliche Ehre basierende Kultur haben und nicht ganz nur diese platten, großen, alles niedermachenden Leute sind. Sie werden durchaus auch von den anderen Spezies respektiert als die härtesten Kämpfer, die es überhaupt gibt. Also ihre Elite-Truppen, die von klein auf trainiert werden. Im Krieg wird das dann so gezeigt, dass die Menschen halt schauen und sagen, Mist, da kommen jetzt die Trolleinheiten. An diesem Punkt ist alles verloren. Rückzug, Rückzug, Rückzug. Also es könnte unglaublich platt sein, aber sie bekommen dann mehr Tiefe, als man auf den ersten Moment vielleicht denkt.
Rahel:
[1:09:42] Ja, und im Zentrum von all dem haben wir die Druidenfestung Paranor. Da, wo jahrtausendelang der Druidenrat gelebt hat. Paranoa ist eine Zitadelle, die zur besseren Verteidigung auf einem Vulkan erbaut wurde. Und das ist eigentlich der sprichwörtliche Elfenbeinturm. Da wurde über die Jahrhunderte hinweg eben sämtliches Wissen gesammelt, aber auch kontrolliert. Die Zitadelle ist durch Bord von zahlreichen Geheimgängen, die auch genutzt werden, unter anderem von eben den Charakteren beispielsweise im ersten Schanara-Roman, um überhaupt unbemerkt nach Paranoa reinzukommen. Was noch so eine Besonderheit ist, ist, dass Paranor nicht einfach nur auf einem Vulkan erbaut wurde, sondern spezifisch auf einer Bergkluft, in der sich der sogenannte Druidenbrunnen befindet. Es ist nicht genau klar, was das ist, aber es hat auch hier wieder irgendwas mit Magie zu tun. Und scheinbar ermöglicht der Druidenbrunnen es Paranor gelegentlich einfach in eine andere Dimension zu verschwinden und irgendwann wieder aufzuploppen. Also Paranor ist einfach nicht immer da.
Mháire:
[1:10:40] Das ist ein praktischer Trick. Das bedeutet aber auch, dass Paranor in einer Kluft an einem Vulkan gebaut ist, dass man da drinnen Orte haben kann, die über einem offenen Vulkanschacht hängen, sodass Dinge in Lava fallen können, weil das cool ist.
Rahel:
[1:10:55] Ja, Zauberer unter anderem. Und dann sind alle traurig, weil sie glauben, dass ihr Zauberer tot ist.
Mháire:
[1:11:02] Ich wollte es nicht sagen, aber ja, es ist schon so ein bisschen, als wäre er da mit einer Checklist durchgegangen von Dingen, die ich richtig toll von dem Herrn der Ringe und selber auch nochmal schreiben möchte. Und das ist eine von den Szenen, die ein Muss war, okay.
Rahel:
[1:11:16] In unmittelbarer Nähe von Paranoa gibt es auch die Gebirgskette mit dem auch wieder sehr sprechenden Titel Drachenzähne. Das ist einfach eine sehr zackige, nur schwer zu passierende Gebirgskette. Das ist auch ein Ort, den wir im Adventure bereisen. Und in den Drachenzähnen gibt es das Schiefertal. Das ist jetzt nochmal ein wichtiger Ort. Zum einen, weil es dort den mystischen Hadeshornsee gibt. Dort können die Geister von Verstorbenen angerufen werden. was beispielsweise Alanon nutzt, um den Geist von Bremen herbeizurufen. Diesem einen Druiden, der es geschafft hat, Bronas Angriff auf den Druidenrat zu überleben, der dann auch später das Schwert von Shannara geschmiedet hat.
Rahel:
[1:11:54] Im Schiefertal finden wir aber auch die Halle der Könige, was eine sehr alte, sehr gefährliche Begräbnisstätte ist, die irgendwann zu Beginn der neuen Welt gebaut wurde und wo wir ganz viele Fallen haben, die verhindern sollen, dass irgendjemand die Ruhe der Toten stört. Also wir haben einen Raum mit Sphinxen, die man nicht anschauen darf. Wir haben einen Raum mit Banshees, die man nicht hören darf. Es ist ein ganz klassischer, ja ich würde wieder sagen, Herr der Ringe Moria Ort. Das ist der Ort, wo im Adventure das Endgame stattfindet, wo man also das Ildatsch zerstören muss.
Mháire:
[1:12:26] Also einen guten Dungeon braucht man einfach.
Rahel:
[1:12:28] Ja.
Mháire:
[1:12:28] Moria ist der erste richtige Dungeon in dem Sinne der Fantasy-Literatur, als dass es eine Anlage ist, in der Leute sich tatsächlich verlaufen. Nico sagt immer gerne, der Moment, wo Gandalf stehen bleibt und sagt, ich weiß nicht, welcher dieser drei Wege in die richtige Richtung führt, ist der Moment, wo Dungeon Crawl begonnen hat.
Rahel:
[1:12:45] Fair.
Mháire:
[1:12:46] Und dementsprechend ist das ein Trope, das Fantasy-Literatur auch versucht zu bedienen und dabei immer neue kreative Wege zu finden, Fallen sich auszudenken oder Gründe, warum der Dungeon überhaupt da ist. Gerade im Rollenspiel ist das bis heute eine interessante Kunst, aber es ist auch schön zu sehen, dass das hier etwas ist, was einfach selbstverständlich Teil dieser Welt sein muss und dann muss man einen Grund finden, warum und was man da rein tut. So fühlt es sich nämlich ein bisschen an.
Rahel:
[1:13:11] Ja, auf jeden Fall. Das sind jetzt so die wichtigsten Regionen und auch Orte, die wir in den Romanen bzw. im Adventure sehen. Wirf man jetzt den Blick außerhalb von der Kerntrilogie, dann wird eben die Weltkarte kontinuierlich erweitert. Aber nicht nur durch so Sachen wie, dass wir auf einmal sehen, ah, im Süden von den Südlanden gibt es doch noch große Städte, sondern beispielsweise in der Trilogie Die Reise der Jail Shannara, da reisen die Charaktere auf einen ganz anderen Kontinent mit einem Luftschiff. Das heißt, da sehen wir, oh, es gibt nicht nur diese eine Landmasse von den vier Landen, sondern es gibt auch noch ganz andere Kontinente oder zumindest Inseln, wo es übrigens auch die Relikte einer KI gibt, die bekämpft werden muss. Wahrscheinlich ein alter Militärcomputer. Also so nach und nach wird die Karte größer und je größer die Karte ist, desto abgedrehter wird ehrlich gesagt auch das Worldbuilding.
Mháire:
[1:13:59] Du hattest zwischendurch schon erwähnt, dass die Weltkarte und was sich dort findet mit der realen Karte von heute zu vergleichen, ein großes verbreitetes Hobby im Fandom ist. Das müssen wir hier jetzt in der Tiefe auch gar nicht tun, außer darauf hinzuweisen, dass man eben immer wieder versucht zu finden, welcher Fluss könnte das sein, wo sitzen die Elfen da. Da könnt ihr gerne selber dran rumbasteln, wenn ihr drauf Bock habt.
Mháire:
[1:14:18] Lass uns über Leute reden. Die sind nämlich schon eher der Kernpunkt und wo welche Gebirge sind und dergleichen ist dann eher, um dafür zu sorgen,
Mháire:
[1:14:26] dass die richtigen Dinge am richtigen Ort passieren. Aber um wen dreht es sich hier? In erster Linie immer wieder um die Ohmsforts, beziehungsweise speziell um den Nachkommen von Shea Ohmsfort, der ist adoptiert und der ist halb elf. Das heißt, es geht um die Ohmsforts, die immer noch die Erben von Gerald Shannara sind. Also Shea, Jack, Will, dann die Zwillinge Brynn und Jair und so weiter.
Rahel:
[1:14:48] Genau. Es gibt die Lears. Das sind die Herrscher über das winzige Königreich Lear, die den Ohmsfords immer zur Seite stehen, die einfach mit einer langjährigen Freundschaft mit dieser Familie verbandelt sind.
Mháire:
[1:14:59] Ja, Minion Lee ist, um ganz ehrlich zu sein, im ersten Buch irgendwann auch die Hauptfigur. Man hat stark den Eindruck, dass Terry Brooks irgendwann beschlossen hat, dass er den spannender findet als die anderen Figuren. Und dann macht der im Grunde alle wirklich plotentscheidenden Sachen, außer das Schwert anzufassen. Der rettet zufällig Leute, die Schlüsselfiguren sind. Der ist derjenige, der den Zugang zu einem versteckten Kerker findet. Und so weiter und so fort. Also Minion ist dann auf einmal irgendwie die spannendste Figur. Und dementsprechend ist dann auch die Linie, die sich aus Minion ergibt und der unglaublich gut aussehenden Sher Ravenlock, die er rettet und die eigentlich jemand anders versprochen war, aber dann seine Frau wird. Ja, so ein Faden, der sich auch durch die Story durchzieht. Die Ohmsfort sind zwar die Schicksalskinder, aber die Lees sind diejenigen, die neben ihnen wichtige Arbeit leisten.
Rahel:
[1:15:48] Eine andere Blutslinie, die immer wieder auftaucht, sind eben die Lacedils. Aber ich denke, über die haben wir schon zu Genüge gesprochen.
Mháire:
[1:15:56] Die sehen aus wie John Rhys Davis.
Rahel:
[1:15:58] Zufälligerweise. Über wen wir aber noch nicht geredet haben, sind die Creels. Beziehungsweise im Deutschen haben sie den Nachnamen Fischcorp erhalten.
Mháire:
[1:16:07] Ja, das ist weniger klangvoll als Creel. Die werden in vorgestellter Form von Panamon Creel. Was für ein cooler Name. Panamon Creel ist sowieso furchtbar cool. Das ist ein professioneller Dieb, der aber nur Rot trägt. Der hat nur eine Hand und die andere Hand ist ersetzt worden durch so eine Speerspitze. Der ist nur seiner selbst treu und hinter dem Geld her. Aber am Ende steht er dann doch für das Gute ein und rettet Shea und sorgt dafür, dass die Welt gerettet wird. Das ist eine Figur, die tatsächlich raussticht aus dem Rest. Unter anderem dadurch, dass es einfach kein Pendant dazu im Herrn der Ringe gibt, wie man es bei den anderen festmachen kann. Das ist wirklich ein OG-Brooks-Charakter. Und beim Lesen habe ich mir gesagt, Moment, denn Panamon hat auch seinen stumm-treuen Kel-Set als Sidekick dabei, der groß und stark ist und ein gutes Herz hat, aber seinen verdächtigen und nicht sehr gesetzestreuen Kumpel beschützt. Und es fühlte sich so nah an Solo und Chewbacca an, aber es ist vor Star Wars insofern.
Rahel:
[1:17:08] Ja, das ist eine sehr schöne Analogie dafür, wie diese Charaktere miteinander interagieren und funktionieren.
Mháire:
[1:17:14] Ja, aber entweder ist es etwas, wovon sich wiederum George Lucas sehr spontan da noch hat irgendwie inspirieren lassen. Eigentlich geht das nicht mehr auf von der Zeitlinie. Oder es ist einfach ein Duo von Archetypen, die da in der Luft lagen zu dem Zeitpunkt Ende der 70er.
Rahel:
[1:17:28] Wir erfahren in späteren Romanen, dass der Droide Bremen das Schwert von Shannara gar nicht allein geschaffen hat, sondern auch da war schon jemand aus dieser Kriel-Blutslinie dran beteiligt. Das heißt, während im ersten Band Panamon Kriel oder eben Panamon Fischkorb, ja, wie ein cooler Charakter, aber auch eben so ein Einzelgänger, der durch Zufall auf die große Story trifft, wirkt, erfahren wir später, das ist nicht so. Auch das ist eine sehr zentrale Familie in diesem Gesamtkosmos.
Mháire:
[1:17:55] Ja, weil Fantasy keinen Zufall kennt und weil in Fantasy es sich immer um eine Handvoll von Familien dreht, an denen alles angeknüpft ist. Das ist einfach ein Genre-Trope.
Rahel:
[1:18:06] Das geht sogar so weit, dass selbst die Druiden eine Art Stammbaum haben. Obwohl sie ja nicht irgendwie in Familien gedacht werden oder nachfahren von, sondern eher bei wem hast du gelernt. Also auch da wieder so eine sehr akademische Herangehensweise. Die Druiden haben quasi einen akademischen Stammbaum. Wir haben Galifal als den ersten Druiden, das war ein Elfe. Bei ihm haben dann Bremen und Brona gelernt, die waren also zeitgleich. Bremen hat später Alanon adoptiert und unterrichtet. Alanon ist dann eben insbesondere in den ersten drei Romanen der Druide, der ja auch die Umsforz begleitet im Kampf gegen Bruna, beziehungsweise das Ildatsch.
Rahel:
[1:18:42] Ja, und später, als es Alanon nicht mehr gibt, wird er aber scheinbar im Druinen Walker Bow wieder erweckt. Das heißt, als dann irgendwann der metaphorische Druidenstab von Alanon weitergegeben wird, erfahren wir, so richtig weitergegeben wurde der nicht, sondern auch Walker Bow passt irgendwie in diesen großen Druidenstammbaum rein.
Mháire:
[1:19:00] Alles ist miteinander verbunden, Rahel.
Rahel:
[1:19:02] Das fasst es gut zusammen.
Mháire:
[1:19:04] Dann haben wir zuletzt, naja fast zuletzt, aber was zumindest diesen ganzen, wer ist mit wem verwandt und dergleichen angeht, noch die Machtgruppe. Wir haben über die vier Länder geredet, aber du hast auch schon die zwei Machtgruppen, die wichtig sind oder wichtig werden, schon erwähnt, nämlich einmal den Druidenrat, wo Alainon der letzte von ist und die Föderation, die erst in der Zukunft wieder entstehen wird.
Rahel:
[1:19:28] Genau, fangen wir doch mal mit dem Druidenrat an. Und das ist eigentlich schon ein bisschen irreführend, weil es gibt nicht den einen Druidenrat, sondern das ist eine Gruppe, die mehrfach neu gegründet wurde. Der erste Druidenrat geht zurück auf Galifai zu Beginn der neuen Welt, der eben sagt, nein, wir müssen das Wissen der alten Welt rekonstruieren. Und Galifai hat daraufhin verschiedene Individuen der verschiedenen Spezies auch zusammengesammelt und mit ihnen zusammen den ersten Druidenrat gegründet, um eben Technologie zu erforschen. Das Problem ist, das war sehr mühselig, bis hin zu unmöglich, weswegen eben einige der Druinen frustriert waren und sich stattdessen der Magie zugewendet haben. So entstand dann eben das Schisma, wo auch Brunner zur Macht kam.
Rahel:
[1:20:12] Ja, und mit dem zweiten Krieg der Rassen findet eben dieser erste Druidenrat dann endgültig sein Ende. Vor also schon in der Größe dezimiert durch diese Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Druiden mit Broners Hinterhalt auf die Druidenfestung Paranor endet der Druidenrat. Und es werden die meisten Druiden getötet. Alanon ist eigentlich der einzige, der diesen Angriff überlebt, beziehungsweise wir erfahren, Bremen hat ihn auch überlebt, weil er einfach schon aus Paranor verbannt war, aber bei Bremen war eben auch Alanon. Nach dem Zweiten Krieg der Rassen, also das ist jetzt noch vor dem ersten Roman, gründet Alainon den zweiten Druinenrat, denn der hat den Zweck, sich auf die Rückkehr von Bruna vorzubereiten. Da wurde dann auch das Schwert von Janara nach Paranor gebracht, deswegen müssen im ersten Band auch Shea und seine Gefährten in Paranor einbrechen. Und dann passieren Dinge, unter anderem fällt ein Zauberer in Feuer und alle sind traurig.
Mháire:
[1:21:04] Ja, scheinbar. Also scheinbar ins Feuer, scheinbar traurig. Die Trauer war, glaube ich, schon echt.
Rahel:
[1:21:08] Genau. Später, also nach der ersten Trilogie, dann wird sogar auch noch ein dritter Druidenrat gegründet, dann aber schon von Walker Bow. Und wir wissen auch, irgendwann hat es noch einen vierten und einen fünften Druidenrat gegeben. Also das ist so eine Gruppe, die erfindet sich immer wieder neu und die verändert auch ihre Aufgaben und Ziele im Laufe der Jahrhunderte entsprechend.
Mháire:
[1:21:26] Aber sie geben es nicht auf, es immer wieder zu versuchen. Druidenrat scheint die einzige Lösung zu sein für die Probleme der Welt. Wir probieren das einfach nochmal, auch wenn es schon mehrfach schiefgegangen ist.
Rahel:
[1:21:35] Ja.
Mháire:
[1:21:35] Ja, aber zyklisches Erzählen ist auch ein Kennzeichen der Fantasy dieser Zeit.
Rahel:
[1:21:41] Ja.
Mháire:
[1:21:41] Kommen wir zur Föderation. Das ist der Punkt, wo ich tatsächlich auch nur noch durch Nachlesen in Sekundärliteratur und dergleichen Bescheid weiß. Das ist alles Material von Shannara, was ich nicht selber gelesen habe. Aber das ist die Weiterentwicklung des Südlands, also der Reiche der Menschheit. Die bilden nämlich die Föderation nach den Ereignissen des Dritten Kriegs der Rassen. also dem ersten Shannara-Buch und dem folgenden. Und die wollen vor allen Dingen sich selbst beschützen erstmal. Dafür werden sie gegründet. Nachdem ihre großen Beschützer an der Grenze beinahe versagt hätten und das Böse offensichtlich ja jede Generation einmal wiederkommt aktuell, kann man denen das jetzt auch erstmal nicht verübeln.
Rahel:
[1:22:24] Ja, es führt dazu, dass die Föderation aber selbst irgendwann zu einem zentralen Bösewicht wird. Eben weil sie aus der Angst geboren ist und immer mächtiger wird und auch dadurch irgendwann anfängt, die Grenzen zu hinterfragen und Rechte einzuschränken, sagen wir es mal so. Also beispielsweise, irgendwann verbietet die Föderation auf ihrem Gebiet die Magie. Und sie schafft es, die Magie in einen Turm einzusperren. Einen lebenden Turm. Das ist der schwarze Turm Southwatch. Dummerweise spielen sie aber ihren eigenen Widersachen damit in die Hände und ermächtigen Dämonen. Das wird in einer der späteren Romanzyklen ein ganz zentraler Handlungspunkt, wie wir auf einmal im Süden bei den Menschen diesen schwarzen, lebendigen Turm haben, der Magie gefressen hat und deswegen sehr mächtig ist. Die Föderation ist also auch, wie wir dann erfahren, schon relativ früh unterwandert gewesen von diesen dämonartigen Wesen. Und so kommt es irgendwann zu den Föderationskriegen, wo Königreiche gegen deren Willen unterworfen werden, wo sich ein tyrannisches Regime entwickelt. Also eigentlich hier so eine ganz klassische, böse, ja, wie würdest du es sagen?
Mháire:
[1:23:30] Protofaschisten.
Rahel:
[1:23:30] Ja, genau.
Mháire:
[1:23:32] Also es hat schon sehr viele von den Hallmarks davon, dieses Wir gegen den Rest, das Verbieten von Andersartigem, das Übernehmen von anderen in Anführungsstrichen zu deren Vorteil. Ja, es ist ein Empire, es ist die klassische böse, an den Faschismus angelehnte Fantasieorganisation, die alle anderen unterwirft und gegen die man sich dann natürlich auflehnen muss als die Guten.
Rahel:
[1:23:54] Es gibt über die Romane hinweg natürlich auch noch andere Gruppierungen. Keine davon, würde ich behaupten, ist so wichtig wie die zwei, die wir jetzt hatten. Oder auch so nachhaltig, dass sie immer wieder vorkommen. Deswegen würde ich sagen, machen wir an der Stelle erstmal einen Haken hinter dem Thema und schauen auf ein Thema, was ich persönlich viel spannender finde.
Mháire:
[1:24:13] Genau, vor allen Dingen die anderen Gruppierungen sind in der Regel auch an einen der Orte oder einer der Familien gebunden, die wir schon erwähnt haben. Wie die Border Legion, die gehört zu Thyrsis und zu den Buckhanners, also zu Balinors Familie. Oder die Leute, die auf den Elgris aufpassen, die gehören zum Elgris logischerweise.
Mháire:
[1:24:31] Dementsprechend, wo wir schon beim Elgris sind und dergleichen, lass uns über Magie reden. die eine entscheidende Rolle in Shannara spielt, in Form von Personen und ihren Fähigkeiten und von Artefakten vor allen Dingen und Kreaturen. Wo kommt sie her? Wie funktioniert sie? Was soll das überhaupt?
Rahel:
[1:24:46] Es gibt in Shannara scheinbar eine Balance zwischen Magie und Technologie. Also in den verschiedenen Zeitaltern wechseln die sich immer ab. Es gibt aber auch Epochen, wo beides gleichzeitig existiert und genutzt werden kann. In späteren Büchern haben wir da beispielsweise die Luftschiffe. Die sind sowohl ein technologisches Meisterwerk als auch durch Magie vorangetrieben. Es gibt auch einige Druiden, wie eben Walker Bow in den späten Bänden, die sich auf beide Seiten dieser Balance konzentrieren. Die klassische Frage bei Magieregeln in Fantasywerken ist immer, kostet die Magie etwas?
Mháire:
[1:25:19] Und wen kostet sie was? Beziehungsweise wo ziehen die Leute die Energie dafür her? Ich will hier keine Thermodynamik oder sowas zitieren, aber trotzdem fragt man sich immer, darf man das, ohne dass man dafür irgendwie Gegenleistung braucht? Blutopfer oder persönliche Opfer oder man hat nur einen begrenzten Pool davon. Und in diesem Fall ist es so, dass Energie Lebenskraft zu sein scheint.
Rahel:
[1:25:43] Ich möchte kurz hervorheben, dass bei der Frage, kostet das was, dein erster Gedankengang zu Blutopfern geht.
Mháire:
[1:25:49] Ich mag Dark Fantasy Rahel, verurteile mich nicht.
Rahel:
[1:25:55] Aber ja, Magie entzieht der Umgebung ihre Lebensenergie, weswegen ganze Landstriche veröden. Oder Alannon, als er zu viel Magie nutzt, rapide altert.
Mháire:
[1:26:04] Ja, Magie hat nicht nur diesen Effekt, dass sie offensichtlich entzogen wird aus der Umgebung oder aus Leuten heraus, um ihre Wirkung zu entfalten, sondern dass sie bei Leuten, die nicht dafür gedacht sind, sie zu benutzen, auch einen Nebeneffekt hat, wenn sie starker Magie ausgesetzt sind. Also wir haben ja schon darüber geredet, dass die Menschheit sich aufgespalten hat durch Mutationen aufgrund der Dinge, die im Weltuntergang passiert sind. Aber Magie kann Leute auch verändern, was vielleicht so ein bisschen für mich immer die Frage aufwirft, war Magie vielleicht auch beim Weltuntergang mit dem Spiel?
Rahel:
[1:26:36] Ich würde sagen, das ist schon durchaus möglich, dass das genau eben so ein Punkt war, wo ohnehin Magie und Technologie in einer Abwechslungsphase waren. Aber was du jetzt gerade schon betont hast, wichtiger Punkt, einige Wesen sind inhärent magisch. Dazu zählen auch die Elfen bzw. Die Urelfen aus dem Zeitalter der Feen. Die können Magie gut ab. Menschen können Magie nicht so gut ab. Das heißt, da führt Magie dann zu Mutationen. Und das ist der Grund, warum Brynn und Jarl im dritten Shannara-Band das Zauberlied wirken können. Also ihr Vater, Will Ormsford, hat einfach zu wenig Elfendut gehabt, um gefahrlos magische Gegenstände wie die Elfensteine nutzen zu können. Deswegen sind seine Nachfahren streng genommen ja auch in eine magische Richtung mutiert. Oder so entstehen dann auch die Shadowin, das sind diese Widersacher der Föderation mit ihrem magischen lebenden Turm. Das sind korrumpierte Wesen, die zu viel Magie genutzt haben. Also Magie kann genutzt werden, um Dinge zu wirken, aber bei den Menschen wird sie auch immer einen Effekt haben, der ihre Körper verändert, ihren Geist verändert.
Mháire:
[1:27:37] Ja, und das auch über Generationen hinweg. Das ist ein Punkt, den ich insofern interessant finde, als dass er wirklich reingebacken zu sein scheint in das Denken beim Worldbuilding von Shannara, dass Dinge vererbt werden. Die Fähigkeit, Magie zu wirken. Magie ist eine elitäre Sache. Dafür muss man gemacht sein, damit sie überhaupt funktioniert. Und besonders gut gemacht sein, damit sie gefahrlos funktioniert. Und manche Dinge sind sogar wirklich an eine Blutlinie gebunden im Sinne von, als dass es um die Nachkommenschaft von einzelnen Personen geht, die irgendwie von der Magie erkannt werden. Also da ist sehr viel Verwandtschafts- und Blutverwandtschaftsdenken in europäischem Verwandtschaftsdenken. Nicht um hier jetzt den großen Topf der Anthropologie, der Ethnologie aufzumachen. Aber eben dieses Blut fließt in eine Richtung und es wird wiedererkannt denken, ist ganz, ganz stark hier drin verwurzelt. Und auch dieses, es gibt angeborene Fähigkeiten, von denen musst du gar nicht mal wissen, um sie zu benutzen. Die sind einfach da.
Rahel:
[1:28:34] Wobei das Faszinierende bei diesen angeborenen Fähigkeiten ist, also insbesondere Magie, die nur innerhalb einer Blutslinie funktioniert, das ist, so wie ich das verstehe, keine physische Eigenschaft, sondern eine metaphysisch bis philosophische Eigenschaft. Also diese Elfensteine beispielsweise können nur von Elfen genutzt werden und nur dann, wenn sie geschenkt wurden und nur dann, wenn man an ihre Magie glaubt.
Mháire:
[1:28:56] Ja, das ist schon sehr märchend, das stimmt. Gerade mit dieser dreifachen Bedingung, die erfüllt werden muss.
Rahel:
[1:29:01] Genauso ist es ja auch mit dem Schwert von Shannara. Warum kann nur jemand aus der Shannara-Blutslinie es benutzen? Weil Leute daran glauben, dass es so ist. Dummerweise ist es damit in der Welt auch so. Also dieser metaphysische Glauben hat einen Effekt auf die Welt. Aber es ist jetzt nicht so, als ob irgendwo ein kleiner Fingerabdrucksensor im Schwert von Shannara sitzt.
Mháire:
[1:29:20] Nein, das nicht. Aber es erkennt das. Also die Sache ist, Leute glauben daran, dass das nur so funktioniert. Ja, aber es funktioniert auch, ohne dass die Person sich der Tatsache bewusst sein muss, dass sie dieses Erbe hat per se.
Rahel:
[1:29:32] Genau, weil es so ein Gemeinschaftsglauben ist.
Mháire:
[1:29:35] Ja.
Rahel:
[1:29:36] Also im ersten Band, Shea Omsford hat sehr viele Selbstzweifel, aber es glauben genug andere Leute, dass nur jemand aus der Schanacher Blutslinie das Schwert benutzen kann. Und deswegen ist es dann auch so.
Mháire:
[1:29:46] Ja. Terry Pratchett wird es ein taumisches Feld nennen. Also gemeinsame Überzeugung, die für eine Realitätsverschiebung sorgt, die dann auch absolut gültig ist. Aber das ist tatsächlich insofern ein interessantes Merkmal der Magie, als dass sie nur wirklich funktioniert, wenn man daran glaubt. Was für mich ein bisschen die Frage aufwirft, wie sind die Leute überhaupt dazu gekommen, Magie zu entdecken und zu erforschen? Dank der Elfen im Endeffekt. Ja, ich habe es mir gerade selber beantwortet. Die Druiden haben es von den Elfen gelernt und die kannten es schon. Schön, dass ich eine Erkenntnis für eine meiner Fragen während des Gesprächs habe.
Rahel:
[1:30:18] Ich freue mich, dass ich helfen konnte. Danke. Magie ist weder eindeutig gut noch böse, sondern in Shannara ist es eben so. Magie, genau wie Technologie, kann immer für beide Zwecke genutzt werden. Deswegen sind auch die Konflikte in der magischen Shannara-Welt eigentlich immer noch dieselben wie in der technologischen Vorwelt.
Mháire:
[1:30:36] Und man hat mehr oder weniger dann ja auch die einzelnen Artefakte, die, so seltsam das klingt, neutral sind. Das Schwert von Shannara macht ja für alle Leute das Gleiche, ob sie die Guten oder die Bösen sind oder sonst irgendetwas. Es hat auf jeden Fall den gleichen Effekt, nur wenn du richtig böse bist, ist das ein sehr schlechter Effekt für dich. Also dieses Magie ist einfach, finde ich auch einen schönen Ansatz.
Rahel:
[1:30:57] Genau. Wo wir schon bei den magischen Gegenständen sind, wir haben jetzt mehrfach diese Elfensteine erwähnt. Das ist noch ein Artefakt oder eine Reihe von Artefakten aus dem Zeitalter der Feen. Verschiedene Steine haben verschiedene Eigenschaften. Also im ersten Band erfahren wir beispielsweise von den drei blauen Steinen, die auch immer zusammengenutzt werden und die sind zum Suchen gedacht. Also Shane nutzt sie, ohne wirklich zu wissen, wie sie funktionieren, um einen Ausweg aus einem finsteren Wald zu suchen und zu finden. Es gibt einen schwarzen Elfenstein, der kann Magie absorbieren. Der Lodenstein kann Dinge transportieren. Das ist vermutlich auch das, was es eben der Druidenfestung Paranor ermöglicht, mal da zu sein und mal nicht.
Mháire:
[1:31:37] Im Spiel gibt es die grünen Elfensteine, die sind eigentlich für Heilung gedacht. Also man kann aber die Bedeutung immer so ein bisschen drehen, aber sie haben schon ihre Kernbedeutung. Sagen wir mal so, die blauen Steine werden auch dazu benutzt, Monster verschwinden zu lassen und zu besiegen. Aber das ist ja im Grunde auch ein Ausweg aus einer Situation finden.
Rahel:
[1:31:55] Ja, aber das trifft es schon ganz gut, wie du es beschreibst. Also die Interpretation ist da sehr frei gewählt.
Mháire:
[1:32:02] Über das Schwert von Shannara haben wir ja schon relativ viel geredet. Es kann nur von den Abkömmlingen des Elfengeneralens Jarrell Shannara eingesetzt werden. Und seine eigentliche Fähigkeit ist es, eine absolute Selbsterkenntnis herzustellen, sich der Wahrheit und alle seine eigenen Fehler über sich selbst stellen zu müssen.
Rahel:
[1:32:20] Ich wäre kein Lovecraft-Fan, wenn ich es nicht noch mal erwähnen würde. Das Ildatsch, das böse lebende Buch mit Bewusstsein, das schon ein bisschen an das Necronomicon erinnert. Wobei ich jetzt nicht unbedingt mit Sicherheit sagen könnte, dass Terry Brooks H.P. Lovecraft gelesen hat. Aber Mitte der 70er Jahre ist die Idee von diesem bösen Magiebuch jetzt auch nicht mehr komplett neu oder unbekannt. Das Ildatsch ist ein Zauberbuch aus dem Zeitalter der Feen. Es ist also sehr, sehr alt und wer es liest, wird fast immer korrumpiert. Das heißt, Bruna geht in seiner Bösartigkeit auf das Ildatsch zurück und Adventure ist auch in Wahrheit nicht Bruna, sondern das Ildatsch, der eigentliche Bösewicht.
Mháire:
[1:33:00] Dann haben wir noch den magischen Baum, den Elchris, der Dämonenband unter seinen Wurzeln. Aber wenn seine Blätter beginnen zu fallen, dann, so heißt es, wird mit jedem einzelnen Blatt ein Dämon frei. Dementsprechend muss er immer mal wieder erneuert werden durch ein spezielles Ritual, wofür es dann jeweils eine Elfe braucht. Und dann haben wir auch noch ungewöhnliche Fähigkeiten von Druiden, wobei die wichtigste, für allen Dingen für Plot-Dinge, der Druidenschlaf ist. Die Druiden können quasi in so eine Winterruhe, Winterschlaf, in einen Kryostase verfallen. Da legen sie sich halt einfach an einen sicheren Ort hin, ziehen sich da zurück, zum Beispiel in die Druidenfestung ursprünglich und liegen dann eine ganze Weile da, ohne zu altern, aber auch ohne mit der Welt interagieren zu können. Also wirklich ausgeschaltet. Und das ist einer ihrer Tricks auch, um die Kosten von ihrer Magie abzustottern. Es ist im Grunde eine Ratenzahlung für die Lebensenergie, die ihre Zauberei eigentlich verbraucht. Das heißt aber, dass wenn ein Druide etwas sehr Mächtiges macht, er innerhalb von kurzer Zeit danach sich hinlegen muss und eine Weile aus der Story ausscheidet. Und eine Weile heißt in dem Fall Jahrzehnte.
Rahel:
[1:34:08] Ganz im Ernst, so sieht mein gewöhnlicher Arbeitsalltag aus. Erstmal nappen.
Mháire:
[1:34:13] Ja, ich bin ehrlich mit euch, ich bin immer noch sehr gesundheitlich angeschlagen. Nach diesem Podcast hier mache ich erst mal eine halbe Stunde Druidenschlaf.
Rahel:
[1:34:20] Also ich sage immer, ein guter Tag hat Mittagsschlaf und ein sehr guter hat zwei.
Mháire:
[1:34:25] Kann ich auch nur empfehlen. Es ist leichter, wenn man nicht fest angestellt ist, das gebe ich zu. Aber eine Freundin von mir zum Beispiel arbeitet in einer Firma, die Napping-Pods haben. Und ich verstecke das jetzt hier in diesem Podcast als Botschaft an alle euch da draußen. Das ist eine hervorragende Idee. So, seien wir ehrlich, alle schlafen sowieso zwischendurch an ihrem Arbeitsplatz. Also dann kann man es auch gemütlich machen. Aber Rahel, wie viel Sinn ergibt denn überhaupt dieses Magiesystem?
Rahel:
[1:34:51] Ja, geht so. Also die Magie passt immer irgendwie zum Plot. Deswegen gibt es auch immer wieder neue Gegenstände oder magische Fähigkeiten, wie eben diesen Druidenschlaf. Und die funktionieren so, wie die Handlung es eben gerade braucht. Das heißt, im ersten Shannara-Band ist noch gar nicht so richtig klar, wie beispielsweise diese Elfensteine funktionieren. Sondern Shea Ohmsford nutzt sie eben, wenn er in Not ist. Und dann passieren Dinge, die ihm helfen. Das funktioniert also alles so ein bisschen with the power of plot.
Mháire:
[1:35:19] Ja.
Rahel:
[1:35:20] Und nach und nach bringen die Romane dann mehr Struktur rein. Ich könnte jetzt nicht daraus lesen, ob Terry Brooks immer schon so einen geheimen Masterplan hatte, wie seine Magie funktioniert. Und er hat es uns nur nicht von Anfang an verraten. Weil es ist nicht widersprüchlich, was er beschreibt. Es ist nur eher so, dass er es bewusst sehr lange vage hält und dann eben erst, wenn er es braucht, klar macht, nein, nein, diese Elfensteine machen genau das hier und deswegen hat es in der Situation so und so funktioniert. Wenn ich das jetzt mal beispielsweise mit einer anderen Fantasy-Reihe vergleiche, die ich sehr gerne mag, Rivers of London, da ist Magie etwas, was studiert wird, was erklärt wird, was Regeln hat, was explizit mit den physikalischen Gesetzen verglichen wird. Das ist ein Maßstab, den kann man bei Shannara definitiv nicht ansetzen.
Mháire:
[1:36:03] Nein, es ist kein Hard Magic System. Es ist, wie du sagtest, vom Plot bedingt. Ich würde ganz, ganz stark darauf tippen, dass das nicht von Anfang an so geplant war, sondern dass das ein Fall ist, wo dann später das Worldbuilding klarer werden muss, damit verständlich ist, in welche Richtung es geht. Und dann werden Erklärungen gefunden, die zu dem passen, was schon da ist, aber die andere Sachen dann auch noch möglich machen und mit einem stärkeren Unterbau versehen. Es ist ein klassisches Geschehen, das man in sehr vielen Fantasy-Reihen beobachten kann, teilweise auch Science-Fiction-Reihen und das ich vielleicht selber auch schon angewandt habe. Und das Spannende ist, selbst wenn man mit Droiden redet oder sonst irgendetwas, niemand von denen rückt damit raus, was Magie eigentlich so wirklich ist. Die ist halt da und sie macht Dinge. Aber wir haben nie einen Yoda, der erklärt, dass es ein Energiefeld ist, das zwischen allen lebenden Dingen der Galaxis existiert. Wir haben keine Formeln, kein wo kommt es her. Es ist einfach da.
Rahel:
[1:36:57] Das ist aber wiederum genau das, was es den Romanen möglich macht, das Magiesystem immer zu erweitern, ohne wirklich in offensichtliche Widersprüche zu verfallen. was in meinen Augen eine eindeutige Stärke ist.
Mháire:
[1:37:09] Lass uns über Themen reden. Ich finde, dass Fantasy häufig grundlos vorgeworfen wird, dass es ein Genre ist, das einfach nur zum Entertainment Dinge passieren lässt. Aber es gibt klare, zentrale Themen in Genera, die immer wieder kehren und die Plots und die Welt prägen. Eine von diesen zentralen Säulen, auf der das Ganze ruht, ist eben das Hin und Her, das Gemeinsame oder Gegeneinander von Magie und Technologie. Auch wenn wir nicht wissen, was Magie ist, sie existiert entweder in Ausschluss oder manchmal in Zusammenarbeit mit Technologie. Und damit ist vielleicht auch der Grund gegeben, warum wir es nie erklärt bekommen. Denn Technologie ist spezifisch ja das, was aus Erklärung und aus Logik heraus sich entwickelt und nur entwickeln kann. Und Magie ist dann ein Gegenpol dazu.
Rahel:
[1:37:55] In Shannara, um das jetzt mal stark zu simplifizieren, wird Magie gerne mit der Natur oder mit einer Naturverbundenheit in Verbindung gebracht, wohin die Technologie eben dieses leblose, menschgemachte ist. Was dann aber wiederum auch häufig so für die Grenzenlosigkeit des Menschen genutzt wird als Metapher. Dass eben dieses Zeitalter der Technologie zum Ende kommen musste, weil es irgendwann die menschgemachten großen Kriege gegeben hat. Deswegen finde ich es auch sehr relevant, dass Shannara in unserer Welt spielt, nur eben nach einer großen Apokalypse, weil die Romane uns förmig dazu zwingen, dass wir genau diese Metaphern aus unserer Lebensrealität versuchen herauszulesen. Also ja, wenn du es mit der Technologie und dieser Grenzenlosigkeit übertreibst, also insbesondere mit dieser menschlichen Grenzenlosigkeit, dann besteht irgendwann eben das Risiko von einem kataklysmischen Ereignis.
Mháire:
[1:38:45] Und wenn du es mit Magie übertreibst, auch.
Rahel:
[1:38:47] Genau, weil die beiden müssen sich die Waage halten. Das heißt, es ist jetzt auch nicht so, dass Technologie beispielsweise in Channara verteufelt wird.
Mháire:
[1:38:55] Nein.
Rahel:
[1:38:55] Genau wie Magie auch ist sie weder gut noch böse, sondern es ist eben immer die Frage, wer nutzt es für welche Zwecke.
Mháire:
[1:39:01] Ja, das Gut und Böse ist etwas, was ganz klar an den Figuren festgemacht wird und nicht an den Dingen, die sie nutzen. Technologie kann fürs Gute und fürs Böse eingesetzt werden, genauso Magie in unterschiedliche Richtungen, sondern es geht immer darum, sind die Personen bereit, sich selbst fürs Gute aufzuopfern oder sind sie eigensüchtig und opfern andere für sich. Das ist im Endeffekt der gut-böse Begriff, der da ist. Wir haben die Shays und die Manions und Herdals, die bereit sind, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, teilweise für Dinge, die sie gar nicht verstehen, für Sachen, die größer sind, als sie selber erfassen können, nur weil sie wissen, das ist das Richtige und das ist das, was anderen Leuten hilft und sie beschützt. Und im Gegenzug haben wir eben dann Leute wie Bruna, nochmal Bruna, das Ildatsch, das tut als wäre es Bruna und ähnliche Kreaturen, die andere leiden lassen wollen, ihnen ihre Kraft entziehen wollen, andere kontrollieren wollen, um sich selber zu erhöhen. Also ganz, ganz klassische Moral.
Rahel:
[1:40:02] Wenn man es jetzt in ganz real weltliche Bezüge stellen wollen würde, dann sieht man in Channara eindeutig Themen wie Krieg und Machtmissbrauch, Umweltkatastrophen und Umweltschutz, eben auch wie sich die Welt verändert hat im Zuge von Umweltkatastrophen. Also da kann man schon wirklich auch sehr genaue Bezüge rauslesen in meinen Augen.
Mháire:
[1:40:21] Und ich glaube, das höchste Gut, das hier hervorgehoben wird, ist die Loyalität, der Zusammenhalt. Von Flick zu seinem adoptierten Bruder, von Freunden zueinander, also Minion zu Shay, durchaus auch von Fremden untereinander, die zusammenfinden und eine Gemeinschaft bilden, dass du für jemand anders da bist, diese Form von Loyalität. Oder zum Beispiel zwischen Panamon und Kelzet, die halt ein sehr ungleiches Paar sind, aber füreinander sterben würden, auch wenn Panamon was anderes behaupten würde.
Rahel:
[1:40:52] Das ist wieder eine sehr beliebte Fantasy-Trope, wie du ja auch schon beschrieben hattest, dass die Helden über Generationen hinweg miteinander verbandelt sind. Dass es immer wieder die gleichen Familien sind, nichts ist dem Zufall überlassen. Was aber genauso eine alte Fantasy-Trope ist, das sehen wir selbst schon im Helden-Epos Beowulf. Die Bösen haben keine Familien, auf die sie zurückblicken. Die haben keine Stammbäume, die sind familienlos, herkunftslos. Wir wissen bei Shea Omsford sehr genau, wo kommt der her, auf welche Linie blickt er zurück. Bei Bruna nichts. Bruna ist irgendwann einfach da, macht böse Dinge und dann ist er auch wieder nicht mehr da.
Mháire:
[1:41:26] Ja, der Gegensatz zwischen du bist in die Gemeinschaft, in die Insider integriert und der Outsider, das was von draußen kommt und unbekannt ist, um ganz, ganz Einfaches runterzubrechen.
Rahel:
[1:41:39] Genau.
Mháire:
[1:41:39] Das ist der Dämon, das ist der Geist aus dem Wald, das ist die Hexe, das ist ein Archetyp, der sich weltweit immer wieder findet. Die menschliche Gemeinschaft, die abgegrenzt ist gegen das andere, was draußen ist.
Rahel:
[1:41:50] Ein weiteres zentrales Thema in Shannara ist in meinen Augen dieses Zusammenspiel von Wissen und Glaube. Also, dass Magie nur funktioniert, wenn an sie geglaubt wird. Gleichzeitig aber, was dann häufig mit der Magie gemacht wird? Naja, das Schwert von Shannara bringt Wissen. Also, dass aus diesem Glauben an die Magie vom Schwert von Shannara dann Erkenntnis wächst. Darüber, was bin ich für eine Person, was sind meine Fehler, was sind meine Wahrheiten und so weiter und so fort. oder auch der Druidenrat, der ja mal anfängt mit Wissen ist Macht und dann zu der Hauptinstanz von glaubensbasierter Magie wird.
Mháire:
[1:42:24] Ja, also man könnte sagen, dass im Endeffekt Erkenntnis hier das höchste Gute ist, egal woraus sie entsteht.
Rahel:
[1:42:30] Und sowohl Wissen als auch Glaube kann gefährlich sein.
Mháire:
[1:42:32] Ja, als Waffe eingesetzt werden oder für die Person, die damit umgeht, gefährlich sein, Dinge verändern, ganze Welten verändern und umwälzen.
Mháire:
[1:42:40] Und damit sind wir, glaube ich, am Ende angekommen.
Rahel:
[1:42:45] Das war ein sehr schneller Ritt durch die Welt von Shannara, der nicht annähernd die Welt ausgeschöpft hat. Das heißt, wenn ihr das jetzt spannend fandet, dann würde ich euch ins Herzen legen, lest die Bücher, es gibt mehr als genug davon.
Mháire:
[1:42:58] Ich würde schon sagen, dass es sinnig ist, damit das Schwert von Charnera anzufangen. Es gibt inzwischen Romane, die davor spielen in der Chronologie der Welt. Aber dieser erste Roman ist der Grundstein, auf dem alles andere beruht. Man muss sich ein bisschen daran gewöhnen, dass der sehr lang ist, dass der teilweise auch in Richtungen länger mal sich bewegt, wo man sich fragt, wo geht das vielleicht hin. Und dass die erste Frau mit Sprechtext, der jetzt auf Seite 300 auftaucht, glaube ich.
Rahel:
[1:43:26] Ja.
Mháire:
[1:43:28] Terry Brooks kann sich jetzt nicht davon freisprechen, dass er nicht in einer Zeit gelebt hätte, wo es nicht zum Beispiel schon eine Ursula K. Le Guin gegeben hätte und andere große AutorInnen der Genre-Literatur, die Welten hatten, in denen es mehr als nur Männer gibt. Aber es ist schon ein Boys Club lange Zeit.
Rahel:
[1:43:42] Ja, eindeutig. Was ganz gut ist, um den Überblick über die Welt zu halten, es gibt ein Sachbuch, das unter anderem von Terry Brooks geschrieben wurde, zusammen mit der Autorin Theresa Patterson. Das heißt The World of Shannara und das ist geschrieben wie ein Bericht aus den Druidenarchiven. Das ist aber letztlich eine Chronik der Welt, wo auch nochmal so ein paar Begriffe und Charaktere erklärt werden. Das heißt, das ist so ein gutes Übersichtswerk.
Mháire:
[1:44:07] Ich habe so eine Schwäche für solche Bücher.
Rahel:
[1:44:09] Ich auch.
Mháire:
[1:44:09] Ich habe ganz viele davon in den Regalen Bücher, die so tun, als wären sie In-World-Quellen, um die Welt genauer zu erklären. So von eben Elder Scrolls Büchern, In-World-Büchern bis hin zum Reiseführer durch die Scheibenwelt. Also große Empfehlung für so etwas. Das ist, finde ich, einer der schönsten Wege, sich einer so großen Schöpfung zu nähern. Und wo wir schon bei schön sind oder hübsch, einer der hübschesten Wege, sich der Welt zu nähern, wenn man drankommt, ist das Adventure bis heute. Also wir haben es relativ problemlos in der DOS-Box zum Laufen bekommen mit einer Version, die wir tatsächlich von damals immer noch in unserem Haushalt hatten.
Rahel:
[1:44:45] Zu dem Shannara Adventure gibt es auch eine Stay Forever-Besprechung. Das heißt, auch da kann man sich einen ganz guten Eindruck von diesem Spielerlebnis machen. Und ich würde sagen, Mari, damit haben wir es.
Mháire:
[1:44:55] Ja, vielen Dank. Ich genieße diese Gespräche sehr. Bin gespannt, was wir als nächstes machen. Du bist diejenige, die da immer den Fahrplan aufstellt und manchmal werden Dinge hin und her geschoben, aber ich glaube, das nächste Thema könnte uns beiden extrem liegen.
Rahel:
[1:45:10] Das glaube ich auch und wir werden sehr viel Spaß dabei haben.
Mháire:
[1:45:13] Es könnte fies werden und einsam. Also, viel Spaß euch da draußen beim Erkunden von Welten. Lest, findet Dinge raus, spielt Shannara oder andere Dinge, seid kreativ, macht hin und wieder einen Mittagsschlaf und vielen Dank fürs Zuhören.
Rahel:
[1:45:27] Bis zum nächsten Mal. Ciao.
Mháire:
[1:45:29] Tschüss.
Gunnar, wo ist der Podcast? Hier ist nix zum Anhören. Und auf Steady ist auch nix. Oder ist diese Meldung einfach nur Vorschau???
Auf Steady/Patreon erscheinen Freitags exklusive Folgen für Unterstützende, dazu muss man zu Steady surfen oder den RSS-Feed in eine App eingeklebt haben oder Steady mit Spotify verknüpft haben.
Die offenen Folgen hingegen (SF, SSF, SFT, Musik, DWV etc.) sind für alle zugänglich via Spotify, Pocket Casts, Apple Podcast etc. Findet man in jeder App, indem man nach „Stay Forever“ sucht, kostenlose und werbefrei. Auf der Webseite hier sind sie auch abspielbar, im originalen Post ist ein Player. Link ganz oben in meinem Post.
Tut mir Leid. Als ich den Playbutton in diesem Thread nicht fand, habe ich erst ein Mal einen Schock bekommen! X’D Ich habe vor lauter Aufregung vergessen, dass ich im Forum bin und nicht auf der Homepage… Ich verdumme langsam
Bei mir im Feed wird Shannara (Remake) übrigens als Ersatz für Folge 15 beschrieben, aber Folge 15 ist Planscape Torment! Folge 16 fehlt hingegen, wahrscheinlich war das die original Shannara Folge?
Der Hoster schreibt sinnlos eine eigene Zählung quer über alle Formate mit, die manche Apps anzeigen und manche nicht. Unsere Folgenzählung ist Format-abhängig und steht in Klammern hinter dem Namen der Folge, Planescape ist Folge 11, sieht man auch in deinem Screenshot.
Die Shannara-Remake-Folge ist an Platz 15 einsortiert, da wo sie hingehört.