2001 stürzt sich Microsofts Xbox in den Konsolen-Krieg, ringt Sony und Nintendo mit dem exzellenten Ego-Shooter Halo Respekt und Marktanteile ab. Es beginnt ein neuer Dreikampf, nur dass statt Sega nun Microsoft mitmischt. Halo wird zu einer Megamarke, die 2005 erscheinende Xbox 360 zu einer immens erfolgreichen Konsole. Danach aber verfinstert sich das Xbox-Universum. Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern an mehreren Fronten: Die nachfolgenden Xbox-Konsolen verkaufen sich schlechter. Microsoft verleibt sich ein Spielestudio nach dem anderen ein, schafft es aber nicht, echte Megahits zu produzieren und neue Namen zu etablieren: Sunset Overdrive, Quantum Break, ReCore, Bleeding Edge, Battletoads, Avowed und viele mehr sind nette bis tolle Spiele – aber sie verfangen nicht. Was bleibt 2026 noch, gerade wo der aufgeschüttete Studio-Berg aktuell auseinanderbricht? Alte Marken wie Gears of War, Flight Simulator und Forza Horizon. Die Hoffnung darauf, dass das für 2027 angekündigte Fable was werden könnte. Und Halo

Aliens pflastern seinen Weg: Der Master Chief bei der Arbeit.

Aber auch Halo hat nicht mehr den Glanz von früher: Das einstige Studio Bungie ist längst nicht mehr involviert (und steht aktuell selbst vor riesigen Problemen), spätere Serienteile erhielten gemischte Kritiken. Wie also beschert man gebeutelten Xbox-Fans in diesen schweren Zeiten einen kleinen Wohlfühlmoment? Indem man einfach erneut zum allerersten Halo zurückkehrt. Das ist zum einen Zeugnis des beschriebenen Scheiterns, zum anderen dennoch ein Grund zur Freude für die Fan-Gemeinde, zumal neben Xbox Series S und X sowie PC erstmals auch die PlayStation 5 bedient wird. Doch während das Spiel seine PlayStation-Premiere feiert, wurde es auf Xbox und PC schon mehrfach veröffentlicht: 2001 in seiner Ur-Version und zum zehnten Geburtstag in einer Anniversary-Edition, welche später für die Master Chief Collection (vor allem technisch) abermals überarbeitet wurde. Will man das jetzt nochmal spielen, wo Campaign Evolved auch noch die PvE-Modi fehlen?

Fahren und Feuern mit dem Warthog ist spaßig wie eh und je.

Keine Sorge, es wurde auch einiges hinzugefügt: ein neues Technikgerüst auf Basis der Unreal Engine 5, Koop-Support für bis zu vier Spieler (der Warthog hat dafür sogar einen weiteren Sitzplatz bekommen!), Waffen aus den Sequels und drei ganz neue Missionen. Letztere wagen es nicht, die Struktur des Originalspiels anzutasten, sie sind als optionales Prequel platziert. Aber sie fügen sich gut ein, haben einen gänzlich neuen Flugabschnitt und machen schlicht Spaß – was überhaupt für das gesamte Spiel gilt. Halo ist ein unkaputtbarer Actioner mit gutem Gunplay und prima Pacing, das nun besser ist als je zuvor, da einige Stellen des Originals angepasst wurden. So ist der Besuch in der berüchtigten Bibliothek nun weniger zermürbend.

Der große Brecher wie 2001 ist Halo ein Vierteljahrhundert später aber nicht mehr. Alles wirkt nicht mehr ganz so riesig und bombastisch, auch grafisch ist das Spiel trotz aktueller Engine eher gut als sensationell. Ein starker Shooter bleibt Campaign Evolved allemal, aber nun muss die Spielereihe – ganz wie Microsoft mit dem Xbox-Geschäft an sich – den nächsten Schritt gehen. Von altem Ruhm lebt selbst der mächtige Master Chief nicht ewig.

Halo: Campaign Evolved ist für PC, PlayStation und Xbox erschienen, der Preis liegt bei 60 Euro.

Besondere Attraktion der neuen Missionen ist ein Flugabschnitt.