REVIEW | Virtual Boy für Nintendo Switch
Ein Mann sieht rot. Und schwarz. Und doppelt. Fabian Käufer hat Nintendos kurioses Virtual-Boy-Zubehör für die Switch ausprobiert.
Das hätte sich kaum jemand ausdenken können oder wollen: Als Nintendo im September 2025 das Comeback des Virtual Boy ankündigte, war die Überraschung groß. Ausgerechnet das glückloseste Stück Hardware der Nintendo-Geschichte sollte als Zubehör für Switch und Switch 2 zurückkehren. Nun ist das Ganze in zwei Ausführungen erschienen. Es gibt eine in jeder Hinsicht billige Version aus viel Pappe und wenig Schaumstoff für 20 Euro. Die teurere Ausgabe mit Standfuß besteht aus Plastik, kostet 80 Euro und kommt dem originalen Virtual Boy sehr viel näher. Beide Modelle sind aber leere „Hüllen“, hier wie dort muss man eine Switch oder Switch 2 hinter die Linsen stecken. Die Plastikversion imitiert die diversen Regler und Ports des Originals zwar ganz schön, alles davon ist aber funktionslose Deko. Das ist zumindest im Fall des Lautstärkereglers ungünstig, denn da die Switch im Inneren verschwindet, kann man die Audioausgabe im Betrieb nicht einstellen, wenn man das Virtual-Boy-Gehäuse nicht offen lassen möchte.

Spiele finden sich im Lieferumfang nicht, wie beim Rest des Retro-Katalogs knüpft Nintendo den Zugang an ein kostenpflichtiges Online-Abo. In diesem Fall ist das die teurere Variante mit dem sogenannten Erweiterungspaket, zu dem zum Beispiel auch der GameCube-Katalog gehört. Zum Start gibt es sieben Titel, darunter das Ego-Boxspiel Teleroboxer, den Flipper Galactic Pinball, eine 3D-Version von Tetris namens – richtig geraten – 3D Tetris und mit dem Jump & Run Virtual Boy Wario Land das wohl beste Spiel der Plattform. Wobei das nicht viel bedeutet, denn weltweit sind kaum mehr als 20 Spiele für Nintendos fehlgeschlagenes Hardware-Experiment erschienen. Der Großteil der übrigen Titel soll nachgeliefert werden. Außerdem sind mit dem F-Zero-Ableger Zero Racersund D-Hopper von Intelligent Systems zwei Spiele angekündigt, die damals zwar entwickelt, aber nicht veröffentlicht wurden. Das ist aus spielehistorischer Sicht erfreulich.
Gleichwohl ist davon auszugehen, dass beide Spiele ihr Medium nicht revolutionieren werden: Viele der Virtual Boy-Titel sind kurz, oberflächlich und schwer zu entziffern. Das Spielgeschehen wird oft zum Rätselraten in rot-schwarz. Zumindest bekommt man mit der Switch-Lösung heute nicht mehr die Kopfschmerzen, die damals durch die krude Technik mit niedrig auflösenden Displays und für den 3D-Effekt vibrierenden Spiegeln entstanden. Der Augenabstand lässt sich fein einstellen, mit ein wenig Ausprobieren konnte ich für mich ein Setup ohne Doppelbilder erreichen. An den Rändern bleibt das Bild aber stets unscharf.

Alles in allem ist dieses Zubehör interessant für Menschen, die unbedingt mal jedes Nintendo-System erlebt haben möchten. Virtual-Boy-Konsolen existieren nur in kleiner Stückzahl, die hohen Gebrauchtpreise stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum Spaß, der sich daraus ziehen lässt. Insofern ist das Ganze eine gute Option, Verpasstes nachzuholen. Wenn die Haptik nicht authentisch sein muss, ist bereits die Pappversion für 20 Euro ein sinnvoller Weg. Denn auch die teurere Plastikversion ist eben nur ein Leergehäuse für Technik, die man separat erwerben muss. Und die Software gehört einem auch nicht, sie bleibt permanent an ein laufendes Abo geknüpft. Endet dieses, bleibt ein sinnfreier Staubfänger fürs Regal übrig. Was dann doch wieder der authentischen Erfahrung von 1995 entspricht.