Henner:
[0:17] Hallo liebe Hörerinnen und Hörer und moin Christian.
Chris:
[0:20] Moin Henner, hallo zusammen.
Henner:
[0:22] Christian, wir sprechen jetzt schon so lange über alte Technik, aber wir haben noch nie die wichtigste Frage erörtert, nämlich, welcher ist eigentlich der schönste klassische Computer? Hast du eine Meinung dazu?
Chris:
[0:34] Oh, das ist schon wieder eine sehr schwierige Frage, aber wenn ich jetzt spontan die in meinem Kopf durchgehe, dann würde ich fast sagen, der Amiga.
Henner:
[0:43] Wirklich?
Chris:
[0:44] Ja.
Henner:
[0:45] Oh, okay. Ich meine jetzt auch nicht die Grafik, die er darstellen kann, sondern das Gehäuse.
Chris:
[0:49] Nee, nee, schon klar. Du meinst das Gerät.
Henner:
[0:51] Ja, ja.
Chris:
[0:51] Ja, doch. Ich finde den Amiga in seiner Schnittigkeit und seiner Farbe, finde ich eigentlich ein ganz hübsches Gerät. Ich spreche ja in völliger Unkenntnis. Man weiß ja, dass ich jetzt nie an einem Amiga gesessen bin damals, aber… Gerade vielleicht deswegen himmle ich seine Schönheit, seine entrückte Schönheit von Ferne an.
Henner:
[1:08] Okay, etwas überraschend.
Chris:
[1:10] Also, das klingt jetzt aber schon ein bisschen judgy.
Henner:
[1:14] Ja, also der hat so eine seltsame Keilform. Ich war nie ein großer Fan seines Designs, muss ich sagen. Aber ich bin natürlich auch ein bisschen Atari geprägt. Ich mag den ST ästhetisch etwas lieber. Vor allem den alten, den 520er. Der hat ein sehr schmales Design. Das gefällt mir gut, sehr schlank.
Henner:
[1:28] Ich liebe das Design des Philips VG8010. 8010, das ist so ein MSX-Computer.
Chris:
[1:34] Das hat jetzt überhaupt niemand ein Bild vom Kopf. Das ist jetzt einfach irgendein Exoten so aus dem Beutel gezogen. Sehr gut.
Henner:
[1:41] Könnt ihr euch ja angucken in den Kapitelbildern. Da gibt es ein schönes Bild von dem. Könnt ihr lange bewundern. Das ist wirklich schön.
Henner:
[1:46] Aber es gibt noch einen weiteren Anwärter auf den Titel des schönsten Computers, der besonders hervorsticht unter den ganzen beigefarbenen 8-Bit-Kisten aus den 80ern, weil er nämlich nicht beigefarben ist, sondern schwarz-silbern und weil es kein 8-Bit-Computer ist, sondern ein 16-Bitter und weil er schon in den 70ern rauskam. Und wie wir gerade gehört haben, kann er auch noch sprechen. Und über dieses sagenhafte Gerät sprechen wir heute. Das ist der Texas Instruments Home Computer, der TI 99-4.
Chris:
[2:13] Sehr gut, da hast du ihn schon gut angepriesen. Da wäre Texas Instruments stolz auf dich. Wir werden im Laufe der Geschichte feststellen, dass es darüber hinaus gar nicht so viele Sachen gibt, die für dieses Gerät sprechen. Das ist auch einer dieser Computer, mit mit denen vermutlich viele Leute, die uns hier zuhören, gar keine persönliche Berührung hatten. Nicht unbedingt, weil er nicht erfolgreich gewesen wäre, das war er durchaus, auch das werden wir erzählen, sondern weil er, glaube ich, hier in Deutschland eher ein Exot war.
Henner:
[2:43] Ja, das stimmt. Mein Exemplar stammt auch aus Frankreich. Da schien er etwas populärer gewesen zu sein.
Henner:
[2:49] Ja, aber dann erzählen wir doch mal, wie es dazu kam, dass Texas Instruments überhaupt einen Computer gebaut hat und warum sie das heute nicht mehr tun. Zumindest keine Heimcomputer. Und dafür müssen wir mal zu den Wurzeln dieses Unternehmens zurück. Wir gehen ja immer bei den Technikfolgen ganz zurück in den Anfang und diesmal liegt er im Jahr 1930.
Henner:
[3:10] Da gab es Texas Instruments noch gar nicht, da wurde aber der Vorgänger dieses Unternehmens gegründet. Da haben zwei ehemalige Mitarbeiter eines Ölkonzerns in Texas, natürlich, da ist alles voller Öl und Ölkonzerne, zwei ehemalige Mitarbeiter eines Ölkonzerns haben dort eine Firma gegründet, die Firma Geophysical Service Incorporated, GSI. Die haben natürlich noch keine Computer verkauft, sondern, wie man das so macht, in Texas ein Verfahren zur Erkundung von Erdöl und Gasvorkommen. Das haben sie entwickelt. Das funktionierte mit seismischen Wellen. Da wird also quasi ein kräftiger Schlag auf den Boden erzeugt, zum Beispiel durch eine Explosion. Und die Reflexion, die Wellen, die dadurch entstehen, die werden gemessen. Und so erkennt man dann, was da unter der Erde sich wohl für Schätze verbergen.
Henner:
[3:55] Das ist eine damals sehr revolutionäre, eine sehr erfolgreiche Technik und die bewährt sich später auch noch im Zweiten Weltkrieg bei einem ganz anderen Einsatzzweck, bei der Ortung von feindlichen U-Booten. Und diese Firma GSI, die entwickelt sich natürlich immer weiter und gründet 1946 eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung für elektronische Komponenten. Und die wiederum wird ausgegründet, also zu einem separaten eigenständigen Unternehmen im Jahr 1951. Und das ist die Geburtsstunde von Texas Instruments, kurz TI oder TI, wie auch immer man möchte. Und die heißt natürlich so, weil sie in Texas beheimatet ist, in Dallas. Und in den folgenden Jahren entwickelt sich TI dann etwas weg vom Mutterkonzern und hin zum weltweit führenden Hersteller von Halbleitern. Wie kam das denn dazu?
Chris:
[4:47] Ja, vor allen Dingen wegen zweier Durchbrüche. Der erste passiert nicht bei Texas Instruments, sondern in den Bell Labs in den USA im Jahr 1947. Dort nämlich entsteht der erste Transistor, der erste lauffähige Transistor auf Basis von Germanium. Und 1954 folgt am gleichen Ort, also bei den Bell Labs, dann auch die Weiterentwicklung dieses Transistors zu der Form, die wir dann heute kennen, nämlich der viel flexibler einsetzbare und effizientere Silizium-basierte Transistor. Und Physiker, die dort bei Bell arbeiten, werden dann abgeworben von Texas Instruments. Und ein paar Monate später entsteht dann bei Texas Instruments auch so ein Bauteil. Also die beginnen auch mit diesen Transistoren.
Chris:
[5:30] 1958 kommt dann der zweite Durchbruch und der ist jetzt tatsächlich bei Texas Instruments. Ein Ingenieur namens Jack Kilby, der entwickelt dort nämlich den integrierten Schaltkreis, der alle Schaltkreiskomponenten auf einem einzigen Stück Halbleitermaterial unterbringt. Und das ist die Schlüsseltechnologie der modernen Mikroelektronik. Das sind, wenn ihr euch ein altes Mainboard vorstellt, da sind ja jede Menge so schwarze Riegel drauf, so Plastikriegel mit Metallbeinchen. Und das sind integrierte Schaltkreise. Und die stammen eben von Texas Instruments. Und dank diesen integrierten Schaltkreisen wird jetzt auch der moderne Computer möglich. Das ist vorher eher ein experimentelles Ding. Und jetzt wird es zum marktwähigen Produkt.
Chris:
[6:14] Und das eben auf Basis von Technologie von Texas Instruments.
Henner:
[6:18] Ja, was jetzt ansteht, ist natürlich die Computerrevolution. Erst in den Unternehmen und den Forschungseinrichtungen und dann nach und nach, so ab den 70er Jahren, auch in kleineren Büros. Und zu Hause die Heimcomputerrevolution oder die PC-Revolution steht an. Und da wird Texas Instruments ein Teil davon. Die werden davon profitieren. Aber selbst wenn sie nie eigene Computer entwickelt hätten, dann hätten sie von dieser Revolution profitiert, weil sehr viele Computerhersteller ihre elektronischen Bauteile von Texas Instruments beziehen. Das heißt, wenn man Ende der 70er, Anfang der 80er einen beliebigen Rechner aufgemacht hat, dann sah man auf den Platinen viele von diesen kleinen schwarzen Riegeln und Bauteilen, die du beschrieben hast. Die haben in der Regel ja Modellnummern aufgedruckt und die beginnen damals sehr oft mit dem Buchstabenkürzel SN. Und das ist ein Kürzel, das typisch ist für Texas Instruments. Das heißt, daran erkennt man in der Regel einen Chip, der von TI stammt. Also egal, ob man in einen Apple II reingeguckt hat oder in einen TRS-80 von Tandy oder einen Commodore VC20 etwas später, dann waren auf dem Mainboard so gut wie immer einige von diesen SN-Chips aus dem Hause Texas Instruments. Aber das reicht denen nicht. Die wollen nicht nur Zulieferer sein, sondern sie steigen dann auch selbst in die Entwicklung von Computern ein. Das beginnt in den 50er Jahren schon bei der Mutterfirma bei GSI.
Chris:
[7:43] Die entwickeln nämlich bereits hochspezialisierte Rechner für ihre eigenen Einsatzzwecke, nämlich für die Verarbeitung von seismischen Daten, aber auch tatsächlich nur für den Inhouse-Gebrauch bei GSI. Das ist also jetzt nichts, was kommerziell vermarktet würde. Das ändert sich dann 1970 bei eben der ausgekoppelten Tochterfirma bei Texas Instruments, denn die stellen jetzt ihren ersten eigenen Minicomputer vor. Der hat die Modellnummer TI 960. Wir sind da ja in der Ära der Großrechner, der Mainframes. Das sind diese raumfüllenden Computer und ein Minicomputer ist davon schon abgegrenzt ein Computer, der jetzt nicht mehr den ganzen Raum füllt, sondern nur noch so groß ist wie ein Schrank. Ja, das geht damals schon als Mini durch. Und dieser TI 960, der ist auch speziell entwickelt und gedacht für die Erfassung von Messwerten und die Steuerung von zum Beispiel Industrieanlagen. Also der kann nicht beliebige Daten verarbeiten, der basiert auch noch nicht auf einem Mikroprozessor, das ist zu der Zeit noch gar nicht erfunden, aber dennoch, es ist ein Computer.
Chris:
[8:42] Warum geht TI überhaupt jetzt Anfang der 70er in diesen Bereich rein? Naja, Computer sind da jetzt schon ein etablierter Markt. Diese von mir gerade schon erwähnten Großcomputer, die für den Einsatz in Firmen oder Organisationen oder in Universitäten gedacht sind, die sind da schon ein Massenprodukt. Das erfolgreichste Modell damals ist IBMs System 360. Das hat zu dem Zeitpunkt schon 30.000 Stück verkauft. Und einer der bekannten Konkurrenten von IBM ist ja die Firma DEC damals, die mit den PDP-Rechnern, deren Topmodell zu dem Zeitpunkt ist der PDP 10, der hat auch schon mehr als 1000 Stück verkauft. Das ist also kein Nischenmarkt mehr, in den Texas Instruments da den C reinsteckt, sondern das ist schon Big Business, natürlich noch nicht für Heimanwender, sondern eben für Firmen und Organisationen. Auch dieser TI 960, den sie da auf den Markt bringen, der kostet bei seiner Markteinführung 14.500 Dollar. Heute inflationsbereinigt wären das ungefähr 125.000 Dollar. Also das ist nichts, was du dir zu Hause in den Keller stellst. Aber es ist der erste Schritt auf diesen 960. Folgen dann in den frühen 70er Jahren auch weitere Modelle 980, 990. Da geht dann einfach die Nummerierung so weiter. Aber das ist jetzt noch kein Angriff auf die Großen da im Markt. Also auf solche Firmen wie DEC oder HP oder Data General. Und.
Chris:
[9:55] Texas Instruments bleibt da ein Nischenanbieter, spezialisiert eben auf diese industriellen und wissenschaftlichen Anwendungen, jetzt nicht auf den breiten Einsatz, weil das Hauptgeschäft ist ohnehin nicht der Endkundenmarkt. Die Firma ist nach wie vor primär ein Lieferant von Bauteilen und Komponenten für andere Firmen, also Speicherchips, Transistoren, Logikbausteine. Aber das wird nicht mehr lang dauern, bis Texas Instruments dann tatsächlich auch in Richtung des Endkundenmarkts sich bewegt.
Henner:
[10:25] Das passiert zu Beginn der 70er Jahre. Du hast ja gerade den 990 genannt, den Texas Instruments Minicomputer TI 990. Der wird noch wichtig. Wir sprechen ja eigentlich nicht über Minicomputer heute, aber auf dieses Modell
Henner:
[10:38] 990 kommen wir nochmal zurück. Aber diese integrierten Schaltkreise, die sind ja nicht nur für solche Minicomputer oder Großrechner zu gebrauchen, sondern auch durch ihre Kompaktheit und dadurch, dass man sie sehr günstig herstellen kann, auch für wesentlich kleinere Produkte und damit auch, wie du es schon gesagt hast, vielleicht sogar für Endanwenderprodukte. Und so etwas entsteht jetzt auch bei Texas Instruments, nämlich der Miterfinder der integrierten Schaltkreise, Jack Kilby, der entwickelt 1967 im Labor bei Texas Instruments den Prototyp eines Produkts, das darauf basiert, eine kleine Rechenmaschine. Eine sehr kompakte Rechenmaschine namens Caltech. Und das ist nicht weniger als der erste Taschenrechner. Sieht auch ein bisschen anders aus als heutige Taschenrechner. Hat nämlich kein LC-Display, nicht mal ein LED-Display. Der hat überhaupt kein Display, der hat keine Anzeige.
Chris:
[11:30] Braucht man doch nicht.
Henner:
[11:31] Nö, braucht der tatsächlich nicht, denn der ergibt seine Ergebnisse einfach über einen kleinen integrierten Drucker aus.
Chris:
[11:38] Schön, wie so eine Kasse, eine Registrierkasse.
Henner:
[11:40] Ja, genau, so stelle ich mir das vor. Habe ich leider nicht in meiner Sammlung, aber ein hübsches kleines Gerät und das wird aber gar nicht vermarktet. Also das ist noch nicht der Einstieg in den Massenmarkt, den wir angekündigt haben, denn nach wie vor traut sich Texas Instruments da nicht so richtig rein, hier auch Endkunden anzusprechen. Das verlangt ja auch nach einem anderen Vertriebsnetz, nach Marketing und so weiter. Aber andere Hersteller erkennen das Potenzial, das in dieser Technik steckt, in diesem Caltech-Prototyp. Und andere Hersteller wie Canon zum Beispiel entwickeln jetzt auf der Basis von Texas Instruments auf dieser Erfindung des Taschenrechners eigene Geräte, die sie auf den Markt bringen. Und das erste Modell, das auf den Endkundenmarkt kommt mit Technik von TI, ist der Canon Pocketronic von 1970. Der ist ein großer Erfolg. Da drängen natürlich viele andere Hersteller auch auf diesen Markt der Taschenrechner.
Henner:
[12:32] Und 1972 will TI sich dieses Geschäft nicht mehr entgehen lassen und bringt dann auch ein eigenes Modell auf den Markt. Also will nicht nur Bauteillieferant sein, nicht mehr weiter. Und dieses erste eigene Texas Instruments Taschenrechner Modell ist der TI 2500 Data Math.
Henner:
[12:51] Der kommt zwar ein bisschen später als die Konkurrenz, aber seine Bedeutung ist kaum zu überschätzen, denn das ist jetzt endlich der Einstieg von TI in den Endkunden-Massenmarkt. Und es ist auch ein großer Kassenschlager, ein großer Erfolg für das Unternehmen. Innerhalb des ersten Jahres verkaufen die schon ungefähr drei Millionen Stück, und im Jahr darauf werden es mitsamt der diversen Nachfolgemodelle, die dann in schneller Folge auf den Markt kommen, schon mehr als zehn Millionen Stück sein.
Henner:
[13:19] Wie machen sie das jetzt? Die haben einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, denn Canon und Co. Müssen ja ihre Bauteile bei TI einkaufen oder auch bald bei anderen Herstellern von diesen Elektronik-Komponenten. Texas Instruments muss das nicht. Die haben ja schließlich ihre Fertigung und ihre Entwicklung im Haus. Die sind also, so sagt man, vertikal integriert. Von ganz unten bis ganz oben liefern sie alle Teile selbst, die sie brauchen, um einen Taschenrechner auf den Markt zu bringen. Und damit sind sie unschlagbar günstig. Das heißt, die können einfach die Preise der anderen unterbieten. Und so werden nach und nach verschiedene Mitbewerber aus dem Markt gedrängt. Zum Beispiel ein Name, den wir schon mal gehört haben hier, das eine oder andere Markt, Commodore. Die sind ja auch damals recht groß im Taschenrechnergeschäft. Die werden aber aus eben diesem Markt rausgedrängt von Texas Instruments. Das werden die übrigens nicht vergessen. Darauf kommen wir nochmal zu sprechen. Und andere wie ein Taschenrechner-Pionier namens BOMAR Industries, die kennt man heute gar nicht mehr, die werden sogar komplett durch dieses Geschäftsgebaren von TI in den Bankrott getrieben. TI hingegen profitiert stark von diesem Taschenrechner-Boom und im Jahr 72 überschreiten sie erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Dollar. Aber noch viel wichtiger als der Data Math selber ist das, was da drin steckt in diesem Gerät. Was ist denn da drin?
Chris:
[14:43] Ja, da ist ein Mikrochip drin. Tatsächlich auch nur dieser eine, der hat die Bezeichnung TMS0100. Und der enthält nicht nur den 4-Bit-Rechenkern, sondern da sind auch alle anderen Bestandteile integriert. ROM, RAM, Eingabe-Ausgabe-Funktion. Das ist ein kompletter Taschenrechner in einem einzigen Chip. Man könnte jetzt sagen, ist das nicht schon ein Mikroprozessor? Aber nee, das ist das noch nicht, sondern das ist ein sogenannter Mikrocontroller. Der Unterschied ist, ein Mikroprozessor muss wirklich frei programmierbar sein, also unabhängig von dem, was die Entwickler des Chips vorgesehen haben. Und bei einem Microcontroller ist die Aufgabe festgelegt. In diesem Fall kann dieser TMS 0100 halt einfach nur die Funktionen dieses Taschenrechners. Der erste Mikroprozessor, der diesen Namen verdient, ist der Intel 4004 von 1971, der ebenfalls noch ein 4-Bit-Rechner ist.
Henner:
[15:36] Zumindest ist das der erste, der frei erhältlich ist auf dem Markt. Wer nun wirklich den ersten Mikroprozessor erfunden hat, das ist so ein bisschen umstritten. Seit einigen Jahrzehnten streiten da die Historiker, da gibt es verschiedene Ansichten. Aber dieses Intel-Modell 4004, das ist das Erste, das frei separat erhältlich war.
Chris:
[15:52] Also der TMS 0100 ist es noch nicht, auf jeden Fall, da können wir gar nicht sicher sein, aber auch die nachfolgenden Modelle sind es noch nicht. 1974 kommt dann der TMS 1000, das ist auch immer noch ein Mikrocontroller, der ist schon deutlich flexibler, aber eben noch nicht flexibel genug, um als Prozessor durchzugehen und vor allen Dingen wird der überwiegend erneut in Taschenrechnern eingesetzt, zum Beispiel auch in dem Modell SR10, das ist der weltweit erste wissenschaftliche Taschenrechner.
Chris:
[16:20] Der ist aber auch für andere Geräte geeignet und andere Hersteller bringen den durchaus auch in Anwendungsfälle. Parker zum Beispiel, dieser Spielzeughersteller, der amerikanische, der bringt 1978 einen Spielehandheld namens Merlin auf den Markt. Das basiert auf LED-Lampen und da ist eben dieser TMS 1000 von TI drin als Rechenkern. Damit lässt sich sowas wie Tic-Tac-Toe spielen zum Beispiel. Und MB, natürlich auch ein bekannter Spielzeughersteller, die haben im gleichen Jahr einen riesigen Hit mit dem Gedächtnisspiel Simon, das kennt man hierzulande als Senso und auch da drin steckt dieser Chip von Texas Instruments oder Coleco, noch so ein Spielzeughersteller, die haben eine Reihe namens Quizwiz und da steckt er drin auch in Kassensystemen, in Mikrowellen, in Waschmaschinen, also in allen möglichen Dingen. Denn für Texas Instruments ist das dementsprechend wieder ein Verkaufsschlager, dieser Chip. Und das ist natürlich eigentlich die ideale Konstellation. Das ist ein Chip, den sie in großer Menge herstellen. Damit natürlich mit den entsprechenden Skaleneffekten, die du hast bei so einer Massenherstellung. Und du verwendest ihn sowohl in deinen eigenen Produkten als auch da draußen im freien Markt.
Henner:
[17:28] Ja, und jetzt setzen sie ihn auch ein in einem eigenen Produkt, das große Wellen schlägt. 1978, da bringen sie nämlich ein Spielzeug auf den Markt. Ein elektronisches Lernspielzeug namens Speak & Spell. Und das nutzt eine revolutionäre Methode der Sprachsynthese. Das heißt, das kann beliebige Buchstaben und sogar ganze Wörter ausgeben, die man eintippt. Und das ist ein sehr großer Erfolg. Dieses Speak & Spell, das gibt es in zahllosen Varianten viele, viele Jahre lang bis ins Jahr 1992. Wurde vor kurzem übrigens, also im Jahr 2019, nochmal wiederbelebt. Gibt es also heute wieder. Und ja, das ist, wie gesagt, ein großer Erfolg, insbesondere auf dem US-amerikanischen Markt. So groß, dass ein US-Magazin damals namens On Computing dieses Spielzeug im Dezember 79 bezeichnet hat als eines der besten Beispiele dafür, was die Mikrocomputerindustrie zu leisten vermag.
Chris:
[18:24] Starke Worte.
Henner:
[18:25] Ja, in der Tat. Nun, also TI hat mit seinen Mikrocontrollern und den Produkten, die darauf basieren, großen Erfolg. Aber das sind ja, wie wir es beschrieben haben, nach wie vor Mikrocontroller. Es sind keine komplett frei programmierbaren, beliebig einsetzbaren Mikroprozessoren und bei denen drohen jetzt andere Hersteller zu enteilen. Das ist natürlich Intel, die haben ja 1971 den 4004 rausgebracht, aber dabei bleibt es nicht. 1972 kommt bei Intel schon der 8008, das ist wenig überraschend ein 8-Bit-Prozessor. Dann kommt der 8080, dann der 8085 und später kommt dann der 8086, von dem habt ihr vielleicht schon mal gehört, denn dessen Derivate stecken ja dann in den IBM-PCs. Aber so weit sind wir noch nicht. Erstmal sind wir hier noch in der 8-Bit-Ära und da kommen noch diverse Nachahmer auf den Markt. 1975 kommt der MOS Technology 6502, der steckt unter anderem später im C64. 1976 der C-Log Z80, beide extrem erfolgreich und die stecken in jedem zweiten Gerät der frühen 80er Jahre. Also die Konkurrenz droht hier wirklich Texas Instruments zu enteilen mit ihren richtigen 8-Bit-Mikroprozessoren und TI muss langsam mal handeln. Was tun sie jetzt?
Chris:
[19:44] Die machen jetzt was wirklich Überraschendes aus meiner Perspektive. Die sagen sich jetzt nämlich hier in diesem Jahr 1976, wisst ihr was, diese ganzen 8-Bit-CPUs, da steigen wir gar nicht erst ein in diesen Markt. Wir überspringen den einfach. Wir sind gleich Next-Gen. Wenn wir einen Mikroprozessor bauen, dann wird es direkt ein 16-Bit-Chip. Und das ist einigermaßen erstaunlich, denn zu dem Zeitpunkt, 76, da hat die Ära der 8-Bit-Heimcomputer ja noch nicht mal begonnen. Also diese ganzen frühen Erfolgsmodelle, die diesen Markt überhaupt erst aufschließen, der Apple II, der TRS-80, der Commodore PET, die kommen ja erst 1977 auf den Markt. Und ganz zu schweigen von den Atari-8-Bit-Computern oder vom C64, das sind dann ja die Boom-Heimcomputer der 80er, alles 8-Bit-Computer.
Chris:
[20:32] Und jetzt ist das 1976 vielleicht noch gar nicht abzusehen, welche Größe und Entwicklung der Heimcomputermarkt da nimmt.
Chris:
[20:39] Und vor allen Dingen kommt diese Idee, gleich auf 16-Bit zu gehen, jetzt auch nicht von ungefähr, das ist jetzt nicht vom Himmel gefallen oder das ist nicht Hybris von Texas Instruments, sondern das ist einigermaßen pragmatisch. Das kommt sozusagen aus dem Bestand, weil wir erinnern uns, Texas Instruments fertigt ja nun seit einigen Jahren auch Minicomputer. Und das aktuellste Modell von Texas Instruments zu der Zeit ist der schon erwähnte TI 990. Und das ist ein 16-Bit-Computer. Der ist jetzt inzwischen nicht mehr so groß wie ein Schrank, sondern nur noch so groß wie eine Kommode oder so ein größerer Nachttisch. Und in dem steckt auch noch kein Mikroprozessor, sondern dessen Rechenkern ist aus integrierten Schaltkreisen aufgebaut, die auf zwei Platinen verteilt sind, also quasi zwei große Mainboards.
Chris:
[21:22] Und was die TI-Ingenieure jetzt machen, ist, die nehmen die Architektur dieses Minicomputers, dieses TI-990 und integrieren die auf einen einzigen Chip. Der nennt sich TMS-9900. Und dass da alles, was vorher auf diesen zwei Platinen war, als einzelne Bauteile, jetzt in einem einzelnen Chip steckt, das ist für das Jahr 1976 eine bemerkenswerte architektonische Leistung. Ist nicht ganz die erste ihrer Art, aber trotzdem ein ganz bedeutsamer Schritt. Und ja, weil der TI 990 ein 16-Bit-Rechner ist, ist natürlich auch dieser Mikroprozessor, der TMS 9900, ein 16-Bit-Mikroprozessor.
Henner:
[22:02] Nicht unbedingt einer, der für Heimcomputer gedacht wäre.
Henner:
[22:05] Ob er trotzdem vielleicht in einem Heimcomputer landen wird, das erfahren wir noch im Laufe dieser Geschichte.
Henner:
[22:11] Der Vollständigkeit halber sei aber nochmal gesagt, dass TI diese 8-Bit-Generation nicht vollständig auslässt. Sie bauen durchaus auch einige 8-Bit-Prozessoren. Die allermeisten davon sind aber etwas spezialisiertere Modelle. Das sind OEM-Produkte für bestimmte andere Hersteller und keine Chips für den freien Markt. Und sie bauen auch einen Klon des Intel 8080, aber der ist eben auch keine Eigenentwicklung. Also einen richtigen, eigenentwickelten, vollwertigen Gegner für so einen Prozessor wie den Z80 haben sie nicht im Sortiment. Aber sie haben jetzt ihren 16-Bit-Prozessor, den 9900er und mit dem planen sie Großes. Das Ziel ist eine gemeinsame Hardwarebasis innerhalb des gesamten Produktportfolios bei TI zu schaffen. Sie wollen überall die Software oder zumindest mit leichten Anpassungen die Software, die Betriebssysteme der großen TI 990 Minicomputer nutzen können. Egal, ob das ein kleines Heimelektronikgerät ist oder ein Minicomputer oder was Großes, eine militärische Verteidigungsanlage. Alle sollen in großen Teilen zumindest die gleiche Software nutzen können. Und das funktioniert natürlich nur, wenn sie alle auch die gleiche Architektur verwenden, den gleichen Befehlssatz, den gleichen Prozessor. Und das ist das große Ziel dieses 9900ers, diese große Vereinheitlichung. Aber daraus wird nicht so richtig was. Das ist kein großer Wurf, dieser Prozessor.
Henner:
[23:38] Einige entscheidende Hardware-Elemente des Minicomputers, des TI 990, werden nicht implementiert, werden nicht in dem Prozessor übernommen und es fehlen ihm auch einige Instruktionen. Das heißt, der kann gar nicht eins zu eins dieselbe Software nutzen wie das große Vorbild.
Henner:
[23:54] Aber er hat noch einige weitere Probleme leider. Sein Design, seine Chip-Architektur hat ein paar Schwächen. Und jetzt, Christian, jetzt müssen wir mal ein bisschen ins Detail gehen, denn diese Schwächen, die begleiten uns noch für den Rest dieser ganzen Geschichte. Die prägen vielleicht sogar den Computer, über den wir sprechen wollen. Fangen wir an beim Adressraum. Es ist eine 16-Bit-CPU. Das ist beeindruckend für die Ära, in der er entsteht. Aber leider ist auch sein Adressbus für Speicherzugriffe nur 16-Bit breit. Und damit kann er maximal 2 hoch 16 Bytes, sprich 64 Kilobyte Speicher adressieren. Also mit maximal 64 Kilobyte Speicher umgehen, egal ob das Arbeitsspeicher ist oder ROM-Chips. Mehr Speicheradressen hat er einfach nicht. Das ist nicht zukunftssicher. Eine Intel 8088, der hat einen 20-Bit-Adressbus. Das reicht für ein Megabyte. Damit kommt man gut durch die 80er Jahre. Mit einem 9900er nicht. Und das ist nicht das einzige Problem, denn seine ganze interne Speicherarchitektur ist sehr, sehr eigenwillig, denn im Gegensatz zu seinen Konkurrenten damals, egal ob die von Intel stammen oder von MOS Technology oder von Psylocke, hat der einen großen Nachteil dieser 9.900, er hat keine internen Hardware-Register. Und das müssen wir jetzt einmal erklären. Was ist das überhaupt? Was bedeutet das, wenn man keine Register hat?
Chris:
[25:17] Das ist im Endeffekt das Kurzzeitgedächtnis des Prozessors. So ein Prozessor arbeitet ja zumindest zu dieser Zeit einfach noch linear die Dinge ab, die in ihn reingeschoben werden. Und die Arbeitsschritte sind teilweise in mehrere Teilschritte unterteilt. Da fallen Zwischenergebnisse an. Da muss sich so ein Prozessor Operanten, Adressen merken. Das heißt, der braucht eine Art integrierten Zwischensprecher, wo man mal kurz was ablegen kann, was dann in einem der nächsten Taktzyklen wieder gebraucht wird, um da direkt weiterzuarbeiten. Und weil das so wichtig ist, ist das auch in anderen CPUs dieser Zeit fest drin. Also in dem MOS Technologies 6502, der im C64 steigt, oder im 8088 im IBM PC, da sind diese Hardware-Register auf dem Chip im Silizium implementiert. Der 8088 zum Beispiel hat acht frei nutzbare 16-Bit-Register und dazu noch ein paar Spezialregister für eben diese ganzen Zwischenablagen. Und das heißt, der Prozessor kann innerhalb von wenigen Taktzieklen da immer zugreifen auf das, was in den Registern liegt, das da reinschreiben, rauslesen und das beschleunigt die Operationen enorm. Denn die Alternative wäre, und das sehen wir jetzt eben beim TMS 9900.
Chris:
[26:26] Der muss auch irgendwo zwischenspeichern, diese Sachen. Das geht bei dem auch nicht ohne. Aber die einzige Möglichkeit, die er hat, ist dann halt den Hauptspeicher des Rechners zu benutzen, also das RAM. Und das ist im Vergleich dazu lahm. Das ins RAM auszulagern, dort dann wieder abzufragen, das dauert einfach viel länger für die CPU. Dieses Prinzip dieses integrierten Speichers, das hat schon auch einen Nachteil, der zeigt sich vor allem dann, wenn ein sogenannter Kontextwechsel stattfindet, also wenn die CPU, von einem Ausführungszustand auf einen anderen umschalten muss. Das kann zum Beispiel sein, dass zwischen Programmen gewechselt wird oder dass innerhalb des selben Programms zwischen zwei sehr verschiedenen Operationen gewechselt wird. Wenn zum Beispiel eingehende Signale vom Controller kommen, sogenannte Interrupts. Und Interrupts heißen ja auch so, weil sie das unterbrechen, was die CPU eigentlich gerade tut und stattdessen etwas anderes von ihr anfordern. Und solche Kontextwechsel sind relativ aufwendig. Die CPU muss dann die betroffenen Registerinhalte erstmal im RAM sichern, muss neue Inhalte laden und dann die vorherigen Registerinhalte wiederherstellen, wenn es an der Zeit ist, an denen weiterzuarbeiten. So ein Kontextwechsel kostet also Zeit.
Henner:
[27:36] So arbeitet also der Prozessor z.B. im C64 oder im IBM PC. Der 9900, der geht jetzt einen anderen Weg. Der hat eben kaum interne Hardware-Register, keine Arbeitsregister. Der hat auch welche, drei Hardware-Register, aber nur für Spezialaufgaben, nicht für die Operatoren, nicht zum Arbeiten. Und einer von diesen Hardware-Registern ist der sogenannte Workspace-Pointer. Der ist wichtig.
Henner:
[28:01] Für die Rechenarbeit, also für das, woran der Prozessor gerade arbeitet, sind diese Register eben nicht gedacht. Die eigentlichen 16 Arbeitsregister mit den Programmdaten, die sind ausgelagert in den Arbeitsspeicher und die liegen in einem eigenen Block im Arbeitsspeicher, dem sogenannten Workspace, also dem Arbeitsraum. Und der Workspace-Pointer innerhalb der CPU, der verweist einfach nur auf diesen Workspace im Arbeitsspeicher. Und davon kann er gleich mehrere parallel verarbeiten. Das heißt, der Vorteil ist, wenn jetzt so ein Kontextwechsel kommt, also plötzlich eine neue Aufgabe für die CPU, dann muss dieser Workspace-Pointer nur auf einen anderen Speicherbereich verweisen, also ein anderes Register-Set auswählen. Je nachdem, was durch die Software gerade verlangt wird, kann er also ganz schnell zwischen verschiedenen Aufgaben umschalten. Und dieses zeitraubende Sichern der Registerinhalte und Wiederherstellen in den Hardware-Registern, das entfällt hier. Das erlaubt also sehr schnelle Kontextwechsel beim Umschalten zwischen einzelnen Programmen oder Operationen. Das ist eine Struktur, die kommt von seiner Herkunft. Die begründet sich darin, dass dieser TMS 9900 ja vom TI 990 abstammt.
Henner:
[29:09] Und bei einem Minicomputer ist sowas von Vorteil, denn solche Minicomputer, die arbeiten sehr oft parallel an vielen Tasks gleichzeitig. Also zum Beispiel, wenn sie bei der Steuerung von Fabrikanlagen eingesetzt werden, wenn da ganz viele verschiedene einzelne Terminals angeschlossen sind, wenn da ganz viele Messgeräte, Industrieanlagen, Controller angeschlossen sind, die alle gleichzeitig was vom Computer wollen, die ständig Interrupt-Befehle senden und die eigentliche Arbeit unterbrechen und erstmal ihre eigenen Signale loswerden wollen. Also einen Kontextwechsel auslösen. Dann ist es sehr hilfreich, wenn man sehr schnell umschalten kann zwischen diesen einzelnen Aufgaben. Dafür ist der Minicomputer gebaut, darauf ist er optimiert und das erbt jetzt dieser 9900. Nur so ein typischer PC oder Mikrocomputer, ein Heimcomputer. Hat völlig andere Aufgaben. Da wird nämlich in der Regel nicht ständig zwischen solchen Prozessen umgeschaltet, wie bei einem Minicomputer in der Fabrik, sondern der arbeitet in der Regel an einem einzelnen Programm. Zum Beispiel mit dem Basic-Editor oder in einem Spiel oder in der Textverarbeitung. Der braucht keinen ständigen Kontextwechsel.
Henner:
[30:19] Das heißt, wenn man diesen 9900er jetzt in einem typischen PC oder einem Heimcomputer einsetzen würde, und vielleicht tut das ja noch jemand, dann wäre jede einzelne Arbeitsoperation, also die eigentliche Registeroperation, so langsam wie ein RAM-Zugriff, weil er eben jedes Mal darauf auf den langsamen Arbeitsspeicher zugreifen muss. Und falls sich jemand fragt, ja gibt es da nicht noch diese schnellen Zwischenspeicher auf der CPU, dieses Cache? Ja, heute gibt es die, damals gab es die leider noch nicht. Da gab es da nur die Unterscheidung zwischen den schnellen internen Registern und dem ziemlich langsamen Arbeitsspeicher.
Henner:
[30:55] Ja und das ist ein Problem. Das hat mir auch jemand bestätigt, der das wissen muss, nämlich jemand, der sehr viel an dem 9900ern programmiert hat. Paul Urbanus, das ist ein Spieleentwickler, der für den TI-994 unter anderem eines der besten Spiele überhaupt entwickelt hat, nämlich Parsec, dazu kommen wir später noch. Und der hat mir in einem Interview das bestätigt, dass das eine Plage war, mit diesem Prozessor zu arbeiten.
Henner:
[31:22] Der sagte, Zitat, die Anzahl der Taktzyklen für einfache Operationen war exzessiv. Also der war einfach extrem ineffizient, dieser Prozessor, bei den einfachsten Aufgaben. Damit war er schon völlig überfordert. Da hilft ihm also seine fortschrittliche 16-Bit-Architektur überhaupt nichts, weil er dieses langsame Workspace-Pointer-System hat. Und das kann noch jemand bestätigen, den ich auch interviewen konnte für diese Folge. Karl Guterck, zu dem kommen wir später auch nochmal genauer. Der hat damals bei TI an Prozessoren gearbeitet. Seine genauere Rolle beleuchten wir nachher nochmal. Und der hat über diese Workspace-Pointer Folgendes gesagt.
Karl Guttag:
[32:03] Much slower than everybody else for the same money. In some ways, I think the Workspace Pointer was almost a ticking time bomb that was eventually going to blow it up no matter what you did.
Henner:
[32:13] Ja, er nennt hier also diese Architektur, der ausgelagerten Register, also dieses Workspace-Pointer-System, eine tickende Zeitbombe. Also etwas, das anfangs wie eine gute Lösung erschien, als der Prozessor entwickelt wurde, sich dann später aber als Pferdefuß rausgestellt hat. Ja, das kann man sich gut vorstellen, dass das problematisch ist. Das war alles sehr abstrakt, Christian, was wir erzählt haben. Ich will das nochmal mit einem kleinen Gleichnis vielleicht etwas besser illustrieren. Stell dir vor, du sollst Matheaufgaben berechnen. Aber du hast kein Kurzzeitgedächtnis, wirklich überhaupt keins. Wenn ich dir eine Aufgabe gebe wie 99 mal 4, dann kannst du dir nicht mal die erste 9 merken oder die 4 gar nichts, du musst dir alles einzeln aufschreiben. Und das kostet natürlich Zeit, vor allem wenn du sehr langsam schreibst, in schönen Schrift. Und genauso arbeitet der TMS 9900 ohne Register. Der kann nichts im Kopf rechnen, der muss alles aufschreiben und schriftlich lösen und dann gibt er dir ein Ergebnis raus.
Chris:
[33:11] Ich fühle mich gerade sehr ertappt bei deinem Mathebeispiel. Woher wusstest du, dass ich genauso rechne? Bis auf die schönen Schrift, das stimmt nicht.
Henner:
[33:20] Du rechnest was schriftlich? Echt? Also ich hätte jetzt gedacht, dass du einfach den Windows-Taschenrechner benutzt für sowas.
Chris:
[33:26] Ja, wenn ich nicht am Computer bin, dann muss ich ja irgendwie. Kann ja nicht im Kopf rechnen, wie wir gerade festgestellt haben.
Henner:
[33:32] Ja, genau. Wenn du zehn Aufgaben gleichzeitig lösen müsstest, nicht nur eine wie 99 mal 4, sondern zehn solcher Aufgaben.
Chris:
[33:40] Dann würde ich mich auf den Boden legen und zu weinen anfangen, Henner. Und so stelle ich mir vor, dass das der TMS 9900 auch macht.
Henner:
[33:46] Nee, muss er gerade nicht, denn der hat ja Zettel und Stift. Und da ist es ein Vorteil. Also wenn er zehn Aufgaben gleichzeitig lösen muss, dann ist es ein Riesenvorteil, dass er das alles aufschreiben kann. Dann kann er das alles nacheinander sauber notieren und abarbeiten. Da würde jetzt nämlich der C64 anfangen zu weinen. Der kann das nicht. Der ist nur gut im Kopfrechnen einer einzelnen Aufgabe, denn der hat Register und der TMS 9900 nicht.
Chris:
[34:12] Also das klingt jetzt alles so, als sei das hier irgendwie ein großer Fauxpas von den Entwicklern bei Texas Instruments gewesen. Aber man muss da im Hinterkopf behalten, dass, wie du das vorhin schon gesagt hast, dieser TMS, 9900 gar nicht für den Anwendungsfall Heimcomputer gedacht war, sondern der kommt ja zum Beispiel auch intern bei Texas Instruments wieder in Minicomputern zum Einsatz. Und zwar auch wieder in anderen Modellvarianten, zum Beispiel von dem TI 990. Dann gibt es dann also welche mit diesen Platinen und integrierten Schaltkreisen, und es gibt welche mit diesem Mikroprozessor. Nun hat aber Texas Instruments wie vorher auch schon bei seinen Chip-Entwicklungen auch natürlich den Plan, okay, das bringen wir jetzt auf den freien Markt. Also wir bieten diesen 16-Bit-Prozessor auch anderen Leuten an, die damit vielleicht irgendwas machen wollen. Zum Beispiel IBM. Die planen ja ihren Einstieg in den Heimcomputermarkt, den IBM-PC und überlegen zu dem Zeitpunkt, was für ein Chip soll denn da rein. Also ein bisschen später, aber die überlegen, welcher Chip soll denn da rein und denen bietet Texas Instruments dann eben auch diesen TMS 9900 an. Der setzt sich aber letztendlich nicht durch. Wir wissen ja alle, da gewinnt dann Intels 8088, auch deswegen, weil er flexibler und vor allen Dingen viel günstiger ist. Nicht perfekt, aber eben billiger und vor allen Dingen kann ein ganzes Megabyte Arbeitsspeicher adressieren, was eben der TMS 9900 nicht kann, wie wir gerade schon gehört haben. Und dementsprechend stellt sich jetzt für Texas Instruments raus.
Chris:
[35:34] Der hat gar nicht den großen Erfolg im Markt, den wir uns vielleicht versprochen hatten. Niemand möchte den haben, diesen Chip. Und ja, deswegen müssen Sie jetzt dann überlegen, was machen wir denn stattdessen damit.
Henner:
[35:48] Ja, nun kommen wir langsam mal zur Entwicklungsgeschichte des Computers, über den wir ja eigentlich sprechen wollen. Wir reden ja in dieser Episode nicht nur über den Prozessor, sondern eigentlich über den TI-994, also den Heimcomputer von Texas Instruments. Und in der Retrospektive ist jetzt oft zu lesen, Texas Instruments habe diesen Heimcomputer nur deshalb entwickelt, um irgendwo den 9900er Prozessor einsetzen zu können. Damit er was zu tun hat, damit er nicht völlig sinnlos im Regal rumliegt.
Chris:
[36:17] Die hatten da vielleicht noch eine Million Stück in der Fabrik irgendwo in der Ecke liegen, in so einem großen Haufen, stelle ich mir das vor.
Henner:
[36:22] Ja, so stelle ich mir das auch vor. So wird das gewesen sein. Die müssen halt irgendwo hin, macht halt irgendwas damit. So war das aber nicht. Also die Entstehungsgeschichte dieses Heimcomputers ist viel verworrener und da werden vorher noch diverse andere Prozessoren erwogen, bis dann schließlich der 9900er darin landet. Beim Entwirren dieser Geschichte hilft uns, wie gesagt, der Gesprächspartner Karl Gutterk, mit dem ich darüber lange sprechen konnte, der damals an mehreren Mikrochips bei Texas Instruments gearbeitet hat.
Henner:
[36:50] Diese ganze Geschichte, die Entwicklung des Heimcomputers bei TI, die beginnt im Jahr 76. Da kommt ja der Chip erstmal raus und gleichzeitig entsteht auch der Markt für Mikrocomputer. Der Apple I kommt raus, das heißt so langsam setzt sich die Erkenntnis durch, ja ganz kleine Computer noch kleiner als Minicomputer, die schrankgroß sind, könnten vielleicht eine Zukunft haben. Und so beginnen in diesem Jahr auch bei TI und bei vielen anderen Unternehmen die Entwicklung oder die Überlegungen, ob man nicht vielleicht einen eigenen Mikrocomputer auf den Markt bringen sollte. Also woher dieser Gedanke kommt, welche Abteilung, welches Management-Mitglied diesen Gedanken hatte, diese Entscheidung gefällt hat, in den Mikrocomputermarkt zu gehen, das ist nicht mehr ganz zweifelsfrei festzustellen. Karl Gutterck konnte mir das auch nicht beantworten. Der kam etwas später erst zum Unternehmen und da lief das Projekt schon. Aber wahrscheinlich liegt dieser Gedanke 76 wohl einfach in der Luft.
Henner:
[37:46] Und so beginnen damals innerhalb des Unternehmens mehrere Teams gleich, unabhängig voneinander, mit der Entwicklung von solchen PCs. Also persönlichen kleinen Computern. Das ist nicht ungewöhnlich bei diesem Unternehmen, sondern es ist ganz typisch damals für die Unternehmensstruktur. Die ist nämlich sehr divisional. Also da gibt es sehr viele verschiedene Unternehmensabteilungen, die autark arbeiten.
Henner:
[38:11] Nicht unbedingt an einem Strang ziehen, sondern auch miteinander wetteifern. Das ist ganz charakteristisch, das sagen alle Quellen, alle die damals dort gearbeitet haben, bestätigen das. Das ist nicht immer zum Vorteil, aber es hat natürlich auch Vorteile, wenn man innerhalb des Unternehmens ein bisschen Wettbewerb schüren kann. Dann setzt sich mit etwas Glück am Ende das beste Produkt, das beste Projekt durch. Und so entstehen eben auch mehrere Computerprojekte gleichzeitig. Es gibt etwas abweichende Aussagen darüber, welche Projekte das eigentlich sind und wie viele, aber alle Quellen sind sich zumindest darüber einig, dass da ein etwas teureres Gerät entsteht, ein hochpreisiger Profi-PC mit einer Festplatte immerhin schon.
Henner:
[38:53] Der wird manchmal als TI-997 bezeichnet, hat aber auch andere Namen, die kursieren. Aber unterhalb dieses Profi-PCs mit Festplatte, was da noch für Computerprojekte entstehen bei TI, da gehen die Aussagen ein bisschen auseinander. Ich fand einen Artikel von Walden Reins, der war damals Leiter der Abteilung für Heimelektronik. Und der hat später zu Protokoll gegeben, dass damals eine Gruppe an einer Videospielekonsole gearbeitet haben soll für den Preiseinstieg. Also ein Konkurrenzsystem zu der Atari VCS oder 2600-Konsole, die ja erst 1977 auf den Markt kommt. Und eine zweite Gruppe hat damals ihm zufolge an einem Mittelklasse-Heimcomputer gearbeitet, also einem Konkurrenten zum kommenden TRS-80 und Apple II. Also ein Top-Produkt, ein Profi-PC, eine Videospielekonsole und ein Mittelklasse-Heimcomputer. Aber es gibt andere Quellen, die dem widersprechen. Da gibt es einen Artikel aus der Zeitschrift Texas Monthly von 1984 und die blicken zurück auf diese Anfangszeit.
Henner:
[40:00] Auf diese frühe Heimcomputer-Entwicklungsphase bei TI und die stellen das ein bisschen anders dar. Die sprechen auch von diesem Profi-PC, aber die erwähnen keine Konsole, sondern die erwähnen darunter einen Einsteiger-Heimcomputer, der auch spieletauglich sein soll und einen mittelpreisigen Spezialrechner für wissenschaftliche Zwecke. Das ist alles ein bisschen verwirrend, zumal da noch ein weiteres Projekt hinzukommt. Der Reins erzählt nämlich auch, dass in Europa bei Texas Instruments in der europäischen Abteilung ein weiteres Computerprojekt in der Arbeit ist, nämlich ein Gerät auf der Basis von dem Intel 8080 Klon, ein Computer mit dem Codenamen Mojo. Aber das könnt ihr alles wieder vergessen. Denn am Ende überlebt nur eines von all diesen Projekten. Es kommt keine Konsole, es kommt kein Profi-PC mit Festplatte, zumindest noch nicht. Mojo wird es auch nicht. Es ist am Ende nur noch ein Heimcomputer-Projekt übrig.
Chris:
[40:57] Und der Rest wird abgesäbelt. Zum Beispiel dieser Profi-PC, von dem du gerade gesprochen hast, dieses Team wird in die Minicomputer-Abteilung eingegliedert. Und die sehen darin eine Bedrohung ihres Minicomputer-Kerlengeschäfts und stellen das Projekt dann umgehend ein, sehr kurzsichtig. Auch aus diesem europäischen Mojo wird nix und die verbleibenden zwei Arbeitsgruppen für diese günstigeren Systeme, die arbeiten beide in der Heimelektronikabteilung, das ist die, die für die Taschenrechner und Digitaluhren zuständig ist und sowas, die haben also mit Computern keinerlei Erfahrung.
Chris:
[41:27] Und nun kommt es im Jahr 1977 dazu, dass diese Abteilung verlegt wird. Die ist bisher in der Metropole Dallas in Texas und die wandert rüber in eine texanische Kleinstadt namens Lubbock. Das ist eher beschaulich dort und der einzige Grund, warum das umzieht, ist, dass der Abteilungsleiter, ein Mann namens Fred Busey, dort lebt in der Nähe von Lubbock. Muss seine ganze Abteilung da halt mit hinziehen. Das ist eine ausgesprochen schlechte Entscheidung. Also wir werden schon noch sehen, dass im Laufe dieser ganzen TI-994-Geschichte einige schlechte Entscheidungen getroffen werden und das ist eine davon, weil um so einen Computer, um solche fortschrittlichen Elektronikprojekte zu entwickeln, brauchst du talentierte Ingenieure und die, wachsen natürlich auch nicht auf den Bäumen, auch damals nicht. Und Lubbock ist also laut Karl Götteck eine Stadt am Ende der Welt. Qualifizierte Uni-Absolventen wollen da nicht hin, die wollen in Silicon Valley oder von mir aus nach Dallas. Aber von Dallas aus musst du stundenlang nach Labbock fahren. Also auch pendeln ist da keine Option. Und Guttag hat dir gegenüber einen damals kursierenden Scherz nacherzählt, nämlich dass T.I.’s Heimcomputer von der Art Person entworfen worden sein, die bereit ist, in Labbock zu leben.
Chris:
[42:37] Sagt nichts Gutes über die Leute in Labbock. Aber das ist dann letztendlich der Ort, in dem die beiden verbleibenden Heimcomputer-Projekte schließlich zusammengeführt werden zu einem einzigen Projekt. Dimension 4 genannt und diese 4 findet sich dann auch wieder in dem Marktnamen, unter dem das Projekt ja dann auf den Markt kommt, nämlich TI-99-4.
Chris:
[42:59] Wir sagen immer TI-99-4, ist auch einfacher zu sprechen, aber da ist ja offiziell ein Schrägstrich noch drin.
Chris:
[43:05] TI sieht jetzt als Ziel für diese Entwicklung, nicht den professionellen Einsatz im Büro vor, für das ja zum Beispiel der Apple II gedacht ist, sondern möchte die Privathaushalte ansprechen und deswegen also ein kompaktes, günstiges und leicht zu bedienendes Gerät machen. Also ähnlich wie Ataris parallel entwickelte 8-Bit-Geräte, wird dann auch dieser TI-99-4 eine Art Mischung aus Computer und Spielkonsole, hat also eine Tastatur und hat Laufwerksanschlüsse, aber kommt auch mit einem, Fernsehanschluss und mit Steckmodulen.
Chris:
[43:45] Aber auch wenn das jetzt alles schon klar ist, was so die Zielgruppe sein soll und wie das Gerät aussehen soll, eine nicht ganz unwichtige Frage ist zu dem Zeitpunkt immer noch offen, nämlich, was für ein Prozessor soll da rein?
Henner:
[43:58] Ja, also es gibt viele Parallelen zu den Atari-Heimcomputern, die du gerade ja erwähnt hast. Aber diese Frage nach der CPU, die wird völlig unterschiedlich beantwortet. Bei Atari steht diese Entscheidung für den Prozessor, also den 6502, ganz am Anfang. Der restliche Computer entsteht dann auf dieser Basis, rund um diesen Prozessor herum. Und hier bei Texas Instruments ist das völlig anders, da ist das ganz offen und es gibt ganz viele verschiedene Meinungen darüber, welcher Prozessor hier zum Einsatz kommen sollte. Und dazu hören wir nochmal Karl Gutterck selbst.
Karl Guttag:
[44:27] People think that from the get-go, the home computer was going to use the 900. That’s not true. Originally, they were going to get their own CPU, they thought. The home computer group thought they’d get their own CPU. But when that was quashed, they were forced to use what was going to be the 9985. TI had worked on a chip called the 9940, and the 9940 was going to be a microcomputer. But it was a disaster of a design. In my opinion, very poorly designed. Es hatte eine 8-Bit-Bus, aber es war eine 16-Bit-Maschine, die nicht zu viel zu sein war, aber es war nicht transistisch effizient, sondern die Performance. Es war schrecklich.
Henner:
[45:07] Ja, wie er es erwähnt hat, das Entwicklerteam von diesem Heimcomputer, also das verbliebene Team, das wünscht sich eigentlich eine eigene CPU-Entwicklung. Also die meinen, die CPU-Abteilung, wir haben doch hier eine CPU-Architektur-Abteilung im Unternehmen, die sollen doch bitte schön einen eigenen Heimcomputer-Chip nur für sie entwickeln. Der perfekt auf diesen Einsatzzweck abgestimmt ist.
Henner:
[45:28] Es gibt auch einige Stimmen, die sagen, sie sollten einfach den Ciloc Z80 einkaufen. Aber das kommt gar nicht gut an beim Management, denn das ordnet 1977 angefälligst etwas Eigenes zu verwenden. Keinen fremd eingekauften Prozessor. Interessanter Unterschied zu IBM. Die setzen ja in der Regel auch auf Eigenentwicklungen, aber beim IBM PC entscheiden sie sich dann doch ganz untypisch für einen Intel Prozessor, also ein eingekauftes Bauteil. Und das ist ja dann ja auch die richtige Entscheidung. Aber bei TI ist man leider nicht so offen und das Management ordnet also an, gefälligst, also im Jahr 1977, als die Entwicklung des Heimcomputers gerade so, richtig losgeht, ordnet sie an, einen eigenen Chip zu verwenden, der gerade in Arbeit ist in einer anderen Abteilung. Eine 16-Bit-CPU namens TMS9985. Von dem haben wir jetzt noch nichts gehört, Christian, aber das ist kein ganz Unbekannter. Dieser 9985, der basiert auf einem anderen, dem 9940 und der wiederum ist eine Variante des 9900, also des 9900, den wir schon vorgestellt haben.
Henner:
[46:40] Das ist ja ganz im Sinne der TI-Strategie, die wir beschrieben haben, nämlich eine Architektur für alle Geräte zu verwenden. Und dieser 9985, der hier entsteht, der soll, hochintegriert sein, also der enthält nicht nur die 16-Bit-Recheneinheit aus dem 9900, sondern der enthält auch noch das RAM und ROM und Input-Output-Funktionen, alles in einem Chip-Gehäuse. Das hätte am Ende dann ein sehr kompaktes und sehr günstiges Gerät möglich gemacht, wie man es ja auch braucht für einen Heimcomputer. Aber dieser 9985, der hat so ein paar Probleme. Und das ist untertrieben. Guttek hat immer wieder in unserem Gespräch erwähnt, wie grauenhaft und fehlgeleitet und problematisch diese Chip-Architektur ist. Götteck hat nämlich 1978, kurz nachdem er im Unternehmen angefangen hat, gleich einen Auftrag erhalten. Der sollte sich nämlich dieses Design einmal näher ansehen, dieses 9985. Also der Prozessor, der wird und wird nicht fertig, der hat verschiedene Probleme und er soll das retten. Er soll die Fehler beseitigen. Aber er kommt zu dem Schluss, dass hier einfach nichts mehr zu retten ist. Er meint schon das grundlegende Design, also dieses 9940er Design, das ist völlig ineffizient, voller Hardware-Bugs. Götzeck nennt es unter anderem schrecklich ein Desaster, hat er gesagt.
Chris:
[48:00] Brutter.
Henner:
[48:00] Also das ist ein hartes Urteil, aber so wird aus diesem Plan nichts. Das ganze Projekt 9940 bzw. 9985, also die Heimcomputer-Variante des 9900-Prozessors, wird eingestampft. Das kommt niemals raus, es wird nicht fertig.
Henner:
[48:20] Ja, und jetzt brauchen sie eine Lösung. Das Heimcomputerprojekt soll ja vorangehen und die Geschäftsführung entschließt sich jetzt, einen anderen Prozessor einzusetzen im Frühjahr 79. Was nehmen sie jetzt also?
Chris:
[48:32] Ja, sie nehmen das, was da noch in der Ecke rumliegt auf diesem großen Haufen. Sie nehmen den 9900er und entscheiden jetzt also vom Thron herab, bitte baut diesen Chip in euren Heimcomputer ein. Das ist, Henner, der nächste große Fehler. Das muss man leider so sagen. Denn für einen Heimcomputer ist der Chip ja eigentlich gar nicht gedacht. Das hatten wir vorher schon beschrieben. Der ist eigentlich zu teuer. Wir sind in der 8-Bit-Ära. Du brauchst da nicht unbedingt einen 16-Bit-Chip. Er ist auch zu groß. Der geplante und dann nicht umgesetzte 9985, der hätte ein kompaktes 40-Pin-Design verwendet. Also 40 von diesen Metallbeinchen, die da rauskommen. Leitungen, die nach außen führen. Genau wie auch der Z80, der 6502 und halt die ganzen anderen populären 8-Bit-Prozessoren. Das erlaubt dann auch ein entsprechend einfaches und günstiges Mainboard-Design. Der TMS 9900 dagegen ist ein Chip mit 64 Pins, mit 64 Beinchen. Prozessoren sind ja damals noch meistens noch nicht quadratisch, sondern sind diese länglichen Riegel. Und ein Riegel mit 64 Pins ist logischerweise länger als einer mit 40. Der TMS 9900 ist auch noch ein bisschen breiter. Der ist insgesamt ein ganz ordentlicher Klopper im Vergleich zu seinen 8-Bit-Kollegen. Der ist auch nicht schwarz, der kommt in einem weißen Keramikgehäuse. Das sieht schon edel aus, aber das ist wie gesagt alles komplizierter und somit auch teurer als bei der Konkurrenz. Und das ist nur das erste der Probleme.
Henner:
[49:53] Ja, das ist eines von vielen Problemen. Dieser 9900er, das ist ja diese futuristische 16-Bit-Maschine, und als solche hat er auch einen 16-Bit-Bus, also die Datenleitung, die Autobahn nach außen, über die die Daten vom Prozessor an andere Bauteile des Rechners geschickt werden. Zum Beispiel auch an den Hauptspeicher, also das RAM. Das Problem ist nur… Der ganze Rest des Heimcomputers, also das TI-994, ist ausgelegt als 8-Bit-System, um preisgünstig und konkurrenzfähig zu sein. Und dieser eigentlich geplante 9985-Prozessor, der hätte intern auch mit 16-Bit gerechnet, aber extern mit allen anderen Bauteilen kommuniziert über einen 8-Bit-Bus. Das heißt, das Mainboard, die ganze restliche Architektur, alles ist auf diesen 8-Bit-Bus abgestimmt. Den hat der 9900er aber gar nicht. Deshalb muss man jetzt ein zusätzliches Bauteil aufs Mainboard setzen, einen Multiplexer-Chip, der jetzt die breiten 16-Bit-Pakete des Prozessors in Häppchen aufteilt, nämlich in jeweils zwei 8-Bit-Häppchen, damit die restliche Peripherie mit diesem Prozessor überhaupt kommunizieren kann. Das klingt nicht sehr effizient.
Henner:
[51:00] Aber es kommen noch weitere Probleme hinzu. Der 9985, wie gesagt, der gescheiterte, nie veröffentlichte Prozessor, der hätte eigentlich 256-Byte-Arbeitsspeicher direkt ins Chip-Gehäuse integriert haben sollen. Die hat der 9900 nicht. Das heißt, die muss man jetzt auch nochmal extra aufs Mainboard setzen und extern anbinden. Der 9900 ist also nicht nur zu groß, eigentlich und zu komplex für den Einsatz in diesem Heimcomputer, er ist an einigen Stellen auch unvollständig. Er verlangt zusätzliche Hilfsbausteine, die mit auf die Platine gequetscht werden müssen. Irgendwo las sich die hübsche Formulierung, der Rechner wurde gefrankensteint. Das Ergebnis ist ein völlig unausgewogenes und ineffizientes System und ein viel zu teures noch dazu, denn dieser 9.900 und die zusätzliche Hardware, die kosten natürlich auch noch viel Geld. Und zu den hohen Kosten trägt noch ein weiteres Problem bei. Denn die einzelnen Divisionen, wir haben es ja schon beschrieben, innerhalb des Unternehmens, die arbeiten weitgehend autark. Und jede von diesen Divisionen hat einen eigenen Chef und jeder von denen möchte auch für seine Abteilung bitteschön eigene Gewinne erzielen, möglichst mehr als die anderen. Das heißt, die konkurrieren alle miteinander. Das Heimcomputer-Team muss deswegen jetzt auch die CPU in der konkurrierenden Halbleitersparte kaufen. Die machen da keine Freundschaftspreise. Die wollen Gewinn erzielen mit ihren Prozessoren.
Chris:
[52:22] Ich dachte, die kriegen das zum Herstellungspreis. Oder vielleicht sogar noch ein bisschen Rabatt darüber geschoben. Nee, gar nicht.
Henner:
[52:28] Nee, die sind froh, dass sie einen sicheren Abnehmer haben für ihre Prozessoren, die sonst keiner haben will. Und da nehmen sie aber auch ordentlich Geld dafür. Es gibt einige Quellen, die behaupten, dass die Heimcomputersparte pro Prozessor 20 Dollar abtreten müsse an die Halbleitersparte. Und ein handelsüblicher 8-Bit-Prozessor auf dem freien Markt wie der Z80, der hätte nur etwa die Hälfte gekostet. Andere Quellen sagen sogar nur 8 Dollar. Also das wäre deutlich günstiger gewesen, aber jetzt sind sie eben darauf angewiesen, diesen super teuren Prozessor intern zu kaufen. Außerdem wurde der 9900er ja im freien Markt nicht angenommen, also den kauft ja sonst kaum jemand, das heißt die Stückzahlen sind auch sehr gering, das heißt TI hat wahrscheinlich auch keine Skaleneffekte in der Herstellung und das dürfte sich zusätzlich negativ auf den Preis auswirken.
Henner:
[53:17] Aber dieser 9900er ist ja nicht der einzige Chip auf dem Board. Ein Heimcomputer braucht ja noch ein bisschen mehr, zum Beispiel einen Videochip, der dafür zuständig ist, Farbsignale an einen Fernseher auszugeben. Und dieser Videochip, der ist zum Glück ein bisschen besser gelogen als der Prozessor.
Chris:
[53:34] Ja und damit sind wir wieder bei Karl Götteck, denn bevor der an diesem glücklosen Prozessor 9985 arbeitet, hat er, als er wie gesagt gerade direkt von der Universität gekommen, im Sommer 1977 erst mal eine andere Aufgabe bei Texas Instruments. Der arbeitet da nämlich am TMS 9918. Und das war ein Videochip mit einem klaren Fokus. Er hat dir erzählt, dieser Chip sollte sich ganz klar auf Videospiele fokussieren. Das heißt, er beherrscht den Umgang mit schnell und unabhängig vom Prozessor bewegten Bildobjekten. Und für die gibt es damals noch gar keinen Namen. Deswegen prägt ein Kollege von GUTTEC, nämlich David Ackley, einen Begriff für diese Art von Projekte, Sprites.
Henner:
[54:16] Ach, guck mal an.
Chris:
[54:17] Das geht also auf Texas Instruments zurück, dieser Begriff. Das Prinzip dieser Objekte, das stammt vom Videochip des Atari VCS, das 2600. Aber da heißen die ja noch anders. Da heißen die Ball und Player und Missile. Da haben die eben noch die Begriffe, die aus Pong kommen. Und hier kommt jetzt dieser generische Begriff der Sprites. Die Umsetzung dieser Sprites ist im 9918, also in diesem Texas Instruments Chip, auch mächtiger und flexibler als bei der Atari-Konkurrenz. Überdies ist das auch der erste Videochip, der direkt auf einen DRAM-Interface zugreift. Dass Texas Instruments auch an einem Heimcomputerprojekt arbeitet, das weiß Karl Gattek noch gar nicht, als er an diesem Videochip arbeitet. Der Gedanke ist da, dass dieser Chip eigentlich in Spielkonsolen zum Einsatz kommen soll, und zwar nicht in eigenen, sondern mal wieder in denen von anderen Herstellern. Das ist also ein OEM-Produkt. Das kleine Team, zu dem auch der spätere Cyrix-Mitgründer Cherry Rogers gehört, ist auch schon nach einem halben Jahr fertig und für ihr Werk gibt es auch direkt den ersten Interessenten.
Henner:
[55:16] Ja, einer dieser Interessenten ist ein großer Name in der Branche, denn Mattel, der große Spielzeughersteller, der arbeitet 78 gerade an seiner eigenen Spielkonsole an der Intellivision, die ja das Atari VCS technisch ein bisschen übertreffen wird. Und die haben eigentlich schon einen Grafikchip im Auge, ein Modell von einer anderen Firma namens General Instrument, aber dieser Grafikchip, der verspätet sich und so überlegt Mattel kurzfristig zumindest mal zu wechseln zu einem anderen Videochip, zu diesem 9918 von Texas Instruments. Sie entscheiden sich dann am Ende dagegen und doch wieder für das ursprünglich ausgewählte Modell, aber warum, da gibt es unterschiedliche Angaben. Also es gibt einige Quellen, die sagen, Mattel habe sich aus technischen Gründen schließlich doch dagegen entschieden, diesen TI-Chip zu verwenden. Aber Karl Gutterck hat mir gesagt, dass das Geschäft stattdessen blockiert wurde von der Unternehmensführung von TI. Und das kann er gerade nochmal selber sagen.
Karl Guttag:
[56:12] Es war anti-Synergy. Aber basically, ich sagte, die wie es worked bei TI ist, Sie hitten mich mit einem Baseball-Bat, dann habe ich Sie mit einem Baseball-Bat. Und so, was passiert ist, die Home Computer Group ist für uns zu benutzen, die 9985. 9985 ist ein Verzweck. Sie sind, switch to the 9900, then that causes the home computer to be delayed because getting that all worked out and whatnot. Because the home computer gets delayed, they tell us we’re not allowed to sell to the game companies because if we do that, then if there’s allocation, they won’t get enough chips. So they forced us off the market. It was a real bad problem of the way that things work. Basically, all the groups ended up using whatever political pull they had within the company to work against each other. It’s a real problem with a company trying to be end equipment and do components. It’s really hard to do both.
Henner:
[57:04] Also laut Karl Gutek ist es so, dass Mattel durchaus Interesse gehabt haben soll, diesen Chip zu verwenden, aber das Management von Texas Instruments hat da interveniert und gesagt, nein, ihr dürft den Prozessor, diesen Grafikchip nicht an Mattel verkaufen, weil wir die nämlich alle selbst brauchen. Wir wollen die alle selbst einsetzen, alle, die wir produzieren können, in einem ganz anderen Projekt, nicht in einer Konsole, sondern in einem Heimcomputer. Und deshalb wird, so sagt Guterck mir das, dieser Mattel-Deal blockiert. Der 9918 geht nicht in den Verkauf, obwohl er genau dafür ja eigentlich entwickelt wurde. Und das, obwohl er längst fertig ist und bereit wäre für den Markt, während der Heimcomputer, für den er nun reserviert wird, noch anderthalb Jahre braucht. Die verschiedenen Abteilungen bei TI, die arbeiten also nicht symbiotisch zusammen, sondern sie behindern sich gegenseitig, was Guterck als Antisynergie bezeichnet.
Chris:
[57:57] Also das klingt alles einigermaßen dysfunktional.
Henner:
[58:00] Ja.
Chris:
[58:01] Und wir haben ja hier schon die eine oder andere schlechte Entscheidung des Managements mitbekommen. Das setzt sich fort. Der Heimcomputer hier hat jetzt also seinen Prozessor gefunden, der hat seinen Grafikchip gefunden. Trotzdem kommt das Gerät nur schleppend voran. Eigentlich soll es im Jahr 1978 auf den Markt kommen, aber daraus wird nichts, auch wegen diesem problematischen CPU-Wechsel. Aber das ist auch nicht das einzige Problem. Ein anderes ist eine US-Behörde, nämlich die FCC. Das ist die Behörde, die für die Regulierung des Rundfunks zuständig ist und auch die Einhaltung technischer Normen überwacht. Und diese Normen, die die FCC da aufstellt, die sind zu streng für TIs neuen Heimcomputer. Nicht nur für TI. Fernseher haben ja in den 70er Jahren in der Regel nur einen einzigen Signaleingang, den Hochfrequenzanschluss für die Hausantenne, kurz HF.
Chris:
[58:49] Und die Konsolen und Computer dieser Ära, die wandeln dann ihr digitales Bild und Tonsignal über einen HF-Modellator in ein Antennensignal um und damit kann man dann einen Fernseher anschließen. Das ist eine ganz pragmatische Lösung. Aber bei der Einführung der ersten Spielkonsolen in den 70ern, da führt das zu Problemen, weil die Geräte strahlen so starke Signale ab, dass das Interferenzen mit anderen Geräten erzeugt. Teilweise nicht mal nur im eigenen Haus, sondern sogar in benachbarten Häusern. So stark ist diese Störquelle. Und darauf reagiert eben diese Behörde, die FCC, im Jahr 1972 und stellt neue Normen auf für Geräte mit TV-Anschluss. Und die sind außerordentlich streng. Da gelten sehr niedrige Grenzwerte, die da einzuhalten sind.
Chris:
[59:28] Für die Computerhersteller ist das zu streng. Wir haben ja schon beschrieben, im Jahr 1977 geht das los mit den Heimcomputern. Viele davon werden noch an den Fernseher angeschlossen. Und die strahlen noch stärker als Spielkonsolen oder Videorekorder. Und dementsprechend müssen diese Computer noch besser abgeschirmt werden. Das wiederum braucht Materialaufwand, das braucht Entwicklungsaufwand, das verursacht Kosten. Und selbst dann ist nicht sicher, dass das überhaupt gelingt. So streng sind diese Normen. Und da geht jetzt jeder Hersteller auf eigene Weise um mit dem Problem. Apple zum Beispiel macht das ganz clever, die lagern den TV-Modellator einfach in ein separates Gerät aus und produzieren ihn gar nicht selbst, sondern der kommt von einem Dritthersteller und damit hat sich Apple aus der Verantwortung gezogen und muss sich auch um diese Norm nicht scheren. Commodore dagegen, die lösen das beim PET so, dass sie einen eigenen Monitor direkt ins Gehäuse einbauen und damit also gar keinen TV-Ausgang brauchen und auf den auch verzichten.
Chris:
[1:00:22] Und wie macht das jetzt Texas Instruments? Na, die versuchen es mit Lobbyarbeit. Die sind ja ein Koloss, die sind ja ein Milliardenunternehmen, die können kaum gehen vor Kraft. Und dann sind sie ja auch noch ein wichtiger Militärlieferant und genießen durchaus Einfluss in Washington, haben also das Ohr von dem einen oder anderen Senator und deswegen versuchen sie dann den US-Kongress dazu zu bringen, dass er diese Normen abschwächt. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, das zu lösen.
Chris:
[1:00:46] Das ist natürlich jetzt nicht unbedingt die schnellste Möglichkeit. Die Mühlen malen langsam in der Politik. Und letztendlich ist das also auch über längere Zeit erfolglos. Das erweist sich für TI als vergeudete Zeit. Und Mitte 79 geben sie es dann schließlich auf und beschließen, ihren TI-994 mit einem 13-Zoll-Monitor auszuliefern. Das ist ein modifizierter Fernseher der Marke Zenith. Aber dadurch, dass sie das als Kombo verkaufen, brauchen sie also auch keinen Antennenausgang und dementsprechend haben sie dann auch kein Problem mit dieser Norm.
Chris:
[1:01:19] Das ist übrigens bemerkenswertes historisches Pech in diesem Fall. Die Fehlentscheidung war natürlich, auf Lobby Arbeit zu setzen und überhaupt so viel Zeit zu verlieren. Aber das Pech, das noch dazu kommt, ist, dass dann im September 1979 die FCC tatsächlich neue Richtlinien aufstellt, speziell für Computer mit Fernsehanschluss. Und da sind dann wieder deutlich höhere Strahlungswerte erlaubt. Das ist eine Entscheidung, die in der Branche gefeiert wird, also in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Interface Age. Da wird zum Beispiel geschrieben, das würde die ganze Branche fünf Jahre voranbringen, diese einzelne Entscheidung. Auch bei Texas Instruments gibt es dann lobende Worte zu dieser neuen Norm und so, aber für ihren Heimcomputer TI-994 kommt es zu spät. Der ist schon fertig. Die Entscheidung mit dem Monitor ist gefallen. Und das hilft natürlich auch nicht, einen Monitor da mitzuliefern für den Preispunkt. Dazu kommt dieser 16-Bit-Prozessor, der teure. Also unterm Strich, dieses Gerät ist vor allen Dingen eins, es ist teuer.
Henner:
[1:02:16] Oh ja, ist es. Zunächst mal gibt es aber durchaus Vorschusslorbeeren in der Presse. Die ist ganz angetan davon, dass jetzt Texas Instruments sich auch in diesen Markt vorwagt, in den entstehenden Markt der Heimcomputer oder der PCs. Und die trauen diesem Unternehmen auch einiges zu. Die kennen ja die Details noch nicht, aber die meinen, ja, wenn eine Firma wie Texas Instruments in diesen Markt reintritt, dann werden sie damit auch Erfolg haben. Die haben ja auch durchaus Erfolg auf dem Massenmarkt mit solchen Geräten wie Speak & Spell zum Beispiel. Und so schreibt zum Beispiel die New York Times im Dezember 78, also etwa ein Jahr vor dem eigentlichen Markteintritt, der ganze Markt wird sich ändern und die glauben durchaus, dass TI diesen Markt in kürzester Zeit beherrschen würde. Business Week zum Beispiel, eine andere Zeitschrift, die zitiert damals einen Marktforscher mit der Prognose, TI werde innerhalb eines Jahres den ganzen Heimcomputermarkt dominieren.
Chris:
[1:03:12] Holla.
Henner:
[1:03:13] Ja, wir müssen uns daran erinnern, dass IBM auf diesem Markt noch nicht vertreten ist. Die kommen ja erst 1981 dazu. Dafür muss dieser Rechner aber erstmal fertig werden und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Und das passiert im Juni 79 wie immer auf der CES in Chicago, auf der Sommer-CES der großen Messe. Und er hat dort große Aufmerksamkeit, nicht nur weil er von TI stammt, sondern auch weil es der erste in Serie produzierte 16-Bit-PC ist. Und damals verspricht man sich noch einiges davon. Es ist nicht das einzige 16-Bit-Gerät für die Massen. Es gibt ja auch noch die Intellivision-Konsole, die wir erwähnt haben von Mattel. Die arbeitet auch mit einem 16-Bit-Prozessor, aber die kommt auch erst im Dezember, ist also zu dieser Zeit noch nicht da.
Henner:
[1:03:56] Also angeblich, so erwartet man, hat TI hier einen großen Technologievorsprung gegenüber allen anderen, die noch mit 8-Bit-Prozessoren arbeiten. Apple oder Tandy oder Commodore. Den brauchen sie aber auch, diesen Vorsprung, denn über den Preis alleine werden sie sicherlich keinen Erfolg haben. Du hast es ja schon angedeutet, der Rechner wird sehr teuer, vor allem weil dieser Monitor beiliegt, zwangsläufig. Und so kostet der Rechner, als er dann auf den Markt kommt, in den USA zunächst zum Jahresende, 1.150 US-Dollar. Und das entspricht inflationsbereinigt heute ungefähr 4.500 Euro. Nicht für ein Profigerät wohlgemerkt, sondern für einen Heimcomputer. In Deutschland kommt das Gerät 1980 raus. Hier kostet er 2700 Mark. Das entspricht immerhin noch 3900 Euro. Und mal zum Vergleich, bei der Konkurrenz kriegt man Rechner mittlerweile etwas billiger. Atari hat ja auch Ende 79 praktisch gleichzeitig auch eigene Heimcomputer veröffentlicht und den kleineren von den beiden, den Atari 400, den gibt es ungefähr für die Hälfte. Und selbst ein Atari 800, also das größere Modell, ist günstiger, obwohl da noch ein Diskettenlaufwerk beiliegt. Am anderen Ende des Preisspektrums, da gibt es noch den Apple II Plus. Das ist ein Profigerät, der ist ähnlich teuer wie der TE99-4.
Henner:
[1:05:19] Und da liegt ja auch kein Monitor dabei, den muss man sich also extra dazukaufen oder einen Fernseher eben anschließen. Das heißt, es geht auch noch teurer, aber dieser Apple 2 Plus, der richtet sich ja auch an einen ganz anderen Markt, an den Unternehmenseinsatz oder an Schulen, an Universitäten, an einen Profimarkt. Und da kann man auch ein bisschen mehr Geld verlangen, zumal es für den ja auch ein riesiges Angebot an Zubehör und Software gibt. Und das gibt es alles beim TI-Rechner noch nicht. Das muss erst noch entstehen.
Henner:
[1:05:49] Ja, aber jetzt wird es Zeit, dass wir diesen Rechner dieses sagenhafte 16-Bit-Gerät mal im Detail vorstellen. Jetzt ist er also da, der TI-99-4. Wie sieht er denn aus? Was macht ihn so schön und was macht ihn aus?
Chris:
[1:06:02] Ja, jetzt ziehen wir ihn mal aus seiner Packung und schauen ihn uns genauer an. Hätten wir das übrigens damals machen wollen zur Markteinführung im Oktober 79, hätte es sein können, dass wir da noch vor leeren Regalen stehen, weil TI hatte damals Produktionsengpässe, da kamen nur vereinzelte Rechner tatsächlich in den Laden. Hätte sein können, dass wir bis ins Frühjahr 1980 warten müssen, um unseren TI dann endlich in den Händen zu halten und zu umarmen und uns an ihn zu schmiegen.
Chris:
[1:06:27] Aber dann hätten wir die Packung natürlich aufgerissen und ihn rausgezogen. Ja, und dann sehen wir da vor uns einen Tastaturrechner, der ungefähr 38 Zentimeter breit ist und 26 Zentimeter tief. Das ist also ein bisschen schmaler und ein bisschen tiefer als der spätere C64. Und das, was sofort ins Auge fällt und was dein Auge zum Leuchten bringt, Henner, ist sein silbern-metallisches Gehäuse. Der eigentliche Kern ist ein Plastikgehäuse, in dem der Rechner steckt, aber das ist mit Aluminiumblechen beklebt und dadurch bekommt es eine durchaus hochwertige Anmutung.
Henner:
[1:07:04] Das ist eine sehr gute Entscheidung gewesen. Später hören wir noch, dass sie davon wieder Abstand nehmen, um Geld zu sparen. Aber das wertet den deutlich auf den Rechner. So hübsch.
Chris:
[1:07:14] Ist ja auch teuer genug. Da möchte man ja auch ein wertig aussehendes Produkt vor sich auf dem Schreibtisch stehen.
Henner:
[1:07:19] Ja, na klar.
Chris:
[1:07:20] Was da nicht eingebaut ist in das Ding ist das Netzteil. Das ist separat. Die Tastatur steckt fest drin im Gehäuse. Das ist ja auch nicht ungewöhnlich für damalige Verhältnisse. Und die ist vergleichsweise klein und besteht, Achtung, aus Chiclet-Tasten. Und immer wenn dieser Begriff hier fällt in den Folgen von State-Fuver-Technik, Das ist ja nicht das erste Mal. Dann läuft manchen Leuten ein Schauer über den Rücken, uns beiden sicher auch. Das sind diese Tastaturen, die man von Taschenrechnern kennt, flach und plastikartig. Und die sind relativ günstig. Es sind wohl nicht nur die Kostengründe, warum Texas Instruments die hier verbaut. Es gibt einige Quellen, die sagen, das Entwicklerteam ist die halt einfach gewohnt. Das sind halt die Tasten, die man auch in Taschenrechnern verbaut. Karl Gatteck, mit dem du gesprochen hast, der nennt einen anderen Grund, warum die sich dafür entschieden hätten, nämlich, dass sich diese relativ flachen Chiclet-Tasten ganz gut eignen, um da optionale Overlays drüber zu legen. Das ist damals durchaus in Mode, das sind diese Kartonschablonen, die man auf die Tastatur legt und die dann nochmal extra beschriftet sind und die anzeigen, welche Funktionen welche Tasten haben. Gerade für einen Computer, der sich ja auch an Einsteiger richten soll, ist das gar nicht so eine unwichtige Sache, dass sowas potenziell möglich ist.
Chris:
[1:08:32] Aber auf jeden Fall, die Tastatur ist relativ kompakt. Die enthält nur, muss man sagen, 41 Tasten. Da sind natürlich die ganzen Buchstabentasten drauf. Das sind alles Großbuchstaben. Es gibt zwar Shift-Tasten, aber der TE-994 kann gar keine kleinen Buchstaben. Was es nicht gibt auf der Tastatur, weil es halt nur so wenige Tasten sind, sind typische Sonder- und Funktionstasten. Also sowas wie Delete- oder Back- oder Pfeiltasten, die gibt es nicht. Also zumindest nicht separat. Die muss man dann über Shift aufrufen. Wenn man die Shift-Taste gedrückt hält, dann ändern sich einige Funktionen von Tasten, z.B. in Pfeiltasten.
Chris:
[1:09:06] Das führt manchmal zu ungewollten Entscheidungen, weil wer eigentlich ein großes Q schreiben möchte und also die Shift-Taste dafür drückt und dann Q, der führt stattdessen einen Programmachbruch aus, weil dann wird die Taste zur Quit-Taste. Wie gesagt, es gibt ja kein Shift für die Großschreibung. Dafür gibt es kurioserweise nicht nur eine Leertaste, sondern gleich zwei, natürlich die große unten, aber links an der Seite befindet sich nochmal eine mit Space beschriftete Taste aus Gründen. Ich weiß es doch auch nicht.
Henner:
[1:09:37] Ich weiß auch nicht. Ja, es ist nicht die beste Tastatur, aber immerhin sie ist besser als die Folientastatur des Atari 400.
Chris:
[1:09:44] Ja, das ist schon mal was.
Henner:
[1:09:45] Das hat er schon mal voraus.
Henner:
[1:09:49] Dann betrachten wir das Gerät mal weiter vorne rechts, also an der Stirnseite, da ist ein kleiner Ein-Aus-Schalter und an der linken Seite ein Kopfhöreranschluss. Das ist ungewöhnlich, das findet man damals nicht üblicherweise an solchen Geräten, denn normalerweise geben solche Geräte ja ihren Ton, also egal ob es Computer oder Konsolen sind, über den Fernseher oder über den Monitor aus. Das tut der hier auch, aber er kann eben zusätzlich Ton über den Kopfhöreranschluss ausgeben. Und später gibt es dann etwas überarbeitete Modelle. Also später ausgelieferte Exemplare sind in der Hinsicht noch ein bisschen überarbeitet. Die enthalten zudem einen Lautstärkeschieberegler und einen eingebauten Lautsprecher. Das heißt, dann ist man gar nicht mehr auf den Ton aus dem Fernseher angewiesen. An der Rückseite gibt es aber trotzdem natürlich noch den Anschluss für den Monitor. Das ist ein DIN-Ausgang für Ton und Bild. Der wird über ein Adapterkabel, über Composite-Video und Audio eben an den beiliegenden Monitor angeschlossen. Aber du hast ja schon erzählt, dass die FCC ihre Meinung geändert und neue Bestimmungen erlassen hat mit gelockerten Grenzwerten. Und so ändert TI im Frühjahr 1980 auch die Produktpolitik in dieser Hinsicht und legt dann keinen Monitor mehr bei, sondern stattdessen einen externen HF-Modulator, mit dem man dann auch einen Fernseher anschließen kann.
Henner:
[1:11:09] An der rechten Seite gibt es einen Spezialanschluss für Erweiterungen für Peripheriemodule. Dazu kommen wir gleich noch, das ist ganz interessant.
Henner:
[1:11:18] Und gucken wir doch mal kurz auf die Rückseite. Dort gibt es dann noch einen Anschluss für ein Kassettenlaufwerk, wie es damals üblich ist. Das ist allerdings ein proprietärer Anschluss, also da kann man nicht die gleichen Kassettenlaufwerke wie bei Commodore zum Beispiel verwenden. Und an der linken Seite, da gibt es dann noch einen 9-Pin-Port für einen Joystick. Über ein Y-Kabel kann man auch zwei gleichzeitig anschließen für zwei Spieler-Partien. Und der sieht auf den ersten Blick genauso aus wie bei Atari und bei zahllosen anderen Computern und Konsolen dieser Ära. Der hat das gleiche Format, aber das ist nur mechanisch gleich. Elektrisch ist das anders, ist also inkompatibel. Das heißt, du kannst da einen gängigen Heimcomputer-Joystick wie später in Competition Pro oder so nicht direkt dran benutzen. Dafür brauchst du einen Adapter.
Henner:
[1:12:05] Immerhin, es geht über Adapter und immerhin auch besser als die ursprüngliche Planung, denn eigentlich wollten die kabellose Joysticks beilegen über Infrarot. Wir wissen ja, wie gut das funktioniert hat, wenn es sowas mal gab, nämlich gar nicht. Die waren aber deutlich ambitionierter, die ursprünglich geplanten Joysticks. Die kann man auch in den Patentschriften noch sehen und in einigen Prototyp-Zeichnungen. Das sind nämlich Joysticks gewesen, die geplant waren mit 20 Tasten. Und die sollten sich ebenfalls, so wie die Haupttastatur auf dem Gerät, mit so Overlays, also mit Pappschablonen ausstatten lassen, auf denen man dann die Bedeutung der einzelnen Tasten hätte ablesen können. Für reichlich komplexere Spiele wahrscheinlich. Aber davon hat TEI wieder Abstand genommen. Es blieb also bei ganz einfachen Joysticks mit nur einer Taste.
Henner:
[1:12:53] Ja, aber am wichtigsten ist die Erweiterungsmöglichkeit obendrauf auf dem Gehäuse, rechts neben der Tastatur, denn da ist der Modulschacht.
Henner:
[1:13:02] Liegend, also die Spielmodule, die man da reinsteckt, die stehen nicht da drin, sondern sie liegen. Man schiebt sie so wie bei einem Videorekorder vorn rein und da finden die Softwaremodule Platz, also Spiele und Anwendungsprogramme, die sind beim TE994 nämlich die bevorzugte Methode, den Rechner mit Programmen zu versorgen. Also hier ist es eher unüblich, ein Kassettenlaufwerk anzuschließen und davon Programme zu laden. Das macht man hier vorzugsweise über diese Module, genau wie bei einer Konsole. Und damit hebt TI natürlich auch die Benutzerfreundlichkeit hervor, denn das ist ja viel bequemer, als ein Loadbefehl eintippen zu müssen und dann vier Minuten zu warten, bis ein Spiel von der Kassette geladen ist.
Chris:
[1:13:43] Okay, das war der Rechner von außen. Jetzt schauen wir mal kurz ins Innere. Da ist natürlich der Prozessor, über den haben wir ja schon viel geredet. Das Einzige, was wir noch nicht gesagt haben, ist, mit wie viel Megahertz der eigentlich läuft. Es sind drei. Den Rest hatten wir schon erzählt. 16 Bit Prozessor, 16 Bit Bus, 64 Kilobyte Speicher, die der damit adressieren kann. Wobei eine Sache, die jetzt doch noch sehr interessant und auch überraschend komplex ist, die ist die Sache mit dem Speicher. Das müssen wir uns jetzt doch nochmal genauer angucken. Also der Prozessor greift über seinen Bus auf 256-Byte sogenannten SRAM-Speicher zu. Der heißt hier Scratchpad RAM und das reicht aus, auch nur aus, für diese ausgelagerten Workspace-Registersätze, die du vorhin beschrieben hast und noch ein paar basale Parameter des Betriebssystems. Der TE-994 hat eigentlich deutlich mehr Arbeitsspeicher, aber das ist ein Arbeitsspeicher anderer Natur. Mit 256-Byte RAM wäre ein Heimcomputer auch im Jahr 1979 überhaupt nicht konkurrenzfähig. Das ist viel zu wenig. Ein Atari 400 hat 8 Kilobyte zum Beispiel, das ist das 32-fache davon. So enthält auch der TE-994 16 Kilobyte zusätzliches RAM zu dem Scratchpad.
Chris:
[1:14:58] Aber diese 16 Kilobyte, die stellen den Prozessor vor ein Problem, weil direkt kann der nur SRAM ansprechen, also dieses Scratchpad RAM. Das ist aber ziemlich teuer. Das SRAM steht für Static RAM und das heißt deswegen so, weil das seinen Zustand statisch hält. Also solange Strom anliegt, bleibt der Inhalt gleich und muss nicht permanent aufgefrischt werden. Für die 16 KB Hauptspeicher, die dann noch weiter auf der Platine sind, kommt aber günstigeres RAM zum Einsatz. Das DRAM, Dynamic RAM, das verliert regelmäßig seine Ladung und muss deswegen immer wieder aufgefrischt werden. Und sowas beherrscht der Prozessor gar nicht. Der kann mit DRAM überhaupt nicht kommunizieren. Da braucht er also die Unterstützung eines separaten Speichercontrollers. Und den gibt es auch. Das ist jetzt ausnahmsweise mal kein zusätzlicher Chip, sondern der ist in einem anderen Bauteil verbaut, nämlich im Videochip. Der kann ja, wir hatten es vorher kurz erwähnt, direkt mit DRAM umgehen und deswegen wird er jetzt zweckentfremdet, neben seiner eigentlichen Arbeit als Grafikchip, nämlich der ist auch gleichzeitig für die Verwaltung des Arbeitsspeichers zuständig. Das heißt ja ganz recht, ein Basic-Programm zum Beispiel, wenn man das ausführt, dann liegt es beim TI-994 im Grafikspeicher.
Chris:
[1:16:15] Der Videochip, der ist jetzt allerdings nur über einen 8-Bit-Bus mit dem DRAM verbunden und nicht über einen 16-Bit-Breiten-Bus wie der Prozessor. Und dementsprechend geht das natürlich alles langsamer und bremst die Speicherzugriffe stark aus.
Henner:
[1:16:29] Eine erstaunlich moderne Architektur. Wir nehmen dies ja auf im Jahr 2026 und vor kurzem hat Nvidia eine neue PC-Plattform vorgestellt mit einheitlichem Arbeitsspeicher, den sich CPU und Grafikchip teilen. Apple macht auch sowas. Also das ist durchaus wegweisend. Aber beim TE994 ist das natürlich eine Notlösung.
Henner:
[1:16:49] Nun hat so ein Computer nicht nur RAM, sondern auch ROM, also nicht beschreibbaren Speicher mit dem Betriebssystem, also dem Bootloader und dem integrierten BASIC. Das kennen wir ja vom C64. Für einfache BASIC-Programmierung muss man kein externes Programm laden. Das ist Teil des Systems. Und nicht nur das, es steckt im Raum auch noch ein weiteres Programm namens Equation Calculator, also ein Rechnerprogramm zum Lösen von mathematischen Gleichungen, sodass man mit dem TI auch arbeiten kann, ohne erstmal selbst was zu programmieren oder ein Modul einzustecken. Ursprünglich sollte sogar noch ein drittes Programm enthalten sein, ein Lernspiel namens Number Magic. Das wird aber wieder gestrichen und erscheint stattdessen als Modul.
Henner:
[1:17:31] Aber auch solche Module werden sehr bequem eingebunden ins Startmenü. Nach dem Einschalten des Rechners kann man ganz bequem mit einem Tastendruck wählen, ob man Basic haben möchte oder diesen Taschenrechner oder eben ein eingestecktes Modul, ohne Load, 8,1 oder irgendeinen kryptischen Firlefanz einzutippen. Das ist sehr schön gelöst. Ja, wie viel ROM hat der Rechner denn nun, um diese Software unterzubringen? Jetzt wird es wieder mal kompliziert, wie so oft beim TE99-4. Und das liegt am Adressraum, wie beschrieben. Der ist ja mit 64 KB sehr knapp. Denn in diese 64 KB muss ja alles reinpassen, egal ob RAM oder ROM. Das passt aber nicht, denn rechnen wir mal nach.
Henner:
[1:18:19] Die 16 Kilobyte Arbeitsspeicher, die müssen nicht mit rein zum Glück. Die können wir vergessen, um die kümmert sich der Grafikchip nicht die CPU. Aber die 256 Byte Scratchpad, die muss die CPU adressieren und auch eine optionale 32 Kilobyte Erweiterung.
Henner:
[1:18:36] Und Zusatzspeicher, der in manchen Modulen auch noch drin steckt. Und damit bleiben von den 64 weniger als 32 Kilobyte übrig. Ja und das ist ein Problem, denn die ganze interne Software, also das Basic, der Calculator, der Bootloader, all das, was auf ROM-Chips normalerweise vorliegt, belegt insgesamt 32 KB.
Henner:
[1:18:58] Wir haben aber keine 32 KB mehr, der Adressraum ist zu klein. Was macht TI also? Nun, sie packen das Basic und den Calculator nicht auf ROM-Chips mit einzelnen adressierbaren Bytes, sondern auf alternative Speicherchips. Eine Eigenentwicklung namens GROM, also GROM. Das steht offiziell für Graphics ROM, das hat aber mit Grafik eigentlich überhaupt nichts zu tun. Ursprünglich hieß das mal Games ROM, denn das wurde für die Spielmodule entwickelt. Aber das Management wollte mit Spielen dann doch lieber nicht so viel am Hut haben und die G-ROM-Chips wurden umbenannt in was seriöser Klingendes. G-ROM hat mehrere Vorteile. Das ist erstens viel billiger als echte ROM-Chips, das kostet ungefähr ein Drittel. Und es braucht nicht viele Adressen, denn hier kann man gar nicht jedes einzelne Byte adressieren. Stattdessen sind die Inhalte hier seriell angeordnet, wie bei so einem Tonband. Die CPU sagt dem Chip einmalig, an welcher Stelle er starten soll und liest die Daten dann in einem konstanten Datenstrom aus. Das spart Adressraum, die interne Software belegt also keine 32 KB im Adressraum, und so löst das GROM das Problem des 64 KB Limits.
Henner:
[1:20:12] Aber es ist ein sehr fragmentiertes und sehr langsames Speichersystem und das bremst diese vermeintlich so fortschrittliche 16-Bit-CPU doch erheblich aus.
Chris:
[1:20:22] Also um das noch ein bisschen greifbarer zu machen, vielleicht ein Beispiel aus der Praxis des Jahres 1979, wenn wir jetzt auf dem TI-994 Basic öffnen und da den Befehl Print Stay Forever eingeben, was passiert dann? Dieser Befehl landet im Grafikspeicher, wie wir es gerade beschrieben haben. Das ist ja das RAM, nicht in dem schnellen Scratchpad, wo nur die Registerinhalte und die Speicheradressen liegen. Verarbeitet wird dieser Basic-Befehl im Grafikspeicher. Wenn der Befehl dann ausgeführt wird, lädt das System die dafür nötige Basic-Routine und die liegt im lahmen GROM. Das heißt, hier wird das nächste Problem deutlich. der Basic-Code, der liegt nicht direkt im schnellen Maschinencode vor, wie bei anderen Computern, sondern in TIs eigener, besonders platzsparender Zwischensprache, GPL. Du hast vorhin schon Paul Yubainus erwähnt, den Entwickler von dem Spiel Parsec, und der hat dir gegenüber gesagt, GPL ist langsam.
Chris:
[1:21:20] Also dieser Basic-Code löst einen GPL-Befehl aus, der GPL-Interpreter, der auch im ROM sitzt, übersetzt das dann während des laufenden Betriebs in Maschinencode. Den wiederum führt die CPU aus, also der 9900.
Chris:
[1:21:36] Und ursprünglich, wir hatten es erwähnt, hatte dieses Heimcomputerteam ja mal davon geträumt, eine eigene CPU zu entwickeln, eine ganz eigene, nur für diesen Heimcomputer. Und zu diesem Konzept gehörte auch dazu, dass diese CPU den GPL-Code nativ verstanden und verarbeitet hätte, dass der direkt in die Maschinensprache geht. Aber die gab es ja nie. Und der 9900, der kann natürlich mit GPL gar nichts anfangen. Der braucht diesen Zwischenschritt der Übersetzung. Also so ein Basic-Code muss quasi zweimal interpretiert werden. Erstmal von Basic in GPL und dann von GPL in Maschinencode. Und das Ergebnis ist, viele Programme laufen auf dem TI-994 quälend langsam. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre mit dem langsamen Speicher. Jetzt kommen auch noch ineffiziente Operationen bei der eigentlichen Ausführung des Programmcodes dazu. Also vergleichsweise auf einem C64 ist natürlich auch ein jüngerer Computer, der kommt ja ein paar Jahre später, aber trotzdem zum Vergleich, weil viele von uns den C64 halt kennen, da läuft der gleiche Prozess sehr viel schneller. Der Basic-Buffet liegt direkt im schnellen Hauptspeicher und der Basic-Interpreter im System-ROM greift dann darauf zu und führt sofort den passenden, fest eingebauten Maschinencode aus. Also keine Übersetzung, kein Umweg über diese Zwischensprache, kein zweistufiges ROM, keine Auslagerung in den Videospiecher. Deswegen ist eine Architektur wie beim C64 sehr viel effizienter.
Chris:
[1:22:52] Und beim TE-994 eben nicht. Aber wenigstens kann man sagen, der arme Video-Chip, in dem ja ein Teil davon stattfindet, der kann nichts dafür.
Henner:
[1:23:01] Nee, wahrlich nicht. Und der ist ein etwas erfreulicheres Kapitel, denn er ist gut gelungen. Also dieser TMS-9918, der heißt offiziell jetzt Video-Display-Processor oder VDP. Und der ist zuständig natürlich für die Bildberechnung und die Bildausgabe. Was kann der? Der kann Auflösungen von 256 mal 192, wie das damals so üblich ist. Und diese Auflösung lässt sich in drei verschiedenen Modi unterschiedlich nutzen.
Henner:
[1:23:29] Da gibt es wie immer verschiedene Darstellungsmodi, Textmodus und Grafikmodus. Und der Textmodus, der kann, wie das bei Heimcomputern auch damals Stand der Dinge ist, 40 Zeichen pro Zeile ausgeben. Der ABM-PC kommt dann später auf 80. Das schafft er noch nicht. Dieser Textmodus wird aber sehr selten nur eingesetzt. Selbst der integrierte Basic-Interpreter nutzt diesen Textmodus nicht, obwohl man daran ja nichts weiter tut, als Textbefehle und Daten einzugeben, aber das nutzt einen Grafikmodus. Neben diesem Textmodus gibt es noch zwei verschiedene Grafikmodi, die dann das Bild aus unterschiedlich großen Blöcken zusammensetzen.
Henner:
[1:24:08] Da gibt es zum einen den Multicolor-Modus. Da besteht das ganze Bild dann aus Blöcken, die 4×4 Pixel groß sind. Das bedeutet dann, dass die nominelle Auflösung nur noch 64×48 groß ist. Das ist dann doch etwas wenig, weniger als ein Zehntel der Auflösung eines Atari 2600. Damit kann man nicht allzu viel anfangen.
Henner:
[1:24:28] In dem Modus kann man zumindest die 16 Farben frei wählen, die der Computer bietet, also die ganze Farbpalette. Deswegen heißt er auch Multicolor. Aber weil diese effektive Auflösung so niedrig ist, kommt dieser Modus sehr selten zum Einsatz.
Henner:
[1:24:41] Als Spiele, und darum geht es uns ja, nutzen vor allem den zweiten Grafikmodus, der heißt auch Graphics-Modus. Und nicht nur Spiele, denn auch, wie gesagt, dieser Basic-Interpreter, der benutzt ebenfalls diesen Graphics-Modus. Und hier sind die Blöcke etwas flexibler, hier sind sie 8×8 Pixel groß, aber sie sind nicht einfarbig, wie beim Multicolor-Modus jeweils, sondern jeder von diesen 8×8 Pixelblöcken kann ein eigenes Muster enthalten, also ein eigenes Pixelmuster darstellen. 256 verschiedene Muster gibt es insgesamt auf dem Bildschirm und jeder von diesen Blöcken ist beschränkt auf jeweils zwei Farben, eine Vordergrundfarbe und eine Hintergrundfarbe. Da gibt es wieder weitere Einschränkungen, die können nicht ganz frei gewählt werden, das ist ja immer so, aber das führt jetzt zu weit. Auf jeden Fall ist dieser Modus der beste Kompromiss aus Auflösung und Farbvielfalt, und der kann schöpfen aus, wie gesagt, 16 Farbwerten, davon ein Transparenzwert.
Henner:
[1:25:42] Das ist einigermaßen konkurrenzfähig damals. Der C64, der ja deutlich später kommt, hat ja auch nur 16 Farben. Und von denen sind auch drei Grautöne. Der TI hat nur einen Grauton und insgesamt, wie ich finde, eine etwas ausgeglichenere, etwas hübschere Palette als der C64. Aber ich weiß, damit mache ich mich unbeliebt.
Chris:
[1:26:03] Nee, ja. Ich dachte, das muss man gar nicht diskutieren, dass die C64-Farben nicht die gelungenste Palette ist. Das ist wesentlich schöner beim 99.4.
Henner:
[1:26:11] Das gibt böse Kommentare, Christian, das sag ich dir jetzt schon.
Chris:
[1:26:14] Bring them on.
Henner:
[1:26:15] Aber es gibt ja nicht nur den C64, es gibt ja auch noch Atari und dort hat ein Atari 400 128 Farben. Also da kann man noch aus dem Vollen schöpfen, da reicht der TI-Rechner nicht ran, aber es ist trotzdem halbwegs konkurrenzfähig.
Henner:
[1:26:28] Aber das Herzstück dieses Chips ist seine Sprite-Engine. Wir erinnern uns, entwickelt wurde er ja eigentlich für den Einsatz in Spielkonsolen und das zeigt sich an den Sprites. In den verschiedenen Grafikmodi sind insgesamt 32 Sprites darstellbar mit 8×8 oder 16×16 Pixeln jeweils. Die kann man natürlich auch wie üblich zusammensetzen zu größeren beweglichen Elementen, also mehrere Sprites, die dann gemeinsam eine Spielfigur bilden zum Beispiel.
Henner:
[1:26:55] Zum Vergleich der C64, der beherrscht nur acht Sprites. Also hier kann der TI durchaus etwas mehr. Allerdings sind die Sprites jeweils auf eine Farbe beschränkt und es gibt weitere Einschränkungen. Zum Beispiel dürfen nur vier pro Bildzeile dargestellt werden gleichzeitig. Wenn mehr als vier in einer Bildzeile auftauchen, dann müssen sie sich abwechseln. Dann kommt es zu diesem Sprite-Flimmern, wie man es ja auch vom C64 kennt oder vom NES. Was der Grafikchip leider nicht kann, das ist Hardware-Scrolling. Also Hardware-gestütztes, schnelles, weiches Scrolling in alle Richtungen, wie es bei Atari möglich ist. Das fehlt dem Chip. Also jeder Scroll-Effekt muss in Software gelöst werden, sehr aufwendig oder darüber, dass man Sprites zweckentfremdet. Da gibt es ein paar Tricks, um trotzdem Scrolling zu ermöglichen. Parsec ist da ein Vorzeigetitel, zu dem kommen wir ja noch. Aber es ist in der Hardware nicht unterstützt und das ist eine deutliche Schwäche. Insgesamt, wenn man sich die Spiele dieser Zeit auf dem T-994 mal anguckt, dann ist das grafische Niveau schon deutlich über dem, was damals auf den Konsolen geboten ist, also über einem Atari 2600, auch über dem, was eine Intellivision-Konsole zu bieten hat. Aber es bleibt etwas unter dem Niveau eines Atari 400, 800 und auch etwas unter einem späteren C64, würde ich sagen, wenn man mal von den Farben absieht, die wirklich hier etwas schöner sind.
Chris:
[1:28:18] So, das war die Grafik. Was fehlt uns jetzt noch? Ach ja, der Sound fehlt uns natürlich noch. Und da kommen wir jetzt zum nächsten und letzten Chip in unserer Aufzählung hier. Wir hatten gerade den Grafikchip, den TMS 9918 und jetzt kommen wir zum TMS 9919 und das ist der Soundchip. Das ist auch der einzige Chip auf dieser Platine, den Texas Instruments tatsächlich dediziert für diesen Heimcomputer entwickelt. Das andere sind ja Zweckentfremdungen, die ursprünglich mal für was anderes gedacht waren, aber dieser Soundchip tatsächlich wird spezifisch für den Computer entwickelt. Der kann das, was Soundchips zu dieser Zeit halt üblicherweise so können, Klänge auf vier Kanälen ausgeben. Der hat drei Tongeneratoren und einen Rauschgenerator. Die Töne sind dabei einfache Rechteckwellen in verschiedenen Frequenzen und Lautstärken. Das heißt, der TE-994 klingt so ähnlich wie der konkurrierende Atari 400 oder 800, weil der kann genau das Gleiche, also vier Kanäle mit Rechteckwellen formen.
Chris:
[1:29:14] Wir denken bei 8-Bit-Musik ja in der Regel an den SID-Chip, das C64. Der ist fortschrittlicher. Der hat dann programmierbare Wellenformen und ausgefeiltere Filtermethoden. Das gibt es hier noch nicht, aber der SIT-Chip ist ja auch ein paar Jahre später. Und wie klingt das dann also auf dem TI-994? Da hören wir mal kurz in ein Beispiel rein.
Chris:
[1:29:50] Das war Mozarts türkischer Marsch, den wir hier gehört haben. Das stammt aber tatsächlich aus einem Spiel des TI-994, nämlich aus dem Spiel Mausk Attack. Da ist das die Titelmelodie. Also ja, wir haben gehört, das ist jetzt nicht das Niveau des Sitchips, aber das ist auch noch nicht unbedingt zu erwarten 1979. Aber dafür kann der TI-994 was anderes.
Chris:
[1:30:10] Und jetzt kommen wir wieder zurück zum Anfang unserer Folge.
Henner:
[1:30:15] Ja, er kann sprechen, Christian. Ist das nicht fantastisch?
Chris:
[1:30:18] Ja. Wie macht er das, Henna? Wie kann dieser Computer sprechen?
Henner:
[1:30:23] Nicht von selbst, nicht ungefragt. Man muss schon noch was ergänzen, damit er das überhaupt kann und ihm sagen, was er sagen soll. Aber wie macht man das? Nun, der hat ja, wie ich es beschrieben habe, einen Erweiterungsport am rechten Rand, wo man also externe Peripherie andocken kann. Und dafür gibt es bei TI selbst auch spezielle Zubehörgeräte, die Sidecars heißen die, die man rechts anstecken kann. Und zwar kaskadiert, also in einer Kette von bis zu sechs Geräten. Das sieht dann sehr eindrucksvoll aus. Das ist dann insgesamt fast ein Meterbreit, die sich der Computer dann über den Schreibtisch ausbreitet. Also man steckt da zuerst zum Beispiel die Speichererweiterung an und dann kommt daneben ein Diskettencontroller und dann das Diskettenlaufwerk. Dann kann man vielleicht noch einen seriellen Port ergänzen und wenn man möchte auch noch ein Modem oder einen Akustikkoppler oder einen Drucker. Das kann man also alles rechts anstecken und so eine riesige Kette an Peripherie erzeugen. Es sieht wirklich cool aus, habe ich leider alles nicht, ich habe nur den Computer selbst.
Henner:
[1:31:21] Und was ich auch leider nicht habe, ist die spektakulärste und die wahrscheinlich auch populärste Erweiterung, neben der Speichererweiterung, ein Sprachsynthesizer.
Henner:
[1:31:31] Für anfangs 150 US-Dollar, also durchaus günstig, verglichen mit dem Computer, der ja kein Schnäppchen ist. Und da steckt etwas drin, was wir heute schon mal gehört haben, nämlich diese Sprachsynthese aus diesem Texas Instruments eigenen Spielzeug, aus dem Speak & Spell. Ein bisschen weiterentwickelt, da hat sich ja einiges getan auf dem Gebiet der Sprachsynthese, aber im Grunde ist das noch die gleiche Technik, die in diesem Modul drin steckt. Und wenn man das ansteckt an den Computer, dann kann man den Computer sprechen lassen. Da sind einige hundert Wörter und Phrasen vorgegeben, die man einfach abrufen kann. Da kann man eigene Texte eingeben und ihn eben so sprechen lassen. Man kann aber auch über Basic-Befehle sich eigene beliebige Wörter ausgeben lassen, die muss man dann zusammensetzen aus einzelnen Buchstaben. Das ist natürlich eine hübsche Spielerei, die ich ja auch eingangs genutzt habe, um einen Text aufsagen zu lassen. Ich habe dabei allerdings ein bisschen geschummelt. Ich habe ihn ja sagen lassen, stay forever. Aber im Vokabular dieses Rechners ist das Wort stay gar nicht drin. Und forever leider auch nicht.
Chris:
[1:32:38] Wie kann denn das sein? Das sind ja durchaus relevante Wörter.
Henner:
[1:32:43] Finde ich auch. Aber was er sagen kann ist, say. Und ich habe einfach darauf gebaut, dass niemand so genau hinhört. dass das T fehlt.
Henner:
[1:32:51] Er sagt also, say forever. Ihr könnt es euch ja nochmal anhören, ganz zu Beginn dieser Episode. Und auch das Wort forever ist eben nicht drin im Vokabular. Das musste ich also zusammenbauen aus for, das ist immerhin drin. Und dann habe ich das ever auch ein bisschen zurechtgeschummelt. Also es ist nicht ganz perfekt getroffen, aber es ist trotzdem sehr eindrucksvoll, dass der Computer überhaupt sprechen kann und dass das einigermaßen zu verstehen ist, was er sagt. Den Computer auf die Weise ein paar Worte sprechen zu lassen, ist natürlich nicht viel mehr als eine Spielerei, die nach kurzer Zeit langweilig wird, wenn man merkt, dass er keine Schimpfworte beherrscht. Aber das wird zum Killer-Feature, wenn es durch kommerzielle Software genutzt wird, vor allem durch die Spiele. Und erstaunlich viele Spiele, vor allem jene von TI selbst, machen davon Gebrauch. Und das muss im Jahr 1980 eine Offenbarung gewesen sein, wenn ein Spiel nicht nur ein bisschen piepst, sondern zu mir spricht. Denn man muss ja bedenken, digitalisierte Samples, wie später auf dem Amiga, die gibt es ja abseits der Spielhallen noch gar nicht zu hören. Das ist also höchst eindrucksvoll und ein großer Gewinn für die Immersion und es vermittelt in einigen Spielen auch hilfreiche Informationen.
Henner:
[1:34:18] Fantastisch. Das hätte ich damals voller Stolz all meinen Freunden vorgespielt. Guck mal hier, mein Computer ist nicht nur wunderschön, der ist auch schlau, der kann sprechen.
Chris:
[1:34:26] Ja, das ist wirklich mega. Also jetzt hast du uns den Mund wässrig gemacht, mehr zu erfahren über den TE99 als Spielemaschine. Wir haben ja jetzt beschrieben, was er kann. Dann stellt sich die Frage, wie nutzt der Computer das für Spiele, was für Spiele erscheinen darauf und natürlich auch, wie geht es ihm denn im Markt? Und das alles, sowie auch die weiteren Abenteuer von Texas Instruments im Heimcomputermarkt, das erzählen wir euch nächste Woche in Folge 2.
Henner:
[1:34:57] Ganz genau. Ich freue mich drauf.
Chris:
[1:34:59] Ich mich ebenfalls.
Henner:
[1:35:00] Bis dahin.
Chris:
[1:35:00] Bis dann.
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