REVIEW Defender of the Crown: The Legend Returns
Im August 2026 ist ein Remake zum Amiga-Klassiker Defender of the Crown erschienen. Chris hat sich die Neuauflage angesehen.

Vor 40 Jahren machte das ebenso bildhübsche wie inhaltsleere Defender of the Crown auf dem Amiga Furore. Darin befreite man zur Zeit von Robin Hood und Richard Löwenherz England von den Normannen, staunte über die Grafik und verzweifelte an der Steuerung im Tjost-Turnier. Der Hersteller: Cinemaware.
Die US-Originalfirma ging 1991 Pleite, ihre Markenrechte danach auf Wanderschaft. Sie sprangen kurz über den Teich zum englischen Mirrorsoft, schwammen dann zurück zu Mindscape, landeten 1999 bei einer kalifornischen Neugründung namens Cinemaware Inc., übersiedelten 2005 an die US-Ostküste zu eGames, flogen 2016 nach Schweden zu Starbreeze und zogen 2024 zum litauischen Nordcurrent. Wenn eine Marke so rumkommt, ist das meist kein Zeichen größerer Wertschätzung.
Einige der Eigner fühlten sich im Laufe der Jahrzehnte berufen, den ehrwürdigen Amiga-Hit zeitgemäß zu reanimieren. Defender of the Crown nahm die CD-ROM-Ära mit als Version für Amigas CD32 (1993), die 3D-Ära als Robin Hood: Defender of the Crown (2003), die Internet-Ära als Flash-Remaster Heroes Live Forever (2007), die Smartphone-Ära als iPhone-App (2011). Diese Neuauflagen waren mal mehr, mal weniger stark erweitert; aber selbst dem ernsthaftesten Remake-Versuch, dem Robin-Hood-Spiel von 2003, gelang es nicht, die Marke von ihrer überkommenen Formelhaftigkeit zu befreien und somit zeitgemäß neu zu interpretieren.

Vorneweg: Das vermag auch der neueste Versuch nicht, will es auch gar nicht; auch 2026 bleibt Defender of the Crown ein Zitat seiner selbst. Aber Nordcurrents Remake namens The Legend Returns, das im August erschienen ist und vom ukrainischen Entwickler Black Tower Basement stammt, spannt eine ganz interessante Brücke vom Alten ins Neue.
Für 20 Euro bekommt man nämlich eine dreistöckige Torte. Ganz oben sitzt die „Retro“-Version – die originalgetreue Amiga-Spielerfahrung, komplett mit CRT-Filter, nach wie vor umwerfender Pixelgrafik und dem rumpeligen Spielprinzip von 1986. Das ist ein Snack für den kurzen Nostalgie-Kick, der bestenfalls 20 Cent vom Kaufpreis rechtfertigt.
Darunter folgt der mit Sahnecreme eingestrichene „Klassik“-Modus, im Endeffekt das Äquivalent eines Remasters: immer noch das Originalspiel, aber in deutlich aufgehübschter Pixel-Optik, mit ein paar dezenten Feature-Modernisierungen und der wirklich reifen Leistung, dem Tjosten-Minispiel eine noch konfusere Steuerung zu verpassen als im Original.

Die kalorienhaltige Basis bildet das brandneue „Königreich“-Remake, das Defender of the Crown zum Deckbuilding-Spiel umstrickt. Nun erobert man Schritt für Schritt die altbekannte England-Karte, Kämpfe werden als Würfelspiel ausgetragen und wie in einem Trading Card Game durch Karten beeinflusst, die wiederum auf Synergien hin zusammengestellt werden müssen. Ivanhoe trifft Slay the Spire, sozusagen – denn auch hier ist jeder Run anders, und über die Zeit steigen die taktischen Optionen parallel zum Schwierigkeitsgrad. Alle Action-Minispiele bleiben zwar erhalten, sind aber durch Würfel-Varianten ersetzt, die keine Geschicklichkeit erfordern (mit der unrühmlichen Ausnahme der Schwertkampf-Sequenzen).

Gleich drei Angebote an DotC-Fans also, nach dem Motto „Wenn Ihnen mein Remaster nicht gefällt, kein Problem, ich habe noch andere“. Falls das als Taktik zur Risikominimierung gedacht war, dann ist sie nicht aufgegangen, denn die Stimmung in den Steam-Reviews ist schlecht. Der Retro-Modus sei ja wohl eine Mogelpackung, der entspreche gar nicht der C64-Fassung / NES-Fassung / (setze hier beliebige Portierung mit leicht verändertem Feature-Set ein). Der Klassik-Modus habe nicht mehr die Timings, die man aus dem Original gewohnt sei, das fühle sich alles falsch an! Und die Königreich-Kampagne habe mit dem Ur-Spiel gar nichts mehr zu tun, und überhaupt, muss jetzt echt jedes Spiel zu einem Roguelike-Deckbuilder umgebaut werden?!
Alles richtig, und doch kann man sich vorstellen, wie in der Ukraine Entwicklerköpfe gegen Tischplatten schlagen. The Legend Returns offenbart die Fallstricke der nostalgischen Anbiederung, denn über 40 Jahre und mehr als ein Dutzend Versionen ist die Defender of the Crown-Spielerfahrung so diffus geworden, dass ein gemeinsamer Nenner kaum mehr herzustellen ist. Gerade der Retro-Modus mit seiner schon damals ausgesprochen dürren Mechanik kann heute gar nicht anders als zu enttäuschen; also wird der Bote erschossen. „Ich wollte, dass das Spiel so gut ist wie in meiner Erinnerung“, schreibt ein Steam-Nutzer in entwaffnender Ehrlichkeit, Wertung: Daumen runter.
Das ist bitter, denn für mich fühlt sich The Legend Returns wie ein ernsthafter, ehrlich bemühter und durchaus kompetenter Versuch an, den Klassiker auf dem Niveau eines zeitgenössischen Indie-Titels zu modernisieren. Mehr ist aus der Marke nicht mehr rauszuholen, da müssen wir den Tatsachen ins Gesicht schauen. Mir hat der Königreich-Modus durchaus einige Stunden Spaß bereitet, auch wenn er qualitativ nicht mit Genre-Spitzenreitern wie Slay the Spire oder Balatro mithalten kann und gerade die Kämpfe auf Dauer eintönig werden. Nichtsdestotrotz: unterhaltsamer als das Original ist diese Fassung allemal.

Aber Nordcurrent hat sich mit der Dreiteilung selbst ein Bein gestellt. Der überflüssige Retro-Modus schafft unnötige Angriffsfläche, die Klassik-Version dagegen wirkt mit ihren minimalen Änderungen wie eine uninspirierte Pflichtübung – zumal es auch diese Fassung nicht schafft, nach 40 Jahren endlich mal einen Mehrspielermodus hinzuzufügen. Der Roguelike-Modus wiederum verabschiedet sich – bei all seinem Charme – endgültig von der alten Ambition, die großen Abenteuer und Emotionen der Mantel-und-Degen-Filme auf den Computerbildschirm zu bringen. The Legend Returns interpretiert die Mechanik des Originals, nicht dessen Geist. Es ist Nostalgietheater.
Das macht The Legend Returns nicht zu einem schlechten Spiel, für mich ist es sogar eines der besseren Remakes einer so alten Vorlage. Aber egal, mit welcher Erwartung man diesem Spiel begegnet – eine gewisse Enttäuschung ist ihm eingebacken.
AUS DEM STAY-FOREVER-INSIDER
Dieser Beitrag erschien zuerst im Insider vom 1. September 2026. Der Insider ist unser monatliches, kostenloses E-Mail-Magazin.
Christian Schmidt
Christian ist seit 2011 die eine Hälfte des Stay Forever Gründer-Duos. Als ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der GameStar bringt er nicht nur jahrzehntelange journalistische Erfahrung mit, sondern ist auch der Excel-Fanatiker der Redaktion. Keine Analyse ist ihm zu kleinteilig, keine Tabelle zu komplex.
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