REVIEW | NEOGEO AES+
Von der Luxuskonsole zum Schnäppchen? Die Ankündigung einer Neo-Geo-Neuauflage verzückt Retro-Fans, kommt aber nicht ohne Haken. Fabian schaut sich das genauer an.

Was hab ich als Kind über SNKs Neo Geo gestaunt! Eine Konsole mit Modulen, so groß wie Videokassetten! XXL stand über allem, denn was IN den massigen Modulen steckte, war ebenso gigantisch: Megabits en masse wurden für Spiele in Arcade-Qualität verbraten, 500, 600, irgendwann über 700. Und das, während ich Super Mario World auf einer SNES-Cartridge mit vier Megabit spielte. Hat trotzdem Spaß gemacht, Größe ist bekanntlich nicht alles. Und so gern ich auch ein Neo Geo gehabt hätte, es war ohnehin unerschwinglich. Die Hardware lag um die 1.000 Mark, viel gravierender waren noch die Spielepreise, problemlos ließen sich 500 Mark in ein einziges Spiel versenken.
Dafür gab es dann aber auch Arcade-Flair im Wohnzimmer, mit allen Vorteilen und Nachteilen: Viele Spiele waren spektakuläre Meisterwerke der Pixelkunst. Aber auch sehr festgelegt auf bestimmte Genres, die eben auf Spielhallen ausgerichtet waren, wo das Neo Geo in modifizierter Form zum Einsatz kam. Diese sogenannten MVS-Varianten der Spiele hatten eine andere Pinbelegung und verlangten Münzen zum Spielen. Wie keine andere Plattform stand das Neo Geo für Fighting Games. In Art of Fighting, King of Fighters, Fatal Fury, Samurai Spirits und Co. verspielte man in schnellen Runden sein Geld. Auch gute, oft schwere Actiontitel wie Metal Slug waren auf dem Neo Geo zu finden. Komplexeres wie RPGs und Strategiespiele fand hingegen nicht statt.
Das Neo Geo ging zusammen mit den Spielhallen unter, Hardware-Neuauflagen gab es über die Jahre aber immer wieder: als auf die obere Hälfte reduziertes Arcade-Cabinet, in einem Arcade-Stick mit HDMI-Ausgang oder als Mini-Modell in Form eines Arcade-Automätchen mit mickrigem 3,5-Zoll-Screen für den Schreibtisch. Diese Lösungen setzten auf Softwareemulation und kamen mit vorinstallierter Spielebibliothek. Das kennt man von anderen Firmen und deren Systemen.

Warum sorgt die jüngst erfolgte Ankündigung einer weiteren Neuauflage nun also für Aufsehen? Das am 12. November 2026 erscheinende NEOGEO AES+, eine Zusammenarbeit von Plaion und SNK, verfolgt einen interessanten Weg: Es ist ein authentisch aussehendes Neo Geo, das die alten Module abspielt, die zumindest gutbetuchte Retrofans noch im Regal stehen haben. Gemeint sind die sogenannten AES-Versionen, also die ohne Geldeinwurf funktionierenden Heimpendants der MVS-Arcade-Module.
Die Kompatibilität zu den Modulen wird nicht via Softwareemulation erreicht, das Gerät wählt aber auch nicht den zweiten mittlerweile üblichen Weg solcher Konsolen: Es ist kein FPGA-Gerät wie zum Beispiel MiSTer FPGA oder die Konsolen der US-Firma Analogue, die alte Plattformen auf Hardware-Ebene emulieren. Stattdessen setzt man auf ASICs, also Application-Specific Integrated Circuits. Hier wird die Technik für genau eine feste Aufgabe entworfen, in diesem Fall die Wiedergabe von Neo-Geo-Spielen. Die Chips von FPGA-Hardware sind hingegen programmierbar, darum können entsprechende Geräte über verschiedene Kerne in der Regel mehrere Systeme authentisch abbilden. ASICS-Systeme sind beschränkter, dafür aber günstiger. Das neue Neo Geo wird sich an alten Röhren und zusätzlich an modernen HDMI-Displays verwenden lassen.
200 Euro soll die Konsole im traditionellen Schwarz kosten, inklusive üppigem, kabelgebundenem Arcade-Stick. Für 300 Euro gibt es ein weißes Anniversary-Modell mit kabellosem Arcade-Stick und einem ebenfalls weißen Metal Slug-Modul. Moment mal, da ist ein Spiel auf Modul dabei? Ja. Das hat man mitnichten in einem alten Lager gefunden, es wird stattdessen Neuauflagen verschiedener Spiele geben, als authentisch große Plastikklopper in Schutzhüllen. Zum Start kommen zehn Titel, darunter neben Metal Slug weitere Hits wie Garou: Mark of the Wolves, Pulstar und The King of Fighters 2002. Aber kosten die wieder 500 Mark? Nein. 80 Euro. Wenn das Gerät alle Versprechen hält, kann das Konzept aufgehen: Ein in Hardware und Software denkbar authentisches Neo-Geo-Revival wäre DIE Möglichkeit, eine für viele damals unerschwingliche Gaming-Erfahrung nachzuholen.

Aber wo der Hardware-Preis fair wirkt, sind 80 Euro für die Spiele immer noch sehr viel Geld. Wenn es nicht auf Modul sein muss, bekommt man die Titel legal für sehr viel weniger Euro auf zahlreichen modernen Plattformen, teilweise auch in Compilations. Plaion und SNK scheinen aber überzeugt von Qualität und Potenzial: Für 900 Euro bietet man Vorbestellern auch eine Ultimate Edition mit Konsole, allen zehn Launchtiteln, zwei Arcade-Sticks, Gamepad und weiterem Zubehör an. Obgleich man einst nur wenige Neo-Geo-Spiele dafür bekommen hätte, würde wir da aber doch erstmal einen Test abwarten.
Fabian Käufer
Fabian war viele Jahre Redaktionsleiter bei Rocket Beans TV, wo er heute noch als Freelancer das wöchentliche Format Game Talk moderiert und redaktionell betreut. Früher war er unter anderem Redaktionsleiter bei IGN und redaktionell sowie konzeptuell an vielen Gaming-Printmagazinen beteiligt.
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